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Weird Tales – Der Korb

Herbert J. Mangham
Weird Tales
Der Korb

Mrs. Buhler sagte ihm zunächst, dass sie keine freien Zimmer habe. Aber als er wegging, dachte sie an den kleinen Raum im Keller.

Auf ihren Ruf hin drehte er sich um.

»Ich habe noch ein Zimmer«, sagte sie, »aber es ist ein sehr kleiner Raum im Keller. Ich kann Ihnen aber einen vernünftigen Preis machen, wenn Sie es sich ansehen möchten.«

Das Zimmer war ein Problem. Sie zögerte immer, es den Leuten zu zeigen, weil sie auf ihren Vorschlag hin so oft beleidigt schienen, mit einer so bescheidenen Umgebung zufrieden sein zu müssen. Wenn sie es dem Erstbewerber gäbe, wäre er wahrscheinlich ein anrüchiger Charakter, der von der Seriosität des Hauses ablenken könnte, und sie müsste sich der Peinlichkeit stellen, ihn loszuwerden. So begnügte sie sich wochenlang damit, auf das Almosen, das das Zimmer ihr brachte, zu verzichten.

»Wie viel kostet es?«, fragte der Mann.

»Sieben Dollar im Monat.«

»Zeigen Sie es mir.«

Sie rief ihren Mann, damit er ihren Platz am Empfang einnehmen sollte, nahm einen Schlüsselbund und ging in den hinteren Teil des Kellers. Der Raum war eine enge Kammer, deren einziges Fenster etwas unter der Oberfläche des winzigen, kahlen Hinterhofes lag, der durch einen Bretterzaun abgeschlossen war.

Eine wackelnde Eichenkommode stand dicht am Fenster, daneben ein kleiner quadratischer Tisch mit einem Krug und einer Waschschüssel. Ein eisernes Einzelbett an der gegenüberliegenden Wand ließ kaum genug Platz für einen Stuhl mit gerader Rückenlehne und einen schmalen Durchgang von der Tür zum Fenster. Ein Vorhang, der über eine Ecke hing, und ein paar Haken in der Wand ersetzten einen Schrank.

»Sie können das Badezimmer im ersten Stock benutzen«, sagte Mrs. Buhler. »Im Keller gibt es keine Dampfheizung, aber ich gebe Ihnen einen Ölofen, den Sie anfachen können, wenn Sie es wünschen. Das Öl wird Sie nicht sehr viel kosten. Natürlich wird es in San Francisco nie richtig kalt, aber wenn die Nebel aus der Bucht kommen, sollten Sie etwas haben, um die Kälte aus dem Raum zu vertreiben.«

»Ich nehme es.«

Der Mann zog ein kleines Geldbündel heraus und zählte sieben Ein-Dollar-Scheine ab.

»Sie müssen aus dem Osten kommen«, bemerkte Mrs. Buhler und lächelte das Papiergeld an. »Ja.«

Mrs. Buhler, die auf sein fahles Haar, in seine blassen Augen und auf seinen dichten Schnurrbart schaute, dachte nie daran, nach Referenzen zu fragen. Er schien so unfähig zu sein, Unfug zu treiben wie ein pensioniertes Feuerwehrpferd, das sein Gras mampft und von vergangenen Abenteuern träumt. Er teilte ihr mit, dass sein Name Dave Scannon sei.

Und das war die ganze Information, die er jemals freiwillig an jeden im Haus weitergab.

Eine Stunde später zog er ein, indem er einen Koffer hineintrug und dessen Inhalt in die Schubladen der Kommode legte.

Die anderen Mieter bemerkten seine Ankunft kaum. Er ging immer quer durch die kleine Lobby, ohne jemanden direkt anzusehen, und hielt nie an, außer um seine Miete zu bezahlen, was er pünktlich am Fünften eines jeden Monats tat.

Er ließ seinen Schlüssel nicht am Empfang liegen, wenn er hinausging, wie es im Haus üblich war, sondern trug ihn in seiner Tasche. Das Zimmermädchen rührte sein Zimmer nie an. Auf seine Bitte hin gab sie ihm einen Besen, und jeden Sonntagmorgen ließ sie Handtücher, Laken und einen Kissenbezug an seinem Türknauf hängen. Wenn sie zurückkam, fand sie seine schmutzigen Handtücher und Bettwäsche in einem ordentlichen Stapel neben der Tür liegen.

Von Neugierde getrieben, betrat Mrs. Buhler einmal den Raum mit ihrem Generalschlüssel. Nicht ein Haar tat der schlichten Sauberkeit Abbruch. Ein Kamm und eine Bürste auf der Kommode und ein Stapel Zeitungen waren die einzigen sichtbaren Beweise für die Belegung. Der Ölofen verstaubte in der Ecke. Er war nie benutzt worden. Sie nahm ihn mit; das wäre genau das Richtige für die alte Dame im Nordzimmer, die sich immer über die Kälte an den Nachmittagen beklagte, wenn der übrige Teil des Gasthauses nicht ungemütlich genug war, um das Aufdrehen des Heizkessels zu rechtfertigen.

