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John Sinclair Classics Band 42

Jason Dark (Helmut Rellergerd)
John Sinclair Classics
Band 42
Der schwarze Würger

Grusel, Heftroman, Bastei, Köln, 09.04.2019, 66 Seiten, 1,90 Euro, Titelbild: Ballestar
Dieser Roman erschien erstmals am 22.02.1977 als Gespenster-Krimi Band 180.

Kurzinhalt:
Wenn die Nebelschleier wie lange Geisterfinger durch die Straßen schleichen und wenn die Finsternis ihren Mantel über das Land gelegt hat, dann verschließt Fenster und Türen.
Denn jetzt ist seine Zeit!
Dann steigt er aus den Tiefen der Hölle, um Angst und Schrecken zu verbreiten.
Grausam sind seine Taten! Niemand kann ihm Einhalt gebieten. Denn er ist der SCHWARZE WÜRGER!

Leseprobe

Sektkelche stießen gegeneinander. Das helle Klingen der Gläser schwang wie leises Glockengeläut durch den festlich geschmückten Raum des Nobelhotels.

»Auf deinen Geburtstag, Perry«, rief eine nicht mehr ganz sichere Männer­stimme.

»Ja!«, brüllten die anderen Gäste im Chor. »Auf deinen Geburtstag!«

Perry Clifton war der Held des Ta­ges. Ein strahlender Playboy, Star des Londoner Jetsets. Und mit ihm feierte die Clique. Ein buntgemischter Hau­fen. Vom Starlet über den verwöhnten Millionärssohn bis hin zum Rauschgift­dealer war alles vertreten.

Perry gab eine Fete. Die Schau des Jahrhunderts. Und sie waren berüchtigt, diese Feiern. Da blieb kein Auge trocken. Da wurde über die Stränge geschlagen, dass sich die Balken nur so bogen. Und wenn etwas passierte? Nun, mit Geld ließ sich alles regeln.

»Auf den Tisch, Perry! Auf den Tisch!«

Perry Clifton flankte auf einen run­den, stabilen Holztisch. Mit einem Tritt fegte er die Blumenvase von der Platte. Sie fiel zu Boden und zersprang unter dem Beifallsgebrüll der Gäste in tausend Scherben.

Perry stand auf der Tischplatte wie ein Held. Er fühlte sich auch so.

Sein weißes Seidenhemd war bis zum Bauchnabel hin geöffnet. Hauteng lagen die Jeans um Hüften und Beine. Die Füße steckten in weichen handgearbeiteten Lederstiefeln. Verschwitzt hing Perry Clifton das lackschwarze Haar in die Stirn. Darunter blickten zwei kalte Augen. Der schmallippige Mund war spöttisch verzogen, zeigte Verachtung.

Perry schwenkte das Sektglas. Cham­pagner spritzte heraus, klatschte einer nahe am Tisch stehenden Blondine mit­ten ins Gesicht.

Das Girl kreischte. Angetrunken war die Kleine, und jetzt versuchte sie müh­sam, auf den Tisch zu klettern.

Sie schaffte es mit Händen und Füßen.

Ein paar Typen hatten einen Kreis gebildet und feuerten die Blondine an.

Da hob Perry den Fuß.

Die Clique kreischte.

Das Girl bekam große, angsterfüllte Augen, begriff trotz des umnebelten Hirns.

»Perry, du …«

Perry Clifton lachte gellend. Er drückte seine geriffelte Sohle gegen die Brust des Girls.

Dann trat er zu.

Rücklings fiel das Mädchen vom Tisch. Grölend sprangen die anderen zur Seite. Niemand fing die Blondine auf. Hart prallte sie auf den Boden. Schmerz zeichnete ihr Gesicht. Das blaue Kleid rutschte bis weit über die Knie.

Ein blondgefärbter Transvestit leerte kichernd sein Glas über die Gestürzte.

Perry Clifton lachte. Er hatte wieder einmal seinen großen Auftritt gehabt. So und nicht anders musste man sie behandeln, diese dummen Gänse, die sich ihm dauernd an den Hals werfen wollten. In jeder Nacht hätte er zehn im Bett haben können, aber das alles hatte er schon hinter sich. Er brauchte was Neues, was Aufregendes. Die Clique musste sich endlich einmal etwas ein­fallen lassen.

