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Die Sternkammer – Band 1 – Kapitel 5

William Harrison Ainsworth
Die Sternkammer – Band 1
Ein historischer Roman
Christian Ernst Kollmann Verlag, Leipzig, 1854

Jocelyn Mounchensey

Ungeachtet der Gefahr, der er sich aussetzte, schien der junge Mann, dessen Gefühle offenbar sehr aufgeregt waren, sehr geneigt, den gefährlichen Gegend stand fortzusetzen, aber Sir Francis bemerkte, dass einer von ihren Nachbarn gegenüber sie ansah. Er füllte daher sein Glas und versuchte der Unterredung eine andere Wendung zu geben, indem er fragte, wie lange er bereits in der Stadt gewesen sei und wo er wohne.

»Ich kam erst gestern in London an«, war die Antwort, »doch bin ich bereits lange genug hier gewesen, um nicht gern zu den Wäldern und Sümpfen von Norfolk zurückzukehren. Meine Wohnung ist innerhalb der City, in der Nähe der St. Botolphskirche und einen Bogenschuss von Aldgate, eine ganz angenehme Lage mit der Aussicht auf Spital Fields und das freie Land. Ich hätte lieber am Strand oder in der Nähe von Charing Groß gewohnt, wenn meine geringen Mittel es mir gestattet hätten. Wie gesagt, führte mich heute der Zufall hierher. Als ich früh ausging, um die Stadt anzusehen, kam ich über die London Bridge, deren Pracht mich in Erstaunen setzte, ging auf Bankside dahin, trat in Paris Garden ein, wovon ich viel gehört hatte und wo ich mich an den Bullenbeißern und den furchtbaren Tieren, mit welchen sie zu kämpfen haben, sehr unterhielt. Ich dachte, ich möchte wohl lieber meine Feinde anstatt des Bären mit diesen wilden Hunden hetzen. In einer Jolle zum entgegengesetzten Ufer zurückkehrend, setzte mich der Bootsmann hier an Land und empfahl mir die drei Kraniche, wo man die beste französische Mittagstafel und den besten französischen Wein in London habe, so lebhaft, dass ich, als ich viele Herren hierher strömen sah, was seine Angabe zu bestätigen schien, mit ihnen eintrat und nun Grund habe, mit       der Bewirtung zufrieden zu sein,        da ich noch nie so kostbar zu Mittag gespeist und gewiss nie so vortrefflichen Wein gekostet habe.«

»Lasst mich Euer Glas noch einmal füllen. So wahr ich ein Gentleman bin, es wird Euch nicht schaden. Es ist eine besonders gute Eigenschaft des reinen Bordeauxweins, dass man ihn ohne Nachteil trinken kann, was sich nicht von dem verfälschten Sekt sagen lässt. Wir wollen noch eine Flasche leeren. Heda! Kellner – Cyprien, sage ich! Mehr Wein – und von dem besten Bordeaux. Von dem besten, sage ich.«

Dieses Mal wurde der Befehl befolgt und die Flasche vor ihn hingestellt.

»Ihr sagt, Ihr habt Bankside besucht, mein junger Herr? Auf mein Wort, Ihr müsst noch einmal über den Fluss fahren und die Theater besuchen – den Globus oder die Rose. Unser großer Schauspieler Dick Burbage spielt heute den Othello und ich stehe dafür, er wird Euch gefallen. Dick ist ein kleiner Mann, aber er hat eine mächtige Seele. Es kommt ihm keiner gleich, weder Nat Field noch Ned Alleyn. Unser berühmter Shakespeare ist wahrlich glücklich, dass er seine großen Rollen spielt. Ihr müsst auch Burbage in dem tollen Prinzen von Dänemark sehen – die Rolle wurde für ihn geschrieben und passt gerade für ihn. Seht ihn auch als den sanften und liebeskranken Romeo, als den tyrannischen und mörderischen Macbeth und als den verwachsenen Richard. In all diesen Rollen, so verschieden sie auch sein mögen, ist unser Dick gleich gut. Er hat noch einige andere Rollen von fast gleichem Verdienst, wie Malevole in dem Missvergnügten Frankford in der durch Freundlichkeit getöteten Frau, Bracchiano in Websters weißem Teufel und Vendice in des Rächers Tragödie von Cyril Tournour.«

