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Oberhessisches Sagenbuch Teil 96

Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873

Die Rosenblätter

Aus Schotten kam ein Bettelweib den Weg herauf nach Busenborn und sah links vom Eingang des Dorfes auf einem Acker ein großes weißes Tuch liegen und etwas darauf, was von Weitem nicht zu erkennen war. Darüber erstaunte sich die Person, weil es in den letzten Tagen des Herbstes war und man nirgends jemand dabei erblickte. Sie ging deshalb hinzu und sah auf dem Tuch lauter frische grüne Rosenblätter liegen. In den ersten Häusern, wo sie sich ein Stück Brot forderte, sprach sie von dem, was sie gesehen hatte. Die Leute eilten zu dem Platz, sahen aber weder Tuch noch Rosenblätter mehr, doch waren sie überzeugt, dass sich damit ein Schatz kund getan habe. Etliche Jahre danach, da man einen Rain des Ackers entfernte, wurden zwei Töpfe gefunden. Die waren mit lauter Weißpfennigen gefüllt.

Der Krainfelder Kirchenkelch

Eine der ältesten Kirchen auf der Ostseite des Vogelsberg ist die zu Krainfeld, welche bei ihrer Gründung dem damals noch neuen Heiligen St. Ulrich geweiht wurde. Sie besaß sehr viele kostbare kirchliche Geräte und viele Weihtümer, welche fromme Seelen gestiftet hatten. All diese Sachen wurden in Kriegszeiten, um nicht in räuberische Hände zu fallen, an einem verborgenen Platz des Feldes verscharrt, aber weil die Leute, welche den Aufenthaltsort wussten, von der Pest weggerafft wurden, gingen sie für die Kirche verloren. Nur ein Kelch ist wunderbarer Weise wieder ans Tageslicht gekommen. Das ging aber so zu: Krainfelder Männer kamen vom Freiensteinauer Markt heim, und es war Nacht. Nicht zu weit vom Dorf brannte ein helles Feuer. Als sie hinzu gingen, hing an einer Stange über dem Feuer ein großer Kessel. Einer von ihnen sah hinein, weil niemand sich dabei befand. Es glitzerte und funkelte darin, dass es ein Staat war. Nun griff ein anderer keck hinein und holte einen Abendmahlkelch heraus, das musste nach der Beschreibung der Alten einer der verloren Gegangenen sein. Wie sie nun sich holen wollten, was noch übrig war, erlosch, sie verstanden nicht wie, das Feuer. Auch der Kessel war weg und sie standen allein in der dunklen Nacht. Hätten sie den Kessel schnell von der Stütze abgehängt, so wären die alten Heiligtümer wieder sämtlich der Kirche zuteil geworden. Der gefundene Kelch aber wird noch heute bei der Austeilung des lieben Nachtmahls in der Gemeinde gebraucht.

Kröten verwandelt

Im Oberwald sind viele Orte, wo man Gold und Silber unter der Erde finden könnte. Auch ist schon dick danach gesucht worden. Drei Männer in Michelbach kannten solch eine Stelle, wo ein Schatz geblüht hatte, und beschlossen, denselben zu heben. Weil aber einer von ihnen, ein armer Flickschuster, eine dringende Abhaltung hatte, so gingen die zwei anderen allein hinauf. Doch statt Geld zu finden, krochen an dem Platz viele scheußliche Kröten umher, eine dicker und glotzäugiger als die andere. Ihr Ärger war nicht gering, zudem sie noch Säcke mitgebracht hatten, in der Hoffnung, recht viel zu finden. Da gerieten sie auf den Einfall, die Kröten in die Säcke zu raffen, so viel ihrer hineingingen, und sie dem Schuster hehlingerweise durch sein Aehrnloch ins Haus zu lassen. Danach wollten sie kommen und sich auslachen, wenn er darüber recht fudern und wettern würde. Gesagt, getan.

Am nächsten Morgen gingen sie hin und riefen durchs Fenster: »Schuster, wie gefällt dir das, was dir gestern durchs Aehrnloch beschert worden ist?«

»Über die Maßen«, antwortete der. »Geht schwinde herein, dass ich es euch zeige!«

Wie sie eintraten, führte er sie in seine Kammer. Da lag auf einem Tisch ein ganzer Haufen Goldstücke, wie man sie schöner nicht malen konnte. Das waren die Kröten gewesen, die sie mitgenommen hatten. Sie teilten nun brüderlich miteinander, wie es sich gebührt. Man sieht: Wenn etwas am unwertesten ist, ist es am wertesten. Das soll man sich merken.

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