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Nick Carter – Band 1

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Nick Carter – Carruthers, der Verbrecherkönig – Kapitel 10

Nick Carter
Carruthers, der Verbrecherkönig
oder: Lebendig begraben
Kapitel 10

Zur Strecke gebracht

Wie schon früher sein Bruder Livingstone, so war es auch bei Morris Carruthers zur stehenden Redensart geworden, dass ihn nichts auf Erden um seine Fassung und Geistesgegenwart zu bringen vermochte.

Und doch verlor er in diesem Augenblick beides.

Er wagte seinen Sinnen nicht zu trauen. Da stand Nick Carter, in jeder Hand einen Revolver. Der eine war auf Carruthers gerichtet, während der Detektiv mit dem anderen den an allen Gliedern zitternden Meadows in Schach hielt.

Carruthers wankte einen Schritt zurück. Seine Zähne schlugen wie im Fieber aufeinander.

Mag sein, dass ihn schon die bloße Erscheinung des Totgeglaubten schreckte und er dessen Geist vor sich zu erblicken wähnte, obwohl es so ziemlich der schmutzigste und zerlumpteste Geist war, den man sich denken konnte, denn der Aufenthalt unter der Erde und die schauerliche Grabarbeit hatten Nick ganz entsetzlich zugerichtet. Er war kaum zum Wiedererkennen.

Nur die Augen waren die alten geblieben, und aus ihnen blitzte eine solche unbeugsame Energie, dass Morris Carruthers, der Mann, welcher das Fürchten nie gelernt zu haben behauptete, mit schlotternden Gliedern dastand und vergeblich nach Fassung rang.

So gewaltig aber auch sein Entsetzen war, so bedurfte er dennoch nur kurze Zeit, um sich zu seiner vollen Geistesgegenwart zurückzufinden.

»Alle guten Geister!«, rief er, seine Stimme zur Festigkeit zwingend. »Es ist Carter – es ist wirklich Carter!« Dabei klang seine Stimme nicht anders, als handelte es sich um das zufällige Begegnen eines lange nicht mehr gesehenen guten Bekannten auf der Straße. »Carter, mein lieber Junge, wie geht es Ihnen?«

»Schlecht!«, erwiderte der Gefragte lakonisch.

»Oh, das tut mir außerordentlich leid!«, beteuerte Carruthers. Wie um Zeit zu gewinnen, fuhr er im Plauderton fort, während der neben ihm stehende Meadows nur kläglich zu stöhnen vermochte: »Wirklich, Carter, sie sehen originell aus! Ist das jetzt die neueste Mode? An den Knien sind ihre Hosen etwas zu offenherzig – und Sie tragen ziemlich viel Erde und Kalk mit sich herum. Gewaschen haben Sie sich wohl auch lange nicht mehr? Und blutrünstig sehen Sie aus! Ich bin untröstlich, Carter. Ich habe mir doch solche Mühe gegeben, Sie möglichst komfortabel unterzubringen!«

»Lassen Sie das, Carruthers, die Zeit zum Scherzen ist vorüber!«, unterbrach ihn Nick Carter, der nicht die geringste seiner Bewegungen außer Acht gelassen hatte, scharf. »Heben Sie die Hände hoch über den Kopf – augenblicklich, oder ich schieße Sie nieder – und Sie ebenfalls, Isaak Meadows.«

Beide gehorchten augenblicklich. Die Stimme und die Haltung ihres Gegners kündeten ihnen deutlich genug an, dass dieser sie unbedenklich über den Haufen schießen würde, wagten sie auch nur den geringsten Widerstand.

»Ich muss gestehen, Carter«, brummte Carruthers, als er nun mit hoch über dem Kopf erhobenen Händen dastand, »das ist so ziemlich die allerunbequemste Lage, die ich mir denken kann!«

Nick lachte grimmig.