»Ich kenne das zuletzt genannte Stück nicht«, entgegnete der junge Mann ein wenig streng, »aber wenn der Charakter des Vendice im Geringsten seinem Namen entspricht, so würde er für mich passen. Ich bin ein Rächer.«

»Vergesst Euer Unrecht ein wenig, ich bitte Euch, und ertränkt Eure Rache in einem Glas Wein. So wahr ich ein echter Gentleman bin! Eine bessere Flasche als die erste! Ja, kostet nur. Auf mein Wort! Es ist echter Nektar. Ich trinke dieses Glas mit Euch und wünsche Euch glücklichen Erfolg, Eure Feinde zu vernichten und Eure Rechte wieder zu erlangen!«

»Ich trinke von ganzem Herzen diesen Toast mit Euch, würdiger Herr«, rief der junge Mann, indem er seinen Becher erhob. »Mögen meine Feinde vernichtet werden und ich meine Rechte wieder erlangen!« Er leerte den Becher bis auf den letzten Tropfen.

Nun muss er in der angemessenen Stimmung für meinem Vorschlag sein, dachte Sir Francis, indem er ihn genau beobachtete. »Hört, mein guter junger Freund«, sagte er in leiserem Ton, »ich wünsche nicht, dass gehört werde, was ich Euch zu sagen habe. Ihr spracht eben von dem kürzesten Weg zum Glück. Ich will ihn Euch andeuten. Für den, der kühn genug ist, ihn zu wählen und der die Erfordernisse dazu besitzt, ist der kürzeste Weg am Hof zu finden. Woher denkt Ihr, dass die meisten jener feinen Herren, die Ihr durch den Vorhang sehen könnt, ihre Einkünfte haben? So wahr ich ein echter Gentleman bin! Aus den königlichen Koffern. Vor wenigen Jahren, ja, bei einigen vor wenigen Monaten, waren diese glänzenden und betitelten Gecken Abenteurer wie Ihr, die kaum ein Goldstück in der Tasche und Kredit für Wohnung und Beköstigung bei ihren Wirtinnen hatten. Nun seht Ihr, wie kostbar sie speisen und wie reich sie sich kleiden. Auf mein Wort! Ihr könnt dasselbe Glück haben, und vielleicht, wenn ich übers Jahr wieder an einer Wirtstafel speise, mag ich Euch vielleicht am oberen Tische sehen, einen Vorhang vor Euch, um Euch von der gemeineren Gesellschaft abzusondern, und Eure Diener hinter Euch, um Euren Samtmantel und Hut zu halten, gleich dem Besten jener vornehmen Herren.«

»Der Himmel gebe es!«, rief der junge Mann mit einem Seufzer. »Ihr haltet mir ein glänzendes Bild vor Augen, aber ich habe wenig Hoffnung, dass es verwirklicht werden wird.«

»Es wird Eure eigene Schuld sein, wenn es nicht geschieht«, entgegnete der Versucher. »Ihr habt ein ebenso gutes Aussehen, wie der Schönste von ihnen.

Durch gutes Aussehen allein gelangte die ganze Gesellschaft zu ihrer gegenwärtigen Höhe. Warum wollt Ihr nicht denselben Weg einschlagen, bei derselben Gewissheit des Erfolges? Ihr besitzt Mut genug, um es zu unternehmen, nicht wahr?«

»Wenn es nur auf Mut ankommt, den habe ich«, versetzte der junge Mann, »aber ich bin gänzlich unbekannt in der Stadt. Wie soll ich denn bei Hofe eingeführt werden, wenn ich nicht einmal den demütigsten Anhänger desselben kenne?«

