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Oberhessisches Sagenbuch Teil 94

Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873

Der Schatz in Engelhausen

In dem Gräflich Laubachschen Tiergarten nach Freienseen zu, wo früher das Dorf Engelhausen gestanden hatte, liegen die Trümmer der sogenannten Pestburg. Dahin flüchteten in den unsicheren Zeiten des Dreißigjährigen Krieges die Leute der Umgegend und verbargen auch dort ihre Kostbarkeiten, von denen ein großer Teil noch unter der Erde verborgen zu sein scheint.

Einem Laubacher Mann träumte es dreimal hintereinander von einem Platz auf der Pestburg, wo ein Schatz vergraben sei, den er heben könne. Anfänglich achtete er nicht sonderlich auf den Traum, endlich aber, je mehr ihm derselbe durch den Kopf ging, beschloss er den Versuch zu wagen. In einer schönen stillen, mondhellen Nacht machte er sich auf den Weg und kam unangefochten am gewiesenen Ort an. Kaum aber hatte er sich ein wenig dort umgeschaut, so stand auch ein unheimliches kleines Graumännchen vor ihm. Der ganze Wald leuchtete blutrot, wie Feuer und Flammen. In den Ästen der Bäume erhob sich ein so schauervolles Ächzen, Rauschen und Windesheulen, zugleich in der Luft ein so Entsetzen erregendes wüstes Toben und Lärmen, als ob der wilde Jäger mit seinen Gesellen daher führe, dass er vor Angst das Hasenpanier ergriff und ohne den Schatz gehoben zu haben, schweißtriefend von dem nächtlichen Gang wieder in Laubach ankam.

Das Schloss Lißberg

In einem unterirdischen Gang des Lißberger Schlosses sind viele Kostbarkeiten aufbewahrt. Dieser Gang soll nach der Grimmelsbach führen und in einem Brunnen enden, der dort noch zu sehen ist. Vergeblich hat man schon oft versucht, dieser versunkenen Schätze sich zu bemächtigen. Einmal wäre es beinahe geglückt. Ein Maurer sollte in einem Keller etwas ausbessern und stieß auf den verschlossenen Eingang. Mutig steckte er sich seine Laterne an und tappte durch den schmalen Pfad vorwärts. Bald aber flog ihm eine Menge unheimlichen Getiers entgegen, dass ihn großer Schrecken überkam. Sein Licht wurde ihm ausgelöscht. Er fiel hin wie tot, und als er aufwachte, rieb er sich die Augen und würde das Ganze für einen Traum gehauen haben, wenn ihm nicht seine Laterne gefehlt hätte. Umsonst strebte er danach die Tür wieder zu finden, auch bis heute ist dies noch niemand geglückt. Der Teufel hält noch immer seinen Schwanz darüber.

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