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Slatermans Westernkurier 02/2020

Auf ein Wort, Stranger,

wenn man sich mit dem Thema Recht und Gesetz im Wilden Westen beschäftigt, dauert es meist nicht lange, bis man auch auf Begriffe wie Gesetzeshüter, Banditen und Verbrecherbanden stößt. Vor allen Dingen letztgenannte bieten auch heute noch genügend Stoff für eine lang andauernde Diskussionsrunde. Schließlich waren Banditenbanden zur damaligen Zeit so zahlreich wie die Blätter eines Ahornbaumes und es gibt kaum jemanden, der die Jesse-James-Bande nicht kennt, oder die Daltons, die Doolin-Bande, die Wild Bunch oder die Rufus-Buck-Gang, um nur einige zu nennen.

Was dabei auffällt, ist, dass die meisten von ihnen selbst in unserer heutigen Zeit noch eine gewisse Heldenverehrung umgibt und von verwegenen, tollkühnen und abenteuerlichen Männern die Rede ist, wenn Namen wie Jesse James, Butch Cassidy oder Sundance Kid erwähnt werden.

Über die Opfer dieser Verbrecher spricht man dagegen kaum, denn die hätten andere Geschichten erzählen können. Geschichten von eiskalten Mördern, schießwütigen Verbrechern und ehrbaren Bürgern, die hilflos zusehen mussten, wie man ihre Existenz in Stücke schoss.

Ein typisches Beispiel hierfür ist die Flores-Daniel-Gang. Sie ist zwar nicht so bekannt wie die oben genannten Banditenbanden, aber ihre Brutalität und ihr menschenverachtendes Treiben stellte selbst die Taten dieser Räuberbanden in den Schatten.

 

*

 

Die Flores-Daniel-Gang, angeführt von Juan Flores und Pancho Daniel trieb zwischen den Jahren 1856 bis 1858 in Südkalifornien ihr Unwesen.

Alles fing damit an, dass Juan Flores wegen Pferdediebstahls verhaftet und nach San Quentin geschickt wurde, von wo er aber bereits im Oktober 1856 wieder fliehen konnte und sich alsbald dem Gesetzlosen Pancho Daniel anschloss. Gemeinsam rekrutierten die beiden eine Reihe anderer Hispanics aus der Region, darunter Anastasio Garcia, einen Mann namens Esponoza, Andres Fontes, Chino Valeras sowie Faustino Garcia, Juan Cartabo und Piguinino, auch der Einäugige genannt. Zusammen bildeten sie die Bande Las Manilas (die Handschellen), nannten sich aber schon bald die Flores-Daniels-Bande. Die Gesetzlosen begannen in Südkalifornien die Gebiete um San Luis Obispo und San Juan Capistrano zu terrorisieren, indem sie Pferde und Vieh stahlen, kleine Siedlungen überfielen und Reisende beraubten, wobei sie ihre Opfer bereits beim geringsten Anzeichen von Gegenwehr kaltblütig über den Haufen schossen.

Anfangs verteilten sie noch kleinere Beträge aus ihrer Beute an die mexikanische Bevölkerung, weshalb sie bei dieser schon bald als Volkshelden galten, die ihre Rechte verteidigten und ähnlich wie vor Jahren Tiburcio Vasquez und Joaquin Murieta gegen die amerikanische Unterdrückung kämpften. Das war auch mit ein Grund, warum ihre Bande alsbald auf über 50 Männer anwuchs.

 

*

 

Im Januar 1857 überfiel die Bande San Juan Capistrano, plünderte mehrere Geschäfte und erschoss dabei einen Ladenbesitzer und dessen Helfer.

Nach diesen Ereignissen stellte der Sheriff des Los Angelos County, James R. Barton, ein Aufgebot zusammen, um die Bande zu verfolgen. Am 22. Januar 1857 machten sich schließlich Sheriff Barton mit seinen Deputys Charles Baker, Charles Daly, dem Constable William Little sowie drei Bürgern der Bezirkshauptstadt auf den Weg, die Bande zu verfolgen. Das Aufgebot ritt gen Süden, übernachtete in den Bergen und kam dann im Morgengrauen an der San Joaquin Ranch vorbei, wo sie vom Besitzer der Ranch Don Jose Sepulveda zum Frühstück eingeladen wurden.

Während des Essens beschwor sie der Rancher, doch auf Verstärkung zu warten, weil sie den Banditen zahlenmäßig hoffnungslos unterlegen waren. Doch Barton und seine Männer schlugen Sepulvedas Warnungen in den Wind und ritten dennoch los.

Nachdem sie etwa zwölf Meilen zurückgelegt hatten, wurden sie am 23. Januar südlich der Ranch in einer Schlucht überfallen. Als die Männer des Aufgebots das Feuer erwidern wollten, stellten sie zu ihrem Entsetzen fest, das man ihnen sämtliche Munition gestohlen hatte.

Spätere Nachforschungen ergaben, dass die Flores-Daniel-Bande auf der Ranch einen Komplizen besaß, der den Diebstahl ausgeführt hatte.

Angesichts ihrer nutzlosen Waffen unternahmen die Männer des Aufgebots einen Fluchtversuch, bei dem sowohl Barton als auch Daly, Baker und Little erschossen wurden. Sie waren damit die ersten Polizeibeamten, die im Los Angeles County in Ausübung ihres Dienstes erschossen wurden.

Den anderen Männern des Aufgebotes gelang die Flucht. Als sich die Nachricht von dem Hinterhalt und dem Tod der Beamten in der Bezirkshauptstadt herumgesprochen hatte, bildete sich ein neues Aufgebot von diesmal etwas mehr als 50 Männern, die sich sofort an die Verfolgung der Mörder machte.

Unter der Führung von James Thompson, der später der neue Sheriff des Los Angeles County werden sollte, erreichten sie schon bald jene Schlucht, in der Barton und seine Männer in den Hinterhalt geraten waren. Thompsons Leute begruben die entsetzlich entstellten Leichen und hefteten sich sofort wieder auf die Spur der Bande.

Im Laufe der nächsten Tage gelang es ihnen, insgesamt 52 der Gesetzlosen zu verhaften.

Ein weiteres Aufgebot unter der Führung von General Andres Pico stieß auf zwei der berüchtigtsten Mitglieder der Bande und hängte sie ohne viel Federlesen an den nächsten Baum.

Das Urteil über die im Bezirksgefängnis eingesperrten anderen Bandenmitglieder war schnell gefällt. Am 14. Februar 1857 wurden 11 von ihnen, darunter auch Juan Flores, gehängt, der Rest für Jahre ins Gefängnis geschickt.

Pancho Daniel, dem zusammen mit einigen Getreuen die Flucht gelungen war, wurde im folgenden Jahr verhaftet und landete bereits wenige Tage später, am 30.11.1858, am Galgen.

Nachdem mehr als 100 Mitglieder der Flores-Daniel-Gang entweder im Gefängnis saßen oder am Galgen ihr Ende gefunden hatten, war der 25 Monate lang andauernde Terror vorbei und die Bande hörte auf zu existieren.

Das Wissen, das die kleinen Geldgeschenke der Bande der mexikanischen Landbevölkerung länger im Gedächtnis blieben als die unzähligen Toten, macht einen noch heute betroffen.

Quellenhinweis:

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