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John Sinclair Classics Band 40

Jason Dark (Helmut Rellergerd)
John Sinclair Classics
Band 40
Die Killerpuppen

Grusel, Heftroman, Bastei, Köln, 12.03.2019, 66 Seiten, 1,90 Euro, Titelbild: Ballestar
Dieser Roman erschien erstmals am 28.12.1972 als Gespenster-Krimi Band 172.

Kurzinhalt:
Diana Torkano ist eine schöne, aber auch sehr gefährliche Frau. Sie verübt schreck­liche Rache an den zahlreichen Geliebten ihres Ehemannes.

Aber nicht Diana selbst wird zur Mörderin. Sie schickt Puppen los, die jeden noch so teuflischen Befehl wortgetreu ausführen …

Leseprobe

»Und deine Frau ist wirklich nicht zu Hause?«, fragte die blonde Fay mit nachdenklich gerunzelter Stirn.

»Nein, mein Täubchen.« Der Mann hinter dem Lenkrad verzog den Mund und zeigte zwei Reihen blendend ge­wachsener Zähne. Seine Hand strich über das linke Knie der Frau. Die Ny­lons knisterten.

Fay Ranson atmete scharf und presste die Oberschenkel zusammen.

»Nicht hier, Rick!«

Rick behielt sein Lächeln bei. »Hatte ich auch nicht vor, Darling. Du weißt, ich liebe das Bequeme – und im Auto … nun, das waren Jugendsünden. Heute brauche ich eben Stil und einen gewis­sen Komfort. Eisgekühlter Champagner wäre auch nicht zu verachten.«

Fay Ranson lachte. »Hör auf, Rick, du machst mir noch den Mund wässerig.«

»Das war auch der Sinn der Sache.«

Rick küsste seine neueste Eroberung seitlich neben dem Kinn auf die straffe Haut des Halses. Dabei roch er ihr Par­füm, das so angenehm in seiner Nase kribbelte.

Rick Torkano war ein Weiberheld. Er hielt sich für unwiderstehlich, und die Frauen machten es ihm auch überaus leicht. Er hatte bis jetzt noch jede ins Bett bekommen und danach kurzerhand abgeschoben, was wiederum nicht die feine englische Art war.

Aber Torkano war schließlich ver­heiratet und hatte auf seinen guten Ruf zu achten, besonders deshalb, weil seine Frau Diana das nicht unbeträchtliche Vermögen mit in die Ehe gebracht hatte. Zum Glück hatte seine bessere Hälfte exzentrische Hobbys, die sie in alle Teile der Welt führten. Sie war Amateur­archäologin und hatte es mittlerweile geschafft, international anerkannt zu werden.

Was man von Rick Torkano aller­dings nicht behaupten konnte. Aber das war ihm egal. Hauptsache, die Girls erkannten ihn an.

Rick Torkano sah aus wie ein Mode­beau. Regelmäßige Kuren auf Schön­heitsfarmen vertuschten sein wahres Alter von fünfundvierzig Jahren. Sein Haar war künstlich gebleicht, die Haut immer sonnenbraun. Trotzdem machte sein Gesicht einen brutalen Eindruck.

Torkano hatte Fay in einer Bar am Piccadilly aufgegabelt, ein paar Gläs­chen mit ihr getrunken und sie dann in sein Haus eingeladen. Die blonde Frau mit der modischen Kurzhaarfrisur und dem Puppengesicht hatte zugestimmt, ohne sich weiter zu zieren.

Torkanos Hand löste sich von Fays Knie, glitt weiter und öffnete die Bei­fahrertür.

»Ende der Reise«, sagte er.

Fay drehte den Kopf. »Willst du den Wagen nicht in die Garage fahren?«

»Keine Lust.«

»Meinetwegen.« Fay schwang ihre Beine nach draußen. Warme Sommer­luft umschmeichelte ihre nackten Knie. Es war eine der letzten Sommernächte, deren Ruhe nur vom Zirpen der Grillen unterbrochen wurde.

»Himmel, ist das irre«, sagte Fay, drehte sich im Kreis und sah sich dabei um.

Das Haus war wirklich beeindru­ckend. Es lag auf einem künstlich an­geschütteten Hang und war im Bunga­lowstil errichtet worden. Es bildete den Mittelpunkt eines gepflegten Parks mit zwei Teichen und einem Springbrun­nen.

Über der Haustür brannte eine Lampe. Sie warf ihr Licht auf die wei­ßen Mauern.

Rick Torkano hatte ebenfalls den Mercedes verlassen. Sein Jackett hatte er lässig über die Schulter geworfen, die linke Hand spielte mit dem Haus­schlüssel.

»Am liebsten möchte ich im Freien bleiben«, rief Fay Ranson.

