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Dämonomanie im Königreich Navarra (1610)

Das 17. Jahrhundert

Dämonomanie im Königreich Navarra (1610)

1610 hatte sich in ganz Spanien das Gerücht verbreitet, dass in dem Königreich Navarra, in dem Tal von Bastan, das Hexenwesen überhandgenommen habe.

Die Inquisition von Logrogno fing an, ihre Untersuchungen einzuleiten. Fast alle Angeklagten waren aus Vera oder Zugarramurdi, Flecken, die nahe an der baskischen Grenze gelegen waren, wodurch auch die Ähnlichkeit in den Delirien mit dem Hexenwahn der Basken eine Erklärung findet, da zwischen den benachbarten Bewohnern häufiger Verkehr stattfinden musste. Delaucre und Llorente haben über diesen Prozess und die dabei abgelegten Geständnisse Bericht erstattet. Die Hexenversammlung hieß in Navarra aquelarre. Das ist ein gascognisches Wort und heißt Bockswiese, weil der Sabbat auf einer Wiese abgehalten wird und der Teufel dabei in Gestalt eines Bockes den Vorsitz führt. Wir beziehen uns für die Schilderung des Sabbats im Ganzen auf die in dem vorigen Abschnitt gegebene, doch wollen wir noch einige der einzelnen Geständnisse anführen.

Marie von Jurreteguia, die Frau des Etienne von Navalcorrea, gestand, dass sie seit ihrer Kindheit Hexe, und zwar durch ihre Tanten dazu verführt worden sei. Diese Tanten wurden eingezogen, gestanden ihre Sünde und wurden mit verbrannt. Marie erzählte, dass sie, solange sie Hexe gewesen, war niemals die Hostie deutlich habe erkennen können, was auch den übrigen Mitgliedern begegnet sei, weil eine Art Rauch ihre Augen umnebelt habe, aber sobald sie dem Pfarrer von Zugarramurdi gebeichtet hatte, sei es hell vor ihren Augen geworden. Der Übergang zum Christentum habe ihr sehr viel Verfolgungen vom Teufel zugezogen, und nur durch das Kreuz ihres Rosenkranzes und durch die Anrufung von Jesus und Maria habe sie ihre Verfolger in die Flucht schlagen können. Zuletzt verließ sie der Teufel gänzlich, gab ihr aber noch beim Abschied einige Stöße vor die Brust mit seiner linken Hand, verdarb ihr durch Hilfe der übrigen Hexen ihre Gartenfrüchte und verdarb eine Mühle ihres Schwiegervaters, deren Nutznieß sie hatte. In ihrer Kindheit sei sie von ihrer Tante immer durch kleine Löcher aus dem Haus geführt worden, während die Tür und die Fenster fest verschlossen gewesen waren.

Marie von Zuzaya wurde aus besonderer Berücksichtigung ihrer freimütigen Geständnisse zuerst erdrosselt und dann verbrannt. Sie hatte mehrere Jahre hindurch mit dem Teufel ehelichen Umgang gepflegt; auch am Tage sei er ihr erschienen. Als sie selbst einmal auf der Bockswiese zur Versammlung gewesen war, sei eine Nachbarin zu ihr gekommen, um sich ein Brot von ihr zu borgen. Da habe der Teufel ihre Gestalt angenommen und an ihrer Stelle der Nachbarin das Verlangte gegeben; sie habe vielen ihre Früchte verdorben; einen an heftiger Kolik hinsterben lassen und einmal einen Priester, der die Jagd sehr liebte, dadurch, dass sie die Gestalt eines Hasen angenommen habe, lange in der Irre umhergeführt.

Michel von Goiburu, König der Zauberer von Zugarramurdi, der als solcher den Weihkessel, ein schwarzes Gefäß von Kupfer, das mit grünem, mit Giftpulvern untermengten Krötenwasser angefüllt war, zu tragen hatte, erzählt, dass Stephanie einmal ausgerufen habe: »Jesus, wie voll ist das hier!« Und sogleich sei alles verschwunden. Ebenso unvorsichtig habe Marie Escain bei ihrer Aufnahme beim ersten Anblick des Teufels laut gesagt: »Ach, Jesus, wie hässlich ist er!« Und alles habe wieder verschwinden müssen. Ein anderes Mal sei der Teufel, als er einen heftigen Sturm erregt hatte, um sechs Schiffe zu vernichten, von den Matrosen durch den Namen Jesus und das Zeichen des Kreuzes in die Flucht geschlagen worden. Er selbst gestand, viele Kinder durch Blutaussaugen an den Geschlechtsteilen oder am Hintern oder nachdem er sie mit einer Nadel geritzt, getötet zu haben, darunter selbst das Kind seiner eigenen Schwester. Jean Goiburu, sein Bruder, und der Mann der Gracienne, der Hexenkönigin, hatte bei den Zusammenkünften auf einem Tamburin Musik gemacht und Leichname ausgescharrt, um die Knochen mit dem Teufel zusammen zu verzehren. Seine Frau Gracienne war eifersüchtig, dass der Teufel ihr die Marie Jeanne de Oria vorzog. Es gelang ihr endlich, ihn dieser abspenstig zu machen, und tötete sie während des Schlafes durch Gift. Ihre Tochter Iriarte gestand, bei dem ersten Koitus mit dem Teufel sehr viel Schmerzen ausgestanden und sehr viel Blut dabei verloren zu haben, worüber ihre Mutter sie aber getröstet habe. Jean de Sansin spielte beim Sabbat die Flöte, Martin de Vizcay war der Hüter der Kinder, Jean d’Echalaz, ein Schmied, war der Büttel. Bei der Aufnahme hatte ihm der Teufel seine Marke auf den Magen aufgedrückt. Die Stelle war empfindungslos geworden; die Inquisitoren ließen ihn mit Nadeln stechen, er fühlte aber nichts. Als er das erste Mal zum Sabbat kam, machten die Zauberer ein donnerndes Getöse. Erschreckt rief er aus: »Jesus, was ist das!« Und sogleich war das ganze Feld wüst und öde.

