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Der Fackelzug

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Das schwarze Buch vom Teufel, Hexen, Gespenstern … Teil 72

Das schwarze Buch vom Teufel, Hexen, Gespenstern, Zauberern und Gaunern
Dem Ende des philosophischen Jahrhunderts gewidmet
Adam Friedrich Böhme, Leipzig, 1796

Der Bader Sauer gräbt zehn Carolinen und siebzehn Kreuzer auf einem Kreuzweg ein.

In dem Kurmainzischen Oberamt Krautheim trug sich im November 1790 Folgendes zu. Georg Keppler von Morlach hatte schon vor acht Jahren auf der rechten Seite des Gesichts, ungefähr ein Finger breit unter dem Auge, ein Blätterlein in der Größe einer Linse bekommen, welches zu vertreiben mehrere Mittel vorgeschlagen und gebraucht worden waren, wobei sich aber das Übel immer vergrößert hatte. Auf Anraten bekannter Personen ließ er endlich den Bader Sauer in Morsbach rufen und entdeckte diesem angeblichen Wundermann sein Anliegen, welcher denn auch gewisse und baldige Hilfe versprach. Da sich nach einigen Wochen nicht die geringste Besserung auf seine gebrauchten Mittel zeigte , ließ der Kranke Misstrauen in seine Versprechungen merken, worauf Sauer äußerte, er müsse bekennen, dass, nachdem seine bisherigen Versuche fruchtlos geblieben waren, er selbst zweifle, den Schaden durch die sonst dienlichen Mittel beheben zu können, und zwar deswegen, weil dieses Übel keine natürliche Ursache habe, sondern einer Verhexung zuzuschreiben sei. Es müssten demnach andere Mittel angewendet werden. Diese besitze er, und wenn der Patient Zutrauen zu ihm habe, wolle er ihn bald gesund machen. Voll Sehnsucht nach Hilfe verstand sich dieser zu allem. Sauer begann seine Spiegelfechterei folgendermaßen. Zuvörderst wurde von ihm eine Schüssel mit Wasser und ein Bogen Papier verlangt. Mit diesen Stücken spielte er allerhand Gaukeleien, da er sich bald hin und her stellte und wandte und am Ende das Papier in den Ofen warf. Während er diese Blendwerke vornahm, verbot er der Frau des Patienten, irgendjemand in das verschlossene Haus zu lassen oder, wenn jemand an der Haustür klopfte, solches zu öffnen, noch weniger zum Fenster hinauszusehen. Nach diesem verlangte er zehn Carolinen von einem Jahrgang und sechzehn Kreuzer von einerlei Gepräge, unter dem Vorwand, dieses Geld müsse an einem Kreuzweg vier Wochen lang unter die Erde vergraben werden, um dadurch die Hexe, die ihm das Übel gemacht habe, zu bannen und außer Stand zu setzen, ihm ferner in seiner Kur hinderlich zu sein. In der Angst, worin der Kranke wegen seines Übels war, und da ihm Sauer ein lateinisches Buch zeigte, welches nach seinem Vorgeben schon über hundert Jahre alt sei, ließ er sich überreden, das Geld so gut wie möglich herbeizuschaffen, worauf Sauer dasselbe in der Frau und des Patienten Gegenwart mit seiner Petschaft versiegelte und beide ihre Namen darauf schreiben ließ. Sauer nahm dies zu sich, nachdem er vorher noch einige, diesen unbekannte Worte hinzugesetzt hatte. Seit diesem Vorgang kam er einige Male wieder, um den Patienten zu besuchen und ihm Glauben zu machen, die Heilung gehe sehr gut vonstatten. Weil aber weder der Kranke noch seine Anverwandten sich davon überzeugen konnten, so sollte die Sache in Gegenwart mehrerer Personen untersucht werden, aber der Herr Doktor eilte davon und ließ sich nie wieder sehen. Wenige Wochen nach diesem Vorgang starb der Unglückliche tatsächlich an einem Krebsleiden.