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Slatermans Westernkurier 09/2019

Auf ein Wort, Stranger, wer oder was ist eigentlich ein Bronco Buster?

Ein Bronco Buster ist ein Mann, der Wildpferde zureitet.

Eine harte Arbeit, besser gesagt ein Scheißjob, bei dem man für einen Hungerlohn nicht nur Dutzende von gebrochenen Knochen riskierte, sondern oftmals auch sein Leben. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass man in jenen Tagen bei der Ausübung dieser Tätigkeit mit 40 entweder tot war oder als körperliches Wrack dahinvegetierte, war genauso groß wie jene, dass der Pfarrer bei der Sonntagspredigt das Wort Amen ausspricht.

Klingt zynisch, ist aber so.

All jenen, denen immer noch das romantisierte und idealisierte Bild des Wilden Westens vor Augen schwebt, das trotz aller historischer Aufarbeitung leider weiterhin in Form von Buch, Heftroman oder Film verbreitet wird, sei gesagt, dass dieser Job absolut nichts mit irgendwelcher Lagerfeuerromantik zu tun hat.

Es war und ist ein Knochenjob. Grund genug für den Westernkurier, einmal an diese Männer und ihre Arbeit zu erinnern.

 

***

 

Bronco Buster ist die Bezeichnung für einen Cowboy, dessen Spezialität das Brechen oder Zureiten eines Pferdes ist. Dieser Old-Time-Zureiter, andere bekannte und populäre Namen waren Bronco Breaker, Bronco Snapper, Bronco Peeler oder Bronco Twister, tat eigentlich kaum etwas anderes, als Pferde zuzureiten.

Er wanderte von Ranch zu Ranch und ritt für 5 Dollar Wildpferde zu, indem er sich in einem engen Zureitegatter auf das gesattelte Pferd schwang und einen wilden Kampf mit ihm ausfocht, der oft länger als eine Stunde währte und äußerst gefährlich war.

Charakteristisch bei dieser Prozedur war das sogenannte Bocken des Pferdes.

Dieses Bocken ist die natürlichste Abwehr- und Selbstverteidigungsreaktion eines Pferdes und gibt dem erfahrenen Bronco Buster Aufschluss über den Mut, die Ausdauer, die Kraft und Zähigkeit des Tieres.

Je wilder solch ein Bocker also war, umso mehr Freude bereitete er seinem Besitzer.

Ein müder Bocker oder gar einer, der überhaupt nicht bockte, galt allgemein als ein Pferd, dem man die notwendigen Eigenschaften, ein gutes Gebrauchspferd zu werden, absprach und es bestenfalls noch als Mähre benutzte, die gerade gut genug war, um den Pflug zu ziehen.

Bevor wir jetzt damit fortfahren, den Alltag eines Bronco Busters weiter zu beschreiben, kurz noch ein paar Erklärungen zum Thema Bocken.

Das Bocken bei einem Pferd ist ein ganz bestimmter Vorgang und nicht zu verwechseln mit anderen Abwehrreaktionen.

Das Pferd nimmt dabei den Kopf zwischen die steif gestreckten und abgespreizten Vorderläufe, steigt zuerst mit diesen steil in die Höhe und lässt sich dann niederfallen, danach dasselbe mit der Hinterhand, um sich mit katzenhaft gekrümmtem Rücken wiederum niederfallen zu lassen. Ein solcher Bocksprung währte in der Regel 3 bis 5 Sekunden, in denen der Reiter nicht nur machtvoll vor- und zurückgerissen, sondern auch zweimal zusammengestaucht wird. Ein Vorgang, der oft zu Lungenrissen und Gehirnerschütterung führte.

Der Bronco Buster unterteilt die Pferde hierbei in verschiedene Gruppen.

Da gab es den Stoßhauer, der aus dem Bocksprung heraus mit allen Vieren steif auf den Boden kommt, oder den Hochroller, der während des Bockens noch einmal in die Luft springt. Der Spinner wandte sich während der Bocksprünge gekrümmt zur Seite, der Weber, der seine Läufe nie zusammen auf den Boden bringt, sondern sie wild durcheinanderwirbelt, und dann gibt es da noch den Sonnenfischer, der seinen Körper im Hochsprung blitzartig halbmondförmig beugt, als versuche er sich in den Schweif zu beißen.

