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Hannikel – 8. Teil

Christian Friedrich Wittich
Hannikel
oder die Räuber- und Mörderbande, welche in Sulz am Neckar in Verhaft genommen und daselbst am 17. Juli 1787 justifiziert wurde
Verlag Jacob Friderich Heerbrandt, Tübingen, 1787

Weil nun Hannikel und Wenzel in dem Verhör über den von ihnen verübten und eingestandenen Mittelbronner Einbruch und Diebstahl, jener sieben Bürger, als der nach einem Schreiben aus Pfalzburg angegebenen Mitschuldigen und bereits auf das bloß Angeben der Juden unverantwortlich verurteilten mit keiner Silbe gedacht und solche allem Ansehen nach ganz unschuldig justiziert worden waren, so fand man durch Veranlassen des im Ludwigsburger Zuchthaus befindlichen Gauners Schinder-Peterle für nötig, Hannikel und seinen Bruder Wenzel über diesen schauervollen Vorgang noch einmal zu vernehmen. Er wurde zu diesem Ende am 13. Jänner dieses Jahrs nochmals vorgefordert und nach den ernstlichsten und beweglichsten Erinnerungen die Wahrheit anzugeben, in Gegenwart der erforderlichen Urkundspersonen über Folgendes befragt:

Frage: Er solle noch einmal alle diejenige Böswichte genau angeben, welche den auf 30.000 bis 40.000 Pfund ästimierten abscheulichen Raub im Haus derer Juden Zerf Moises und Salomon Zerf, zu Mittelbronn den 24. September 1768 mit ihm und dem Wenzel vollziehen helfen?

Antwort: Er wolle alle genau angeben, weil ihm diese noch wohl bekannt seien: Er, Inquisit, als Kommandeur von der Wacht; sein Bruder, der Wenzel; Hellele oder Christoph; Fontin, welcher zu Zweibrücken auf der Schanz; Sternenfelser; Lodi; Wieser, der zu Mannheim im Zuchthaus sitze; Lettauer, dessen Sohn auch im Zuchthaus zu Mannheim sei; Morelen; Baderien; Dodelo, welcher vom Jäger im Ort in die Hand geschossen worden war; Clemens, der zu Eiserstal von den Husaren erschossen worden war; Rozer des hier verhafteten Dulis Bruder; Domeker; Ranschekor; Mannoch, der zu Eiserstal von den Husaren und Ernst, der zu Steinbach erschossen worden war; Angali, ein französischer Zigeuner; Leonhard mit dem Baderle zu Hohentwiel auf der Festung befindlich; Edlauer; Fendlauer oder der kleine Lauratti, der im Zuchthaus zu Mannheim sei; Redensko, der auf dem Lindenberger Hof erschossen worden war; der kleine Buchewitz oder Peter; Misander, welcher zu Eisersthal erschossen worden war; Pauli, ein Sohn vom Fudelbatsch; Sulderhaß, ein Bruder vom Fontin und Hellele; Loschenski, ein Vetter vom kleinen Lauratti und der Taugen-Henerle, welcher auf der Frohnmühle gehaust und der einzige Deutsche unter ihnen gewesen war. Dieser sei als ein Wildschüz öfters zu denen Zigeunern in Wald gekommen und habe ihnen erzählt, dass es so einen reichen Juden in Mittelbronn gebe, und dadurch veranlasst, dass die Zigeuner auf den Juden los gegangen waren. Der Henerle habe den Wirt zu Altstatt todschlagen geholfen und sei vor zirka 15 Jahren zu Ingwiler gerädert worden.

Frage: Welche von ihnen in des Juden Haus hineingekommen und die Juden mit all ihren Leuten erbärmlich geschlagen, gemartert und gebunden?

Antwort: Von denen zehn Zigeunern, welche in des Juden Haus hineingekommen waren, wisse er nur noch den Fontin, Hellele, Sternenfelser, Buchewiz, Lauratti, Ernst und Clemens. Dieser und die drei ersten seien Hauptleute unter ihnen gewesen und werden auch des Juden Leute am meisten gequält und gemartert haben. Er habe mit dem Dodele die Wache kommandiert und wisse eigentlich nicht, wie es in des Juden Haus hergegangen sei.

Frage: Ob ihm oder seinen Kameraden Wilhelm Braun, Mattheis Erret, Michel Fir und Johann Kaspar Beker, sodann Joseph Siegler, Ludwig Siegler und Ulrich Beker von Lüzelburg aus den 3 Häusern nicht auch bekannt gewesen und mit den Zigeunern Diebstähle begangen haben?

Antwort: Nein, von diesen Leuten wisse er gar nichts, sie sehen auch niemals zu ihnen gekommen.

Frage: Von diesen 7 Personen seien die 4 Ersteren als Mitschuldige vom Mittelbronner Diebstahl am 17. Februar 1769 zu Mez wirklich gehenkt und die drei Lezteren zur lebenslänglichen Galeerenstrafe verurteilt worden. Ob jene also unschuldig gehenkt worden und diese unschuldig auf die Galeere gekommen waren?

Antwort: (Heftig, als ob die schon längst erstickt geschienenen Gefühle der Menschheit auf einmal in seiner starren Seele wieder lebendig wurden) O, dass Gott erbarm! Gibt es auch Leute, die solche abscheuliche Ungerechtigkeiten an Menschen begehen können! Sind jene wegen des Mittelbronner Diebstahls gehenkt worden, so hat man sie unschuldig ums Leben gebracht, und die Juden, welche hieran schuld sind, werden vor dem Richterstuhl Gottes ihren Lohn davor kriegen.  Noch nie habe er gehört, dass man Menschen ohne ihr Geständnis richten lassen und werde wohl ein solches Beispiel rar sein. Sollten die drei auf der Galeere noch leben, so möchte man sie doch sogleich freilassen, weil sie in 18 Jahren genug unschuldig gelitten und während dieser Zeit manchen Seufzer zu Gott in den Himmel um ihrer großen Unschuld willen geschickt haben werden.

Dies sind Hannikels eigene Worte. Mit gleicher Rührung bestätigte solche auch Wenzel und Peter Vetter, vulgo Schinder-Peterle, der ehemals auch zur Bande hielt, nun aber im Ludwigsburger Zuchthaus für seine bösen Taten büßt.

Sie bezeugten auch noch weiter, dass obige sieben Männer niemals auch nur die entfernteste Bekanntschaft mit Zigeunern gehabt hatten.

Es ist also klar erwiesen dass man diesen armen Leuten Gewalt und Unrecht getan habe.

Was nun aber diese unglückliche höchst bedauernswerte Schlachtopfer einer allzu strengen Justiz betrifft, so wird jeder Menschenfreund dringend gebeten, wegen denen, die allenfalls noch darunter am Leben sein möchten, ernstliche Nachfrage zu halten, damit man es ihnen zu ihrem Trost und Beruhigung sagen könnte, dass ihre so sehr gekränkte Unschuld sichtbar gerettet worden sei.