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Dreizehn Jahre im Wilden Westen – Kapitel XXIV

Dreizehn Jahre im Wilden Westen
Oder: Abenteuer des Häuptlings Sombrero
Nürnberg, 1877

XXIV. Nach Indianern. Wildes Vieh. Leben im Fort Concho. Mexikanische Räuber als Indianer.

Wir gingen nun wieder an einen Seont den Colorado River hinauf und streiften einige Wochen in den Bergen umher. Da unser Fleisch alle werde, ging ich mit Higgins hinaus, um ein Stück wildes Vieh zu schießen. Bald fanden wir eine große Herde und schossen ein gutes fettes Tier. Als es aber brüllte, wie Higgins ihm den Hals durchtrennte, so kam die ganze Herde daher galoppiert. Sobald sie das Blut rochen, mussten wir ins Gebüsch flüchten. Sie stampften die Erde, brüllten und warfen Sand mit Hörnern und Füßen in die Höhe. Unsere Karabiner lagen auf dem freien Platz, wo wir sie abgelegt hatten, um den Stier zu zerlegen. Wir konnten sie nicht bekommen, denn sobald sich einer von uns zeigte, ging die ganze Herde auf ihn los, Nun schickte ich H. im Gebüsch herum auf die andere Seite. Als er sich da sehen ließ, ging das Vieh sofort auf ihn los. Sobald sie mir den Rücken gewandt hatten, lief ich hinter ihnen zu den Gewehren, nahm sie an mich und lief wieder ins Gebüsch zurück, wo unsere Pferde angebunden waren. Ich stieg auf, ritt hinüber, wo H. hinter den Bäumen herumlief und gab ihm sein Pferd. Wir machten uns auf den Weg, denn wenn einmal wildes Vieh Blut gerochen hat, lässt man es lieber allein. Ich habe öfter gesehen, dass ein Stück Vieh, das irgendwie Blut an sich bekommen hatte, von der ganzen Herde verfolgt, getötet und zertreten wurde.

In Fort Concho fing es auch an, wieder etwas lebhafter zu werden, denn es wurden in einer Nacht zwei Mann erschossen und einer erstochen, während sonst gewöhnlich nur ein Mann per Nacht erschossen wurde. Wir mussten jede Nacht über den Fluss auf Patrouille gehen. Kam an mich die Reihe, so führte ich die Patrouille zu Eisenstein, wo wir uns Pfannenkuchen backen ließen und Milchpunsch dazu tranken. Nun wurden unserem Nachbarn Tankersley etwa fünfhundert Stück Vieh gestohlen. Also gingen wir, dreizehn Mann stark, nebst H. Tankersley auf die Verfolgung der Räuber aus. Am zweiten Tag schon kamen wir zur Nordgabel des Colorado, wo wir die Herde am Fluss sahen und sogleich darauf los galoppierten. Kaum in die Nähe des Gebüsches gekommen, wurden wir mit einer Salve und dem Kriegsgeschrei der Indianer empfangen, was uns umso schneller machte, denn wir wussten nun, dass wir auf Feinde getroffen waren, die uns schon viel zu schaffen gemacht hatten. Nach zehn Minuten war das Gefecht zu Ende. Fünf Indianer lagen tot im Gras und zwölf waren entkommen, ihre Pferde und Equipments zurücklassend. Die Gefallenen wurden skalpiert. Tankersley hatte noch einen gefunden, der auf dem Gesicht lag und ging hin, um ihn ebenfalls seines Haupthaares zu berauben. Als er sich bückte, um ihn beim Schopf zu packen, schoss der Kerl, der nur verwundet und auf seinem Gewehr lag, auf Tankersley, sodass ihm die Kugel durch den Hut ging und etwas Kopfhaut mitnahm. Dieser steckte ihm gleich die Pistole hinter das Ohr, um ihm das Lebenslicht auszublasen, als der Gefangene auf Spanisch für sein Leben zu bitten anfing und erklärte, dass er Mexikaner sei worauf ihn Tankersley zum Gefangenen machte. Es stellte sich heraus, dass die ganze Bande Mexikaner von Puerta Luna, New Mexico, waren, die in ihrer Verkleidung als Indianer schon Jahre lang das Geschäft des Viehstehlens betrieben hatten. Von dem Gefangenen lernte man vieles, was sich später zur Verfolgung und Auflösung dieser Gesellschaften als nützlich erwies, welche ganze Lager in den Bergen hatten und die wir seinerzeit alle einfingen. Wir traten unsere Rückreise mit dem gestohlenen Vieh, zwanzig Pferden, Sätteln, Decken, Lassos usw. an, erreichten glücklich unser Fort Concho wieder, wo wir Order bekamen, nach Fort Richardson, Jacksboro, zu gehen. Während wir auf Transportation – Wagen von San Antonio – warteten, kamen die Indianer wiederum in die Umgegend. Eine Abteilung unserer Leute, die auf ihre Verfolgung ausging, fand drei Neger, die sie am Salt Creek getötet und skalpiert hatten, stießen aber kurz darauf auf die Indianer, von welchen sie drei töteten und einen jungen Kerl gefangen nahmen, der ein Mexikaner war. Er war in Chihuahua, Mexiko, geboren, wo die Comanchen seine Eltern und Geschwister massakriert und ihn als sechsjährigen Knaben mit fortgeschleppt hatten. Er wurde damals einer alten Squaw übergeben, welche ihn aufzog. Als er groß genug war, wurde er zum Pferdehüten und anderen Arbeiten verpflichtet. In den letzten Jahren nahmen sie ihn zwar auf ihre Raubexpeditionen mit, behielten ihn jedoch stets scharf im Auge. Er wurde als Gefangener behandelt, bis wir nach Jacksboro kamen, wo er freigelassen wurde, ein Jahr tüchtig arbeitete und mit dem ersparten Geld in seine Heimat in Chihuahua, die er vor elf Jahren gegen seinen Willen verlassen hatte, zurückkehrte.

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