Die Blondine erhob sich. Sie wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. Ihr Gesicht war nass und klebrig. Die Schminke verlief. Wimperntusche malte zwei schwarze Streifen auf ihre Wangen.

»Hau ab, Blondie!«, brüllte Clif­ton. »Sonst drehe ich dich noch einem Scheich an!«

Wieder grölten die Gäste.

Jemand fasste Blondie an der rech­ten Schulter und drückte ihr ein Glas Whisky in die Hand.

»Trink aus, Honey!«

Die Blonde kippte den Schnaps, war wieder versöhnt und warf sich erneut in den Trubel.

Sie war auch die Erste, die in den Pool flog. Kreischend landete sie im Wasser.

Zwei »Retter« sprangen ihr sofort nach, bekamen sie zu fassen und zogen ihr mit zwei routinierten Griffen das Kleid vom Körper. Nur noch im knappen Slip kraulte Blondie dem Beckenrand zu, wo man ihr mit Vergnügen aus dem Wasser half.

Der Erste, der ihr die Hand gereicht hatte, ließ sie nicht mehr los. Gemeinsam verschwanden sie in einem der Hotel­zimmer.

Perry Clifton hatte eine gesamte Ho­teletage gemietet. Geld hatte er mehr, als er ausgeben konnte. Deshalb war diese Feier eine Kleinigkeit für ihn.

Cliftons Vater war nicht umsonst einer der reichsten Männer Englands. Er hatte seine Millionen mit Konser­vendosen gemacht. Jetzt gehörten ihm allerdings noch einige andere Firmen.

Perry hatte keine Lust, in den Pool zu springen. Die Zeiten waren längst vorbei. Er stand an der Bar und trank Wodka aus der Flasche. Wodka war sein Lieblingsgetränk. Er schluckte das Zeug wie Wasser. Dann setzte er die Flasche ab und griff nach einer herumliegenden Schachtel Zigaretten.

Ein Feuerzeug schnippte auf.

Clifton drehte den Kopf und sah neben sich seinen Bruder stehen.

Dan Clifton war das glatte Gegenteil von Perry. Er hatte zwar das gleiche lackschwarze Haar, doch das war auch alles.

Dan Clifton war ein Träumer. Er hatte studiert und schwärmte von Expeditio­nen nach Brasilien. Leider ließ das seine Gesundheit nicht zu. Dan Clifton war von Natur aus kränklich. Er hatte einen blassen Teint und immer tiefe Ränder unter den Augen, die auch von der Horn­brille nicht verdeckt werden konnten. Er trug einen dunkelblauen Anzug und eine dazu passende Krawatte aus schwerer Seide.

Perry Clifton stieß den Rauch durch beide Nasenlöcher aus. »Du hast dich wohl verlaufen, Danny-Boy, wie?«

»Wieso?«

Perry lachte. Dann machte er mit dem linken Arm eine umfassende Geste.

»Hör zu, Muttersöhnchen. Das hier ist was für Erwachsene, für Leute mit Pep, aber nicht für Versager. Geh nach Hause und schnitz dir ein Blasrohr für deine Expedition.«

»Warum, Perry? Du hast doch schließ­lich Geburtstag. Und da wollte ich etwas mitfeiern.«

Jetzt bekam Perry große Augen. Er verschluckte sich sogar am Rauch der Zigarette.

»Du willst tatsächlich mit einen drauf machen?«, fragte er, als er sich ausgehustet hatte. »Das ist ein Ding. He, Leute!«, brüllte er plötzlich. »Kommt mal her.«

»Perry, ich …«

»Ach, halt den Rand.«

Einige Gäste kamen angelaufen. Grinsend blieben sie vor den beiden Brüdern stehen.

»Was ist das denn für eine Figur?«, kicherte eines der Betthäschen.

Perry schlug Dan kräftig auf die Schulter.

»Das ist mein lieber Bruder Danny. Ein heißer Typ, was?« Er lachte.

Dan Clifton bekam einen roten Kopf, als er Mittelpunkt der allgemeinen Be­lustigung war.

»Heiß? Ist der wirklich heiß?«, fragte Jonny Reno, ein stadtbekannter Rauschgift-Dealer.

