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Ein Ostseepirat Band 1 – Ein Tropfen Balsam

Carl Schmeling
Ein Ostseepirat
Historischer Roman
Erster Band
XX.

Ein Tropfen Balsam

Es war der Königlichen Familie nach dem Besuch der Deputa­tion in Drottningholm gestattet, wieder nach Stockholm zurück­zukehren.

Doch Louise Ulrike war weit davon entfernt, an dergleichen zu denken; Stockholm war ihr verhasst geworden.

Außerdem fühlte sich die Königin zu tief verletzt, nicht durch die Rüge des Senats, sondern die Art, wie sich die Bewohner der Hauptstadt bei dieser Gelegenheit benommen hatten.

Ein glänzender Ball war dem Morgen vorangegangen, an dem die Verhaftung ihrer Anhänger erfolgte.

Diese hatten oder wenigstens der Graf Brahe hatte der Königin Versicherungen gemacht, nach denen man der Garnison sicher sei, und dass die Erhebung jeden Moment stattfinden könne. Tumult in der Stadt würde den Schlossbewohnern den Beginn, den Fortgang und den Sieg der Sache der Krone, an dem gar nicht zu zweifeln sei, verkünden.

Tumult entstand denn auch am nächsten Frühmorgen früh. Er kam von den Ausläufen her, welche die wütende Verteidigung der vier mitverschworenen Unteroffiziere in ihren verschiedenen Wohnungen veranlasste. Die Königin glaubte jedoch, es sei das Zeichen und ihre Freude; ihre Äußerungen waren es, welche sie besonders kompromittiert hatten.

Das Geschrei des Volkes war jedoch, wie sie später erfuhr, nicht für, sondern gegen sie erhoben.

Nebenbei wollte sie aber auch dem verräterischen Hofpersonal, welches jene ersteren Ausbrüche verbreitet hatte, fern bleiben. In Drottningholm brauchte sie nur die treuen Diener um sich zu dulden.

Die Königin blieb also, und wo sie war, blieb auch ihr abhängiger Gemahl und ihre Familie; doch Louise Ulrike war auch für diese einen Tag nicht zu sprechen. Fremde wollte sie nie mehr sehen, nie mehr annehmen.

Nun, in den nächsten Tagen meldeten sich dergleichen auch nicht eben viel; nur eine Person suchte am Morgen des anderen Tages um Audienz nach, wurde jedoch ohne Weiteres abgewiesen.

Am nächsten Tag erschien der Mann mit demselben Gesuch wieder, um in eben der Weise abgefertigt zu werden.

Doch der Audienzsachende schien hartnäckig zu sein, er kam am dritten, am vierten und so weiter, bis acht Tage um waren.

An diesem letzten wollte der Kammerdiener den Zudringlichen grob abweisen.

Doch kaum hatte er die ersten Worte in dieser Hinsicht gesprochen, als ihm der Mann eine schwere Hand auf seine Schulter legte und ihn mit blitzenden Augen ansah.

»Mann«, sprach er dabei, »du bist ein Verräter deiner Herrin, wenn du mich nicht augenblicklich zu derselben führst!«

Diese, von der aller sonstigen Bittsteller verschiedene Weise, um eine Audienz bei der Königin nachzusuchen, blieb nicht ohne Wirkung.

Der Kammerdiener erschrak und glaubte vielleicht zuerst, er habe es mit einem Verrückten zu tun; doch ein genauerer Blick in die Züge desselben ließ erkennen, dass dem nicht so sei.

»Wer seid Ihr denn?«, rief der Mensch noch immer nicht gefasst. »Was wollt Ihr?«

»Ich bin Kapitän eines Schiffes und will die Königin sprechen!«, antwortete der Fremde, »ich bringe Nachrichten für dieselbe von außerhalb!«

Nochmals betrachtete der Diener den Mann und entfernte sich dann.

Es dauerte lange, bis derselbe wieder erschien, doch endlich kam er mit der Aufforderung an den Mann, ihm zu folgen.

Nachrichten von außerhalb? Dies war es vielleicht, wodurch es dem Mann gelungen war, Zutritt zu erhalten und den Vorsatz der Königin zu ändern.

