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Interview mit Olaf Brill zu Perry Rhodan Mission SOL 2 Band 3

Olaf Brill
Perry Rhodan
MISSION SOL 2 Band 3
Zielpunkt Nebelzone

Science-Fiction, Heftroman, Hörbuch und E-Book, Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt, 16. April 2020, 64 Seiten, € 2,50, Titelbild: Arndt Drechsler

Alexandra Trinley: Olaf, du hast den dritten Band der Miniserie MISSION SOL 2 geschrieben. Worum geht es bei dir?

Olaf Brill: Das legendäre Raumschiff SOL ist in eine fremde Galaxis entführt worden, um dort nicht ganz freiwillig einen Auftrag für die Kosmokraten zu erfüllen, eine der Hohen Mächte des Universums. Als die SOL besetzt wird, gelingt es Perry Rhodans Sohn Roi Danton gerade noch, mit einem Beiboot auszuschleusen, als Eingreifreserve im Hintergrund. Das geschieht in Band 1.

In Band 2 stößt Perry Rhodan auf Koordinaten eines Sonnensystems, in dem ihre Gegner ein geheimes Projekt vorantreiben: anscheinend den Bau einer gigantischen Waffe.

In meinem Band 3 nun macht sich Roi Danton mit seinem Team zu diesen Koordinaten auf, um nachzuschauen, was da los ist: eine klassische Infiltrierungsmission, bei der sie wichtige Erkenntnisse über die Pläne ihrer Gegner gewinnen. Natürlich läuft dabei nicht alles nach Plan.

Alexandra Trinley: Wodurch erklärst du dir eigentlich die besondere Faszination, die die SOL ausübt?

Olaf Brill: Die SOL war von Anfang an ein Generationenschiff, das viele Jahrzehnte, schließlich sogar Jahrhunderte im Kosmos unterwegs war. Sie ist eine eigene Welt, auf der Menschen und Außerirdische auf- und heranwachsen. Sie verbringen einen Großteil ihres Lebens dort. Ich denke, das Faszinierende an der SOL war immer schon, dass es eben darauf ankommt, was auf dem Raumschiff selbst geschieht, während der Reise, und weniger darauf, was am Ziel der Reise passiert. Die SOL ist praktisch ständig in immer weitere Fernen unterwegs, gerät in Ereignisse von kosmischer Bedeutung und ist dabei doch selbst das faszinierendste Objekt von kosmischer Bedeutung.

Alexandra Trinley: Diesmal steht Perry Rhodans Sohn Roi Danton im Mittelpunkt. Welchen Zugang hast du zu dieser Figur, wie siehst du ihn?

Olaf Brill: Roi Danton hatte in PERRY RHODAN-Band Nr. 300, »Alarm im Sektor Morgenrot«, einen extravaganten Einstieg in die Serie: als affektierter »König der Freihändler«, der sich kleidet wie ein französischer Stutzer aus dem 18. Jahrhundert. Später stellt sich heraus, dass Danton in Wahrheit Perry Rhodans Sohn Michael ist, der diese Verkleidung gewählt hat, um sich vom übermächtigen Vater zu lösen. Für mich ist der Kern von Roi Dantons Persönlichkeit immer noch dieses selbstgewählte Bild des trickreichen Hasardeurs aus einem anderen Jahrhundert, der ein frei bestimmtes Leben lebt. Dagegen habe ich die Storys nie gemocht, in denen Roi in den Dienst einer fremden Macht gezwungen wurde und als deren Gefolgsmann agiert hat – davon gab es später ja einige.

Aber: Roi Danton ist inzwischen viele hundert Jahre alt, und in dieser Zeit ist viel geschehen. Das Verhältnis zu seinem Vater hat sich zur Kameradschaft zweier Männer gewandelt, die einander vertrauen und Hand in Hand für die Terraner und die anderen Völker der Galaxis kämpfen. Roi Danton ist also inzwischen ein Mann, der weiß, wofür er steht. Letztlich hat er sich selbst zu diesem Mann gemacht und ist eben nicht dazu gezwungen worden: weder unter der Ägide des Vaters noch unter dem Einfluss fremder Mächte. Das gefällt mir an ihm.

Alexandra Trinley: Nun habt ihr eine Art Kompromiss zwischen seinem traditionellen Auftreten und dem eines durch seine schlichte, direkte Art zugänglichen Mannes mittleren Alters gewählt, den ich für ziemlich gelungen halte. Wie lange habt ihr herumgeplant, ehe ihr euch für diesen Weg entschlossen habt?

