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Dreizehn Jahre im Wilden Westen – Kapitel XXIX

Dreizehn Jahre im Wilden Westen
Oder: Abenteuer des Häuptlings Sombrero
Nürnberg, 1877

XXIX. Erholung von den Strapazen. Mein Pferd Tayopog. Nach Fort Syll. Junge Pumas. Streitigkeiten mit den Bürgern der Stadt Jacksboro. Vier Waschbären.

Endlich erreichten wir Jacksboro, wo uns die Regimentsmusik feierlich empfing. Wir gedachten uns hier auf einige Zeit auszuruhen. Am Abend ging jedermann in die Stadt, um sich an Eierpunsch zu laben und in einer Wirtschaft waren nahe an zweihundert Personen zusammengedrängt, halb Militär, halb Zivil. Es ging etwas laut zu, denn die tapferen Krieger waren an die Kraft dieses edlen Getränkes nicht mehr gewöhnt und hatten bald ein Stadium erreicht, wo sie zu politisieren anfingen. Da es außen kalt war, so hatte man im Zimmer den in der Mitte stehenden eisernen Ofen tüchtig geheizt. Auf diesen stellte sich ein begeisterter junger Mann, der durchaus eine Rede halten wollte und keinen besseren Platz dazu finden konnte, und begann seine Ansprache. Von allen Seiten her ertönte das Geschrei Werft ihn hinaus, dann wieder Stimmen, welche Ruhe geboten; kurz, es war ein furchtbarer Lärm. Der Redner ließ sich durchaus nicht stören. Von seinen Füßen erhob sich eine dicke Rauchwolke, die Sohlen seiner Stiefel waren verbrannt. Noch sprach er fort und die Füße mussten schon lange zu rösten angefangen haben, doch in seinem Patriotismus setzte er sich über solche Kleinigkeiten hinweg. Da konnte ich es nicht mehr aushalten. Aus Mangel an etwas Größerem nahm ich mein Bierglas und warf es nach seinem Kopf, verfehlte ihn aber und traf meinen Freund Charley, der auf der anderen Seite stand, sodass er der Länge nach hinfiel. Das war das Signal zum allgemeinen Kampf. Jeder haute auf den los, der ihm gerade am nächsten war. Der Redner und der Ofen wurden miteinander umgeworfen, einige Schüsse fielen, die Lichter wurden ausgelöscht. Dann wusste ich nichts mehr, denn es hatte mich jemand von hinten mit einem Revolver über den Kopf gehauen, dass ich mich auf ein paar Minuten für gar nichts interessierte. Als ich mich wieder zusammenklaubte, war das Zimmer leer und ich machte mich eilig auf den Heimweg, legte mich zu Bett und war bald in dem Land der Träume. Am Morgen erfuhr ich, dass drei Tote und einige Verwundete auf dem Schlachtfeld geblieben waren.

