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Einsendeschluss 31.05.2021

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Die Geschichte vom Poopampareno

Die Geschichte vom Poopampareno

Eine Erzählung über ein grausiges Tier, das einst im Süden der Vereinigten Staaten von Amerika sein Unwesen getrieben hat.

Ein Mann, der ein großer Jäger war, beschloss eines Tages, einmal ohne seine beiden Hunde auf die Jagd zu gehen, die sonst immer mit ihm jagten. Sie hießen Sambo und Ringo und er sperrte sie hinter einem hohen Lattenzaun ein und ging alleine auf die Jagd.

Ehe er fortging, stellte er ihnen noch eine Schüssel Milch in die Hundehütte, aber die beiden Tiere fühlten sich so gekränkt, dass sie lange nicht zu der Schüssel liefen.

Als sie schließlich doch hinsprangen, hatte sich die Milch in Blut verwandelt.

Unterdessen lief der Jäger stolz durch den Wald.

Da stand er plötzlich dem Poopampareno gegenüber.

Das war ein grausiges Tier, das nur an einer Stelle seines Körpers verwundbar war, nämlich unter dem Kinn. Überall sonst sprangen die Kugeln von seiner Haut ab wie Gummibälle. Wer das weiß, wird sich also nicht wundern, warum der Jäger sein Gewehr fortwarf und um sein Leben lief.

Noch gerade rechtzeitig kam er an eine Kiefer, und es war der höchste Kiefernbaum in diesem Wald. Eilig begann er den Stamm hinaufzuklettern, bis er die Spitze des Baumes erreicht hatte. Das Poopampareno konnte nämlich nicht klettern. Doch als der Jäger von oben herabsah, blieb ihm beinahe das Herz stehen. Das Poopampareno fletschte seine Sägezähne und schaute böse zu ihm hoch. Dann begann es ritsch-ratsch mit seinen fürchterlichen Sägezähnen am Baum zu sägen. Da rief der Jäger, so laut er konnte, nach seinen beiden Hunden.

Her zu mir, Sambo! Her zu mir, Ringo!
Euer Herr ist in großer Not.
Das Poopampareno, das Poopampareno,
das beißt ihn mausetot.

Die Hunde waren weit fort. Einmal war es ihnen, als riefe da jemand ihre Namen, aber sie waren sich nicht ganz sicher. Die Milch in der Schale war zu Blut geworden. Sie fürchteten, ihr Herr könne in Gefahr sein. Sie sahen zum Zaun und wünschten sich, sie könnten über den Zaun ins Freie gelangen.

Während der Jäger noch rief, schaute ihn das Poopampareno immer böser an und begann, schließlich schneller als zuvor zu sägen. Der Jäger fing zu zittern an und rief erneut, so laut er nur konnte:

Her zu mir, Sambo! Her zu mir Ringo!
Euer Herr ist in großer Not.
Das Poopampareno, das Poopampareno,
das beißt ihn mausetot.

Diesmal hörten die Hunde ganz leise seine Stimme. Sie sahen zum Zaun. Er war zu hoch, um darüber zu springen, und nirgends konnten sie ein Loch entdecken, um durchzuschlüpfen. Im Wald unterdessen arbeitete das Poopampareno wie der Teufel mit seinen Sägezähnen.

Gleich musste der Baum umstürzen.

Da rief der Jäger in letzter Verzweiflung noch einmal, so laut er nur konnte:

Her zu mir, Sambo! Her zu mir, Ringo!
Euer Herr ist in großer Not,
das Poopampareno, das Poopampareno,
das beißt ihn mausetot.

Diesmal hörten die Hunde die Stimme ihres Herrn ganz deutlich. Sie nahmen einen großen Anlauf und sprangen husch über den hohen Zaun. Kopf an Kopf rannten sie in den Wald hinein. Und gerade in dem Augenblick, als das Poopampareno den letzten Sägestrich tun wollte, waren sie zur Stelle und bissen das Untier tot, ehe es seine Sägezähne aus der Lücke im Stamm ziehen konnte.

Seltsam?

Doch so wird es noch heute erzählt.

Nachtrag und Quellenhinweis

Frederik Hermann hat mit viel Interesse und Liebe zum Detail amerikanische Volksbücher, Sagen, Märchen und Lieder gesammelt und diese in dem Buch Amerika Saga veröffentlicht. Die vorliegende Geschichte stammt ebenso aus diesem Buch wie noch viele andere mehr, die wir dem interessierten Leser nicht vorenthalten möchten.

Amerika Saga, von Cowboys, Tramps und Desperados ist unter der ISBN 3-7891-1564-9 im Verlag Friedrich Oettinger Hamburg erschienen und wurde übrigens mit dem deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Nicht die einzige Auszeichnung, die Frederik Hermann, dessen bürgerlicher Name Hans Christian Kirsch lautet, in seinem Autorenleben bisher bekommen hat. Er erhielt den deutschen Jugendliteraturpreis bereits schon einmal im Jahr 1965, 1976 dann den Friedrich Gerstäcker-Preis, 1978 den Züricher Kinderbuchpreis und 1984 den Fantasy Preis der Stadt Wetzlar.

Slaterman