»Und wie!«

Reno lachte, dass seine beiden Gold­zähne blitzten.

»Dann braucht er Abkühlung. Los, worauf warten wir noch?«

»Jaaa!«, brüllte die Meute im Chor. Und dann stürzten sich vier Mann auf Dan Clifton.

Perry machte mit. Er bog den Kopf seines Bruders nach unten, nahm Dan in den Schwitzkasten, sodass die anderen keine Mühe hatten, die Beine zu packen.

Vergebens trommelte Dan mit den Fäusten gegen Perrys Hüften. Der lachte nur.

Unter großem Hallo und Anfeue­rungsrufen der Girls wurde Dan Clifton zum Pool geschleift. Zwei nackte Pär­chen tummelten sich noch darin, die aber schnell über die Leiter hinauskletterten, als sie sahen, was die anderen vorhatten.

Die Männer hatten Dan hochgehoben. Im Chor brüllten sie die Kommandos.

»Eins-zwei …«

Bei drei ließen sie Dan Clifton los. Der junge Mann flog im hohen Bogen durch die Luft und landete klatschend im Was­ser, das durch die farbigen Kacheln grün schimmerte.

Das Wasser schlug über Dan Clifton zusammen. Zahlreiche Augenpaare richteten sich auf den unfreiwilligen Schwimmer, der verzweifelte Paddel­bewegungen machte, um an die Ober­fläche zu kommen.

Grinsend sahen die Leute zu, bis einer sagte: »Ich glaube, der kann gar nicht schwimmen.«

Perry Clifton hörte den Satz und hechtete mit brennender Zigarette im Mund seinem Bruder nach, der wie ein Stück Treibholz dicht unter der Wasser­oberfläche schwamm.

Perry bekam Dan zu packen, zog ihn hoch und schwamm mit ihm an den Rand.

Hilfreiche Hände hoben Dan aus dem Wasser, der würgte und sich dann über­geben musste.

»Mann, du bist vielleicht ’ne Memme«, keuchte Perry und wischte sich das Was­ser aus dem Gesicht. »Mich wundert es nur, dass du noch nicht in der Bade­wanne ertrunken bist.«

Diese Bemerkung löste wieder einen allgemeinen Heiterkeitsausbruch aus.

Mühsam stemmte sich Dan Clifton auf die Beine. Er spuckte und hustete noch immer.

Eines der Girls warf ihm ein Hand­tuch zu.

Clifton wischte sich das Gesicht ab. Dann ließ er das Handtuch fallen. Seine Brille lag irgendwo auf dem Grund des Pools. Mit hängendem Kopf schlich Dan Clifton aus dem Raum. Er drehte sich nicht ein einziges Mal mehr um.

»Jetzt weint er sich bei Mummy aus«, meinte einer.

Für diese Bemerkung fing er sich einen Schwinger ein. Perry hatte aus der Drehung heraus zugedroschen. Der Sprecher klatschte in das Schwimm­becken.       

Keiner lachte mehr.

Nur Jonny Reno fragte: »Was ist denn auf einmal los, Perry?«

Clifton winkte ab. »Ach, ihr könnt mich doch alle mal …«

Dann machte er auf dem Absatz kehrt und ging den gleichen Weg, den auch sein Bruder genommen hatte.

»He, ist die Party jetzt zu Ende?«, rief Reno.

»Nein, ich ziehe mir nur was anderes an.« Clifton grinste. »Ihr könnt weiter­saufen.«

Er verließ den Raum durch die Schwingtür, fuhr mit dem Lift fünf Stockwerke tiefer und betrat seine Ho­telsuite.

Sie umfasste drei Zimmer. Alle fantastisch eingerichtet und für einen normal Sterblichen nicht zu bezahlen.

Perry Clifton betrat den Schlafraum, wo auch der kleine Schreibsekretär stand. Er war aus feinstem Mahagoni und handgearbeitet.

Der Kristalllüster an der Decke ver­breitete gedämpftes Licht, geradeso viel, um noch lesen zu können.

Aus diesem Grund sah Perry Clifton auch den Zettel. Er lag mitten auf der polierten Schreibtischplatte.

Clifton zog irritiert die Augenbrauen zusammen, nahm den Zettel und begann zu lesen.

