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Pulp Legens 3 – The Happy Man

Eric C. Higgs
Pulp Legens 3
The Happy Man
Originaltitel: The Happy Man, USA, 1985

Thriller, Hardcover mit Lesebändchen, Festa Verlag, Leipzig, Dezember 2018, 272 Seiten, 34,99 Euro, keine ISBN, Übersetzung: Christian Jentzsch, Covermotiv: Henry Petrides, limitiert auf 999 Exemplare
www.festa-verlag.de

»Vielleicht lag es an dem Gras, aber irgendetwas daran ließ mich lächeln. Ruskin lächelte ebenfalls und sah mich an, als wüsste er, was mir gerade durch den Kopf ging. Aus seinem Lächeln wurde ein Grinsen und dann fing er an
zu lachen. Es war ansteckend. Wir fielen alle mit ein und obwohl es einen leisen Unterton nervöser Verlegenheit gab, war es doch durchaus herzlich.«

Das Ehepaar Charles und Shelly Ripley führen ein vergleichsweise sorgloses Leben in Mesa Vista, einer Neubausiedlung nahe Coronado, Kalifornien. Die Stimmung verändert sich, als im Haus nebenan Ruskin und Sybil Marsh mit ihrem Sohn einziehen. Aus nachbarschaftlicher Freundlichkeit erwächst so etwas wie Freundschaft. Ohne, dass es ihm recht bewusst ist, gerät Charles in den Bann des unbeschwerten und charismatischen Ruskin, der bald eine dekadente und erbarmungslose Seite offenbart; eine Seite, die nach und nach auch auf Charles abfärbt.

»Das Buch nahm Fahrt auf. Ich las eine lange und liebevolle Beschreibung einer Orgie, deren Hauptvergnügen die Folterung eines jungfräulichen Mädchens war. Und nachdem sie schließlich das Zeitliche gesegnet hatte, verging sich die ganze Gruppe an ihrer Leiche. Ich schloss das Buch – das Abendessen war ein harter, unverdauter Klumpen in meinem Bauch.«

Das Buch ist zwar 1985 entstanden, doch meint man den Freigeist und die Mittelschicht-Sorglosigkeit der 1970er zwischen den Zeilen zu spüren. Nachmittägliche Cocktailtreffen, Schlüsselpartys, ein kleiner Seitensprung unter Nachbarn und überhaupt der recht sorglose Umgang mit Sexualität oder dem Ehegelöbnis strahlen einen verrucht-lässigen Reiz aus. Doch der Grat zwischen harmloser Zerstreuung und tödlichem Ernst ist schmal.

Den oberflächlich charmanten Ruskin Marsh sieht man vor sich als charismatisches Alpha-Tier, das sich weder von gesellschaftlichen Konventionen noch von moralischen Bedenken auf dem Weg der persönlichen Verwirklichung aufhalten lässt. Durch Charles‘ Augen gesehen, kann man die Faszination, die der neue Nachbar ausstrahlt, durchaus nachvollziehen. Würde man(n) nicht gerne so sein wie Ruskin? Mit einer Frau wie Sybil? Sich seine eigenen Regeln machen? Sich einfach nehmen, was man will?

In seiner Ausführung entspricht der Roman nicht im Mindesten der »billigen« Unterhaltung, die man unter einem Pulp-Banner erwartet. Auch das Covermotiv zieht seine Berechtigung lediglich aus einer kurzen Andeutung im Buch. Statt mit der groben Kelle Unappetitlichkeiten zu servieren, erweist sich The Happy Man als überlegt gestaltetes und clever erzähltes Psychogramm, das durch seinen sachlichen Tonfall umso stärker wirkt.

Higgs bleibt strikt bei Charles in seiner Rolle als Erzähler. Was anderweitig passiert, wird nicht direkt geschildert, sodass vieles unterhalb dieser Oberfläche abläuft. Erst wenn man die Andeutungen und Randnotizen in einen gemeinsamen Kontext mit dem »Sichtbaren« setzt, ergibt sich ein Bild, das einem nach und nach die Nackenhaare zu Berge stehen lässt.

Dazu passt der kompromisslose Schluss (bzw. der Anfang), der das Ganze mit einer unterschwelligen Wucht abschließt.

Das Buch selbst glänzt durch einwandfreie, stabile Verarbeitung, das Format ist sehr handlich (etwas kleiner als die sonstigen Festa-Hardcover).

Fazit:
Ungewöhnlicher, ruhig erzählter Thriller, der seine Wucht unter der Oberfläche entwickelt.

(eh)