»Wagt die Hände nur um einen Zoll niedriger zu halten, dann mache ich es Euch Schurken noch um vieles unbehaglicher!«, stieß er zwischen den zusammengebissenen Zähnen hervor. »Gesindel, Ihr dachtet wohl, Ihr hättet mich lebendig begraben, zusammen mit der Leiche des armen Paul Lafont, den Ihr auf so hinterlistige Weise ermordet habt!«

»Wirklich, Carter, das glaubte ich. Entschuldigen Sie nur, dass ich ein solcher Stümper war!«, entgegnete Carruthers spöttisch, obwohl es ihm sicherlich nicht zum Lachen war; doch er wollte sich auch in seiner gegenwärtigen hoffnungslosen Lage nicht werfen lassen. »Schade, ich hätte unten im Keller auf Sie warten müssen – dann hätte ich den Revolver zur Hand gehabt und nicht Sie. Ich wäre jedenfalls auch höflicher gewesen und hätte Sie nicht lange in solch unbequemer Lage stehen lassen. Noch nicht einen Augenblick, denn wie wären sofort tot gewesen, wie der gute Lafont.«

»Nun, wie sie sehen, Carruthers, bin ich lebendig und gedenke es bis auf Weiteres auch zu bleiben!«, bemerkte Nick Carter trocken.

»Das merke ich zu meinem Leidwesen. Sie können es mir glauben, Carter, es tut mir schrecklich leid, denn wenn ich einem Menschen die Himmelsfreuden gönnte, so sind Sie es!« Er lachte laut auf. »Auf welche Weise kamen Sie denn aus dem Ihnen so unangenehmen Loch?«

»Ich grub mich heraus!«

»Wirklich? Wie erstaunlich!«

»Der Tunnel war recht niedlich zugeschüttet!«, höhnte Nick Carter seinerseits. »Sie hätten indessen schon früher zu Werke gehen sollen, denn die Erde war noch zu locker.«

»Da haben Sie recht, Carter, man soll sich doch nie eine Sache bequem machen. Ich wollte erst Zement dazwischen mischen, der wäre jetzt schon steinhart gewesen, und Sie hätten in einem Monat nicht durchkommen können. Na, wer weiß, wozu es gut ist. Ein andermal mache ich meine Sache besser. Verlassen Sie sich darauf, Carter!«

»Stillgestanden!«, unterbrach ihn Nick drohend. »Noch eine solche Bemerkung, Carruthers, und es ist Ihr Tod … ich bin nicht zum Scherzen aufgelegt und weiß recht gut, was Sie mit Ihrem blöden Geplauder beabsichtigen. Doch Sie lenken meine Aufmerksamkeit deshalb doch nicht ab, verstanden?«

»By Jove, ich habe es verstanden. Sie sprechen herzerquickend deutlich, Nick Carter!«

»Well, ich sollte es meinen. Diesmal habe ich die Oberhand.«

»Das mag stimmen, Carter, besonders wenn Sie mit den Revolvern da ebenso gut schießen wie heute Nacht …«

»Verlassen Sie sich darauf!«, versetzte Nick kurz und rief den anderen an: »Hallo, Meadows!«

»Ja, was soll es?«, gab Meadows knurrig zurück.

»Haben Sie eine Schusswaffe in der Tasche?«

»Zwei sogar, wenn Sie es durchaus wissen wollen. Könnte ich danach greifen, ich wollte Ihnen etwas anderes zeigen, als hier die Hände in die Höhe halten zu müssen!«

»Das glaube ich aus. In welchen Taschen stecken die Pistolen?«

»Eine in der rechten Hüftentasche, die anderen in der inneren Westentasche.«

»Well, lehnen Sie sich zu mir herüber.«

»Warum das?«

»Still, Mann, keine Fragen gestellt, sondern nur gehorcht. Ich will Sie entwaffnen. Wagen Sie nicht, die Hände sinken zu lassen. Beim ersten Versuch jage ich Ihnen bestimmt eine Kugel durch den Schädel!«

Einen Augenblick später hatte Nick Carter den einen Revolver an sich genommen. Kaltblütig knöpfte er dem Expräsidenten die Weste auf, ohne indessen dabei ihn oder Carruthers aus den Augen zu verlieren. Gleich darauf hatte er schon die zweite Waffe ergriffen. »Pff, Carruthers, keine Bewegung!«, warnte er wieder mit erhobener Stimme. »Es handelt sich ums Leben, Sie können sich darauf verlassen!«

Das genügte, um den Hünen zur vorherigen Unbeweglichkeit zurückzubringen. Er war davon überzeugt, dass er auch nur die geringste verdächtige Bewegung mit dem Leben hätte büßen müssen.

»Well, Meadows«, wendete Nick sich wieder an diesen, den er mit dem Rücken gegen sich gestellt hatte; in derselben Lage also, welche auch Morris Carruthers nun einnahm.

Er hatte in die Taschen gegriffen und dieser ein Paar Handschellen entnommen, welche er dem Expräsidenten nun über die Schulter reichte.