Olaf Brill: Kai Hirdt, der Exosé-Autor der Miniserie, ist für die Geschichte verantwortlich, die wir Roi erleben lassen. Darin wird er tatsächlich ja mit den bösen Geistern seiner Vergangenheit konfrontiert, als er Gefangener und gleichzeitig Agent der Terminalen Kolonne TRAITOR war. Die konkrete Darstellung Dantons beruht auf meinen Entscheidungen als Autor. Ich hatte ihn ja schon als Protagonisten in meinem Band 10 der ersten SOL-Staffel und bin, finde ich, mit dieser Figur sehr gut klargekommen. Insofern danke für das Kompliment für die Darstellung der Figur an mich und Kai. Viel Zeit zum Herumplanen hatten wir dabei nicht. Wir sind unseren eigenen, oben dargelegten Auffassungen gefolgt und hoffen, dass wir damit den Geschmack der Leser treffen.

Alexandra Trinley: Mir gefällt’s. Kommt frisch rüber und trotzdem nicht unreif. Aber sag mal, Roi Danton ist einer jener Protagonisten, die heftige Emotionen unter den Fans auslösen können. Wie stark hat man beim Schreiben im Hinterkopf, dass soundsoviele Leser ein ganz anderes Bild von ihm haben könnten als man selbst es gerade zeichnet?

Olaf Brill: Überhaupt nicht! Ich denke beim Schreiben nie daran, was die Leser nun darüber denken werden. Dafür gibt es einfach auch zu viele Auffassungen der Leser, denen du nie allen zugleich gerecht werden kannst. Beim Schreiben zählt für mich nur ein Leser: Ich will PERRY RHODAN so schreiben, wie es mir als Leser gefallen würde. Was die spätere Bewertung der Romane angeht, kann ich nur hoffen, dass meine Vorlieben denen der Leser entsprechen.

Alexandra Trinley: Ennyas Anchi, dessen Weg der Leser begleitet, ist ein Neu-Solaner, stammt also aus dem Tal der Gestrandeten aus PRMS 1. Hat der Name eine geheime Bedeutung?

Olaf Brill: Da musst du Kai Hirdt fragen, der Name stammt von ihm. Wir haben ihn übrigens kurzfristig noch geändert. Ursprünglich stand ein Name im Exposé, der eine gewisse Ähnlichkeit zu »Danton« hatte, und Kai ist aufgefallen, dass es nicht gut klingen würde, wenn im Roman ständig beide Namen auftauchten.

Alexandra Trinley: Du hast eine jugendlich anmutende Perspektive gewählt, die sowohl die Auswahl für das Risikokommando wie auch die gründliche Informationsvergabe im Handlungsverlauf natürlich wirken lässt. Wie sehr stand dabei die Zugänglichkeit für Neuleser im Vordergrund?

Olaf Brill: Meine Philosophie ist ja, dass jeder PERRY RHODAN-Roman so geschrieben sein muss, dass ein Neuleser damit etwas anfangen kann, trotz jahrzehntewährender Seriengeschichte und übergeordneter Handlungsbögen.

Tatsächlich war die Figur des Ennyas Anchi das Element des Romans, über das Kai und ich uns vorab am ausführlichsten unterhalten haben. Kai hat die Dramaturgie des Romans dann so entworfen, dass diese Figur im Mittelpunkt steht: Ennyas Anchi ist es, der Höhen und Tiefen und eine gewisse Entwicklung erlebt, während die eigentliche Mission der Danton-Crew relativ gradlinig im Hintergrund verläuft. Ich mag diese Erzählweise! Und nebenbei bemerkt: Es ist mein erster Roman, der durchgehend in einer einzigen Erzählperspektive erzählt ist. Wir wechseln nie zu Danton oder einer der anderen Figuren, das ganze Abenteuer wird aus Sicht Anchis geschildert.

Alexandra Trinley: Wer von euch kam eigentlich auf die Idee, unsere Helden mit einem Raumschiff namens CALAMAR losziehen zu lassen?

Olaf Brill: Wieder Kai. Das Raumschiff wurde ja bereits in Band 1 von ihm eingeführt, aber da ich als Autor von Band 3 vorgesehen war, in dem die CALAMAR erstmals ausführlich zum Einsatz kommen würde, haben wir tatsächlich im Vorfeld eine Weile zu diesem Raumschiffnamen gebrainstormt. Ich hatte einen anderen Favoriten, den ich hier nicht verrate. Vielleicht setze ich ihn mal in einem späteren Roman ein.

Der Name der Skapalm-Bark GRAGRYLO stammt übrigens von mir. Sie hatte im Exposé schlicht keinen Eigennamen, und als ich eine Stelle schrieb, die auf der Bark spielte, hab ich mir fix einen ausgedacht.

