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Deutsche Märchen und Sagen 96

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

118. Des toten Wucherers Speise

Ein Ritter starb und setzte seinen Sohn zum Erben all seiner durch Wucher und Betrug gewonnenen Güter ein. In einer Nacht hörte ein Diener des Hauses plötzlich stark an das Tor klopfen. Er lief schnell hinzu und fragte: »Wer klopft da?«

Darauf antwortete ihm eine Stimme: »Lass mich herein, denn ich bin der Hausherr.«

Das wunderte den Diener. Er bückte sich und sah durch eine Ritze unter der Schwelle, erkannte auch den verstorbenen Herrn, wollte ihn aber nicht einlassen, sondern sprach: »Mein Herr ist gestorben und ich lasse Euch nicht ein.«

Als der Geist nach mehrmals noch wiederholtem Klopfen sah, dass alles nicht nütze, sagte er endlich: »Dann bring diese Fische, welche mir nun zur Speise dienen, deinem Herrn. Ich hänge sie hier an der Tür auf.«

Am Morgen aber, als der Diener die Tür öffnete, fand er dort ein großes Bund Kröten und Schlangen.

119. Wie es mit der Seele des Landgrafen Ludwig erging

Landgraf Ludwig war ein überaus großer Tyrann.

Als er im Sterben lag, sprach er zu seinen Freunden: »Wenn ich tot sein werde, dann zieht mir eine Zisterzienser-Mönchkutte an, nehmt Euch aber in Acht, dass Ihr es nicht eher tut!«

Wie er gewollt hatte, so geschah es. Als nun ein Ritter ihn in der Mönchkutte liegen sah, spottete dieser und sprach zu anderen Rittern: »Wahrlich, er gleicht meinem Herrn in keiner Tugend. Als er noch Ritter war, da hatte er nicht seinesgleichen in ritterlichen Dingen, nun er Mönch geworden ist, folgt er seinen Regeln so genau. Seht nur, wie er ein so tiefes Schweigen beobachtet, er spricht ja nicht ein einzig Wort.«

Als Ludwigs Seele aber ihren Körper verlassen hatte, wurde sie dem Fürsten der Teufel übergeben. Der saß über einem tiefen Brunnen, hielt einen Becher in der Hand und begrüßte den Landgrafen mit diesen Worten: »Willkommen sei unser viel geliebter Freund! Zeigt ihm doch unsere Speisekammern, unsere Vorratskammern und unsere Keller, dann bringt ihn wieder hierher.«

Da wurde Herr Ludwig an die Orte der Strafe geführt, wo nichts war als Heulen, Weinen und Zähneknirschen. Als man ihn zurückbrachte, redete der Höllenherr ihn an: »Nun trinke, Freund, aus meinem Becher!«

Der Landgraf sträubte sich, aber das half ihm nichts. Er musste trinken und zugleich schlugen ihm helle Schwefelflammen aus den Augen und der Nase.

Danach sprach der Fürst der Teufel: »Nun musst du dir meinen Pütz einmal beschauen, dessen Tiefe bodenlos ist.«

Da stürzte man ihn in den Brunnen und schloss den Deckel wieder darauf. Später hatte ein Geistlicher ihn in diesem Pütz gesehen.

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