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Slatermans Westernkurier 09/2020

Die Walla Walla Story –  Teil 2

Vom Krieg der Yakima, dem Untergang der Rogue-Indianer und von einem General, der das sinnlose Blutvergießen beenden wollte und dafür von seinem Posten abberufen und gesellschaftlich ruiniert wurde.

Die Unterhändler und Häuptlinge der Indianerstämme des ehemaligen Oregon-Territory waren kaum in ihre Dörfer zurückgekehrt, als Gouverneur Isaac Stevens entgegen der Verträge, die er mit ihnen geschlossen hatte, ihre Gebiete nicht erst in ein oder zwei oder gar vier Jahren zur Besiedelung freigab, wie er es hoch und heilig versprochen hatte, sondern dies bereits nach zwei Wochen anordnete.

Die Yakima waren die Ersten, die ihren Unmut darüber äußerten. Zunächst richtete sich ihr Ärger gegen einen der Ihren, der den Verhandlungen mit Stevens beigewohnt hatte. Kamiakin war zwar ein Häuptling, aber er hatte nicht das Recht, für alle Yakima zu sprechen, schließlich bestand der Stamm aus sechs verschiedenen Untergruppen, den Lower und Upper Yakima, den Klikatat, Taitnapam, den Wanapum und den Mishalpam, sogenannten Bands, die zwar sprachlich-kulturell eng miteinander verwandt waren, aber sich trotzdem ihre Eigenständigkeit bewahrten.

Kamiakins erbittertste Gegner waren dabei die Upper Yakima, die ihm das Recht, eine Entscheidung für den gesamten Stamm zu fällen, vollkommen absprachen, da er als Sohn der Palouse gar kein gebürtiger Yakima war.

Danach wandte sich ihr Zorn den Weißen zu, die inzwischen damit begonnen hatten, erste Straßen durch ihr Gebiet zu bauen und deren Landspekulanten wie Fliegen umherschwärmten und logen und betrogen, wo sie nur konnten. Als Qualchin, einer von Kamiakins Neffen, im September 1855 einen Landspekulanten, der als besonders skrupellos galt, umbrachte und kurz darauf einige andere Krieger den eigentlich von ihnen geschätzten Indianerbeamten A. J. Bolon töteten, weil er den Mord an dem Landspekulanten untersuchte, war der Krieg mit den Weißen nicht mehr zu verhindern.

Andere Quellen sprechen davon, das Qualchin zwei Prospektoren, die nach Goldfunden am Pike Peak in Massen ins Land strömten, tötete, weil sie ein Yakima-Mädchen vergewaltigt hatten. Der Mord an Andrew Bolon hingegen, der zur Aufklärung des Verbrechens anreiste, wird in allen Berichten gleichlautend erwähnt, ebenso wie die Tatsache, dass die Indianer Bolon töteten, weil sie Angst hatten, er würde die Armee zu Hilfe rufen, um sie für die Tat zu bestrafen.

Obwohl Kamiakin als ein Häuptling galt, der nichts als Frieden wollte, und dem auch Sympathien zu den Weißen nachgesagt wurden, stand er seinen Mann, als es dann zum Kampf kam. Im Stil eines weitsichtigen Feldherrn fügte er einer Erkundungsgruppe aus Fort The Dallas in der Schlacht am Toppenish Creek eine vernichtende Niederlage zu. Major Ranville O. Haller, an anderer Stelle auch Granville Haller genannt, der Befehlshaber der Truppe, hatte 5 Tote und 17 Verwundete, die zum größten Teil nicht mehr kampffähig waren, zu beklagen, bis er sich mühsam wieder ins Fort zurückziehen konnte und dort alle Vorräte und Kanonen vergraben ließ, damit sie nicht in die Hände der Yakima fielen.

Von nun an schossen Weiße auf jeden Indianer, den sie sahen, während die Indianer im Gegenzug jeden Siedler töteten, dessen sie habhaft wurden.

Dass sie es eigentlich waren, die für das Blutvergießen verantwortlich waren, und dafür, dass die Yakima immer mehr Zulauf von anderen Stämmen wie den Walla Walla, den Umatillas und den Palouse erhielten, kam dabei keinem der Weißen in den Sinn.

