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Oberhessisches Sagenbuch Teil 35

Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873

Der Elben Tanz unter dem Bilstein

Einer von den alten Breungeshainer Pfarrern ging einmal nach Burkhards bei früher Morgenstunde, als der Mond noch voll am Himmel stand und ehe die Sterne erblichen. Als er auf den Baalsweg unter den Bilstein kam, sah er durch eine Waldlichtung auf einem kleinen Wiesenplatz einen weißen Rauch auf dem Erdboden schweben, der ging rundum, schneller und schneller. Er machte sich also hinzu, um das Ding näher zu betrachten, aber nun war der Nebel fort. Stattdessen aber sah er auf der Wiese eine unzählbare Schar wunderschöner weißer Jungfrauen, welche wechselweise ihre Hände gefasst hatten und dort im Kreis gar fröhlich auf und ab tanzten. Sie waren aber kleiner als die Menschen, etwa so groß wie ein zweijähriges Kind, rosigen Angesichts, und trugen kleine goldene Kronen auf ihren Häuptern. Zugleich ließen sie einen gar feinen lieblichen Gesang hören, süßer als Vogelgesang. Eine Weile sah der alte Pfarrer verwundert dem Reigen zu, dann trat er näher und redete sie im Namen Gottes an. Alsbald wurde alles unsichtbar. Und er würde die Begebenheit für einen Traum gehalten haben, wenn er nicht, auf den Boden blickend, auf dem feuchten Wiesengrund die kleinen Fußtapsen der holden lichten Wesen ringsum vor sich gesehen hätte.