Da es nun Befehl des Doktors war, uns alle tüchtig mit Gemüse und Vegetabilien zu füttern, so wurde ich mit vier großen Wagen zu den Ansiedlungen geschickt, um solche auf den Farmen einzukaufen. Wir machten eine Rundreise durch Weatherford, Peal Station, Cleburn und andere kleinere Nester, bis wir unsere Wagen geladen hatten; hauptsächlich mit süßen Kartoffeln, Rüben und Zwiebeln, ein Luxus, den wir nur selten zu sehen bekamen. Nach einer zehntägigen Tour kehrte ich wieder zurück und es fehlte uns für einige Zeit nicht an schlecht gekochtem Gemüse. Ehe ich fortging, hatten wir eine Anzahl neuer Pferde bekommen, worunter ein besonders hübscher vierjähriger Rotschimmel war, der alle Anlagen zu einem guten Sattelpferd hatte; nur war er so wild, dass ihn noch niemand angefasst hatte, denn er schlug mit Vorder- und Hinterhufen, wenn nur jemand in seine Nähe kam, doch Sah ich schnell, dass er es mehr aus Furcht als aus Bosheit tat. Ich hatte, ehe ich nach Weatherford ging, den Wunsch geäußert, dass ich dieses Pferd gerne hätte. Als nun die Pferde während meiner Abwesenheit verteilt wurden, so behielt man diesen für mich zurück. Es wollte auch sonst niemand mit ihm zu tun haben. Bei meiner Rückkehr fand ich also, dass ich Besitzer dieses lustigen Tieres geworden war. Ich gab ihm den Namen Tayopog oder auf Deutsch Wilde Katze, was er auch durch und durch war. Nun machte ich mich daran, ihn zu zähmen, da ich Erlaubnis hatte, ihn zu jeder Zeit aus dem Stall zu nehmen und überhaupt mit ihm zu tun, was ich wollte. So konnte ich es mir leicht machen. Dazu bekam ich noch einige andere junge Pferde einzureiten, sodass es mir an Unterhaltung nicht fehlte. Mit meinem ging ich sehr langsam um und wollte ihn erst vollständig zahm machen, ehe ich das Reiten auf ihm probierte. Nach einer Woche kroch ich unter seinen Füßen herum, hob sie an und hatte ihn soweit, dass er mir folgte und auf den Ruf kam. Dabei blieb er so scheu wie immer gegen Fremde und schlug jeden, den er erreichen konnte. Nun fing ich an, ihn zu satteln, was ihm gar nicht zu gefallen schien, denn sobald ich ihn gesattelt hatte, schlug er zwei Pferdeställe zusammen, bockte furchtbar. Als das nichts half, wälzte er sich zur Abwechselung. Ich ließ ihn austoben, nahm den Sattel wieder ab und ließ ihm Ruhe bis zum nächsten Tag. Nun sattelte ich ihn wieder und sprang nach vielen Schwierigkeiten auf. Da ging es aber los. Er gebärdete sich, wie nur ein wildes Pferd kann, bis er sich ausgetobt hatte. Darauf ritt ich ihn noch eine halbe Stunde und sattelte wieder ab. Von nun an ritt ich ihn jeden Tag eine Stunde und bald war er eines der besten Pferde der Garnison, nur hatte er noch eine böse Gewohnheit. Er wollte mich nämlich nicht aufsteigen lassen, sodass ich genötigt war, ihn jedes Mal kurz an einem Baum zu festzubinden, bis ich im Sattel war. Dabei lernte er etwas, was mir sehr angenehm war. Wenn ich ihn nämlich angebunden hatte, so nahm ich die Zügel nie eher in die Hand, bis ich im Sattel saß. Als er mich endlich nach einem Monat ruhig aufsteigen ließ, so tat er es nur, wenn ich die Zügel unberührt auf seinem Hals liegen ließ. Nahm man die Zügel zuvor, so kam man nie auf seinen Rücken. Dies wusste niemand außer mir, so konnte ihn auch kein anderer Mensch besteigen und von der Kompanie konnte ich keinen überreden, es zu probieren. Die Eigenschaft, nach Fremden zu schlagen, behielt er indessen bei. Besonders beim Exerzieren, wenn ihn ein Pferd drängte oder ihm zu nahe kam, schlug er mit einer solchen Fertigkeit, dass kein Mensch hinter mir reiten wollte und ich auf einer Seite ganz für mich zu reiten hatte, was für mich gar nicht unangenehm war. Als er später einmal den Pferdedoktor über den Haufen schlug, hätte ich ihn erst recht für kein Pferd in ganz Texas getauscht.

Die Indianer ließen wieder von sich hören. Sie überfielen C. C. während der Nacht, wurden aber zurückgeschlagen. Der Verlust der Kompanie war ein Mann und ein Pferd. Kurz darauf hatte dieselbe Kompagnie ein Gefecht mit Indianern an Devils River, wobei Hauptmann W. von seiner Mannschaft getrennt wurde. Er musste sein Glück in der Flucht versuchen, wurde aber stark verfolgt. Doch als er im Gebüsch seinen Hut verlor und die Indianer seinen kahlen Kopf sahen, blieben sie lachend stehen und riefen: »Nicht gut, Skalp schon fort. « Sie ließen ihn ungestört entkommen, denn ein Feind ohne Skalp ist nicht viel Mühe wert.

Ich hatte wieder mit einigen Mann nach Fort Syll in Indian Territorty zu reiten, um eine Depesche hinaufzubringen. Wir ritten tüchtig und setzten in einigen Tagen über den Red River. Am letzten Tage hielten wir gegen Mittag an einem Flüsschen zehn Meilen vom Fort, um zu essen und die Pferde grasen zu lassen. Wir saßen um ein Feuer, ich hatte eben einen schönen Laib Brot gebacken und zum Abkühlen aufs Gras gelegt, als eine große Schar Kiowa vorbeiritt. Da wir nun auf ihrer Reservation waren, so durften wir sie nicht beängstigen, was sich auch bei ihrer Überzahl für unsere paar Mann nicht gepasst hätte.

