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Dreizehn Jahre im Wilden Westen – Kapitel XXI

Dreizehn Jahre im Wilden Westen
Oder: Abenteuer des Häuptlings Sombrero
Nürnberg, 1877

XXI. Wache an der Poststation Johnson. Schlangen, Pumas, Indianer.

Ich wurde nun mit drei Mann zu der Station Johnson kommandiert, um die Poststation zu bewachen. Sie liegt am Concho River, fünfunddreißig Meilen vom Fort, besteht aus einem kleinen Haus, von Baumstämmen gebaut, wo wir wohnten nebst einem Mann, der die vier wilden Maultiere der Post zu versorgen hatte. Dazu gehört noch ein starker Korral für die Tiere. Die Post kam nur zwei Mal die Woche auf dem Weg nach El Paso und zurück. Außerdem kam hie und da eine Herde Vieh, die über die Staked Plains nach New Mexiko und Colorado getrieben wurde, vorbei und deren Papiere ich zu kontrollieren hatte. Als ich meine Order hatte, zu der Station zu gehen, wurde mein Maultier mit Provision auf vierzig Tage bepackt und wir machten uns auf den Weg. Da aber niemand den richtigen Weg wusste, so gingen wir den North Concho statt den Concho River hinauf. Nachdem ich weit genug geritten war, um nach meiner Berechnung gut zu der Station zu kommen, wenn eine solche am North Concho gewesen wäre, machten wir Halt und beschlossen, weil es spät war, die Nacht über dort zu bleiben und dann morgens in gerader Linie zum Concho River zu gehen. Wir sattelten ab und ließen die Pferde laufen. Da meiner etwas unruhig war, band ich ihm den Kopf herunter an das Vorderbein, dass er nicht laufen konnte. Nicht lange darauf wollte ich ihn fangen, aber er ließ es nicht zu, sondern trabte immer weg. Als wir ihn endlich am Ufer des Flusses umringten, ging er ins Wasser. Bald kam er in das tiefe und da sein Kopf herabgebunden war, hatte er ihn gleich unter Wasser. Da bäumte er sich auf, schnell den Kopf aus dem Wasser werfend. Zur selben Zeit muss ein großer Fisch über den Riemen geschwommen sein, denn beim Aufbäumen warf das Pferd einen siebenpfündigen Cadfisch an Land, den wir sogleich für das Abendessen herrichteten. Gegen Sonnenuntergang brachten wir die Tiere heim und banden sie beim Lager an, da gerade Tausende von Büffel auf uns zukamen, zum Fluss galoppierend. Wir mussten tüchtig auf die vorderen schießen, damit sie sich teilten und auf beiden Seiten vorbeiliefen. Über eine Meile flussauf und -ab war nichts als die schwarze Masse Büffel, die sich in den Fluss gedrängt hatten und sich nun das Wasser schmecken ließen, zu sehen. Bald kamen sie wieder heraus und fort ging es im sausenden Galopp über die Prärie. Wir legten uns zur Ruhe, ausgenommen ein Mann, der der sicherheitshalber Wache stehen musste, denn wir waren auf dem Gebiet der Comanchen. Mit Tagesanbruch waren wir am nächsten Morgen auf dem Weg, erreichten gegen zwei Uhr Johnson Station und lösten die dortige Wache ab, die sich sogleich auf den Weg nach Fort Concho machte, unsere Pferde mit zurückführend. Wir richteten uns häuslich ein und ein faules Leben begann. Den Fluss entlang wuchsen viele Trauben und wilde Pflaumen, von denen wir ausgezeichnetes Mus machten. Büffel, Wild und Fische gab es ebenfalls viele, sodass man nicht den Hungertod zu sterben brauchte. Doch wimmelte der Fluss von großen Mokassin-Schlangen, die sehr giftig sind und die dort nach Sonnenuntergang so frech wurden, dass sich keiner von uns im Dunkeln an den Fluss wagte. Klapperschlangen waren ebenfalls auf der Prärie stark vertreten, was uns aber wenig genierte, da sie sich gewöhnlich hören lassen, ehe sie beißen, daher bei Weitem nicht so gefährlich sind, wie die Mokassin und Copperhead. Dieselbe ist kupferfarbig, ein bis zwei Fuß lang, dick, mit sehr breitem Kopf. Ihr Biss ist tödlich und sie sind besonders in Texas sehr zahlreich, wo es überhaupt an Reptilien und Ungeziefer nicht fehlt. Ich ging nachmittags angeln und hatte einige ganz schöne Fische gefangen, die ich an eine Weidenrute gesteckt hinter mir liegen hatte, als ich bemerkte, dass meine Fische langsam in das hohe Gras krochen. Näher zusehend, fand ich eine große Mokassinschlange, die einen Frisch im Rachen hatte und rückwärts kriechend die ganze Geschichte mit fortzog. Ein guter Prügel machte bald ihrem Dasein ein Ende, indessen mochte ich die Fische nun auch nicht mehr essen, nachdem die Schlange sie schon im Rachen gehabt hatte und warf sie weg. Am nächsten Morgen vor dem Frühstück ging ich, um zu sehen, ob ich nicht eine Antilope oder einige Hasen für Mittag finden könnte. Ich trug gewöhnlich zum Jagen Mokassins oder Indianerschuhe von Hirschfell gemacht, welche sehr leicht zum Gehen sind und auch kein Geräusch im Gras oder Laub machen, wie Stiefel oder Lederschuhe. Bald sprang ein Hase auf und ich stand zum Schuss fertig, sobald sich die günstige Gelegenheit bieten würde. Als ich so stand, den linken Fuß vorgesetzt, fühlte ich etwas, das sich unter dem Fuß bewegte und, wie es schien, hervorkommen wollte. Was war mein Erstaunen, als ich hinblickte und den Kopf einer großen Klapperschlange über den Zehen meines Fußes liegen sah, den Rachen weit aufgesperrt, sodass man den roten Schlund und die Giftzähne deutlich sehen konnte. Auf dem zusammengerollten Körper der Schlange war mein Fuß so fest gestellt, sodass sie sich nicht rühren konnte. Doch spürte ich durch die dünne Hirschhaut, mit welcher Kraft sie arbeitete, um frei zu werden. Mein erster Gedanke war, zu schießen. Da ich aber durch meinen Fuß hätte schießen müssen, so besann ich mich schnell eines Besseren. Mich mit dem rechten Bein stützend, machte ich einen gewaltigen Satz rückwärts. Die Schlange, sobald ich den Sprung machte, war frei und machte einen Biss nach mir, wobei sie sich der ganzen Länge nach warf – doch zu spät. Ich erschoss sie und schnitt die Klappern ab, deren sie elf hatte, was sie dreizehn Jahre alt machte, denn sie bekommen erst im zweiten Jahr einen Ring und dann jedes Jahr einen. Es gibt welche, die es bis zu fünfundzwanzig bringen, wo sie dann sehr groß sind. Es wurden einige Ziegen auf der Station gehalten, aber ein großer Puma, der sich in der Nähe aufhielt, holte sich hie und da eine davon. Trotz alles Wachens konnten wir nie einen Schuss auf ihn bekommen. Blieben wir drei Nächte auf und lauerten auf ihn, so kam er nicht. Schliefen wir eine Nacht, so holte er gewiss eine Ziege, wodurch unsere kleine Herde in drei Wochen bis auf ein Tier zusammenschmolz.