Das Zimmer, in welches der Diener den Fremden führte, wurde in dem Lustschloss von der königlichen Familie meistens zu ihrem Zusammensein benutzt.

Louise Ulrike saß auf einem bequemen Polsterstuhl neben ihrem Gemahl, die Kinder des hohen Paares und ein Fräulein von Knesebeck waren ebenfalls zugegen. Der Fremde blieb nach einer Verbeugung an der Tür stehen.

Louise Ulrike betrachtete den Mann aufmerksam; sie kannte ihn nicht.

»Wer sind Sie?«, fragte sie endlich.

»Mein Name dürfte Eurer Majestät nicht bekannt sein«, sagte er, einen Blick umherwerfend, »ich nenne mich Dyk und bin der Führer eines Schiffes!«

Die Königin hatte den Blick des Kapitäns verstanden.

»Liebe Knesebeck!«, sagte sie, »führen Sie die Kinder hinaus!«

Die Hofdame kam dem Befehl nach.

»Nun sprechen Sie!«, sagte die Königin.

»Majestät«, fuhr Jacobson fort, »vor Kurzem wurde mir die Ehre zuteil, mit gewissen Mitteilungen an König Friedrich …!«

»Ah … Sie …!«, rief die Königin auffahrend.

»Der Kapitän …!«, murmelte Adolph Friedrich erschreckt und flüsterte seiner Gemahlin zu: »Um Gotteswillen, bedenke …!«

Doch die Königin erhob sich stolz; eine echt königliche Regung zeigte sich in ihrer ganzen Bewegung.

»Keine Macht der Erde kann und soll mich hindern«, sagte sie, »von meinem erhabenen Bruder Nachrichten zu empfangen. Ich habe keinen Krieg mit ihm – ich habe auch seinem Volk nicht den Krieg erklärt. Was bringen Sie mir, Kapitän?«

Jacobson zog ein Etui hervor und überreichte es der Königin, die dasselbe öffnete und mehrere Briefe daraus hervornahm. Sie trat beiseite, dieselben zu lesen, der Kapitän zur Tür.

Plötzlich wendete sich die Königin schnell zu ihrem Gemahl. »Lies!«, sagte sie.

Der König kam diesem Wunsch nach, doch auf ihn machte der Inhalt des Schreibens sichtlich nicht den angenehmen Eindruck wie auf die Königin.

Adolph Friedrich trat derselben mit unverkennbarer Besorgnis im Gesicht näher. Beide sprachen längere Zeit leise, doch erkannte der Zeuge dieser Szene deutlich den spöttischen Ausdruck im Gesicht der Königin.

Es ist schwer zu sagen, ob die Königin in der Angelegenheit zwischen Preußen und Schweden recht oder unrecht handelte.

Doch es dürfte auch ebenso noch fraglich sein, ob Schweden das Recht hatte, seine Königin so zu behandeln, wie es geschehen war.

Jedenfalls war sie durch eine solche Behandlung aufs Äußerste gebracht. Außerdem konnte sie niemals den Krieg Schwedens gegen den Bruder billigen.

»Meine Macht ist zu Ende«, sagte sie endlich, zu Dyk gewendet, »direkt kann ich nicht mehr tun, als bereits geschehen ist; doch ich freue mich, dass ich auch nur so viel leisten konnte. Der Krieg zwischen Schweden und Preußen wird ein Spiel bleiben; das Blut, welches darin vergossen wird, komme über die Häupter seiner Anstifter!«

Der Kapitän verbeugte sich.

»Wann kehren Sie zurück?«, fragte die Fürstin.

»Sofort, Majestät!«, antwortete jener.

»Sagen Sie meinem Bruder, was Sie hier gesehen und erfahren haben«, sprach die Königin, »ein Mehreres wäre von meiner Seite zu gewagt. Nehmen Sie außerdem diesen Ring als ein Andenken von mir!«

Dyk empfing den Ring und entfernte sich auf einen Wink der Königin. Diese stand längere Zeit sinnend da.

»Nun wohl, Ihr Herren des Reichsrats und Senats«, sagte sie endlich, »eine Tochter Brandenburgs, die sich in Eurer Gewalt befindet, mögt Ihr tyrannisieren, doch dem Schwert Preußens dürftet Ihr nimmer gewachsen sein.«

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