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Die drei Musketiere 50

Alexander Dumas d. Ä.
Die drei Musketiere
7. bis 10. Bändchen
Historischer Roman, aus dem Französischen von August Zoller, Stuttgart 1844, überarbeitet nach der neuen deutschen Rechtschreibung

XVII.

Plauderei eines Bruders und einer Schwester

Während Lord Winter die Tür schloss, einen Laden aufstieß und einen Stuhl näher zu dem seiner Schwägerin rückte, senkte Mylady träumerisch ihren Blick in die Tiefen der Möglichkeit und entdeckte den ganzen Faden, den sie nicht von ferne geahnt hatte, so lange sie nicht wusste, in welche Hände sie gefallen war. Sie kannte ihren Schwager als einen guten Edelmann, als einen treuherzigen Jäger, als einen unerschrockenen Spieler, unternehmend bei Frauen, aber von weniger als mittelmäßigem Intrigentalent. Wie war es ihm gelungen, ihre Ankunft zu entdecken, sie ergreifen zu lassen? Und warum hielt er sie fest?

Athos hatte ihr wohl einige Worte gesagt, woraus hervorging, dass ihr Gespräch mit dem Kardinal in fremde Ohren gefallen war, aber sie konnte nicht glauben, dass er so geschickt und so rasch eine Gegenmine zu graben vermocht habe. Sie fürchtete vielmehr, ihre früheren Operationen in England möchten entdeckt worden sein. Buckingham konnte erraten haben, dass sie die zwei Nestelstifte abgeschnitten hatte, und wollte sich für diesen kleinen Verrat rächen. Aber Buckingham war unfähig, sich zu irgendeiner harten Maßregel gegen eine Frau verleiten zu lassen, besonders wenn man glauben konnte, diese Frau werde zu ihren Handlungen durch ein Gefühl von Eifersucht getrieben.

Diese Vermutung kam ihr als die wahrscheinlichste vor. Sie glaubte, man wolle sich für die Vergangenheit rächen und nicht der Zukunft entgegentreten. In dem Fall beglückwünschte sie sich, dass sie in die Hände ihres Schwagers gefallen war, bei dem sie jedenfalls leichteren Kaufes durchzukommen wähnte, als wenn sie in die Hände eines unmittelbaren und gescheiteren Feindes geraten wäre.

»Ja, plaudern wir, mein Bruder«, sagte sie mit einer Art von Vergnügen, entschlossen, sich trotz aller Verstellung, mit der Lord Winter dabei zu Werke gehen könnte, aus dem Gespräch die nötige Aufklärung zu verschaffen, um ihr Benehmen danach einzurichten.

»Ihr habt Euch also entschlossen, nach England zurückzukehren«, sagte Lord Winter, obwohl Ihr mir in Paris so oft erklärt habt, dass Ihr das Gebiet Großbritanniens nie wieder betreten würdet?«

Mylady beantwortete die Frage mit einer Gegenfrage.

»Erklärt mir vor allem«, sagte sie, »wie Ihr mich habt so scharf beobachten lassen, dass Ihr nicht allein von meiner Ankunft, sondern auch von dem Tag, der Stunde, und dem Hafen, wo ich eintraf, benachrichtigt wäret?«

Lord Winter nahm dieselbe Taktik an, wie Mylady. Er glaubte, da sie diese angewendet hatte, müsste sie die richtige sein.

»Sagt Ihr mir, meine liebe Schwester«, versetzte er, »was Ihr in England tun wolltet?«

»Ich komme nur, um Euch zu besuchen«, erwiderte Mylady, ohne zu wissen, wie sehr sie durch diese Antwort den Verdacht erschwerte, den der Brief d’Artagnans bei ihrem Schwager erregt hatte, und nur in der Absicht, das Wohlwollen ihres Zuhörers durch eine Lüge zu gewinnen.

»Um mich zu besuchen?«, fragte Lord Winter.

»Allerdings, um Euch zu besuchen. Was ist daran zu verwundern?«

»Und Ihr hattet keinen anderen Zweck bei Eurer Reise nach England, als den, mich zu sehen?«

»Nein!«

»Also habt Ihr Euch nur allein mir zuliebe die Mühe gegeben, über den Kanal zu fahren?«

»Allerdings.«

»Teufel, welche Zärtlichkeit, meine Schwester!«

»Bin ich denn nicht Eure nächste Verwandte?«, fragte Mylady im Ton der rührendsten Naivität.