»Ich habe schon gesagt, Ihr wärt glücklich, mich zu treffen«, entgegnete Sir Francis. »Ich finde, dass Ihr glücklicher seid, als ich vermutete, da ich es Euch sagte, denn ich wusste nicht, worauf Eure Wünsche gerichtet waren, noch worin ich Euch helfen konnte. Aber jetzt, da ich Euren kühnen Flug kenne und das Hochwild, auf welches Ihr Jagd macht, bin ich imstande, Euch wirksamen Beistand anzubieten und Euch die Versicherung eines glücklichen Erfolges zu geben. Durch mich sollt Ihr dem König vorgestellt werden, und zwar auf solche Weise, dass die Vorstellung nicht umsonst geschehen soll. Dann wird es Eure Sache sein, Eure Karten geschickt auszuspielen und Eure Gelegenheit zu benutzen. Ohne Zweifel werdet Ihr viele Gegner haben, die Euch ein Bein stellen und Euch jedes Hindernis in den Weg stellen werden, wo sie können. Wenn Ihr aber den starken Arm besitzt, den ich Euch zutraue, und Kühnheit, um ihn zu unterstützen, so habt Ihr nichts zu fürchten. So wahr ich ein echter Gentleman bin! Ihr sollt guten Rat und einen Freund im Verborgenen haben, um Euch zu unterstützen.«

»Wem habe ich für dieses höchst freundliche und unerwartete Anerbieten zu danken?«, fragte der junge Mann, dessen Brust sich hob und dessen Auge von Aufregung sprühte.

»Einem, von dem Ihr vielleicht als einem Gegenstand des ungerechten Tadels gehört habt«, antwortete der Ritter, »aber wie ungerecht derselbe ist, könnt Ihr leicht aus meinem gegenwärtigen Benehmen schließen. Ich bin Sir Francis Mitchell.«

Bei Erwähnung dieses Namens fuhr der junge Mann zusammen und ein dunkles Rot verbreitete sich über sein Gesicht und seine Stirn. Als der schlaue Ritter den hervorgebrachten Eindruck bemerkte, beeilte er sich, denselben zu entfernen.

»Ich sehe, mein Name erweckt unangenehme Erinnerungen in Eurer Brust«, sagte er, »und Euer Blick zeigt, dass die Verleumdungen meiner Feinde Eindruck auf Euch gemacht haben. Ich tadle Euch deshalb nicht. Die Menschen werden nur nach dem Gerücht beurteilt, und die, mit welchen ich Verkehr gehabt hatte, haben schlecht genug über mich berichtet. Aber sie haben fälschlich gesprochen. Ich habe nicht mehr getan, als irgendein anderer Mann tun würde. Ich habe die höchsten Zinsen für mein Geld genommen, die ich erhalten konnte, und mein Verlust ist mit meinem Gewinn fast gleich gewesen. Die Leute sind bereit genug, alles was sie können, gegen mich zu sagen, aber sie sehen sich wohl vor, etwas zu erwähnen, was günstig für mich sein könnte. Sie brandmarken mich als einen Wucherer, aber sie vergessen hinzuzufügen, dass ich der Freund der Bedürftigen bin. Sie gebrauchen und missbrauchen mich. Das ist der Lauf der Welt. Warum sollte ich denn klagen? Ich bin nicht übler dran als meine Nachbarn. Und der Beweis, dass ich uneigennützig sein kann, ist die Art, wie ich gegen Euch gehandelt habe, der Ihr mir völlig fremd seid und keine andere Empfehlung als Eure graziöse Gestalt und Euer angenehmes Wesen habt.«

»Ich kann Euren angebotenen Beistand nicht annehmen, Sir Francis«, entgegnete der junge Mann in verändertem Ton und mit großer Strenge. »Ihr werdet einsehen, warum ich es nicht kann, wenn ich mich Euch als Jocelyn Mounchensey vorstelle.«

Nun war der Ritter an der Reihe, zusammenzufahren, die Farbe zu wechseln und zu zittern.

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