Dass alle diese Aussagen nur die Erzeugnisse einer verwirrten Fantasie und nicht wirkliche Erlebnisse gewesen seien, bedarf wohl keines weiteren Beweises. Die Inquisition ließ für die Exekution die Körper von fünf Angeklagten, die während der Untersuchung gestorben waren, ausgraben, fünf andere wurden lebendig verbrannt, Marie Zuzaya erst erdrosselt, achtzehn schworen ihre Sünden ab und durften Buße tun.

Am 6. und 8. November 1610 wurde in Logrogno ein außerordentliches Autodafé gehalten; weit und breit strömten Zuschauer zusammen. Die Zeremonie begann schon Nachmittag mit einer feierlichen Prozession. Voran wurde die reiche Standarte des heiligen Officium getragen, begleitet von tausend Beamten des Ordens, ein jeder mit seinem Wappenschild, dann folgte eine große Menge von Mönchen vom Orden des heiligen Dominikus, Franziskus, de la Mercy, de la Trinité und Jesuiten. Der Zug begab sich auf eine für diesen Zweck errichtete Bühne, 84 Fuß lang und ebenso breit. Man pflanzte dort ein Kreuz auf, welches, von großen Feuern beleuchtet und von Dienenden des Ordens bewacht, die ganze Nacht dort stehen blieb. Mit dem Anbruch des Tages begann die Exekution. Zuerst kamen einundzwanzig Personen, Männer und Frauen, in Bußgewändern, mit bloßem Kopf, ohne Gürtel, eine Wachskerze in der Hand. Sechs von ihnen hatten einen Strick um den Hals, als Zeichen, dass sie ausgepeitscht werden sollten (alle diese waren nicht der Zauberei angeklagt; es waren darunter einige der Blasphemie, sechs des Judentums, einer des Mohammedanismus angeklagt, ein Lutheraner usw.). Dann kamen einundzwanzig andere (darunter achtzehn mit der Kirche wieder ausgesöhnte Hexenmeister) im san benito, mit der großen bemalten Papiermütze auf dem Kopf, eine Kerze in der Hand,

einige wieder mit einem Strick um den Hals. Dann kamen fünf Bilder von Toten mit den Kästen, in welchen sich ihre Gebeine befanden, endlich noch fünf andere im san benito, mit der Mütze auf dem Kopf, bei denen die Strafe früher schon gemildert war (qui avaient été autrfois relaxées), die nun verbrannt werden sollten. Neben jedem gingen zwei Huissiers des Ordens, alles in der schönsten Ordnung; dann kamen vier Sekretäre, und endlich ein Maulesel mit einem schwarzsamtenen Koffer bepackt, welcher die verschiedenen Sentenzen einschloss. Bei der Bühne angekommen, fing man an, die Prozedur zu verlesen und überlieferte dann die Schlachtopfer. Am ersten Tag konnte man nur mit elf fertig werden, so außerordentlich waren die Verbrechen, dass man den ganzen Tag vom Morgen bis zum Abend brauchte, um sie aufzuzählen.

Am Montag darauf wurde bei den Übrigen der Hexerei Angeklagten die Exkommunikation wieder aufgehoben. So nahm der älteste Inquisitor der Marie von Jurreteguia das Gewand san benito ab. Er nehme es von ihr, sagte er, damit sie für alle als ein Beispiel der Gnade dastehe, die man gegen sie ausübe, weil sie alles offen gestanden und sich mutig gegen die späteren Anfechtungen der Dämonen gewehrt habe.

Die Inquisition in Logrogno war bei Weitem nicht so grausam gewesen, wie die Kommission im Labourd. Der Bericht über ihr Verfahren veranlasste auch eine Instruktion des Obersten Gerichtshofes des Ordens an alle Inquisitionen in den Provinzen, bei der Untersuchung gegen Hexen mit der größten Vorsicht zu verfahren. Nach dem Zeugnis von Llorente ist auch seit der Zeit kein ähnliches Autodafé mehr veranstaltet worden. Er fügt noch hinzu: »Ein anderer günstiger Erfolg dieses Befehls war, dass sich der Eifer verlor, die Anklage auf Zauberei zu erheben, dass man an den Hexengeschichten keinen Geschmack mehr fand. Die Macht der Vernunft wuchs und die Zahl der Zauberer minderte sich mit der Zahl der Toren, welche an ihre Wunder glaubten.«

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