»Und sogar meine einzige Erbin, nicht wahr?«, sagte Lord Winter, seine Augen auf die von Mylady heftend, »das heißt durch Euren Sohn!«

Welche Macht auch Mylady über sich selbst besaß, so konnte sie sich doch eines Bebens nicht enthalten. Da Lord Winter bei den letzten Worten seine Hand auf den Arm seiner Schwester gelegt hatte, so entging ihm dieses Beben nicht.

Der Schlag kam in der Tat unmittelbar und ging tief. Der erste Gedanke, welcher sich bei Mylady regte, war, dass Ketty sie verraten und dem Baron den habsüchtigen Hass mitgeteilt habe, den sie unklugerweise vor ihrer Kammerjungfer hatte laut werden lassen. Und sie erinnerte sich auch des wütenden Ausfalls, den sie gegen d’Artagnan gemacht hatte, als er ihrem Schwager das Leben rettete.

»Ich begreife nicht, Mylord«, sagte sie, um Zeit zu gewinnen und ihren Gegner zum Sprechen zu bringen. »Was sollen Eure Worte bedeuten? Ist vielleicht ein unbekannter Sinn darunter verborgen?«

»Oh! Mein Gott, nein«, erwiderte Lord Winter mit scheinbarer Gutmütigkeit. »Ihr habt das Verlangen, mich zu sehen und kommt nach England. Ich erfahre von diesem Verlangen oder ich vermute vielmehr, dass Ihr es fühlt. Um Euch alle Unannehmlichkeiten einer nächtlichen Ankunft in einem Hafen, alle Anstrengungen des Ausschiffens zu ersparen, stelle ich Euch einen Wagen zur Verfügung. Er führt Euch hierher in dieses Schloss, dessen Gouverneur ich bin, und ich habe, da ich jeden Tag an diesen Ort komme, zur vollständigen Befriedigung unseres beiderseitigen Verlangens, einander zu sehen, ein Zimmer für Euch einrichten lassen. Wie könnte man sich darüber mehr verwundern, als über das, was Ihr mir gesagt habt?«

»Nein, ich staune nur darüber, dass Ihr von meiner Ankunft zuvor benachrichtigt gewesen seid.«

»Das ist jedoch die allereinfachste Sache, meine liebe Schwester. Ihr konntet wohl sehen, dass der Kapitän Eures kleinen Fahrzeuges, ehe er in die Reede einlief, um die Erlaubnis zur Hafeneinfahrt zu erlangen, einen Nachen vorausschickte, der sein Logbuch und sein Mannschaftsregister überbrachte. Ich bin Hafenkommandant und man übergab mir dieses Buch, in welchem ich Euren Namen erkannte. Mein Herz sagte mir, was mir Euer Mund soeben bestätigt hat. Es sagte mir, in welcher Absicht Ihr Euch den Beschwerden eines so gefährlichen oder wenigstens in diesem Augenblick so ermüdenden See aussetztet, und ich schickte Euch meinen Kutter entgegen. Das Übrige wisst Ihr.«

Mylady sah wohl, dass Lord Winter die Unwahrheit sprach, und geriet darum nur noch mehr in Schrecken.

»Mein Bruder«, fuhr sie fort, »war es nicht Mylord Buckingham, den ich diesen Abend auf dem Hafendamm sah?«

»Er selbst. Oh! Ich begreife, dass Ihr bei seinem Anblick betreten wäret«, versetzte Lord Winter. »Ihr kommt aus einem Land, wo man sich viel mit ihm beschäftigen muss, und ich weiß, dass seine Rüstungen gegen Frankreich Euren Freund, den Kardinal, sehr beunruhigen.«

»Meinen Freund, den Kardinal!«, rief Mylady, als sie einsah, dass Mylord Winter über diesen Punkt, wie über den anderen vollständig unterrichtet schien.

