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Oberhessisches Sagenbuch Teil 50

Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873

Werwolf entdeckt

Ein blutarmes Weibsbild ging, wie schon oft, einmal im Frühjahr hinaus, um hinter den Hecken sich Gras zu rupfen oder abzusicheln. Das wollte sie dann in den mitgenommenen Sack stopfen und zur Bewirtung ihres einzigen Hitzchens (Zicklein) auf dem Kopf heimtragen. Dieses muntere Tierchen war ihre Augenweide und so zahm, dass es ihr überall auf den Fersen nachfolgte. Auch jetzt hatte sie es wieder bei sich, und eben hüpfte es gerade recht lustig an einem Heckenrain herum, um sich da nach Herzenslust am grünen frischen Laub zu laben, als plötzlich ein sonderbares Geräusch entstand und mit funkelnden Augen und weit aufgesperrtem Rachen, zähnebleckend, ein Werwolf auf beide losstürzte, der das arme erschrockene Ding im Hui zu zerreißen drohte. Mein Weibsbild aber behielt das Herz am rechten Flecken, und sintemal Holland so sichtbar in Not war, warf es unbesonnen dem Werwolf die Sichel über den Buckel. Ob es nun das Eisen machte oder dass drei Kreuze auf dessen Klinge standen, kurzum — mein Werwolf war augenblicks fort. Statt seiner aber stand, zitternd wie Espenlaub, eine Mannsperson aus einem benachbarten Ort vor ihnen, die machte eiligst links um und entrann also. Das Hitzchen aber, was seiner Herrin am liebsten war, war für dieses Mal aus den Klauen des Werwolfs gerettet.

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