Am Freitag kam die Postkutsche mit ihren vier wilden Maultieren, und außer dem Postillon noch ein anderer, der weiter die Straße hinauf gehörte. Sie hatten ein Fässchen Schnaps mit sich und waren daher beide ziemlich betrunken. Während des Essens kamen sie in Streit und ein Duell wurde sogleich vorgeschlagen. Beide gingen vor das Haus, mit Karabinern bewaffnet, um es auszukämpfen, als der eine vorschlug, lieber Pistolen zu nehmen. So wurden die Pistolen geholt. Alles war fertig zum Schießen, als Bobo vorschlug, die Geschichte lieber mit Messern abzumachen. Als die Messer gebracht wurden, fingen sie zu plaudern an und machten plötzlich wieder auf gut Freund.

Nun wurde angespannt. Die Maultiere mussten im Korral mit dem Lasso gefangen werden. Dann wurden sie kurz angebunden, geschirrt hinausgeführt und jedes einzelne von einem Mann gehalten. Der Kutscher saß während des Einspannens auf dem Bock, die Zügel festhaltend, bis alles fertig war. Dann rief er go. Wir, die die Tiere am Kopf hielten, sprangen auf die Seite. Mit einem Satz, dass man denkt, sie reißen die Kutsche entzwei, traten sie die Reise an. Über Graben und Steine ging es im wilden Galopp, bis sie sich etwas ausgetobt hatten. Dann fielen sie in einen Trab, den sie den ganzen Weg beibehielten.