Die alte Dame saß eines Nachmittags in der Lobby, als er von der Arbeit nach Hause kam. Sie fragte: »Ist das Ihr Untermieter im Keller?« Sie beobachtete ihn, bis er am Ende des Ganges verschwand.

»Oh, ich kam nicht drauf, wo ich ihn schon mal gesehen habe. Aber jetzt erinnere ich mich – er ist eine Art Portier und Aushilfe in der großen Bäckerei in der unteren Marktstraße.«

»Ich wusste wirklich nicht, wo er sich aufhält«, gab Mrs. Buhler zu. »Ich hatte mehrmals daran gedacht, ihn zu fragen, aber es ist sehr schwierig, mit ihm ein Gespräch zu führen.«

Er war schon vier Monate in der Pension, als er seinen ersten Brief erhielt. Der Umschlag kündigte ihn als Werbung für eine Heuschnupfenkur an.

Da er es nicht gewohnt war, seinen Schlüssel am Empfang zu hinterlegen, blieb der Brief drei Tage lang in seinem Kasten. Schließlich übergab Mr. Buhler ihm diesen, als er auf dem Weg zu seinem Zimmer am Empfang vorbeikam.

Er hielt inne, um die Inschrift zu lesen.

»Sie erhalten nie Post«, bemerkte Mr. Buhler. »Haben Sie keine Familie?«

»Nein.«

»Wo ist Ihr Zuhause?«

»Catawissa, Pennsylvania.«

»Das ist ein komischer Name. Wie schreibt man den?«

Scannon buchstabierte ihn und ging den Flur entlang.

»C-a-t-a-w-i-double s-a«, wiederholte Mr. Buhler vor seiner Frau. »Ist das nicht ein lustiger Name?«

In seinem Zimmer nahm Scannon die Anzeige aus dem Umschlag und las sie nüchtern von Anfang bis Ende.

Am Ende faltete er sie und legte sie auf seinen Zeitungsstapel. Dann bürstete er sich die Haare und ging wieder hinaus.

Er aß sein Abendessen an einem der kleinen Tische in der Nähe des Civic Center. Den Rest des Abends verbrachte er im Zeitungsraum der Stadtbibliothek. Mit unvoreingenommenem Interesse nahm er östlichen und westlichen Zeitungen in die Hand und las jede Seite ganz gewissenhaft und ohne Veränderung des Ausdrucks, bis die Schlussglocke ertönte.

Er betrat nie die Lese-, Ausleih- oder Magazinräume. Manchmal nahm er die Lokalzeitungen mit nach Hause, las ausgestreckt auf seinem Bett und schien nicht zu bemerken, dass seine Hände vor dem durchdringenden Frösteln, das nächtlich vom Ozean herüber weht, blau waren.

Sonntags zog er ein rot gestreiftes Seidenhemd und einen blauen Serge-Anzug an und fuhr mit dem Auto zum Golden Gate Park. Dort saß er stundenlang in der Sonne und beobachtete unermüdlich die Hunderte von Picknick-Partys, die Eichhörnchen oder ein Stück Papier, das sich vor der Brise zurückzog. Oder vielleicht ging er nach Westen zum Ozean, hielt einige Minuten an jedem der Tiergehege und fuhr mit einem Auto vom Cliff House nach Hause.

Zwei Jahre lang kamen und vergingen die Tage in monotoner Wiederholung, wobei die gelegentlich erscheinenden Rundbriefe zur Heuschnupfenkur den einzigen Hauch von Neuheit darstellten.

Dann, eines Nachmittags, als er sich die Haare bürstete, keuchte er und legte sich die Hand an die Kehle. Eine starke Übelkeit warf ihn zu Boden.

Zentimeter für Zentimeter schleppte er sich an den kleinen Tisch und riss ihn um, wobei er die Schale und den Krug in ein Dutzend Stücke zertrümmerte.

Seine Energie wurde in die Anstrengung gesteckt, und er lag träge da.

 

Nach mehrmaligem Drängen willigte Mrs. Buhler ein, ihre Freundin erst zu dem Spiritualisten zu begleiten, und sie bereute ihre Entscheidung, sobald sie dort angekommen war.

Die verstaubte Stube war ein nach Norden gelegener Raum, in den die Sonne nie eindrang und der deshalb kalt und feucht war. Das Medium, eine dicke, unordentliche Frau, deren Bewegungen murmelnd waren, mit dem Rascheln von Seide und dem Klirren geschmackloser Ornamente, saß ihr gegenüber, mit einer Hand an die Stirn gedrückt, und lieferte geheimnisvoll erworbene Informationen über Verwandte und Freunde.

»Wer ist Dave?«, fragte sie schließlich.

Mrs. Buhler erinnerte sich in aller Eile an alle lebenden Verwandten ihres Mannes und an ihre eigenen Verwandten. »Ich kenne keinen Dave«, sagte sie.

