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Dark Empire

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Deutsche Märchen und Sagen 67

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

70. Mützchen

Im Heinischen Busch bei Freiberg in Meißen erschien ehedem häufig ein Geist, welcher die Durchwandernden auf allerlei Manieren quälte. Zumeist hüpfte er ihnen auf den Rücken, klammerte sich um ihren Hals fest und ließ sich also ein gutes Stück Wegs tragen. Waren die Leute dann hundemüde, sodass sie kaum noch Atem schöpfen konnten, dann ließ er sie los, kletterte pfeilschnell auf einen Baum, lachte sie derb aus und machte Grimassen aller Art. Vornehmlich hat er dies Spiel, wovon viele Personen krank geworden und einige selbst gestorben sind, im Jahr 1573 getrieben. Von dem Volk wurde er insgemein Mützchen genannt.

71. Der Hinzenturm zu Aachen

Der Felsen, auf dem die Emmaburg bei Hergenrath im Limburger Land steht, ist durch viel unterirdische Gänge ausgehöhlt. In diesen trieben einst die Hinzelchen oder Hinzenmännchen ihr Wesen. Bei Tage ließen sie sich nicht sehen, dafür machten sie nachts aber allerhand Lärm und Unfug an der Leute Türen. Hatten sie dies eine Stunde lang, und zwar von zwölf bis eins, getrieben, dann zogen sie sich wieder in ihre Berglöcher zurück und begannen da lustig zu schmausen. Ein Jägerbursche hatte ihnen einmal dabei zugeschaut. Als er aber am anderen Morgen seinen Nachbarn davon erzählte, da wurde er bald darauf siech und eilte eines Tages in die Felsen, um nimmer zurückzukehren.

Die Umwohner waren des Spukes endlich müde und da keine Beschwörungen halfen, bauten sie eine Kapelle am Fuße der Emmaburg. Seit das Glöcklein derselben die Gläubigen zur ersten Messe rief, verschwanden die Hinzlein und ließen sich weiter nicht sehen.

An dem äußeren Stadtwall von Aachen, zwischen dem Sandkaut- und Kölner Tor, stand zu der Zeit ein hoher Turm, von dem unterirdische Gänge weit in das Land hineinführten. Dahin zogen die Hinzelmännchen und fingen nun in Aachen dasselbe Treiben an, wie ehedem in den Felslöchern. Vorzüglich wurden die Bewohner der Kölner Straße von ihnen geplagt. Zu gewissen Zeiten kündigten die Hinzelchen den Bürgern daselbst durch mancherlei Vorzeichen, wie zum Beispiel durch Pochen an der Haustür, Picken und Knistern auf dem Herd oder Gerassel unter dem Küchengeschirr an, dass sie Fest hielten. Dann musste jeder Hausvater ein blankgescheuertes Geschirr um zehn Uhr abends vor seine Tür stellen. Wer das unterließ, der mochte sicher sein, die Nacht keine Ruhe zu haben. Wagte einer gar der Männchen zu spotten, den zerzausten sie dergestalt auf seinem Lager, dass man ihn morgens halbtot fand. So begab es sich auch einmal, dass zwei Kriegsleute, die im Haus Zum wilden Mann im Quartier lagen, den Hausherrn über das Kesselaussetzen aufzogen und sich vermaßen, die Hinzelchen sollten statt der Kessel ihre blanken Degen finden. Sie setzten sich denn auch um zehn Uhr an die Tür, zechten da wacker und sangen lustige Stückchen dazu. Bald aber schwieg ihr Gesang und sie schrien zwistend einer dem anderen zu: »Hinz! Hinz!«

Sie gingen einander zu Leibe und liefen sich durch das Hinzengässchen bis an den Turm nach. Da fand man sie am anderen Tag und hatte einer den anderen erstochen.

So wagte denn keiner, das Kesselaussetzen zu unterlassen. Um Mitternacht liefen die Hinzchen tripp, trapp durch die Straßen und packte ein jedes seinen Kessel auf, womit sie dann dem alten Turm zueilten. Am anderen Morgen fand jeder Einwohner sein Geschirr wieder richtig und blank vor der Tür, die ausgenommen, welche die Kessel unsauber hingestellt hatten; denn deren Kessel nicht allein, sondern auch ihr Haus noch, war ganz mit Schlamm und Schmutz beschmiert. Das hat gedauert bis zur Stiftung des Regulierherrn-Klosters. Seit der Zeit sind die Hinzelmännchen verschwunden.

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