Ausschreibung
Sternenlicht-Anthologie

Download-Tipp
Band 6

Heftroman der Woche

Archive
Folgt uns auch auf

Dämonopathie in Mailand 1590 und in Brandenburg 1594

Dämonopathie in Mailand 1590 und in Brandenburg 1594

Delancre erzählt nach Franz Bontius, dass 1590 bei Mailand ungefähr dreißig Nonnen von einem bösen Geist besessen wurden; die Nonnen seien alle noch sehr jung und schwächlich gewesen. Der Teufel erschien ihnen als Mönch oder als Christus am Kreuz und ermahnte sie zu unzüchtigen Dingen; manchmal als Bär, als Löwe, als Schlange mit offenem Rachen, um sie zu verschlingen; zuweilen als Soldat, mit einem Schießgewehr sie bedrohend; aber ihr einfältiger, frommer Glaube war ihnen Schutz gegen die Verlockungen des Satans. Eine Nonne, die einem vornehmen Haus entsprossen war, fühlte eine so heftige teuflische Glut, dass sie sich mitten im Winter auf den Fußboden schlafen legte und sich im Garten endlich in den Schnee legte.

Zu einer anderen kam der Teufel unter der Gestalt der heiligen Ursula in die Zelle und hinterher eine lange Reihe von Dämonen, aber alle als Nonnen verkleidet. Nach einer sehr lebhaften Unterhaltung, in welcher sich die fromme Jungfrau mit großer Klugheit gegen die trügerischen Anträge der Teufel wehrte, ließen diese endlich ihre Maske fallen und ergossen sich in Schmähungen gegen die Nonne.

Die Szenen in der Mark Brandenburg, die Calmeil nach Simon Goulard mitteilt, berichtet Möhsen:

Zu Friedeberg in der Neumark wurden 1593 60 und nach und nach 150 Menschen vom Teufel besessen, die in der Kirche vielen Unfug verübten, sodass der Prediger M. Heinrich Lemrich, der sich vorher viel mit diesen Leuten abgegeben und unterredet hatte, sich einstmals selbst auf der Kanzel, da er davon predigte, wie ein Besessener gebärdete und auch dafür gehalten wurde, welches die Macht des Teufels noch mehr in Ansehen brachte. Deswegen wurde von dem Konsistorium anbefohlen, in allen Kirchen in der Mark öffentliche Gebete zur Befreiung der Menschen von der Gewalt des Teufels anzustellen. Das Übel wurde aber dadurch nicht behoben. Es nahm vielmehr den Weg einer ansteckenden Krankheit des Verstandes. Wenn an einem Ort ein Besessener war, so fanden sich gleich mehrere, die sich ebenso hatten und aus Einbildung mit fortgerissen wurden. Wüsste man nicht in neueren Zeiten die Geschichte der Nonnen zu Loudun und der zwanzig Besessenen zu St. Annaberg im Erzgebirge und so viele andere Begebenheiten dieser Art, so würde man solches für unwahrscheinlich halten. In Spandow bekam ein Hutmachergeselle 1594 einen ähnlichen Paroxysmus. In kurzer Zeit wurden etliche dreißig bis vierzig Menschen damit befallen, die allerlei Gaukeleien und Kontorsionen machten, unter denen einige wie Mond süchtige oder wie Wurmkranke auf den Schornsteinen, Dächern und Brunnen mit Lebensgefahr herumkrochen. Der Rat ließ eiserne Ringe in den Mauern befestigen und die Besessenen dieser Art mit Ketten daran festschließen, wodurch das Übel etwas gemindert wurde. Die Geistlichen bestärkten diese armen Leute in ihrer verrückten Einbildung und brauchten sie, ihre Lehrsätze von der Gewalt des Teufels zu bestätigen.

Lökel hat die Geschichte der Besessenen mitgeteilt. War ein geistlicher Amtsbruder gelinder in seinen Predigten und lärmte und polterte nicht über die neuen Moden und redete nicht dem Teufel und seiner Gewalt das Wort, so wurde er vom Teufel durch die Besessenen selbst ermahnt, seine Gemeinde mit mehr Eifer zu bestrafen und mit Ernst anzugreifen, wie solches dem Superintendenten zu Spandow, Albrecht Colerus, begegnete, welchen der Hutmachergeselle deshalb zu vermahnen von einem Engel wollte Befehl erhalten haben. Lökel sagt ganz vernünftig, dass dieser Mensch wahnsinnig gewesen und von dem Henker ein Brandmark verdient hätte. Das Unwesen in Spandow machte indessen so viel Aufsehen, dass Kurfürst Johann Georg die vornehmsten Theologen von Berlin und Frankfurt dahin schickte, um die Sache zu untersuchen. Ihre Bedenken sind nach damaliger Einsicht abgefasst.

In Frankfurt an der Oder hatte der Teufel auch sein Spiel. Eine Fischerstochter aus Lebus begegnete 1536 einem Soldaten auf dem Feld, der gegen Versprechung, ihr viel Geld zu geben, sie zu seinem Willen beredete. Wie seine Begierden befriedigt wurden, bemerkte sie, dass er grässliche Augen machte und Hörner hatte. Sie überzeugte sich, dass sie mit dem Teufel zu tun gehabt habe, weil sie den Kerl seitdem nicht wieder gesehen hatte. Von der Zeit an gebärdete sie sich wie eine Besessene und wurde nach Frankfurt gebracht. Das Auffallende war: Wenn sie mit den Händen an der Wand strich, so bekam sie die Hand voll Geld. Die Geschichte wurde in allen Hexenbüchern aufgenommen und machte damals sehr viel Aufsehen.

Möhsen meint, wenn man die Geschichte mit Vernunft untersuchte, so fiele alles Wunderbare gleich weg. Es war ein melancholisches, geiles und geiziges Mädchen, das, durch Wollust und Geldbegierde verleitet, sich mit einem unbekannten Kerl abgegeben hatte. Bei oder gleich nach der Tat war ihr die Furcht angetreten, dass sie nach den vielen damals im Schwange gehenden Erzählungen und Teufelshistorien mit dem Teufel selbst zu tun gehabt, zumal, da sich der Kerl verlaufen hatte. Die Furcht machte, dass sie sich besessen glaubte, wobei sie ihre Einbildung mit Betrug und Gaukelei auszierte, um noch mehr Geld zu bekommen. Das Geld hatte sie teils von dem Kerl, und nachher von gutherzigen Leuten, die ihr Mitleid durch Almosen bezeugen wollten, erhalten. Es blieb nach der Erzählung wirkliches Geld, so wie es zu der Zeit in der Mark kursierte, anstatt dass, nach den gewöhnlichen Hexengeschichten, dergleichen Geld in Scherben oder Steine verwandelt wird. Wenn sie das Geld in der Hand wies, steckte sie es geschwind ins Maul und tat so, als ob sie es kaute und herunterschluckte, um es wieder hervorholen zu können. Als man es ihr wegnahm, so hörte ihr Vorrat auf. Sie nahm aber Nadeln und behielt sie im Mund, bis sie selbst der Possen endlich überdrüssig wurde.