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Einsendeschluss 31.05.2021

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Elbsagen 35

Elbsagen
Die schönsten Sagen von der Elbe und den anliegenden Landschaften und Städten
Für die Jugend ausgewählt von Prof. Dr. Oskar Ebermann
Verlag Hegel & Schade, Leipzig

35. Der Dresdener Mönch

Wie die weiße Frau im Schloss zu Berlin durch ihr Erscheinen stets den bevorstehenden Tod eines Fürsten aus dem Hause Hohenzollern verkünden soll, so wird, nach der Volkssage, auch dem sächsischen Fürstenhaus durch ähnliche Erscheinungen vorher angezeigt, wenn ein Todesfall droht. In Dresden soll die Erscheinung die Gestalt eines grauen Barfüßermönches gehabt haben, der seinen abgehauenen Kopf unter dem Arm trug und in der Hand eine brennende Laterne hielt. Gewöhnlich kam er aus dem sogenannten Mönchsbrunnen auf dem Wilsdruffer Wall heraus, ging auf dem Wall der Dresdener Bastei entlang und ließ sich an der Stelle der alten Festungswerke sehen, die im Volksmund die Jungfer oder das grüne Haus hieß. Dieser Mönch war angeblich früher zweimal an dem obersten Sims des Hauptturms der alten Kreuzkirche an den beiden Ecken, die nach dem Wall zu liegen, in Stein gehauen. Da aber auf der entgegengesetzten, also der Stadt zugewendeten Ecke das Bildnis Christi angebracht war, so dachte man sich unter diesen beiden Mönchsgestalten auch den Teufel und seine Großmutter.

Am 22. April 1694 hatte sich der Mönch im königlichen Schloss sehen lassen und damit den Tod Johann Georgs IV. voraus verkündet. Am 3. Oktober 1698 hatte er die Wachen an den Toren von Alt- Dresden erschreckt, sodass sie sich von allen Posten einander zu Hilfe riefen. Ein Soldat musste sich am Schilderhaus festhalten, um nicht in den Stadtgraben hinabgeworfen zu werden. Dem Leutnant, der die Runde hatte, war der Mönch ebenfalls begegnet. Als aber der Offizier die Pike fällte, verschwand das Gespenst. Hierauf war ein solcher Lärm entstanden, dass man die Trommel rühren ließ und niemand mehr die Wache verrichten wollte.

Das Volk erzählte sich damals, jener Mönch habe einst die beiden Brüder Kurfürst Moritz und August an der Stelle belauscht, wo nun das Moritzdenkmal steht. Der Platz erhielt deshalb den Namen die Horche. Der Mönch wurde zur Strafe geköpft und erscheint seitdem als Spukgeist, der der kurfürstlichen Familie Unglück verkündet.

Nach einer anderen Sage war der Mönch von kleiner Gestalt, sehr friedsam und bestrafte nur diejenigen, die ihn zuvor geneckt hatten. Einst schickte ein Kurfürst seinen Diener in ein bestimmtes Zimmer, um etwas zu holen. Als der Diener das Zimmer betrat, sah er den grauen Mönch an einem Tisch sitzen und schreiben. Aufs Höchste erschrocken, eilte er zurück und meldete seinem Herrn, was er gesehen hatte. Darauf begab sich der Kurfürst sofort ohne Begleitung in dasselbe Zimmer. Als er dort den Mönch noch immer schreibend fand, fragte er ihn, was er dort mache.

Der Mönch erwiderte: »Ich schreibe deine Sünden auf.«

Da versetzte der wackere Fürst: »Hat dir Gott die Macht dazu gegeben, so tue es nur immerhin.« Er ging, ohne eine andere Frage zu tun, aus dem Zimmer.

Mit diesem Gespenst darf jedoch nicht das sogenannte weiße Gespenst verwechselt werden. Dies war eine junge Frau in weißen Gewändern, die nach der Volkssage sich früher ebenfalls sehen ließ, wenn ein Todesfall in der kurfürstlichen Familie bevorstand. Es zeigte sich besonders auf der Treppe vom ersten zum zweiten Stockwerk des ersten Turmes rechts im großen Schlosshof, da wo früher ein geheimes Kabinett und die kurfürstliche Handbibliothek war. Es soll unter anderem den Tod der Gemahlin Johann Georgs II., Magdalene Sybilla, im Jahre 1657 angekündigt haben. Schließlich soll es sich auch noch auf dem Gang gezeigt haben, der vom Schloss aus in die frühere Hofapotheke führte, doch hatte man eigentlich nie wirklich etwas gesehen, sondern furchtsame Leute haben nur erzählt, wenn sie abends diesen Gang betreten hätten, so sei es ihnen so zumute gewesen, als ob ein großer weißer Ballen hinter ihnen her gewälzt würde.