»Ist er nicht Euer Freund?«, erwiderte der Baron mit gleichgültigem Ton. »Ah, um Vergebung, ich glaubte es. Doch wir werden später auf Mylord Herzog zurückkommen. Wir wollen uns nicht von der sentimentalen Wendung entfernen, welche das Gespräch genommen hatte. Ihr sagtet, Ihr kämet, um mich zu sehen?«

»Ja.«

»Nun wohl, ich antwortete Euch, Ihr sollt nach Wünschen bedient werden und wir werden uns jeden Tag sehen.«

»Soll ich also ewig hierbleiben?«, fragte Mylady mit einem gewissen Schrecken.

»Wenn Euch diese Wohnung schlecht vorkommt, meine Schwester, so verlangt, was Euch fehlt, und ich werde mich beeilen, es Euch geben zu lassen.«

»Ich habe meine Frauen, meine Leute nicht bei mir.«

»Ihr sollt alles das haben, Madame. Sagt mir, auf welchem Fuß Euer erster Gatte Euer Haus eingerichtet hatte, und ich werde es, obwohl ich nur Euer Schwager bin, auf demselben Fuß einrichten.«

»Mein erster Gatte!«, rief Mylady und schaute Lord Winter mit verstörten Augen an.

»Ja, Euer französischer Gatte! Ich spreche nicht von meinem Bruder. Übrigens, wenn Ihr es vergessen habt, könnte ich ihm, da er noch lebt, schreiben, und er wird mir wohl Auskunft über diesen Gegenstand geben.«

Ein kalter Schweiß perlte auf der Stirn Myladys.

»Ihr spottet«, sagte sie mit dumpfer Stimme.

»Sehe ich so aus?«, fragte der Baron, indem er aufstand und einen Schritt zurückging.

»Oder vielmehr, Ihr beleidigt mich«, fuhr sie fort, indem sie mit ihren krampfhaften Händen die zwei Arme des Lehnstuhls drückte und sich auf den Faustgelenken zu erheben versuchte.

»Euch beleidigen! Ich?«, sagte Lord Winter verächtlich. »In der Tat, Madame, glaubt Ihr, dies sei möglich?«

»Monsieur«, sprach Mylady, »Ihr seid entweder betrunken oder wahnsinnig. Geht und schickt mir meine Frauen.«

»Diese Frauen sind sehr indiskret, meine Schwester. Könnte ich Euch nicht als Hof dienen? Auf diese Art blieben alle unsere Geheimnisse in der Familie.

»Unverschämter!«, rief Mylady. Als ob sie von einer Feder emporgeschnellt würde, sprang sie gegen den Baron, der sie ganz ruhig erwartete, obwohl er mit einer Hand an seinen Degen griff.

»Ei, ei«, sagte er, »ich weiß, dass Ihr die Gewohnheit habt, die Leute zu ermorden, aber ich werde mich verteidigen, das sage ich Euch, und wäre es auch gegen Euch.«

»Oh! Ihr habt recht«, sprach Mylady, »Ihr kommt mir feige genug vor, um Hand an eine Frau zu legen.«

»Wenn dies geschähe, so wäre ich entschuldigt. Meine Hand wäre übrigens nicht die erste Männerhand, die sich an Euch gelegt hätte, denke ich.«

Der Baron deutete mit einer langsamen, anschuldigenden Gebärde auf die linke Schulter Myladys, die er beinahe mit dem Finger berührte.

Mylady stieß ein dumpfes Röcheln aus und wich bis in die Ecke des Zimmers zurück, wie ein Panther, der sich anstemmt, um seinen Sprung zu machen.

»Oh, brüllt, so lange Ihr wollt«, rief Lord Winter, »aber versucht nicht, zu beißen, denn ich sage Euch, die Sache würde zu Eurem Nachteil ausfallen. Es gibt hier keine Prokuratoren, welche die Erbfolge im Voraus ordnen. Es gibt hier keinen fahrenden Ritter, der der schönen Dame zuliebe, welche ich gefangen halte, Streit mit mir anfangen würde. Aber ich habe ganz in der Nähe Richter, welche über eine Frau urteilen werden, die schamlos genug ist, durch eine Doppelehe in die Familie Lord Winters, meines älteren Bruders, einzudringen. Diese Richter werden Euch einem Henker überliefern, der Eure beiden Schultern gleichmacht.«

