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Jim Buffalo – Band 4

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Das Versprechen der Gesetzlosen – Kapitel 9

Das Versprechen der Gesetzlosen
oder Der Überfall auf das alte Militärgefängnis
Kapitel 9

Eine verzweifelte List

Trotz der Tatsache, dass der Mann, der diese Worte sprach, ein höchst grausamer Verbrecher war, der nicht gezögert hatte, das Leben eines Mannes oder einer Frau zu beenden, wenn dies die Rettung seines eigenen Lebens bedeutete, war es beeindruckend, dass er sich weigerte, seinem toten Kumpel sein Versprechen abzuschwören. Bei allem Respekt für seine Haltung, egal wie pervers sie auch war, unternahm das Mädchen keinen weiteren Versuch, ihn von seinem Vorhaben abzubringen.

Tatsächlich hätte sie keine Gelegenheit finden können, selbst wenn sie den Versuch hätte unternehmen wollen.

Als die Pferde sie den Weg hinauftrugen, konnten die Outlaws und ihre Gefangenen einen besseren Blick auf die umliegenden Hügel werfen. Sie waren erstaunt über das, was sie sahen.

Die Felsen schienen zu leben, mit einer Vielzahl sich bewegender Lichter, die den Bergen, die in ihren Umrissen riesig waren, das Aussehen von seltsamen Monstern mit unzähligen glühenden Augen gaben.

Schweigend betrachtete Rogers das Spektakel.

Während er zuschaute, stieß plötzlich eine große halbkreisförmige Flammenwand in die Höhe.

»Beim Blut des alten Barney! Heute Nacht wird es heiße Arbeit geben«, knurrte der Outlaw. »Ich hatte damit gerechnet, dass die Kopfgeldjäger für die Nacht ins Lager gehen würden, und stattdessen suchen sie mit Feuer und Fackeln!«

Wenn die Aktivität der Truppe Rogers und seine Kumpane beunruhigte, hob sie die Stimmung der Pfadfinder auf die höchste Stufe der Jubel- und Begeisterungsstürme.

Weder Jennings noch Scotty wussten genau, wo sich das alte Militärgefängnis befand, aber der Flammenhalbkreis war so riesig, dass sie glaubten, es sei unmöglich für Rogers, ihn zu erreichen. Sein nächster Schritt machte ihren Glauben zur Gewissheit.

»Ihr bleibt alle hier«, rief er aus. »Ich gehe auf Erkundungstour.«

»Bitte nicht, Red«, flehte das Mädchen.

»Aber ich muss, Rose. Wenn es möglich ist, müssen wir zum Militärgefängnis durchkommen. Das Feuer der Fackeln ist so trügerisch, dass ich nicht sagen kann, ob der Weg versperrt ist oder nicht, wenn ich nicht näher herankomme.«

Ohne dem Mädchen die Gelegenheit zu geben, weiter zu protestieren, verschwand der Outlaw in der Dunkelheit.

Doch kaum kam es der ängstlichen Gruppe vor, dass er sie tatsächlich verlassen hatte, tauchte er wieder auf.

»Schnell! Verbindet den Gefangenen die Augen!«, befahl er. »Wir können nicht zum alten Militärgefängnis gelangen. Die Feuerwand verläuft deutlich um die Felsen herum. Als ich hinunter auf die Felsen blickte, erschien gerade eine Reihe von Lichtern an dem Berg, auf dem wir uns gerade befinden.«

»Wo willst du hin? Zurück?«, fragte Rose, wobei der einzige Hinweis auf die Verzweiflung ihrer Situation in der Nervosität ihrer Stimme lag.

 

 

»Mach mir keine Szene«, warnte Rogers. »Wir gehen zur Atmenden Grotte. Das ist unsere einzige Chance. Es wird für uns alle anstrengend werden. Steig ab und lauf, Pedro. Wir können die Zeit besser nutzen und den Pferden mehr Freiheiten zukommen lassen.«

Sofort wurden die Anweisungen des Banditen befolgt und mit dem Aufbruch zur Atmenden Grotte begonnen, um sich zumindest vorübergehend in Sicherheit wiegen zu können.

Verrückt zu glauben, sie seien machtlos, den Aufenthaltsort von Red Rogers offenzulegen, zerbrachen sich die Scouts den Kopf über irgendein Mittel, mit dem sie dies bewerkstelligen könnten. Sie wussten, dass jeder Mann, der eine Waffe tragen konnte, sich an der Suche nach den Gesetzlosen beteiligen würde.