»Kennen Sie diese Dinger?«

»Ob er sie kennt!«, sprach Carruthers, laut auflachend. »Ich meine, es sind schon seit Langem alte Bekannte von ihm!«

»Nehmen Sie dieselben in die Hand, Meadows«, befahl Nick Carter, ohne den Zwischenruf Carruthers irgendwelche Beachtung zu schenken.

»Sie sehen, die Fesseln sind offen. Beugen Sie sich nach vorn und befestigen Sie diese niedlichen Binder um Ihre Fußknöchel. So, nun schließen Sie sie, damit die Füße gefesselt sind. Doch glauben Sie durchaus nicht, mich betrügen zu können. Ich höre am Knacken, ob Sie meinen Befehl befolgt haben oder nicht!«

»Verdammt will ich sein, wenn ich es tue!«, zischte Meadows störrisch.

»Tun Sie es nicht sofort, versetze ich Ihnen mit dem Pistolenlauf einen Schlag auf den Kopf, der Sie besinnungslos niederstreckt. Dann tue ich es selbst später, wenn ich mit Carruthers fertig bin. Bei drei schlag ich unbedingt zu! Also eins, zwei …«

Doch da beugte sich Meadows auch schon gehorsam zur Erde nieder. Er ließ den einen Ring einschnappen. Dann, als Nick wieder befahl, knackte auch das andere Spangenende der kaum einen Fuß weiten Fessel.

»So, nun dürften Sie keine großen Sprünge mehr machen, Meadows!«, versetzte Nick spöttisch. »Nun die Hände auf den Rücken und die Handgelenke ganz dicht nebeneinander!«, befahl er, indem er ein anderes Paar Stahlfesseln hervorzog. »Ich kann die Schellen mit einer Hand anlegen, während ich mit der Rechten Carruthers in Schach halte. Nur unbesorgt, Carruthers, und wieder hoch mit der Hand. Ich sehe alles! Recht so, Meadows«, lobte er diesen. »Noch etwas näher zusammen. So – sehen Sie, da knackt es auch schon!«

Im gleichen Moment versetzte er dem Gefesselten auch schon von rückwärts einen Fußtritt, welcher Meadows hilflos auf die Diele niederschleuderte.

Rasend vor Wut begann der an Händen und Füßen Gefesselte, der sich aus eigenem Zutun gar nicht wieder zu erheben vermochte, aufs Lästerlichste zu fluchen. Doch Nick Carter schenkte ihm keinerlei Beachtung, sondern trat sofort hinter Carruthers.

»Ruhig gestanden!« Nick Carter befahl dies in einem Ton, der jeden Widerspruch von vornherein ausschloss. »Bei der geringsten Bewegung schlage ich Sie nieder. Bewusstlose sind bekanntlich bedeutend leichter zu fesseln.«

»Ich trage dennoch durchaus kein Verlangen, denn ich bin kein Freund von Kopfschmerzen!«

»Dann gehorchen Sie und erfüllen Sie pünktlich, was ich Ihnen auftrage!«, lautete die schroff gegebene Antwort des Detektivs.

»Selbstverständlich, mein Lieber; mir bleibt ja nichts anderes übrig!«

»Dann voran, Carruthers!«, entschied Nick, der ein drittes Paar Schellen in den Händen hatte. »Schwingen Sie die linke Hand in weitem Bogen nach unten, sodass ich Ihre Hand immer im Auge behalte. Sobald ich sie nicht sehe, nehme ich an, dass Sie nach einer Waffe greifen, und im selben Moment schieße ich. Recht so. Nun auch die rechte Hand. Genau wie ich sage. Well, es hilft Ihnen nichts. Die Handgelenke zusammen. All right!«, versetzte er, als sich die Handfessel mit einem knackenden Geräusch schloss. »Ist das nun behaglicher, als die Hände nach der Zimmerdecke strecken zu müssen?«

»Hm, ich weiß nicht. Behaglich wäre es mir nur, hätte ich meine Finger an ihrem Hals!«

»Sehr verbunden. Doch ich zeihe es vor, Ihnen ein Paar Schellen um die Fußknöchel zu legen. Sie werden ein bisschen knapp sein, doch es wird schließlich noch gehen. So, strecken Sie den einen Fuß nach hinten. Ganz recht!«

Im selben Moment hatte die Fessel auch schon geknackt.

Nick Carter presste die Mündung des Revolvers fest gegen den Rücken des Gefangenen.