Eine Squaw galoppierte zum Feuer und schrie: »Mich ess gern Brot.«

Ehe ich recht wusste, was los war, hatte sie vom Pferd herabgelangt und ritt mit meinem schönen Laib Brot davon. Ich ergriff schnell meinen Karabiner, um sie vom Pferd herunterzuschießen, aber ein zweiter Gedanke sagte mir, dass dies nur den Tod meiner Leute zur Folge haben würde. So war ich gezwungen, gute Miene zum bösen Spiel z machen, und ging an die Arbeit, einen anderen Laib zu backen. Diesen aßen wir aber heiß, da das Kühlen in dieser Nachbarschaft zu riskant war. Am Abend erreichten wir Fort Syll, wo die Kiowa äußerst unabhängig zu sein schienen, denn sie nahmen den Negersoldaten ihre Patronen ab, so oft sie dachten, dass sie Gebrauch dafür hätten. Diesen war es verboten, Streit mit den Indianern anzufangen, da man fürchtete, sie wären nur zu bereit, wieder Feindseligkeiten zu beginnen. Die Neger ließen sich daher alles gefallen. Im Laden kaufte ein Neger ein Pfund Tabak, während einige Kiowa dabeistanden. Sobald er dafür bezahlt hatte, trat ein großer Krieger auf ihn zu, hielt ihm mit einer Hand ein Messer unter die Nase, mit der anderen ergriff er das Paket Tabak und sagte: »Mich hab gern Haufen Tabak.« Er steckte es unter den Arm und stellte sich ruhig zu seinen Kameraden. Der Neger sagte kein Wort, sondern schaute ihn einen Augenblick recht dumm an und ging nach Hause.

Wir traten bald den Rückweg an und erreichten Jacksboro ohne weitere Abenteuer. Einige Wochen, ehe ich nach Fort Syll ging, hatten wir einen alten Puma geschossen und zwei Junge gefangen, die ich aufziehen wollte. Sie waren von der Größe einer Katze, doch etwas länger. Da ihre Haare noch sehr kurz waren, sahen sie hässlich aus, kratzten und bissen auch wie die Wildkatzen. Um sie schneller zu zähmen, hatte ich sie getrennt und einzeln gehalten, wobei sie ruhiger wurden und hübsch heranwuchsen. Während ich nun in Fort Syll war, hatten sie meine Kameraden der Bequemlichkeit des Fütterns halber zusammen in eine große Kiste gesperrt, wo sie kämpften und sich gegenseitig töteten, sodass ich sie bei meiner Rückkehr beide tot fand, was ich als einen großen Verlust betrachtete.

Im alten Fort Belnap, in der Nähe von Jacksboro, wohnte ein Mann, welcher sich einige Büffel aufgezogen hatte. Ein großes Paar Stiere hatte er sogar so weit gebracht, dass er sie einspannte. Sie arbeiteten gut, bis er eines Tages auf den Bergen des Brazos Holz holte. Die Büffel hatten großen Durst und rochen das Wasser im Fluss. Da konnten sie ihre Büffelnatur nicht länger überwinden, sondern gingen in dem ihnen eigenen Galopp auf den Fluss zu, den Wagen mitnehmend, aber dem Fuhrmann zurücklassend. Unglücklicherweise sind hier die Ufer des Flusses einige hundert Fuß hoch und so schroff, dass zwar ein Büffel hinunterklettern könnte, aber für einen schweren Wagen doch nicht passend. So kam es eben, dass die Büffel, welche die Sache nicht so genau berechneten, gerade am schlechtesten Platz hinunter wollten, was ihnen auch gelang, nur war ihnen dabei der Hals gebrochen und der Wagen ein Trümmerhaufen geworden. Als der Eigentümer am Platz ankam, warf er einen traurigen Blick auf die Ruinen seines Wagens, lispelte Verdammt und ging zu Fuß nach Hause, hat auch seitdem das Fahren mit Büffeln nicht mehr kultiviert.

In Jacksboro war ein Tanzhaus, das schon seit Jahren der Schauplatz blutiger Kämpfe gewesen war, ja in einem Jahr waren ungefähr sechs von unseren Leuten dort getötet worden. Als dies aber nun einem unserer besten Leute passiert war, so wurde beschlossen, das Haus dem Erdboden gleich zu machen. In einer stürmischen Nacht marschierten über einhundert Mann mit geschwärzten Gesichtern auf das Haus zu. Viele trugen große Kannen Petroleum und alle waren bewaffnet. Die Kellner und Eigentümer fanden sich plötzlich jeder mit einem Revolver unter der Nase. Es wurde ihnen höflichst geraten, sich ruhig zu verhalten. Doch ward ihnen erlaubt, ihre Kleider, Geld und ein wenig Handgepäck mit hinauszunehmen, wo sie streng bewacht wurden. Das mitgebrachte Petroleum wurde über das Dach, die Betten und das ganze Haus gegossen.  Wie mit einem Schlage war das ganze Gebäude in hellen Flammen, die schwarzgemalte Mannschaft um das Feuer tanzend, wie ebenso viele Teufel. Als alles brannte, dass an kein Löschen mehr zu denken war, zogen sie ruhig ab und jeder schlich sich zu seiner Wohnung.