Und dann hatte er das Gefühl, von einem Tiefschlag getroffen zu werden.

Auf dem Zettel standen nur ein paar Worte.

DU STIRBST NOCH HEUTE NACHT!

Der schwarze Würger.

 

 

Perry Clifton wurde schlagartig nüch­tern. Er merkte, wie sich Schweiß in sei­nen Handflächen sammelte, ein Zeichen äußerster Erregung bei ihm.

»Verdammter Hund!«, presste Clifton zwischen schmalen Lippen hervor, nahm den Zettel, knüllte ihn zusammen und warf ihn wutentbrannt auf den Boden.

Wenn jemand versuchen wollte, ihn auf diese Art und Weise in Angst und Schrecken zu versetzen, dann hatte er sich getäuscht. Furcht kannte Clifton nicht. Allerdings war auch nie in lebens­bedrohende Situationen hineingeraten. Bisher hatte er alles mit seinem Geld regeln können.

Etwas anderes kam Clifton in den Sinn. Wenn dieser Zettel nur ein Scherz seiner Freunde war?

Clifton grinste. Ja, diese Möglich­keit schien ihm akzeptabel zu sein. Die Clique hatte sich mit ihm einen Scherz erlaubt. Und gar nicht mal schlecht, das musste sich Clifton eingestehen.

Aber wer hatte den Zettel geschrie­ben? Diesem Knaben würde er trotz allem einiges langziehen. Während Perry sich bückte, um das zerknüllte Papier aufzuheben, beschäftigte er sich bereits mit den Rachegedanken.

Sorgfältig faltete er den Zettel aus­einander und glättete ihn mit dem Hand­ballen.

Dann las er noch einmal Wort für Wort. Jeden einzelnen Buchstaben tas­tete er mit seinen Blicken ab.

Doch das Ergebnis war negativ. Perry Clifton kannte die Handschrift nicht. Außerdem hatte der Schreiber Druck­buchstaben benutzt, die in der Regel schlecht zu identifizieren waren.

Ärgerlich knüllte Perry Clifton das Papier wieder zusammen und warf es auf den Boden. Er nahm sich vor, sich nachher nichts anmerken zu lassen. Vielleicht sprach ihn irgendeiner der Kumpane darauf an.

Perry wandte sich um und trat an den weiß lackierten und mit zahlreichen Schnörkeln versehenen Kleiderschrank, dessen vordere Fläche durch vier Türen unterteilt war.

Perry Clifton öffnete die Mitteltür.

Er hatte einige Anzüge, Hosen, Hem­den und Schuhe mit ins Hotel genommen und wollte gerade nach einer frischen Jeans greifen, als das Licht verlöschte.

Perry Clifton hatte die Hand schon nach der Hose ausgestreckt. Genau in dieser Haltung blieb er stocksteif stehen.

Augenblicklich dachte er wieder an die Morddrohung. Er fühlte, dass sich seine Nackenhaare sträubten, und ob­wohl der Lichtausfall eine natürliche Ursache haben konnte, glaubte Perry Clifton nicht so recht daran.

Personen

  • Perry Clifton, Playboy, Star des Londoner Jetsets
  • Blondine
  • Partygäste
  • Dan Clifton, Perrys Bruder
  • John Reno, Rauschgift-Dealer
  • Schwarzer Würger
  • Nanette, französisches Partygirl
  • John Sinclair, Oberinspektor bei Scotland Yard
  • Sir James Powell, Superintendent
  • Stuart F. Clifton, Perrys und Dans Vater
  • Sean McCormick, Rechtsanwalt
  • Charles, Chauffeur der Cliftons
  • Tom, Renos Leibwächter und Hausfaktotum
  • Henry, Butler
  • Chief-Commissioner Hendricks
  • Al Astor, Besitzer des Nachtklubs Trocadero
  • Helen, Erstsekretärin von Sean McCormick
  • Barmixer
  • Teddy, Schläger
  • Glenda Perkins, Sir Powells Sekretärin

Orte:

  • London

Quellen:

  • Jason Dark: John Sinclair Classics. Geisterjäger John Sinclair. Band 42. Bastei Verlag. Köln. 09.04.2019
  • Thomas König: Geisterwaldkatalog. Band 1. BoD. Norderstedt. Mai 2000

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