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Aus dem Wigwam – Tschibai-Minis oder die Insel der Toten

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Tschibai-Minis oder die Insel der Toten

enn man den Lauf des Portage River auf der Kiwenahalbinsel (Lake Superior) ungefähr zwei und eine halbe Meile von der Mündung aus verfolgt, so bemerkt man auf der linken Seite eine kleine, spärlich bewaldete Landzunge, die früher eine Insel bildete und gewöhnlich Battle Island genannt wird, weil dort am Anfang des 18. Jahrhunderts eine blutige Fehde zwischen den Odschibwe und den Irokesen ausgefochten wurde, wobei Erstere Sieger blieben. Die dort wohnenden Odschibwe nennen jene Stelle Tschibai-Minis oder die Insel der Toten, und erzählten mir folgende auf jene Bezeichnung bezügliche Sage.

Als sich einst einige Indianer auf jener Insel niedergelassen hatten, um dort die Nacht hindurch zuzubringen, hörten sie ringsum ein verdächtiges Flüstern. Es schien auch, als gingen Männer im Lager auf und ab, trotzdem, dass nirgends ein fremder Mensch zu sehen war. Als aber die Odschibwe am anderen Morgen erwachten und das Frühstück kochen wollten, sahen sie zu ihrem größten Erstaunen, dass sie weder Fische noch Mais, Enten oder Moschusratten hatten und ihre Kessel, Körbe und Taschen gründlich geleert waren. Nach ihrer Ansicht hatten die Geister der erschlagenen Nadoweg (Irokesen) den Ort ihrer Niederlage besucht und sich an den Leckerbissen der Nachkommen ihrer Besieger gelabt.

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