Myladys Augen schleuderten so mächtige Blitze, dass Lord Winter, obwohl er Mann war und bewaffnet vor einer wehrlosen Frau stand, die Kälte der Furcht bis in die Tiefe seiner Seele fühlte. Nichtsdestoweniger fuhr er mit wachsendem Grimm fort: »Ja, ich begreife, nachdem Ihr meinen Bruder beerbt habt, wäre es Euch angenehm gewesen, auch mich zu beerben. Aber wisst im Voraus, Ihr könnt mich töten oder töten lassen, meine Vorsichtsmaßregeln sind getroffen. Nicht ein Penny von dem, was ich besitze, soll in Eure oder in Eures Sohnes Hände übergehen. Seid Ihr nicht reich, besitzt Ihr nicht beinahe eine halbe Million, und könntet Ihr nicht auf Eurem unseligen Pfad stillstehen, wenn Ihr nicht das Böse aus grenzenloser Lust verübtet? Oh! Ich sage Euch, wenn mir das Andenken an meinen Bruder nicht heilig wäre, müsstet Ihr in einem Staatsgefängnis vermodern oder in Tyburn die Neugierde der Matrosen befriedigen! Ich werde schweigen, aber Ihr müsst Eure Gefangenschaft ruhig ertragen. In vierzehn Tagen bis drei Wochen gehe ich mit dem Heer nach La Rochelle ab, doch am Vorabend meiner Abreise holt Euch ein Schiff, dessen Abfahrt ich noch ansehen werde, und das Euch zu unseren Kolonien im Süden führt. Seid unbesorgt, ich gebe Euch einen Gesellschafter, der Euch bei dem ersten Versuch, welchen Ihr wagt, um nach England oder auf den Kontinent zurückzukommen, über den Haufen schießen wird.«

Mylady hörte mit einer Aufmerksamkeit, wobei sich ihre entflammten Augen immer mehr erweiterten.

»Ja, aber vorläufig«, fuhr Lord Winter fort, »bleibt Ihr in diesem Schloss. Die Mauern desselben sind dick, die Türen stark, die Gitter fest und überdies geht Euer Fenster gerade auf die See hinab. Die Leute von meiner Schiffsmannschaft, welche mir auf Leben und Tod ergeben sind, werden um diese Wohnung her aufgestellt und bewachen alle Zugänge, welche zum Hof führen. Wäret Ihr auch im Hof, so müsstet Ihr noch durch drei Gitter gelangen. Der Befehl ist genau. Ein Schritt, eine Gebärde, ein Wort, woraus sich auf einen Fluchtversuch schließen ließe, und man gibt Feuer auf Euch. Tötet man Euch, so hat die englische Justiz mir Dank zu sagen, dass ich ihr ein Geschäft erspart habe. Ah, Eure Züge nehmen ihre Ruhe wieder an. Euer Antlitz gewinnt wieder seine Sicherheit. Zehn Tage, vierzehn Tage, sagt Ihr? Bah! bis dahin wird mir ein Gedanke kommen: Ich habe einen erfindungsreichen, einen höllischen Geist, und werde schon irgendein Opfer treffen. In vierzehn Tagen von heute an, sagt Ihr Euch, werde ich fern von hier sein. Versucht es einmal!«

Als sich Mylady verraten sah, presste sie sich die Nägel in das Fleisch, um jede Bewegung zu bewältigen, welche ihrer Physiognomie irgendeinen anderen Ausdruck, als den des Schreckens hätte geben können.

Lord Winter fuhr fort. »Den Offizier, welcher allein hier in meinem Namen kommandiert, habt Ihr gesehen und kennt ihn also bereits. Ihr konntet wahrnehmen, dass er einem Befehl zu gehorchen weiß, denn Ihr seid nicht von Portsmouth hierhergekommen, ohne den Versuch zu machen, ihn zum Sprechen zu bringen. Was sagt Ihr von ihm? Hätte eine Marmorstatue unempfindlicher, stummer sein können? Ihr habt die Macht Eurer Verführungsmittel schon an vielen Männern versucht und leider ist es Euch stets gelungen. Versucht sie auch bei diesem, und wenn Ihr zu Eurem Ziel kommt, so erkläre ich Euch für den Teufel selbst.«

Er ging zur Tür und öffnete sie heftig.

