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Elbsagen 64

Elbsagen
Die schönsten Sagen von der Elbe und den anliegenden Landschaften und Städten
Für die Jugend ausgewählt von Prof. Dr. Oskar Ebermann
Verlag Hegel & Schade, Leipzig

65. Die heilige Eiche im Kreuzhorst bei Magdeburg

Unweit Magdeburg, zwischen der alten und neuen Elbe, dem Dorf Salpke gegenüber, liegt ein schöner, durch seine herrlichen Eichen berühmter Forst, der sogenannte Kreuzhorst. Dieser diente im Mittelalter namentlich zahlreichen Wegelagerern als Aufenthalt und Versteck, die von dort aus die Straßen unsicher machten. Von diesem Forst werden auch verschiedene Sagen erzählt. Er gehörte früher als Klostergut dem vom Erzbischof Gero im Jahr 1022 gestifteten und vom Erzbischof Norbert 1126 mit Prämonstratenser- Mönchen besetzten Kloster Unserer Lieben Frauen. Einst soll Norbert sich in diesem Wald verirrt haben und an einen freien Platz gekommen sein, in dessen Mitte eine gewaltige Eiche stand, die von blühenden Sträuchern und Blumenbeeten umgeben war. Von der Schönheit des Ortes angezogen, setzte sich der Kirchenfürst auf eine dort befindliche Rasenbank, schlief dort ein. Als er durch einen plötzlich entstandenen Sturmwind aufgeweckt wurde, soll auf einmal ein hochbetagter Greis vor ihm gestanden haben, der sich ihm als ein Heidengott zu erkennen gab. Er machte ihm zwar Vorwürfe, weil er die noch nicht zu Christen gewordenen Bewohner des Landes verfolgte, gab ihm aber dennoch verschiedene Ratschläge und Warnungen. Als er verschwunden war, umgab den Erzbischof dichte Finsternis, allein ein weißer Stab, den jener zurückgelassen hatte und den er unter dem Baum fand, diente ihm durch seine wie eine Kerze leuchtende Spitze als deutlicher Wegweiser, sich aus dem Wald herauszufinden. Ehe er aber jenen Ort verließ, segnete er noch den schützenden Eichbaum und feite ihn durch einen frommen Spruch, dass er unzerstörbar sein solle für jede Menschengewalt, gleichzeitig aber ein Zufluchtsort für solche werde, die Schutz gegen Verfolgung unter seinem Laubdach suchen würden. Nach Hause zurückgekehrt, vergaß er bald die wunderbare Begebenheit, die ihm wie ein Traumbild erschien. Erst nach Verlauf eines Jahres wurde er wieder daran erinnert, als er vom Abt des genannten Klosters die wunderbare Mär hörte, es stehe in dem Kreuzhorst eine gefeite Eiche, der sich niemand mit Säge oder Axt nähern dürfe, wenn er nicht augenblicklich des Todes sein wolle. Schon hätten mehrere verwegene Männer ihr Leben zum Opfer gebracht, weil die Eiche einmal zum Fällen bestimmt war, allein niemand wage sich nun mehr an sie heran. Da dachte der Erzbischof wieder an jene Erscheinung und beschloss, die Eiche selbst in Augenschein zu nehmen. Er begab sich an den Ort, wo sie stand, fand aber nichts als eine große, sonst ganz gewöhnliche Eiche, die jedoch nicht jene reizende Umgebung besaß, welche er damals angetroffen hatte. Darum glaubte er auch, sich geirrt zu haben. Er nahm also selbst eine Axt und führte einen gewaltigen Hieb auf sie, allein siehe, noch ehe das scharfe Eisen das Holz berührt hatte, flog es vom hölzernen Stiel ab und verschwand spurlos. Da wusste der Erzbischof, dass es doch jene heilige Eiche war. Er kennzeichnete sie also mit einem Kreuz und gebot, sie für immer unberührt zu lassen und sie bei jedem künftigen Holzschlag zu schonen. So vergingen viele Jahre, jedermann kannte wohl in der Umgebung die heilige Eiche, aber niemand wusste mehr etwas von ihrem geheimen Zauber. Da trug es sich zu, dass eines Tages ein Liebespaar miteinander in dem Kreuzhorst lustwandelte und von Wegelagerern überfallen wurde. Sie hatten kaum Zeit, sich unter eine hohe Eiche zu flüchten, wo der Jüngling für den ungleichen Kampf mit den ihm sechsfach überlegenen Feinden sich wenigstens den Rücken decken konnte. Siehe, da begab es sich, dass, sobald einer der Räuber dem Baum zu nahe kam und nach dem Jüngling einen Hieb tat, eine unsichtbare Hand den Angreifer zu Boden warf, sodass in kurzer Zeit keiner von ihnen mehr übrig war. Die Geretteten eilten in die nahe Stadt zurück und erzählten den wunderbaren Vorgang. Als man aber hinkam, um die Leichen der gefallenen Räuber aufzusammeln und den Platz näher zu untersuchen, da fand man in dem Baum ein Kreuz eingehauen und erkannte, dass es die Eiche des heiligen Norbert war, jener Mann, der von dem alten Sachsengott selbst beschützt wurde. Der Volkssage nach soll jener Baum noch heute vorhanden sein, schade nur, dass ihn niemand mehr finden kann.

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