Ein guter Bronco Buster kannte die Tricks dieser Pferde alle und konnte dagegenhalten, ein mittelmäßiger aus seiner Zunft dagegen, der nur mit ein oder zwei dieser Abwehrbewegungen zurechtkam, fand sich schnell auf dem Boden wieder.

Dann musste er beim nächsten Mal auf ein Pferd hoffen, dessen Tricks er Paroli bieten konnte, oder er war seinen Job los.

Aber eines hatten alle Bronco Buster gemeinsam, egal, ob sie ein Meister ihres Handwerks waren oder nur Durchschnitt, sie fürchteten nichts so wie einen Outlaw oder Man-Killer.

Outlaws waren Pferde voller Heimtücke und übler Tricks, aber was Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit betraf, waren sie unübertroffen.

Sie bockten nur selten, sondern versuchten den Mann auf ihrem Rücken dadurch loszuwerden, indem sie sich gegen das Holz des Zureitegatters warfen, um ihm die Beine zu zerschmettern, oder ihn zu beißen.

Gute Reiter schätzten solche Pferde trotzdem, auch wenn sie diese nur mit Vorsicht ritten. Diese Pferde waren nicht eingebrochen und versuchten immer wieder ihren Willen durchzusetzen. Doch gerade dieser Freiheitsdrang war es, dem die Reiter Respekt zollten. Auch wenn ständig eine Art Hassliebe zwischen ihnen herrschte; wenn sich Mensch und Tier erst einmal miteinander arrangiert hatten, waren sie ein unschlagbares Gespann.

Anders hingegen der Man-Killer, der manchmal auch Man-Eater genannt wurde.

Diese Pferde versuchen ihren Reiter abzuwerfen, indem sie sich mit einem regelrechten Rückwärtssalto krachend auf den Boden werfen.

Hierbei sind schon oft Reiter zermalmt worden.

Wer es dennoch überlebte, musste das Gatter so schnell wie möglich verlassen, um nicht von den auskeilenden Hufen dieser Pferde getroffen zu werden. Diese Tiere waren bösartig und verdorben und nur von dem Wunsch beseelt, den Mann, der sie reiten wollte, zu töten.

Der Blutzoll der Bronco Buster durch sie war hoch, denn nicht immer sah man ihnen ihre Mordlust an. Diese Tiere wurden in der Regel dann auch erschossen.

 

***

 

Auch wenn die Rolle, die der Bronco Buster bei der Besiedlung des Westens spielte, kaum Beachtung fand, so hat er durch seine Arbeit, wenn auch von den meisten unbemerkt, einen nicht unerheblichen Anteil dazu beigetragen.

Ohne ihn hätte es in den Weiten des Landes nur wenige gezähmte und reitbare Pferde gegeben. Die Cowboys hätten sich meist mit handzahmen, lethargischen Pferden begnügen müssen, die für ihre Arbeit kaum etwas taugten, und das Land wäre nie so schnell erkundet und letztendlich auch besiedelt und zivilisiert worden.

Wie wichtig das Pferd in den Weiten des Westens war, sieht man an der Tatsache, dass einem Mann, der eine Bank ausraubte oder einen Menschen tötete, in der Regel das Gefängnis drohte, bei Pferdediebstahl jedoch gab es nur den Strick oder eine Kugel.

In einer der nächsten Ausgaben werden wir uns dann jenen Männern widmen, deren Job mindestens genauso gefährlich war und oftmals tödlich endete und ohne die auch ein rasches Fortschreiten der Zivilisation und Besiedelung des Westens nur bedingt möglich gewesen wäre. Denn auch dieser Berufszweig wird heute noch in den Berichten und Geschichten über den Wilden Westen stiefmütterlich behandelt.

Die Rede ist vom Bremser und Heizer, ohne den man so gut wie keine einzige Lokomotive aus den Depots der Eisenbahngesellschaften auf die Schiene gebracht hätte.

In diesem Sinne,

euer Slaterman

Quellenhinweis:

  • H. J. Stammel, Der Cowboy, Legende und Wirklichkeit von A bis Z, ISBN 3-570-05438-1, Verlagsgruppe Bertelsmann
  • Archiv des Autors

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