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Abenteuer und Wanderungen der sieben Schwaben Teil 6

Abenteuer und Wanderungen der sieben Schwaben
als des Blitz-, Spiegel-, Nestel-, Knöpfle-Schwab, Seehaases, Gelbfüßler und Allgäuer.

George Jaquet’s Verlagsbuchhandlung. Augsburg, 1855.

Der allzeit sauft und allzeit schlemmt,
behalt zuletzt nicht ein gutes Hemd!

Abenteuer von den sieben Schwaben

In der Gegend von Schwabeck begegnete ihnen ein wunderschönes Bauernmädle. »Das ischt by Gott ine tolle weche Föhl1!«, rief der Allgäuer, »und ich möchte sie gleich zu meiner Allerörgschten2 han. Aber sie müsste aus dem Allgäu syn!«

Dem Blitzschwaben aber gefiel sie so gut, dass er sich mit dem Fazinetle den Mund abwischen musste. Er ging auf sie zu, die ihn mit der Frage empfing: »Was hender, was wender?3«

Darauf entspann sich folgendes Gespräch zwischen den beiden:

Er: »Mädele, wo seid Ihr her und wie heißt Ihr, Herzkäferle?«

Sie: »Heiße Käther, bin aus der Herrschaft Schwabeck.«

Er: »Möchtest nicht mein Weible werden, schön’s Kätherle?«

Sie: »Ja, wenn die Mannsleut einmal so fäsig4 sind wie die Pfeffernüssle.«

Er: »So gib mir ein Schmätzle als Dʼraugeld, du Skapulierläusle!«

Sie: »A Fludere könnt ihr hau(n)5 und mir auf Kirchweih kumme.«

Zugleich machte die schöne Käther eine Handbewegung auf einen gewissen wohlgepolsterten Teil des Körpers, ohne welchen der Mensch schwerlich würde sitzen können.

Der Blitzschwab verstand die Handbewegung nicht und freute sich sehr, auf die Kirchweihe nach Schwabeck zu kommen zu seinem Schatzhouserle, der schönen Käther, die im Fortgehen noch einmal umlugte und »nix für ungut“ sagte.

Es war aber dieses Kätherle wirklich sehr schön, wie alle Schwabenmädchen sind, die Wüsten ausgenommen.

 

*

 

In der Gegend von Mindelheim, welches sie abseits ließen, um nicht die Bürgerschaft zu erschrecken, deren Stadt einst ein einzelner Reiter erobert hatte, begegnete ihnen ein Bayer, dem sie es sogleich am Häs6 ansahen, dass er ein Bräuer aus München sei. Er hatte Schweine ins Reich getrieben, in Memmingen gekauft und befand sich auf dem Heimweg, als ihm die sieben begegneten, welche er staunend betrachtete und gute Lust hatte, auszulachen.

Der Blitzschwab fragte ihn, warum er so luge und ob er noch nie einen Schwaben gesehen habe?

»O ja!«, entgegnete der Brauer, »in meiner Kuchel zu Haus krabbeln sie hundertweise herum.«

»Potz Blitz, Malefiz!«, rief der Blitzschwabe, welcher jenem kümmerlich an den Nabel reichte, sprang an ihm hinauf und versetzte ihm eine so verwetterte Fludere, dass ihm die Ohren sausten und das Feuer aus den Augen schoss.

Dem Brauer war zwar im Kopf so trümslig, als hätte er 21 Maß Heiligenvaterbier oder Bock auf einen Sitz getrunken, aber er holte mit seiner maischgeübten Hand zu einer solchen altbayerischen Hausdätschen aus, dass ihm das Schwäblein sicher an den Fingern kleben geblieben wäre, wenn es nicht eben so geschwind wieder auf dem Boden gewesen wäre, wie in der Luft. So schlug jeder in den Wind hinein, dass er sich wie ein Teller umdrehte und zu Boden fiel. Nun ging es über ihn her! Der Blitzschwab packte ihn an der Gurgel, die anderen hielten ihn bei Händen und Füßen und trommelten auf ihm herum.

Er wäre ihrer aber doch Meister geworden und hätte sie gleich Pfulben emporgeschupft, wenn nicht auch der Allgäuer wie ein Maltersack auf ihn gestürzt wäre und gedroht hätte, ihm das Lebenslicht auszublasen, so er nicht Augenblicks Fried gäbe. Der Bayer musste es wohl tun, und so ließen sie ihn gehen.

Als der Bräuer nach München und in sein Haus am Anger zurückgekommen war, ließ er zum Andenken des Ereignisses die sieben Schwaben an selbes malen, wo sie bis auf unsere Tage zu sehen waren.

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Show 6 footnotes

  1. Ein schönes aufgeputztes Mädchen
  2. Geliebten
  3. Was habt, was wollt ihr?
  4. rar
  5. Eine Ohrfeige könnt Ihr haben.
  6. Gewand

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