Alexandra Trinley: »Zielpunkt Nebelzone« kommt mir vor wie ein in Worte gefasster Comic. Hat sich zwischen Kai Hirdt und dir auf dieser Ebene ebenfalls eine besondere Wechselwirkung ergeben?

Olaf Brill: Wir kennen uns ja schon lange und haben ein sehr gutes Teamwork entwickelt. Bei den PERRY RHODAN-Miniserien hat sich erwiesen, dass unsere Zusammenarbeit am besten funktioniert, wenn wir vor Erstellen des Exposés das eine oder andere Mal miteinander telefonieren und einfach frei die Ideen hin und her fliegen lassen. Manchmal schreibe ich auch ein kleines Paper, in dem ich darlege, welche Story ich gern erzählen würde, und Kai setzt dem dann seinen Stempel auf. Dann bekomme ich ein Exposé, das sowohl Kais Plänen für seine Serie und seinem Gespür für gute Dramaturgie entspricht als auch meinen Vorlieben entgegenkommt.

Alexandra Trinley: Nenne dein Lieblingsbild im Roman. Gern auch zwei.

Olaf Brill: Das ist eindeutig der Einflug ins Mauritiussystem. Ich habe mich entschlossen, daraus ein protoplanetares Sonnensystem zu machen, in dem die Planeten gerade erst entstehen, was ein faszinierendes Bild und gleichzeitig Anlass zu philosophischen Spekulationen gibt. Ich wollte einfach mal etwas anderes machen, als wieder einmal den Einflug ins x-te Sonnensystem mit soundsovielen Planeten zu schildern.

Als zweite Szenerie nenne ich mal das Gen-Kabinett in der Skapalm-Bark, in dem die Kolonnen-Anatomen die Kompanten züchten (nicht über die vielen seltsamen Wörter wundern: wird alles im Roman erklärt!). Das ist so eine richtige Gruselszene, und ich hoffe, auch die ist mir ganz gut gelungen.
Ich kann dazu eine kleine Anekdote vom Schreibprozess dieser Szene erzählen: Wie immer entstand der Roman unter großem Zeitdruck, und an dem Tag, an dem ich diese Szene geschrieben hatte, hatte ich mein Zeichenpensum erfüllt und war bereit, am nächsten Tag zur nächsten Szene überzugehen. Aber am Abend gefiel mir irgendetwas daran nicht, und um Mitternacht fiel mir ein, was es war: Danton hielt am Ende eine kleine Rede, dass sie jetzt die grausam misshandelten Probanden befreien würden, und diese Rede klang irgendwie nicht so stark und emotional, wie ich mir das gedacht hatte.

Ich habe die Szene dann am nächsten Vormittag leicht umgeschrieben. Dabei habe ich aber nicht ein Wort von Dantons Rede geändert, sondern folgendes gemacht: Ursprünglich hatte ich beschrieben, wie die Solaner durchs Gen-Kabinett geführt werden, und alle sind entsetzt über die grausamen Experimente. Aus diesem Entsetzen war Dantons Rede einfach die natürliche Konsequenz.

Da die Szene aber aus der Perspektive Anchis geschildert wird, habe ich es so geändert: Jetzt wirkt Danton beim Gang durchs Kabinett eiskalt, überhaupt nicht bewegt, und Anchi fragt sich, ob sein Einsatzleiter überhaupt keine Emotionen und nur ihren Auftrag im Sinn hat. Und dann kommt am Ende heraus, dass Danton nur seine Rolle gespielt hat, in Wahrheit sehr bewegt war und alle befreien will. So wirkt es viel stärker, weil wir zunächst – mit Anchi – denken, dass Danton sich falsch verhält, und dann erleichtert sind, dass er doch alles richtig macht.

Alexandra Trinley: Das Titelbild zeigt ein seltsames Gebilde. Was ist das?

Olaf Brill: Das ist eine der Raumstationen im Umfeld der Nebelzone, und zwar die zentrale Schaltstelle, die von Danton und seiner Crew infiltriert wird. Dort betreibt einer der Ritter BARILS seine finsteren Machenschaften.

Alexandra Trinley: »Nebelzone« ist so ein einfaches Wort. Warum habt ihr keines der üblichen Phantasiewörter gewählt, in dem sich Anklänge an ihre Eigenschaften verpacken ließen?

Olaf Brill: Ich finde das einfache Wort hier eigentlich sehr gut gewählt. Danton & Co. nennen das Ding Nebelzone, ohne zu wissen, welche Eigenschaften es hat. Das Wort beschreibt also den aktuellen Kenntnisstand unserer Figuren.

Außerdem macht sich »Nebelzone« gut im Titel. Klingt doch wie ein Roman von K. H. Scheer, findest du nicht auch?

