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Ein Ostseepirat Band 1 – Louise Ulrike

Carl Schmeling
Ein Ostseepirat
Historischer Roman
Erster Band
XIX.

Louise Ulrike

Die schwedische Krone ist eine Dornenkrone, hat einer ihrer Träger gesagt, und mehr oder weniger dürfte dies Urteil wohl für die Kronen aller Länder Gültigkeit haben.

Indessen hat es wohl selten jemand mehr empfunden, wie bitter zu Zeiten Krone und Purpur werden können, als Adolph Fried­rich und Louise Ulrike von Schweden.

Der tapfere König Karl X., der kräftige Karl XI. halten jene mächtige Adelspartei, welche in Schweden stets nach der Herr­schaft rang und sich als Stütze des zweiten und dritten Standes durch Gewährung gewisser Rechte bediente, teils in Zaum ge­halten, teils in bestimmte Schranken verwiesen.

Karl XII., der noch kräftiger, noch kühner als beide war, kannte kein anderes Gesetz, als seinen — sagen wir gleich gerechten — Befehl oder Machtspruch; unter ihm waren der Kabinetts–Rat und der Senat willenlose Werkzeuge, die er nicht einmal um ih­ren Rat fragte.

Dies hatte jene stolze Aristokratie, die sich jedoch nicht einmal gerne so nennen hörte, zu unangenehm empfunden, und bis heute ist noch nicht aufgeklärt, welche Hand und in welchem Dienste die Kugel abgefeuert, welche die Schläfe des nordischen Helden traf.

Karl war damals achtunddreißig Jahre alt, und nach den ge­wöhnlichen Gesetzen der Natur, durfte bei seiner festen Ge­sundheit nicht sobald auf den Eintritt seines Todes gerechnet werden. Dessen ungeachtet rechnete eine gewisse Clique darauf, und zwar auf den Tod durch eine Kugel.

Es kann nicht in der Absicht eines Romans liegen, die Ge­schichte zu berichtigen; doch dürfte jene Meinung schwer ins Gewicht fallen, wenn man sie mit dem Umstande in Verbindung bringt, dass der noch vorhandene Hut des Königs nur ein Loch zeigt, welches höchstens eine Pistolenkugel schlagen konnte, während er doch durch eine Geschützkugel getötet worden sein soll.

Noch mehr Zweifel zu erregen ist der Umstand geeignet, dass man auf den vorausgesehenen Fall bereits die Thronfolge be­stimmt und den Thron nur unter gewissen Bedingungen fortzu­geben beschlossen hatte.

Karl hatte seinen Neffen, den Herzog von Holstein, zum Erben seiner Krone und Reiche bestimmt; Kenner des höheren Staats– Rechts haben auch später behauptet, dass ihm dies Erbe Zu­stand.

Jene Partei wollte die Schwester des Königs zur Königin erho­ben wissen, wenn sie auf die gestallten Bedingungen einging, und die Schwester Karls XII. erkaufte eine ihr vielleicht nicht gebührende, vielleicht gar mit dem Blut des Bruders absichtlich gefärbte Krone, indem sie die Macht derselben fortgab.

Seit diesem Thronwechsel befand sich die Partei der sogenann­ten Patrioten recht wonnig und wohl, ja, als sie abermals den Thron durch Wahl besetzen und Bedingungen vorschreiben konnte, geschah dies im größtmöglichen Umfang.

Adolph Friedrich blieb daher wenig Macht und Louise Ulrike, die Schwester Friedrichs II., des Großen, welche gehofft hatte, eine mächtige Fürstin zu werden, sah mit Schrecken, dass sie nichts weiter als eine Staatspuppe sein sollte.

Doch die Königin gehörte nicht umsonst dem Hause Brandenburg an, wollte nicht umsonst die Schwester eines großen Königs sein. Sie wollte die Macht der Krone auf den früheren Stand zurückführen, sie fühlte dazu die Kraft in sich.

Louise Ulrike hatte sich in dieser Hinsicht getäuscht; ja wenn auch ihr Gemahl die ihr eigene Energie besessen hätte, der ungleiche Kampf beider wäre dennoch fruchtlos geblieben, denn beide waren Fremde in Schweden, ein Umstand, der in diesem Land gerade von größerer Bedeutung ist als in jedem anderen.

Doch die Königin vergriff sich auch in den von ihr angewendeten Mitteln zur Erreichung des Zieles. Es fehlte ihr zu dem Willen die nötige Beurteilung der eigenen als auch der gegnerischen Kräfte.

Die Königin ließ sich zunächst durch den Enthusiasmus bei ihrer Vermählung und Krönung zu der Annahme verleiten, dass sie die Liebe aller Schweden gewonnen und sie nur winken dürfe, um Gehorsam zu finden.

Sie machte infolgedessen den Fehler, ihre Ansichten und Absichten unverhohlen zu zeigen, ein Fehler, wodurch sie ihre Gegner warnte und die Aufmerksamkeit derjenigen wach rief, die gegen eine Verbindung mit Preußen waren.

Anhang erhielt Louise Ulrike, doch welchen? Idealistische Schwärmer, Romanhelden, Unzufriedene und Fremde; das Letztere besonders war eine üble Sache.

Die angesponnenen und von der Königin begünstigten Intrigen führten zu keinem guten Resultat, die politischen Händel hörten nicht auf und hatten meistens ein tragisches Ende.