Rick grinste schief. »Wie gesagt, zu unbequem. Komm erst mal mit rein, dann wirst du das Freilufttheater schon vergessen.«

Er schloss die Tür auf und drehte einen Schalter. Augenblicklich über­goss gedämpftes Licht die unteren Wohnräume und verbreitete eine ge­mütliche Atmosphäre.

Rick Torkano ließ Fay den Vortritt. Spöttisch lächelnd beobachtete er, wie Fay die Einrichtung bestaunte. So etwas hatte sie noch nie gesehen. Für Torkano war dies alles selbstverständ­lich, wenn es auch nicht von seinem Geld angeschafft worden war.

»Geh in den Livingroom.« Rick zeigte nach vorn. »Durch die Schiebetür.«

Vorsichtig, als hätte sie Angst, etwas schmutzig zu machen, betrat Fay den luxuriös eingerichteten Raum.

Felle und kostbare Teppiche auf dem Boden, zeitlose, teure Möbel und eine riesige Wand, die fast nur aus Fenster bestand.

Hinter dem Haus spiegelte sich das Mondlicht im Wasser eines Pools. Bü­sche begrenzten das Ende des Grund­stücks. Klar zeichneten sie sich vor dem Mondlicht ab.

Plötzlich erstarrte die Frau. Etwas hatte sich in den Büschen bewegt.

Fay wandte sich um. »Rick!«, rief sie. »Bitte komm schnell!«

Sekunden später stand Rick Torkano im Zimmer.

»Was ist denn los?« Er hatte sich eine Zigarette angezündet und trug einen seidenen Hausmantel.

Fays beachtlicher Busen hob und senkte sich unter schweren Atemzügen.

»Im Garten, Rick. Dort hat sich etwas bewegt. Da ist jemand!«

»Unsinn!«

»Doch, sieh selbst. An den Büschen, hinter dem Pool.« Sie fasste Rick an der Schulter und zog ihn zum Fenster.

Der Mann tat ihr den Gefallen und sah nach draußen. Dann hob er die Schulter und drehte sich um.

»Tut mir leid, Süße, aber ich habe nichts gesehen. Du wirst dich getäuscht haben.«

»Nein, Rick. Ich …«

»Unsinn, zum Teufel!« Rick Torkano wurde ungeduldig. Er wollte sich nicht durch die Spinnereien die nächsten Stunden verderben lassen. »Du hast schließlich auch einige Gläser getrun­ken«, sagte er, »und da fängt man schon mal leicht an, Gespenster zu sehen, wo keine sind.«

»Aber deine Frau …«

»Meine Frau ist nicht da, verdammt. Sie ist in Deutschland und gräbt nach einem Badehaus, das die alten Römer hinterlassen haben.« Rick legte seine Hand um ihre Schulter. »Komm, sei ruhig und trink einen Schluck. Dann vergehen dir die blöden Spinnereien, und du kommst endlich wieder auf richtige Gedanken.«

»Entschuldige.« Fay Ranson hauchte Rick einen Kuss auf die Wange.

Der Mann führte seine neueste Er­oberung zur Hausbar.

»Was nimmst du?«

Fay lächelte. »Du hast vorhin etwas von Champagner gesagt.«

Rick Torkano schüttelte den Kopf. »Nein, den trinken wir gleich. Erst et­was Hartes.«

»Vielleicht einen Cognac?«

Rick Torkano schnalzte mit der Zunge. »Ich habe einen vorzüglichen französischen Weinbrand. Zwölf Jahre gelagert. Ein Tropfen für Genießer.«

Er füllte den Boden eines Kristall­schwenkers und reichte das Glas der Frau rüber.

Er selbst nahm Whisky.

Die beiden prosteten sich zu. Fay leerte das Glas mit einem Zug, stellte es auf die Bar und seufzte: »Das tat gut.«

»Sage ich doch.«

Rick Torkano verließ den Platz hinter der Bar und fasste Fay Ranson um die Schultern. Dabei spielten seine Finger mit den Knöpfen der duftigen Bluse, unter der die Frau keinen BH trug.

Fay Ranson wand sich aus dem Griff des Mannes.

»Jetzt nicht, Rick. Ich möchte erst ein Bad nehmen.«

»Wie du willst, Darling«, sagte der Mann und erklärte ihr den Weg zum Bad.

Es war ein Traum. Die Wanne war sehr breit. Zwei Menschen hatten be­quem darin Platz. Sie war etwas in den Boden eingelassen worden, um ein leichteres Einsteigen zu ermöglichen.

Fay Ranson ließ Wasser einlaufen. Für sie war alles wie ein Traum. Sie kam aus ziemlich bescheidenen Ver­hältnissen und arbeitete in einer Bou­tique als Verkäuferin. Sie war schon in zahlreichen gut eingerichteten Häusern gewesen, aber dies hier übertraf alle bei Weitem.

Während sie das Wasser mit haut­freundlichen Badesalzen anreicherte, holte sie aus dem Schrank ein flauschi­ges Badetuch.

