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Einsendeschluss 31.05.2021

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Die Sternkammer Band 1

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Ich habe einen Torso geheiratet

Thorpe Feesh
Ich habe einen Torso geheiratet

Kapitel I

Blut in Strömen, katapultierende Blutstropfen, die in Schwärmen die Treppe hinunterflogen.

Blut spritzte überall im Salon, schrecklich zerstückelte Beine und Schultern, Rümpfe, tragisch verstümmelt, zerlumpte Klumpen zitternden Fleisches sich an einen einzelnen Knochen klammernd. Dies waren unsere Flitterwochen.

Kapitel II

»Möchtest du einen Ghul sehen, Schatz«, fragte ich Muriel.

»Oh Ralph, können wir nicht allein sein? Ich glaube, sie sind schrecklich.« Sie war nur einen Tag lang meine Frau gewesen.

Wir fuhren durch die Nacht zum Anwesen meines reichen Onkels in einer bisher unentdeckten Region, tief in der Wildnis Südamerikas. Ich hatte diesen wohlhabenden Verwandten von mir noch nie gesehen, aber er kam aus einer guten Familie, und so schickten wir ihm eine Hochzeitseinladung. Als er mit dem Geschenk eines schönen blutroten Kinderwagens antwortete, beschlossen wir, unsere Flitterwochen mit ihm zu verbringen, statt mit einem der Menschen in unserer Umgebung.

Muriels schöne, mit Grübchen versehene Knie spielten mit dem Armaturenbrett, als das Auto abrupt zum Stillstand kam und der Motor mit einem ekelhaften Aufprall ausfiel. Das war ein Omen von 1937.

»Ich glaube, wir haben einen Platten, meine Liebe«, sagte ich, wobei mein Kinnladen herunterfiel.

»Schon gut, Ralph«, rülpste Muriel ermutigend. »Ich sehe ein blutrotes Haus zwei Meilen vor mir. Könnte das von deinem Onkel Merwell sein?«

Ich blickte in die Richtung, wohin ihre empfindlichen Ellbogen zeigten. Sie war erst seit einem Tag meine Frau. Ich zog unsere Taschen heraus und fühlte, wie Muriels weiche, aufgedunsene Waden an meinen Kniescheiben rieben, als wir das Haus erreichten.

Kapitel III

 Es war mein Glückstag – ich läutete die Glocke. Die Tür ging knarrend auf. Unter uns kam ein tiefes, wütendes Knurren auf. Wir drehten uns um und stellten fest, dass wir auf Ceremony standen, Onkel Merwells treuer alter Werwolf. Muriel hatte ihre Arme in die Seiten gestemmt und ließ mir den Vortritt ins Haus. Sie folgte dicht hinter mir.

Das Haus wirkte bis auf einen Kamin verlassen, von dem ein bösartig flackerndes Feuer schattenhafte, fast menschliche Gestalten an die Wand warf. Einer von ihnen sah aus wie Onkel Merwell, der ein schrulliger, aber liebenswerter alter Lustmolch war. Die entsetzliche Stille, in die wir eingetreten waren, wurde von einem seltsamen, hohlen Gong durchbrochen, als die Uhr wie von selbst schlug. Ich spürte, was Muriel intuitiv schon vorher gewusst hatte, dass dieses Haus das Hauptquartier einer ruchlosen Ansammlung von Dingen war. Wenn man sie Dinge nennen kann. Ich schauderte vor mir hin und beendete schnell das Thema, wenn man es denn als Thema bezeichnen kann.

Muriel wechselte ihr Kleid, wenn man das überhaupt als Kleid bezeichnen kann.

»Ich bin gleich bettfertig«, schnurrte sie und schnüffelte mit einem müden kleinen Stöhnen zum Boden hin.

Kapitel IV

Wir gingen die Treppe nach oben (wenn man dies Treppe nennen kann).

Wo war Onkel Merwell? Was war geschehen? Wo war Anna, Onkel Merwells alter Fleischklops? Wo war Alabama, Onkel Merwells treuer alter Lakai, der die Funktionen eines Jiu-Jitsu-Experten ausübte?

Ich setzte Muriel, die ich beim Aufstieg auf die Treppe zärtlich über eine Schulter geworfen hatte, auf das Bett von Onkel Merwells Brautgemach, setzte mich auf sie und zog meine Schuhe aus.

Wie weich sie war! Bevor ich sie heiratete, wusste ich, wie exotisch sie aussah, aber ich wusste nicht, wie wohl sie sich dabei fühlen würde.

»Ich denke, ich werde mich ein wenig im Dschungel aufwärmen. Wo hast du meine Turnschuhe hingetan?«, fragte ich und ging mit einem Achselzucken an den schrecklichen, durchdringenden Schreien vorbei, die schon seit einiger Zeit unten vor sich gingen und offensichtlich nichts Gutes verheißen ließen.

»Halte deine Nase sauber«, murmelte ich liebevoll in ihr Ohr, als ich leise aus dem Fenster schlüpfte.

Kapitel V

Wäre ich doch nie von ihrer Seite gewichen – dann hätte ich wenigstens etwas gehabt, um mich an sie zu erinnern! Wenn ich über die Folgen dieser Hochzeitsreise nachdenke, die so glücklich begann und endete mit …! Es ist eine Qual für mich, den Rest dieser schrecklichen Nacht aus der Vergangenheit aufzurufen, aber ich muss es tun – um Muriels willen.

Nachdem ich mich so weit wie möglich von diesem dämoneninfizierten Haus, wenn man es als Onkel Merwells Haus so nennen kann, entfernt hatte und nachdem all die schrecklichen Schreie für mehrere Stunden völlig verstummt waren, ging ich zurück.

Ich betrat das Haus vorsichtig, leise und mit dem Rücken zur Wand. Was mir in die Augen fiel; ah, schrecklich, schrecklich, schrecklich. Widerwärtig! Meine liebliche Braut von gerade mal einem Tag war in meiner Abwesenheit in Stücke gerissen worden. Wer kann das getan haben? Warum? War Muriel nicht genau wie andere Mädchen? Blut durchdrang alles, sogar die Luft. Ich war krank. Und da lag sie. Ein schöner weißer Arm ragte aus einem Flügel. Ihre beiden schönen Waden waren bis zur Unkenntlichkeit zerquetscht und mit Blut, Blut, Blut getränkt. Was für ein Durcheinander!

»Bringen Sie das weg, Graham.«

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