Ich unternahm es eines Nachmittags, zwei von diesen Maultieren zugleich zum Fluss zu führen. Dazu gebrauchte ich für jedes ein langes Lasso. Doch kaum war ich an dem Korral, als beide Maultiere sofort durchbrannten. Hätte ich das Seil losgelassen, so waren sie verloren gewesen. Daher hielt ich, mit aller Kraft mich stemmend, am Lasso fest und wurde einige hundert Schritte weit geschleift. Als ich einen Baum im Weg bemerkte, raffte ich mich auf, lief mit dem Ende der Seile schnell um den Stamm und brachte die wilden Tiere zum Stehen. Nun band ich sie fest und ging nach dem Hause zurück, um Verstärkung zu holen. Abends brachten wir sie, indem je zwei Mann ein Maultier führten, glücklich zum Korral zurück.

Von meiner Station aus musste die Kutsche vierundsechzig englische Meilen ohne Wechsel bis zur nächsten Station gehen, die am Pecos River war, da zwischen beiden kein Tropfen Wasser zu finden war.

Ich fand ein Rebhuhnnest mit Eiern, die ich nahm und unter eine Henne legte, welche sie ausbrütete. Nach vierzehn Tagen hatte ich neun wundernette kleine Rebhühner, die, sobald sie aus der Schale krochen, gleich nach allen Richtungen liefen, ohne im Geringsten auf das Locken der Henne zu achten, sodass ich genötigt war, sie in eine kleine Kiste zu tun und sie wie Gefangene zu behandeln. Eines Abends kam der Mexikaner zu mir und sagte, er hätte einen Baum (Turkey Roost), auf dem wilde Truthühner jede Nacht bei Hunderten schlafen, gefunden. Sobald es dunkel war, machten wir uns auf den Weg, gingen über den Fluss und waren bald auf dem Platz. Da aber schwarze Wolken aufgezogen waren, hatten wir nicht genügend Licht, um zu schießen, beschlossen also, die Jagd auf eine feinere Nacht zu verschieben. Der Mexikaner schlug vor, weiter unten über den Fluss zu gehen, um dann desto eher auf offene Prärie zu kommen, wo das Gehen im Finstern besser ist.

So schlugen wir einen engen Pfad ein, der durch das dichte Gebüsch führte. Nachdem wir ein Stück gegangen waren, kamen wir auf ein offenes Fleckchen. Der Mexikaner schritt voraus, ich hinter ihm, in der Finsternis herumtappend, als ich plötzlich an etwas stieß, das mit einem mächtigen Satz über unsere beiden Köpfe hinwegsprang.

Camillo sagte: »Carrajo Leon (Puma)!«

Ich sagte leise: »Donnerwetter.«

Beide machten wir uns aus dem Staub, da bereits das Weinen des Pumas neben uns hörbar wurde, doch aber bei der großen Finsternis ein Schuss nicht zu wagen war. So kamen wir glücklich nach Hause.

Hie und da kamen kleine Partien Indianer vorbei, die uns aber nicht belästigten. Darum ließen wir sie auch in Frieden, doch ging ich immer auf das Dach des Hauses und schwang meinen Hut in der Luft zum Gruß, welches Kompliment sie erwiderten, indem sie ihre Schilde schwangen und einen Schrei ausstießen. Es wurden im Monat viele Herden Vieh vorbeigetrieben. Da ich die Papiere zu untersuchen hatte, so ließ ich mir von jeder einen guten zweijährigen Ochsen zum Schlachten geben, sodass es mir nie an frischem Fleisch fehlte. Dabei blieben aus jeder Herde einige lahm gewordene Tiere zurück, die ich mir ebenfalls zu Gemüte zog und als mein Eigentum erklärte.

Als mein Monat zu Ende war, wurden wir von Negertruppen abgelöst, die einige Tage darauf ihre Pferde auf folgende Weise verloren. Sie banden dieselben beim Grasen den Tag über ein gutes Stück vom Haus weg an und ließen einen Mann Wache dabei. Eines Morgens hatte der Neger sogar seine Waffen zu Hause gelassen und saß ruhig im Gras, als ein Trupp Indianer daherkam, welche ganz gemütlich die Stricke durchschnitten und sich die Pferde aneigneten. Der Neger, der nicht wusste, was er tun sollte, ergriff das Pferd eines nahestehenden Indianers beim Zügel, um es festzuhalten, bis Hilfe käme. Damit war aber der Indianer nicht einverstanden, sondern schoss dem Neger eine Pistolenkugel in das Sitzfleisch, worauf dieser furchtbar heulte. Die Indianer aber ritten mit den erbeuteten Pferden fort. Warum sie den Neger nicht getötet und skalpiert hatten, kann ich immer noch nicht begreifen.

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