Dann schlüpfte sie aus ihren Klei­dern. Der cremefarbene enge Rock glitt zu Boden, die rote Bluse folgte. Mit gekonnten Bewegungen stieg Fay aus dem Slip. Prüfend betrachtete sie ihren Körper im Spiegel, fuhr mit ihren Händen an den Hüften entlang und war mit sich sehr zufrieden.

Das Wasser hatte genau die richtige Temperatur, als sie in die Wanne stieg.

Fay Ranson schloss die Augen. Sie hatte die Tür offen gelassen und hörte aus dem Livingroom die Musik. Sie glaubte, auf einer rosaroten Wolke zu schweben und ahnte noch nicht, wie brutal sie wieder in die Wirklichkeit gerissen werden sollte.

Nach zehn Minuten stieg sie aus dem Wasser. In ihren Adern prickelte das Blut.

Das Badesalz hatte eine betörende, erotisierende Wirkung auf sie ausgeübt. Sie fror ein wenig und wickelte sich fest in das flauschige Badetuch.

Dann ging sie zurück in den Living­room. Ein verführerisches Lächeln hatte sich in ihre Mundwinkel gegraben.

Rick Torkano saß auf der Ledercouch und hielt ein mit Whisky gefülltes Glas in der Hand. Er drehte es. Die Eiswürfel klirrten gegeneinander.

Unhörbar schlich Fay auf Rick Tor­kano zu. Sie gelangte in seinen Rücken und legte ihm beide Hände über die Augen.

Rick Torkano stellte das Glas zurück auf den Tisch mit der Schieferplatte und ließ sich, dem sanften Druck der Hände folgend, nach hinten sinken.

»Schon fertig?«, fragte er, während er beide Arme hob, nach hinten streckte und Fays Hals umklammerte.

»Für dich habe ich mich beeilt«, gab sie leise zurück. Sie löste ihre Hände von Ricks Augen, beugte den Kopf nach vorn und berührte mit ihren Lippen den Mund des Mannes.

Beide schlossen die Augen. Sie glaub­ten, völlig allein zu sein, und ahnten nichts von der Gefahr, die draußen im Garten lauerte.

Fay Ranson ließ sich über den Rand der Couch gleiten, fiel auf die weichen Polster und drehte sich auf den Rücken.

Rick Torkano lachte. Seine Hände fuhren unter das Badetuch, öffneten mit zwei Fingern den Knoten, der es oben über der Brust festhielt.

Das Tuch klaffte auseinander.

»Rick, was machst du?«, rief Fay Ran­son in gespieltem Erstaunen und wollte sich zur Seite drehen.

Torkano ließ es nicht zu. Seine rechte Hand legte sich auf Fays Schulter, wäh­rend die linke über den Körper glitt, dessen Haut sich wie Seide anfühlte.

Fay erschauerte unmerklich. Wie von selbst schloss sie die Augen, gab sich völlig den suchenden Fingern des Mannes hin.

Doch draußen wartete bereits der Tod!

Wie aus dem Nichts tauchte plötzlich eine Gestalt vor dem Fenster auf. Sie war so groß wie ein normaler Mensch, doch ihre Bewegungen waren ungelenk, und ihre Haut schimmerte seltsam bleich und kalt.

Rick Torkano und Fay Ranson merk­ten nichts, waren zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

Die Gestalt hob den rechten Arm. Im gleichen Atemzug zersplitterte die große Fensterscheibe.

Unzählige Splitter und Scherben­reste flogen in das Zimmer. Mit einem Schrei fuhren Rick Torkano und Fay Ranson auseinander. Ihre Augen wur­den weit vor Entsetzen, als sie sahen, wer durch das zerbrochene Fenster in den Livingroom stieg.

Es war eine menschengroße Puppe!

Personen

  • Fay Ranson, Geliebte von Rick Torkano
  • Rick Torkano, verheiratet mit Diana Torkano, Frauenheld
  • Sheila Conolly, Bills Ehefrau
  • Jane Collins, Privatdetektivin
  • John Sinclair, Oberinspektor bei Scotland Yard
  • Bill Conolly, Reporter
  • Suko, Chinese, bester Freund von John Sinclair
  • Mörderpuppe
  • Doktor Kenwood, Hausarzt von Rick Torkano
  • Fahrer des Leichenwagens
  • Paddy, Leichenwärter
  • Inspektor Snider
  • Portier des Piccadilly-Hotels
  • Wilma Bond, Kellnerin
  • Parkwächter
  • Paul Brunner, deutscher Penner

Orte:

  • London

Quellen:

  • Jason Dark: John Sinclair Classics. Geisterjäger John Sinclair. Band 40. Bastei Verlag. Köln. 12. 03. 2019
  • Thomas König: Geisterwaldkatalog. Band 1. BoD. Norderstedt. Mai 2000

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