 

*

 

Der Oberst befahl vierhundert der fünfhundert im Fort verbliebenen Soldaten, zum Ort des Geschehens zu reiten, und er selbst setzte sich an ihre Spitze.

Der Oberst war sich des Einfallsreichtums ihres Beutezuges bewusst und hatte den Plan geschmiedet, einen großen Halbkreis aus Feuer zu legen, um die Flüchtlinge daran zu hindern, in den Norden oder Westen zu gelangen. Der Osten brauchte nicht abgeriegelt werden, denn es lag auf der Hand, dass der Gesetzlose nicht auf den Ebenen herauskommen würde, wo die Gefangennahme sicher war. Nur der Süden – die Richtung, aus der die Bürgermiliz heranrücken sollte – würde im Unklaren bleiben, da es unter ihnen keine gab, die die heliographischen Signale lesen konnten. Aber der Oberst hoffte, dass sich der Kreis durch die Feuer seiner Truppen und die Bestimmung ihrer Ziele schließen würde.

Foxʼ Männer wurden aufgrund ihrer Lage vor Ort in den Westen beordert, zusammen mit denjenigen der mittleren Kolonnen, die rechtzeitig dorthin gelangen konnten, während die Männer aus dem Fort die nördliche Stellung einnehmen sollten.

Weder sie selbst noch ihre Reittiere schonend, ritten die Soldaten vorwärts. Der Abschuss von Signalraketen, den Rogers gesehen hatte, war die Nachricht, dass die Männer in Position seien, gefolgt von dem Signal, die Feuerwand erreicht zu haben. Für Rogers und das Mädchen schien es, als müssten die mit Fackeln ausgestatteten Soldaten Flügel haben, so schnell rückten sie vor. Schon bald wurden die Stimmen der Jäger, die sich aus der Richtung des Aussichtsplateaus näherten, hörbar, als sie sich gegenseitig Mut zuschrien.

Der Kurs, dem der Geächtete und seine Begleiter folgten, war praktisch nach Südwesten gerichtet.

»Können wir es schaffen?«, flüsterte Rose, als die Rufe immer deutlicher wurden.

»Wir müssen es schaffen«, erwiderte Rogers.

»Sprich nicht so. Sag mir die Wahrheit«, flehte das Mädchen.

»In fünfzehn Minuten wirst du die Geschichte kennen, Rose. Behalte Pedro im Auge. Lass ihn nicht zurückbleiben.«

In einer qualvollen Ungewissheit wandte das Mädchen den Kopf den Jägern zu, während sie den Banditen, der die Gefangenen anführte, im Flüsterton ermutigte und ermahnte.

Immer näher und näher kamen die Gefangenen dem von dem berüchtigten Outlaw ausgewählten Zufluchtsort heran. Aber umsonst? Zu ihrer Hilflosigkeit kam das Unmögliche hinzu, auch nur zu sehen, wie nah ihre Kameraden bereits waren.

Als im Fort und bei den drei mittleren Kolonnen das Heliografensignal empfangen worden war, dass Leutnant Fox und seine Männer nicht nur die Spur des Gesetzlosen aufgenommen hatten, sondern tatsächlich nahe genug herangekommen waren, um auf ihn schießen zu können, herrschte große Aufregung und Jubel unter den Soldaten in den Sätteln und den Männern, die im Fort als Wache zurückgelassen wurden.

Was der Oberst und die zivilen Behörden befürchtet hatten, dass es Wochen, vielleicht Monate dauern könnte, war in weniger als achtundvierzig Stunden erreicht worden, und ihre Freude war entsprechend groß.

Sofort wurden die Deputy Marshals und Sheriffs per Telegraf über den Aufenthaltsort der Flüchtlinge informiert.

»Ich glaube, wir sind in Sicherheit, Rose«, flüsterte Rogers endlich. »Wir haben weniger als hundert Yards noch vor uns.«

»Gott sei Dank!«, erwiderte das Mädchen.

Aber ihr Jubel war verfrüht!

Kaum waren die Worte durch den Gesetzlosen ausgesprochen, nahm er die Umrisse eines Mannes, der vor ihnen lief, wahr.

Rogers unterdrückte einen Fluch und forderte Rose auf, anzuhalten und abzusteigen. Dann ging er in der Hocke und setzte zu einem Sprung auf die sich bewegende Gestalt an.

Dabei trat Red mit einem Fuß auf einen Kieselstein.

Obwohl der Gesetzlose es geschafft hatte, sein Vordringen im Schatten des Gestrüpps und der Felsen, die den Weg säumten, zu verbergen, blieb der Mann stehen.

»Wer da? Freund oder Feind?«, keuchte er.