Alexandra Trinley: Deshalb frage ich ja. Aber – hättet ihr es getan, wie würde sie heißen?

Olaf Brill: Och, ich weiß nicht. Vielleicht »Sphärenlabyrinth« oder so? (grinst)

Alexandra Trinley: In den ersten beiden Bänden ging es sehr um Gerechtigkeitsempfinden und Wertesysteme. Perry Rhodan muss sehr geschickt lavieren. Du beginnst mit einer eventuell ungerechtfertigten Absage, die anscheinend andere Auswirkungen hat als geplant, soweit sich das überblicken lässt. Wie ist der Unterschied, ob du deine Protagonisten in einer geordneten Welt mit klaren Werten agieren lässt oder in etwas so Unübersichtlichem?

Olaf Brill: Geordnete Welten mit klaren Werten sind ja langweilig. Deswegen haben sich schon früh in der PERRY RHODAN-Serie viele Hauptfiguren entwickelt, die im Gegensatz zu Perry Rhodan selbst nicht immer grundsätzlich gute und moralisch richtige Entscheidungen treffen mussten. Der Witz ist natürlich, dass auch Figuren mit fragwürdigen Werten manchmal das Richtige tun. Und am Ende ist es das, worauf es ankommt.

Alexandra Trinley: Kürzlich las ich Chestertons »Verteidigung des Schundromans«, in dem er betont, dass es dort menschlicher zugeht als in der »großen Literatur«, weil die Romane nicht beim Leser ankommen, wenn nicht der Gute gewinnt, die Unterdrückten befreit werden und so weiter. Wie weit, denkst du, kann man die Werteunsicherheit spannen, ohne dass die Miniserie an Unterhaltungswert einbüßt?

Olaf Brill: Es gibt ja durchaus Unterhaltungsserien, in denen die Bösen die eigentlichen Hauptfiguren sind, man denke an die italienischen Fumetti.

Dabei kommt es, glaube ich, darauf an, dass selbst jemand mit fragwürdigen Werten oder eine wirklich böse Figur noch irgendetwas haben muss, das sie ein wenig sympathisch macht. Jeder Leser (und Autor) selbst hat ja durchaus Charaktereigenschaften, die nicht immer nur total gut sind. Also kann er sich am Ende auch mit einer Figur identifizieren, die nicht ausschließlich gut ist, aber irgendeinen Zug an sich hat, den er selbst gern an sich sähe.

Alexandra Trinley: Worauf können sich die Leser als nächstes gefasst machen?

Olaf Brill: Aktuell sind die Bände 1 – 6 geschrieben, ich habe sie gerade alle am Stück noch einmal gelesen. Während man selbst an der Serie arbeitet, nimmt man sie ja eher als Arbeitsgrundlage und Informationsreservoir wahr. Als einfacher Leser kann ich sagen: Es ist schön, wie vielfältig diese neue Staffel der »Mission SOL« ist. Wir begegnen vielen faszinierenden Schauplätzen, Völkern und Figuren und erleben die Handlung aus ganz verschiedenen Perspektiven. Dennoch treibt jeder Roman die große Handlung unerbittlich voran! Was kann der Leser also erwarten? Abwechslungsreiche und bunte Unterhaltung, in der unsere Helden auf neue Freunde und Feinde stoßen und so einige Überraschungen erleben!

Alexandra Trinley: Nenne mir auf einer Skala von 1 bis 6 Protagonisten, die du sehr magst, bis zu Protagonisten, die du verabscheust.

Olaf Brill: Wie gesagt, muss ich für jede Hauptfigur zumindest irgendeinen Ansatzpunkt haben, der sie für mich sympathisch macht. Roi Danton und all diese Figuren, mit denen ich in meiner PERRY RHODAN-Lesehistorie aufgewachsen bin, sind eine klare 1. Andere sind eher so mittelinteressant, das sind die langweiligen Figuren. Figuren, die ich »verabscheue«, wären solche, zu denen ich überhaupt keinen menschlichen Zugang finden kann. Leider kann ich mich an Namen der letzten beiden Kategorien überhaupt nicht erinnern.

Alexandra Trinley: Bitte vervollständige den Satz: Essen auf einem Raumschiff …

Olaf Brill: … ist wie Sex in einem Schlafsack.

Alexandra Trinley: Interessante Verbindung. Weil doch einiges davon vorkommt. Also, Essen. Dann mal vielen Dank für die Auskünfte, und bis zum nächsten Mal!

Olaf Brill: Danke für die schönen Fragen. Bis bald, bleib gesund!

Alexandra Trinley: Danke, ebenfalls.

Zur Lese- und Hörprobe geht es hier.