»Ich weiß wohl, wo hinaus Sie wollen, Carruthers«, sagte er bedeutsam. »Sie wollen mir jetzt, während ich mich bücken muss, um auch den anderen Fuß zu schließen, einen Fußtritt versetzen. Tun Sie es lieber nicht, denn Sie spüren wohl die Waffe in ihrem Rücken. Mein Finger am Abzug ist immer noch schneller als Ihr Fuß!«

»Hol Sie der Teufel!«, knirschte der sich durchschaut sehende Carruthers, der sich auf diese Weise um seine letzte Rettungsaussicht gebracht sah und nun nicht zu treten wagte. In der nächsten Sekunde wäre ihm dies auch nicht mehr möglich gewesen, denn blitzschnell hatte sich Nick gebückt und die Fessel auch um den anderen Fußknöchel einspringen lassen.

»Wie viele Waffen haben Sie?«, erkundigte er sich, indem er auch schon den Körper des Wehrlosen zu betasten begann. »Zwei … drei …«

»Mein lieber Carter, ich weiß es selbst nicht. Leider ist die Waffe nicht darunter, mit der ich Sie so gerne erschossen hätte!«

»In deren Besitz werden Sie wohl auch schwerlich jemals kommen, Carruthers.«

Dieser lachte grimmig, während Nick ihm eine Waffe nach der anderen aus der Tasche zog.

»Wahr gesprochen, nur allzu wahr gesprochen, o Weiser von Mulberry Street – nein, bitte, keinen Fußtritt von hinten!«, verwahrte er sich.

»Mir Ihrer Erlaubnis, Carter, setze ich mich dort in den Sessel. Ich vermute, dass Sie sich nach einer Fahrgelegenheit für uns umschauen wollen?«

Nick war an das Fenster getreten, hatte die Läden aufgestoßen und sog nun in vollen Zügen die klare Luft des herrlichen Spätherbsttages ein.

»Und von alledem wolltet Ihr Schurken mich für immer und ewig ausschließen!«, stieß er bitter hervor. »Wahrlich, was ich ausgestanden habe, das kann nicht einmal Euer jetziger Anblick mir vergelten!«

»Jeder Hund hat seinen Tag!«, versetzte Morris Carruthers spöttisch. »Well, dieses Mal haben Sie Oberwasser, Carter … doch eine Ahnung sagt mir, dass wir beide noch lange nicht miteinander fertig sind. Sie hatten vorhin schlechte Absichten, und ich wusste es, dass Sie schießen würden – darum ließ ich mich fesseln wie jener hasenherzige Schwachkopf dort!«, setzte er hinzu, indem er in der Richtung nach dem gefesselt auf der Diele liegenden Meadows verächtlich ausspie. »Doch die Stunde wird kommen, wo ich Oberwasser haben und mit Ihnen abrechnen werde, Nick Carter. Denken Sie daran: Jeder Hund hat seinen Tag! Und mein Tag kommt noch!«

Doch mit geringschätzigem Lächeln beugte sich Nick Carter aus dem Fenster, um einen gerade Vorübergehenden anzurufen. Wenige Worte genügten, den Mann unten in der Straße zu verständigen, worauf derselbe zur nächsten Polizeistation eilte, um Beistand herbeizurufen.

Nick Carter trat vom Fenster zurück und betrachtete mit triumphierendem Blick die beiden gefesselten Verbrecher, und leise entfloh es seinen Lippen: »Was für ein schönes Resultat in einer einzigen Nacht.«

Nick Carter ahnte in diesem Augenblicke nicht, dass es dem Verbrecherkönig Carruthers gelingen sollte, durch einen mit teuflischem Raffinement ersonnenen Plan sich noch einmal den Händen der rächenden Nemesis zu entziehen.

 

Ende

 

Die vollständige Story steht als PDF, EPUB, MOBI, AZW3 und neuerdings auch als HEFTROMAN zur Verfügung.
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Eine Antwort auf Nick Carter – Carruthers, der Verbrecherkönig – Kapitel 10

  • W. Brandt sagt:

    Es ist ein Versuch, einige Serien auch als zweispaltige PDF im Heftromanstil unseren Lesern anzubieten. Beginnen wollen wir mit der Reihe “Nick Carter, Amerikas größter Detektiv”, von der uns 25 Bände (in Fraktur) vorliegen. Mithilfe der OCR-Texterkennung werden diese umgewandelt und auch denjenigen zugänglich gemacht, die diese Schrift nicht lesen können.

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