»Man rufe mir Monsieur Felton!«, sagte er. »Wartet noch ein wenig und ich werde Euch ihm empfehlen.«

Es herrschte einen Augenblick ein seltsames Stillschweigen zwischen diesen zwei Personen. Inzwischen hörte man das Getöne eines langsamen regelmäßigen Schrittes, der sich dem Zimmer näherte.

Bald sah man im Schatten der Hausflur eine menschliche Gestalt. Der junge Lieutenant, mit dem wir bereits Bekanntschaft gemacht haben, erschien, die Befehle des Barons erwartend, auf der Schwelle.

»Tretet ein, mein lieber John«, sprach Lord Winter, »tretet ein und schließt die Tür.«

Der junge Offizier trat ein.

»Schaut nun diese Frau an«, sagte der Baron, »sie ist jung, sie ist schön, alle Verführungsmittel der Welt stehen ihr zu Gebote. Hört wohl, sie ist ein Ungeheuer, das sich mit fünfundzwanzig Jahren so vieler Verbrechen schuldig gemacht hat, als Ihr in einem Jahr in den Archiven unserer Tribunale lesen könnt. Ihre Stimme nimmt zu ihren Gunsten ein, ihre Schönheit dient als Köder für ihre Opfer. Sie wird Euch zu verführen, vielleicht sogar zu töten versuchen. Ich habe Euch aus dem Elend gezogen, Felton, ich habe Euch zum Lieutenant ernennen lassen, ich habe Euch einmal das Leben gerettet, Ihr wisst, bei welcher Gelegenheit. Ich bin Euch nicht nur ein Beschützer, sondern ein Freund, nicht nur ein Wohltäter, sondern ein Vater. Diese Frau ist nach England gekommen, um gegen mein Leben zu konspirieren. Ich halte diese Schlange in meinen Händen. Ich habe Euch rufen lassen und sage Euch: Freund Felton, John, mein Junge, hüte dich und mich vor dieser Frau. Schwöre mir bei deinem Seelenheil, sie für die verdiente Strafe aufzubewahren. Felton, ich baue auf dein Wort, John Felton, ich glaube an deine Rechtschaffenheit.«

»Mylord«, erwiderte der junge Offizier, sein reines Auge mit allem Hass füllend, den er in seinem Herzen finden konnte, »Mylord, ich schwöre Euch, dass ich tun werde, wie Ihr wünscht.«

Mylady nahm diesen Blick wie ein in ihr Schicksal ergebenes Opfer auf. Man könnte unmöglich einen unterwürfigeren und sanfteren Ausdruck sehen als den, welcher nun auf ihrem schönen Antlitz herrschte.

Kaum erkannte Lord Winter in ihr die Tigerin, die er einen Augenblick vorher zu bekämpfen sich anschickte.

»Sie wird dieses Zimmer nie verlassen, hört Ihr wohl, John«, fuhr der Baron fort, »sie wird mit niemand Briefe wechseln, sie wird nur mit Euch sprechen, wenn Ihr überhaupt Euch herablassen wollt, ein Wort an sie zu richten.«

»Es ist genug, Mylord, ich habe geschworen.«

»Und nun, Madame«, sprach der Baron, »und nun versucht es, Euren Frieden mit Gott zu machen, denn von den Menschen seid Ihr gerichtet.«

Mylady ließ das Haupt sinken, als ob sie durch dieses Urteil zu Boden getreten wäre. Lord Winter entfernte sich mit einer Gebärde gegen Felton, der ihm folgte und die Tür schloss.

Einen Augenblick danach hörte man im Flur den schweren Gang eines Marinesoldaten, der mit seiner Axt in der Hand Wache stand.

Mylady verharrte einige Minuten in derselben Stellung, denn sie meinte, man könne sie durch das Schlüsselloch beobachten. Dann hob sie sacht das Haupt, das einen furchtbar drohenden, trotzigen Ausdruck angenommen hatte. Sie lief an die Tür, um zu horchen, schaute durch das Fenster und begrub sich wieder in einen weiten Lehnstuhl.

Sie überlegte.

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