»Freund«, erwiderte der Gesetzlose und ging kühn vorwärts.

Erleichtert über den Gedanken, dass er einem anderen Kopfgeldjäger über den Weg gelaufen war, rief der andere aus: »Ich bin froh, dass du hier bist. Ich höre schon seit einigen Minuten Hufschläge auf diesem Weg. Ich glaube, keinem anderen als Red und mir ist die Atmende Grotte bekannt. Also nehme ich an, dass er es ist. Wenn wir uns auf beiden Seiten des Pfades aufstellen, sollten wir ihn und Pedro erwischen.

»Wir werden Pedro erschießen. Aber wir werden die zehntausend Dollar Belohnung nicht bekommen, wenn wir Red nicht lebendig erwischen. Ich habe Sheriff Black heute gefragt. Als ich das herausfand und hörte, wo sich Red aufhält und welche Pläne die Soldaten schmiedeten, um ihm den Weg zum alten Militärgefängnis abzuschneiden, machte ich mich auf den Weg zur Höhle. Ich bin …«

Aber der Bursche konnte seinen Satz nicht beenden.

Mit einem schockierenden Fluch packte ihn der schreckliche Gesetzlose an der Kehle und schüttelte ihn wie ein Terrier eine Ratte.

»Du würdest mich für eine Belohnung verraten, nicht wahr, Faro Pete?«, zischte er.

Einen Augenblick wartete Rogers, bis der Schauer, der durch den Körper seines Gefangenen lief, ihm sagte, dass der Bursche ihn erkannt hatte. Dann hob er seinen Pistolengriff an und schlug ihn mit ungeheurer Wucht auf die Rübe des vermutlichen Verräters.

Es war jedoch kostbare Zeit verloren gegangen, als er Faro Pete zuhörte – Zeit, die Red nur deshalb verschwendet hatte, weil er alles über die Pläne der Kopfgeldjäger und die Belohnung erfahren wollte, was er konnte. Kaum hatte er diese Informationen erhalten, beendete er das Leben seines ehemaligen Kumpels. Als er die Leiche neben dem Pfad abgelegt hatte, eilte der Gesetzlose zu seinen Gefährten zurück.

»Ich glaube, da drüben, nördlich von uns, ist jemand«, flüsterte Pedro, als sein Kumpan sich ihm wieder anschloss.

Von allen Seiten bedrängt, befanden sich Rogers und seine Gefährten in der Tat in einer verzweifelten Situation. Eine falsche Bewegung und ihr Schicksal wäre besiegelt.

Einen Moment lang grübelte der Outlaw.

»Schnell, Rose! Nimm dieses Messer und schneide die Riemen durch, mit denen die Scouts an die Pferde gebunden sind. Pedro, nimm den kleineren. Würge ihn, damit er still ist. Wenn ich das Kommando gebe, rennst du mit ihm zur Grotte. Ich trage den anderen.«

»Rose, wenn ich Jetzt! sage, wende die Pferde und jage sie den Pfad hinunter!«

Diese Anweisungen wurden mit so wenig Lärm wie möglich geäußert. Dennoch wurden sie belauscht.

»Hier sind sie! Hier sind sie! Kommt her!«, riefen vier oder fünf Stimmen aus der Richtung, von der Pedro gesagt hatte, er habe verdächtige Geräusche gehört.

Unter dem Knacken der Büsche und dem Knirschen der Steine, als die Jäger vorrückten, flüsterte Rogers: »Jetzt!«

Verzweifelt stieß Rose mit dem Messer, das der Gesetzlose ihr gegeben hatte, auf die Pferde ein.

Vor Schmerz und Angst schnaubend stürzten die Tiere den Weg hinunter, wobei ihre Hufschläge auf die Felsen laut und deutlich zu hören waren.

»Passt auf!«

»Den Pfad hinunter!«

»Sie sind beritten!«

»Erschießt sie!«

»Lasst sie nicht entkommen!«

In einem Stimmengewirr wurden diese Warnungen und Befehle gebrüllt.

»In die Hocke!«, flüsterte Rogers. »Wenn sie schießen, laufen wir zur Grotte. Wenn sie nicht schießen, werden wir …«

Peng! Eine Salve krachte. Dann noch eine und noch eine.

Mit aller Schnelligkeit eilten die Soldaten den Berghang hinauf, während die Rufe der mit Fackeln wedelnden Jäger, die zu weit weg waren, um an der Verfolgung teilzunehmen, in den Bergen widerhallten.

Unter dem Deckmantel der Verwirrung erreichten Red Rogers und seine Kameraden den Eingang zur Atmenden Grotte.

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