Oberst James Kelly und seine Freiwilligen, die unter dem Deckmantel der Vaterlandsverteidigung nichts anderes als ungestraft plündern, saufen, morden und vergewaltigen wollten, hatten noch während der laufenden Friedensverhandlungen im Walla Walla Tal Peo-peo-mox-mox, den alten Häuptling der Walla Walla Indianer, einfach gefangen genommen, verschleppt, gefoltert und getötet und danach seinen Skalp öffentlich ausgestellt.

Stattdessen stellten die Siedler immer mehr eigene Milizverbände auf, um die Indianer zu bekämpfen, da man sich ihrer Meinung nach nicht mehr auf die Armee verlassen konnte. Dabei gingen sie soweit, dass sie den Oberbefehlshaber für einen unfähigen Feigling und insgeheim sogar für einen Verräter am eigenen Land hielten.

 

*

 

Der Mann, dem diese Ungeheuerlichkeiten zur Last gelegt wurden, hieß General John E. Wool, der das Militärdepartment am Pazifik befehligte.

Er diente schon seit 42 Jahren in der Armee und hatte bereits die brutale Umsiedlung der Cherokees in den 1830er Jahren abgelehnt. Er war nicht bereit, die brutale Indianerpolitik und aggressive Landvereinnahme der Gouverneure Stevens aus dem Washington Territory und George Curry vom Oregon Territorium zu unterstützen.

Die beiden griffen den General scharf an und versuchten, ihn in der Öffentlichkeit bloßzustellen. Stevens warf ihm eine fast kriminelle Pflichtvergessenheit vor und forderte Wools Abberufung, was allmählich die Regierung im Osten auf den Plan rief.

Bei einer Anhörung entgegnete Wool, dass beide Gouverneure eher Kriegsgouverneure waren als Politiker und bezeichnete Stevens und Curry als gierige Männer, die sinnloses Blutvergießen provozierten, um nicht nur von den Siegen über die Indianer zu profitieren, sondern auch, um das US-Finanzministerium für die Bezahlung von Milizen, Nachschub und Kriegsschäden, ob es sie gab oder nicht, heranzuziehen.

Nach einer Überprüfung der Ereignisse wurde Gouverneur Stevens ermahnt und Wool, der sein Amt behalten durfte, dazu aufgefordert, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um diesen Krieg zu beenden.

Wool folgte dem Befehl, wenn auch nur äußerst widerwillig. Er schickte von Fort Dalles Oberst George H. Wright mit 500 Soldaten los, um weiteres Blutvergießen zu verhindern.

Es wurde ein relativ unblutiger Feldzug, denn trotz der Schlachten von White River und Union Gap und dem Scharmützel bei Brannan’s Prairie hatten beide Seiten nicht mehr als ein Dutzend Gefallene zu beklagen, obwohl insgesamt beinahe 2.000 Kämpfer in den Konflikt involviert waren.

Die Hinhaltetaktik und die ständigen Rückzüge der Indianer in die umliegenden Berge ermüdeten die Armee zusätzlich, und als es Wright gelungen war, Stevens davon zu überzeugen, dass die Milizen und Freiwilligenregimenter wieder abzogen, und die Indianer darauf die Verträge doch annahmen, fanden die Feindseligkeiten schließlich ein Ende.

Zwei Forts, Simcoe und Walla Walla, wurden eingerichtet und im November 1856 herrschte im Nordwesten wieder Frieden.

 

*

 

Der Yakima-Krieg war zu Ende, trotzdem blieb am Ende ein bitterer Beigeschmack, denn der Konflikt hatte bis auf einige wenige Ausnahmen nur Verlierer zurückgelassen.

Da waren die Walla Walla, Verbündete der Yakima, die danach praktisch aufgehört hatten als eigenständiger Stamm zu existieren, und die Nisqually, die schließlich keine 300 Seelen mehr zählten.

Da war General John E. Wool, der letztendlich gegen Stevens doch den Kürzeren zog und 1857 von seinem Posten abberufen wurde, und schließlich die Rogue-Indianer, die man faktisch ausrottete, weil sie es gewagt hatten, sich gegen die Siedler zur Wehr zu setzen, die unerlaubt ihr Land betraten.

