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Slatermans Westernkurier 01/2021

Auf ein Wort, Stranger, was weißt du über den Krieg der Tongs von Weaverville?

Gold, Gold, Gold!

Dieser Ruf, der 1849 die Bevölkerung im Osten der Vereinigten Staaten von Amerika elektrisierte, war der Beginn eines der gewaltigsten Abenteuer in der Geschichte der noch jungen Nation.

Die Nachricht, dass auf der anderen Seite des Kontinents, in dem Gebiet, das man soeben erst Mexiko abgerungen hatte, die Goldnuggets nur so auf dem Boden herumlagen, schlug ein wie eine Bombe. Tausende von Menschen machten sich daraufhin auf den Weg in den Westen, Menschen, die so verschieden an Herkunft, Alter, Hautfarbe und Geschlecht waren wie die Jahreszeiten oder die Gestirne.

Zu dieser eigentümlichen Menschenmischung, die auf den Goldfeldern Kaliforniens ihr Glück suchte, gehörten auch Chinesen.

Sie waren in den vierziger Jahren vor einer Serie von Hungersnöten in Scharen aus ihrer Heimat geflüchtet. Doch trotz der vielen fremden Menschen und der neuen Umgebung, oder vielleicht gerade deshalb, hielten sie hartnäckig an ihren alten Gewohnheiten und Traditionen fest. Dazu gehörte auch das Bestreben, sich zu Tongs genannten, clanähnlichen Bruderschaften zusammenzuschließen.

Bald schon hatte jedes Goldgräberlager seinen eigenen Tong, wenn nicht gar zwei oder mehr, je nach Größe des Chinesenviertels in den jeweiligen Lagern. Diese Tongs dienten in der Hauptsache als heimatlicher Zufluchtsort, wo ein einsamer Mann Freunde oder Unterstützung bei der Unterkunfts- oder Arbeitssuche fand.

Manchmal jedoch waren sie auch ein Hort traditioneller Vorurteile, wo alter Hass neu geschürt wurde.

 

*

 

Im Sommer 1854 begannen die Bewohner der bis dahin friedlichen Chinatown von Weaverville, im Trinity County in Kalifornien gelegen, bei den Schmieden des Ortes nach altem Stil hergestellte mittelalterliche Waffen zu bestellen. Viereinhalb Meter lange Piken, anderthalb Meter lange Schwerter und riesige gegabelte Speere.

Offensichtlich bereiteten sich die beiden Tongs von Weaverville auf einen Krieg vor, warum, konnte aber niemand sagen.

Den Schmieden war es egal, für sie war es ein lohnendes Geschäft und für die Stadtbewohner ein Gesprächsstoff, der für eine willkommene Abwechslung in der Eintönigkeit ihres Tagesablaufs sorgte.

Am 15. Juli war es dann soweit.

Mit Speeren, Schwertern, Piken und geflochtenen Strohschilden bewaffnet marschierten die Streitkräfte der beiden Tongs in die östlich von Weaverville gelegene Five Cent Gulch, auf einen großen Platz zu. Begleitet wurden sie dabei von den anfeuernden Zurufen Hunderter Stadtbewohner.

Historische Quellen geben eine Zahl von beinahe zweitausend an.

In der Five Cent Gulch angelangt nahmen die Kämpfer dann unter dem Klang von Gongs, Becken und Trommeln Aufstellung.

Auf der einen Seite des Platzes einhundertfünfzig Männer mit roten Hüten, auf der anderen Seite vierhundert Männer, die Banner mit der Aufschrift Stadtgemeinschaft Kanton trugen.

Kaum war die Musik verstummt, gingen die Rothüte und die Kantoner wütend aufeinander los, stoppten, bevor sie sich mit den Waffen verletzen konnten, kehrten um und begannen das ganze Einschüchterungsspiel von vorn.

Sie machten das so lange, bis ein angetrunkener, junger Schwede, der endlich Blut sehen wollte, mit seiner Pistole mitten in die Schlachtanordnung hineinschoss.

Das löste ein wildes Hauen und Stechen aus, das zu jedermanns Erstaunen mit dem ungeordneten Rückzug der zahlenmäßig weit überlegenen Kantoner endete.

 

*

 

Nachdem die Toten und Verwundeten fortgetragen waren, erkannten die Stadtbewohner allmählich die Strategie, mit der es der kleinen Streitmacht der Rothüte gelungen war, den Sieg davonzutragen. Ihr Anführer, offensichtlich ein militärisches Naturtalent, hatte bereits vor Kampfbeginn heimlich einige der Zuschauer dazu überreden können, den Rückzug seiner Truppen zu übernehmen, sobald sie die Front der Kantoner durchbrochen hätten.

Sein Plan ging auf.

Von einem Keil der Rothüte gespalten und durch die verbündeten Zuschauer daran gehindert, ihre Reihen wieder zu schließen, flohen die Kantoner, um nicht nach und nach niedergemacht zu werden.

Zurück blieben mehrere Tote und Verwundete, unter anderem auch die Leiche des jungen Schweden, den es so nach Schlacht, Blut und Tod gelüstet hatte.

Am nächsten Tag begruben die Chinesen ihre Toten.

Die Ursache der Auseinandersetzung behielten die Tongs für sich. Sie war aber offensichtlich beigelegt, denn es kam nie wieder zu einem Kampf. Heute glaubt man zu wissen, dass dieser kurze und unglückliche Krieg der Tongs von Weaverville seine Ursache in der Rivalität zweier Bergbauunternehmen hatte, die von Chinesen kontrolliert wurden.

In der Five Cent Gulch steht noch heute ein Denkmal, das an eine heroische Schlacht mit sechsundzwanzig Toten und unzähligen Verletzten erinnert.

Aber wie immer ist die Wahrheit um Längen unspektakulärer als die Legende.

So auch in diesem Fall, der eigentliche Kampf dauerte keine zehn Minuten und es gab trotz beinahe dreitausend Beteiligten, Zuschauer wie auch Kämpfer der Tongs, lediglich acht Tote und sechs Verletzte.

In diesem Sinne

Euer Slaterman

Quellenhinweis:

• Der Goldrausch von William Weber Jonson, 1979 erschienen bei Time Life International in der Buchreihe Wilder Westen.
Redaktionsleitung der deutschen Ausgabe oblag Hans Heinrich Wellmann, die Übersetzung aus dem Englischen Wiebke Schmalz.

https://feraljundi.com/history-the-1854-tong-war-california/

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