Am nächsten Tag war die Stadt in einer großen Aufregung. Sie verlangte Genugtuung vom kommandierenden Offizier und die Auslieferung sämtlicher Beteiligten an die Zivil-Behörde. Da aber niemand wusste, wer die Beteiligten waren, und nur der erste Sergeant unserer Kompanie erkannt worden war, so verlangten sie diesen. Der Oberst sagte ihnen, dass derselbe in seinem Quartier wäre und dass er selbst keinen der Zivil-Beamten verhindern, würde ihn zu arretieren. So kamen sie denn zum Kompanie-Gebäude, der Sheriff trat vor und verlangte die Person des Sergeant G. Er wurde gebeten, hereinzuspazieren und ihn zu holen. Sobald er aber im Zimmer war, wurde er gepackt, tüchtig geprügelt und hinausgeworfen. Ohne sich länger aufzuhalten, ging er zurück in die Stadt und schickte seinen Gehilfen, welcher bei seiner Ankunft in ein Fass Küchenabfallwasser getaucht wurde und ohne seine Waffen heimgeschickt wurde, mit der Bitte, sich und seine Kollegen bald wieder sehen zu lassen.

In der Stadt wurde die Aufregung noch größer, sodass für den nächsten Tag eine Versammlung im Rathaus einberufen wurde. Während der Nacht indessen schlug ein Bösewicht ein großes Plakat an die Rathaustür, sodass die Herren es gleich lesen konnten, wenn sie kamen. Es war an die Bürger der Stadt gerichtet und darin kurz und bündig gesagt, dass eine weitere Verfolgung dieser Geschichte sofort aufhören müsse. Wenn das nicht geschähe, würde ihnen ihr Nest von einer Stadt über den Köpfen abgefackelt werden und jeder Beamte, der das Fort betrete, um irgendeinen der Truppen zu verhaften, sofort erschossen. Dieses Dokument hatte die richtige Wirkung. Die Stadt war in Bestürzung, denn sie hatten nicht den geringsten Zweifel, dass die Drohung ausgeführt würde, im Falle sie unseren Wünschen nicht nachkämen. Jeder hatte ein Haus und keiner wollte es gern angezündet haben. Somit wurde nach vielem Reden hin und her endlich beschlossen, die Sache ruhen zu lassen. Dennoch waren sämtliche Zeitungen in Texas voll von den großen Ereignissen in Jacksboro, natürlich noch viel schöner und kräftiger ausgemalt. Auf diese Weise kam die Kunde auch zu Ohren des kommandierenden Generals in Austin. Er schrieb um Aufklärung über die Geschichte an unseren Postkommandanten. Dieser erklärte ihm die Sache, worauf sich der Herr General nicht weiter darum kümmerte.

Auf die Entdeckung des Plakatverfassers waren jedoch zweihundert Dollar Belohnung ausgesetzt worden. Es hat sich aber bisher noch keiner gefunden, der ihn entdeckt hätte. Eines Morgens, gerade als es anfing, etwas hell zu werden, saß ich im Gebüsch an Vorposten. Da hörte ich ein Geräusch auf mich zukommen. Nach einiger Zeit sah ich eine dicke schwarze Linie herannahen, die im Halbdunkel wie eine riesige schwarze Schlange aussah. Doch bei genauerer Beobachtung erkannte ich, dass es vier kleine Waschbären waren, die da einer hinter dem anderen her spaziert kamen. Ich beschloss sogleich, sie für meine Menagerie zu fangen und sprang auf sie zu. Sie ergriffen die Flucht, konnten aber, da sie sehr jung waren, nicht schnell laufen. Bald holte ich den Letzten ein, welcher sich auf den Rücken warf und ohne Bewegung dalag. Ich ließ ihn liegen, um erst die anderen zu fangen, holte den Zweiten ein, welcher sich ebenfalls so hinlegte. Dann setzte ich die Jagd nach den noch übrigen zwei fort. Doch diese entkamen ins Gebüsch. Eilig kehrte ich um, nach den zwei ersten zu sehen. Da waren diese auch verschwunden und ich konnte sie nicht mehr finden. Die Moral davon: Da ich mit einem oder zwei nicht zufrieden war, sondern sie alle vier haben wollte, bekam ich gar keinen.

Jede Kompanie Kavallerie hatte acht Packtiere und ich wurde nun als Kompanie-Packer kommandiert. Ich hatte außer meinem Pferd vier Packtiere zu versorgen, war aber von allem anderen Dienst frei und bekam zwanzig Cent per Tag Zulage, musste aber auch das Füttern der Pferde überwachen und die Fouragekammer. Doch frei von Wachen zu sein, war ein großer Vorteil, da wir bei dem vielen Dienst beinahe jede andere Nacht auf Wache waren.