»Ja, ja, Sie kennen ihn«, bestand das Medium darauf. »Er ist nun im Land der Geister. Da ist der Tod direkt vor Ihrer Tür!«

Sie legte ihre Hand an ihre Kehle und hustete in grausiger Simulation innerer Strangulation. »Aber ich kenne keinen Dave«, wiederholte Mrs. Buhler.

Mit einem Gefühl enormer Erleichterung kehrte sie auf die Straße zurück.

»Ich werde nie wieder an einen dieser Orte gehen«, versicherte sie, als sie sich von ihrer Freundin verabschiedete. »Das ist zu unheimlich!«

Von Westen her rollte majestätisch eine große Nebelbank herein, die die Sonne verdeckte und einen feinen Nieselregen auf die Bürgersteige träufelte. Mrs. Buhler zog ihren Mantelkragen enger um den Hals, tauchte in die einhüllende Feuchtigkeit ein und begann, den langen Hügel zu erklimmen, der zu ihrem Wohnhaus führte.

Die geschwollenen Augen und das blasse Gesicht ihres Mannes warnten sie vor schlechten Nachrichten.

»Dave Scannon ist tot!«, flüsterte er heiser.

Dave Scannon! Das war also Dave!

»Er ist seit zwei oder drei Tagen tot«, fuhr Herr Bühler fort. »Ich habe vor einer Weile einen Teppich im Hinterhof ausgeklopft, als ich einen Schwarm großer blauer Fliegen um sein Fenster herumschwirren sah. Es fiel mir sofort auf, dass ich ihn seit mehreren Tagen nicht mehr gesehen hatte. Ich konnte seine Tür nicht aufschließen, weil sein Schlüssel auf der Innenseite steckte, also rief ich den Gerichtsmediziner und einen Polizisten, und wir brachen sie auf. Er lag zwischen dem Bett und der Kommode, die Schüssel und der Krug waren am Boden zerbrochen, wo er sie umgeworfen hatte, als er hinfiel. Sie bringen ihn jetzt raus.«

Mrs. Buhler eilte zur Hintertreppe und stieg in die untere Halle hinunter. Zwei Männer trugen einen langen Weidenkorb die kleine Treppe zwischen dem Hintereingang und dem Hof hinauf. Sie blieb über das Geländer gebeugt, bis der Korb verschwunden war.

Der Gerichtsmediziner hatte in seinem Zimmer nichts gefunden außer Kleidung, etwa fünf Dollar Kleingeld und ein verblichenes Bild einer blutarm aussehenden Frau, die Mutter, Frau oder Schwester gewesen sein könnte, in einem matten Silberrahmen.

Mrs. Buhler beantwortete seine Fragen sehr nervös. Ja, der Tote war etwa zwei Jahre bei ihnen gewesen. Sie wussten wenig von ihm, denn er war sehr eigenartig, sprach nie und erlaubte nicht einmal dem Dienstmädchen, sein Zimmer aufzuräumen. Er hatte jedoch gesagt, dass er keine Familie habe und dass sein Zuhause in Catawissa, Pennsylvania, sei. Sie erinnerte sich an die Stadt, weil sie einen so seltsamen Namen habe.

Der Gerichtsmediziner schrieb an die Behörden in Catawissa; die antworteten, dass sie keine Spur von jemandem mit dem Namen Scannon finden konnten. Außer gelegentlichen Rundschreiben zur Heuschnupfenkur kam nie mehr Post für den Mann.

Der Inhaber der Bäckerei rief an und fragte, ob sich die Todesanzeige in der Zeitung auf denselben Dave Scannon beziehe, der für ihn gearbeitet habe. Er wusste nichts von dem Mann, außer dass er bis zu jenem letzten Tag, an dem er nicht erschien, sehr pünktlich seinen Dienst versah.

Einige Wochen später hielt die kleine Mrs. Varnes, die ein Zimmer im hinteren Teil des zweiten Stockwerks bewohnte, am Empfang an, um ihren Schlüssel abzugeben. Sie verharrte dort für einige Minuten der Unentschlossenheit und beugte sich dann impulsiv nach vorn.

»Mrs. Buhler, ich möchte Sie nur etwas fragen«, sagte sie und senkte ihre Stimme. »Eines Nachmittags vor ein paar Wochen sah ich einige Männer, die einen langen Korb aus der Hintertür trugen. Ich habe mich gefragt, was es war.

»Wahrscheinlich Wäsche«, meinte Mrs. Buhler.

»Nein, es war einer dieser Körbe, wie sie die Leichenbestatter benutzen, um die Toten zu transportieren. Ich habe oft darüber nachgedacht, aber ich konnte nicht herausfinden, wer in diesem Haus hätte sterben können. Also beschloss ich, Sie zu fragen. Ich erzählte meinem Mann davon, und er sagte, ich hätte geträumt.«

»Das müssen Sie wohl getan haben«, sagte Mrs. Buhler.