Dessen ungeachtet fanden sich immer neue Schwärmer, welche das Banner der Königin erhoben. Es kam bereits dazu, dass selbst das Königspaar von dem mächtigen Reichsrat unter der Hand verwarnt worden war.

Man kann sich denken, wie sehr dies die stolze Königin empörte. Und während sie ihrem Gemahl Vorwürfe machte, dass er eine solche Beleidigung und Herabwürdigung hinnehme, warf sie sich mit verdoppelter Energie auf Versuche, die Verfassung umzustoßen.

Dieselben nahmen einen höchst unglücklichen Verlauf; ein Komplott, welches wahrscheinlich nicht in seinem ganzen Umfang entdeckt, wurde durch die Unvorsichtigkeit einiger Teilnehmer verraten.

Nachdem die bezeichneten oder bekannt gewordenen Glieder desselben zum Teil erst nach hartnäckiger Gegenwehr verhaftet worden waren, begann ein Hochverratsprozess, in dem sich die Schuld von acht der festgenommenen Personen unzweifelhaft herausstellte.

Diese Zahl bildeten drei Offiziere, vier Unteroffiziere und ein Diene. Der Hervorragendste an Stellung unter diesen war ein Graf Brahe, zugleich Oberst; der Bedeutendste an Intelligenz und Kraft ein Unteroffizier Puke, früher Kapitän in holländischen Diensten, dessen Herkommen und Vaterland nicht einmal bekannt waren; also ein vollkommener Abenteurer, wonach man die Wichtigkeit des Ganzen zu beurteilen vermag.

Doch mit dem Ende dieses Prozesses wurde die Sache vom Reichsrat und Senat noch nicht als beendet betrachtet. Man wagte zu beraten, was mit der Königin geschehen solle. Einen Augenblick schwebte die hohe Dame in wirklicher Gefahr; nur wenig Stimmen überboten die Zahl der Partei, welche auch sie zur Untersuchung ziehen wollte.

Es wurde endlich der Beschluss gefasst, sie durch eine Deputation verwarnen und ermahnen zu lassen. Dieser Ermahnung und Verwarnung sollte seitens der Königin eine Anerkenntnis der ihr zuteil gewordenen Rücksicht, also Gnade, folgen, verbunden mit dem Versprechen, künftig die Gesetze des Landes zu achten und zu respektieren.

Die königliche Familie hatte seit dem Beginn des traurigen Handels Stockholm auf Weisung des Reichsrats verlassen und wurde in dem Lustschloss Drotingholm gewissermaßen bewacht.

Louise Ulrike hatte dort zugleich eine Anlage – China genannt – wo sie Tee zu trinken pflegte. Der Name des Lustortes war insofern bezeichnend, als die ganze Einrichtung nach chinesischem Gebrauch und Muster getroffen war.

Als der Königin in diesem Aufenthalt die Nachricht zuging, was der Senat betreffs ihrer beschlossen hatte, war ihr Schreck groß, fast größer jedoch noch ihr Zorn und es kostete große Mühe, sie zu bewegen, den bitteren Kelch zu leeren.

Nur dadurch, dass auf die leidenschaftlichste Erregung der so tiefgekränkten Frau, eine vollkommene geistige wie körperliche Abspannung folgte, wurde es möglich, sie zu bestimmen, die Deputation zu empfangen.

Die Ankunft derselben war auf den nächsten Tag angesetzt und erfolgte auch an diesem; sicher aber war es nicht königlich von der hohen Dame und keinesfalls konnte es die gegen sie erregten Gemüter besänftigen, dass sie die Abgeordneten sechs Stunden antichambrieren ließ.

Dieser Beweis ihrer Nichtachtung der Abgesandten des Landes konnte nur bei denselben noch mehr Erbitterung hervorrufen. Und wirklich war die Rede des Sprechers der Deputation, eines Bischofs, auch nichts anderes als eine donnernde Philippika.

Louise Ulrike, welche den Männern ihren ganzen Stolz fühlen zu lassen beabsichtigte, wurde dadurch gebrochen – vielleicht fühlte sie selbst, dass sehr viel Wahres in der Rede des ausgezeichneten Mannes lag.

Wenigstens hatte man die Rücksicht, ihr die Zugeständnisse vorzusprechen und sich mit ihrem Ja auf dieselben zu begnügen.

Als sich die Deputation entfernt, war die Königin einer Ohnmacht nahe. Durch verschiedene schnell angewendete Mittel wieder gekräftigt, erhob sie sich mit ihrem ganzen Stolz.

»Ja, diese Krone ist eine Dornenkrone«, sagte sie, »ich empfinde es jetzt.«

Mit heftigen Schritten ging sie im Gemach umher, ohne des freundlichen Zuspruchs des wirklich von ihr geliebten Gemahls zu achten; doch plötzlich wendete sie sich zu ihm.

»Schweden hatte«, sagte sie heftig, »seit Sie den Thron desselben bestiegen, keinen König – es hat jetzt auch keine Königin mehr. Ich will mich darin fügen, der Schatten einer solchen zu sein, doch …!«

Die Königin wendete sich plötzlich nach ihrem ältesten Sohn um und fuhr auf ihn zeigend fort: »Du wirst mich rächen, Gustav!«

Nach diesen Worten verließ Louise Ulrike schnell das Gemach.

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