Während des Yakima-Krieges lebten die Rogue-Indianer landeinwärts entlang des Siskiyou-Trails im südlichen Oregon an dem Fluss, der ihnen ihren Namen gegeben hatte. Obwohl sie nicht aktiv in den Yakima-Konflikt eingriffen, wurden sie dennoch ein Opfer dessen.

Sie hatten es gewagt, sich gegen die Flut der durchreisenden Siedler zur Wehr zu setzen, die nicht nur ihr Land verwüsteten, sondern auch die Wild- und Fischbestände plünderten, die ihre Nahrungsgrundlage bildeten.

Als ihre Überfälle in der Hauptstadt bekannt wurden, begann auch bei ihnen die rigorose Indianerpolitik der Gouverneure Stevens und Curry zu greifen.

1855 erhielt Hauptmann Andrew Jackson Smith den Befehl, mit einer Dragonereinheit aus Fort Lane den Stamm zu unterwerfen und in die Reservation zu schicken. Als im Oktober desselben Jahres bekannt wurde, dass bei den Indianern die Befürworter eines Krieges einen Kampf gegen alle Weißen anstrebten und auch die Siedler immer gewalttätiger wurden, wandten sich die Friedliebenden unter den Rogue an Smith, der einen Teil von ihnen daraufhin aus ihrem Lager heraus zu ihrem Schutz ins Fort eskortierte.

Doch, noch während er sich aufmachte, um den Rest, hauptsächlich Frauen und Kinder, in den Schutz des Forts zu bringen, überfiel ein Mob aus dem nahegelegenen Jacksonville deren Lager und tötete 28 von ihnen.

Die Antwort erfolgte prompt.

Bereits einen Tag später übte ein Kriegertrupp der bislang friedliebenden Rogue blutige Rache, überfiel die nächsten Siedler, denen sie habhaft wurden, und brachten insgesamt 27 unschuldige Farmer um.

Die Öffentlichkeit forderte daraufhin eine Jagd nach Indianerskalps und eine vollständige Vernichtung des Stammes.

 

*

 

Wie es General Wool bereits zu Beginn des Yakima-Krieges prophezeit hatte, würde sich ohne nachhaltige Friedensbemühungen im Nordwesten ein Teufelskreis aus Überfällen und Racheakten entwickeln, der letztendlich in einem Vernichtungskrieg endete, der nichts als nur Not und Leid über beide Kriegsparteien bringen würde.

Das dachten auch die Rogue Indianer und spielten mit dem Gedanken, sich Hauptmann Smith zu ergeben. Doch als im Frühjahr 1856 mehrere reguläre Armeeeinheiten nach Oregon kamen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen, misstrauten sie auch ihm und entschlossen sich, ihn und seine Männer anzugreifen. Im Mai 1856 überfielen etwa 200 Rogue Indianer bei Big Meadow sein Kommando, das zu diesem Zeitpunkt aus 50 berittenen Soldaten und 30 Infanteristen bestand.

Aber Smith hatte Glück.

Zwei der Indianerfrauen, die er im letzten Jahr in Sicherheit nach Fort Lane gebracht hatte, verrieten ihm die Pläne der Häuptlinge Old John, Limpy und George und so hatte Smith genug Zeit, um sich mit seinen Männern zu verschanzen.

Der Angriff der Rogue endete in einem Fiasko und die Indianer wurden vernichtend geschlagen. Einen Monat nach der Schlacht bei Big Meadows ergaben sich die Indianer endgültig und ließen sich wie Schafe in das an der Küste gelegene Siletz-Reservat treiben, wo sie regelrecht dahinvegetierten. Die Reservationsleiter waren korrupt und die Versorgungslage derart katastrophal, dass sie zu Dutzenden an Hunger und Krankheiten starben. Die dort lebenden Siletz-Indianer, nach denen das Reservat benannt war, zählten zu der Zeit nur noch 21 Seelen und hörten 1890 auf, als Stamm zu existieren. Damit hat man einen Begriff, was für Zustände dort herrschten.

Häuptling Old John wurde in das berüchtigte Militärgefängnis Fort Alcatraz in der Bucht von San Francisco geworfen.

Doch damit waren die Indianerunruhen im Nordwesten Amerikas noch keineswegs beendet. Das sollte erst Ende 1858 in einem blutigen Fanal geschehen, von dem der 3. Teil der Geschichte von Walla Walla berichten wird.

In diesem Sinne,

euer Slaterman

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