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Die drei Templer

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Der Alte vom Berge – Kapitel 12

C. F. Fröhlich
Der Alte vom Berge
Oder: Taten und Schicksale des tapferen Templers Hogo von Maltitz und seiner geliebten Mirza
Ein Gemälde aus den Zeiten der Kreuzzüge
Nordhausen, bei Ernst Friedrich Fürst, 1828

XII.

Der Kapitelsaal war mit Wachen umstellt, die Läden an den Fenstern geschlossen und sämtliche anwesende Templer versammelt. Alle Kerzen brannten und neugierig sahen die Anwesenden zum Komtur von Wallis.

»Mit hohem Unwillen,« begann er seine Rede, »habe ich die Widerspenstigkeit vieler Templer bei der Schlacht bemerkt. Mein würdiger Vorgänger hinterließ mir den Befehl, der nächsten Schlacht nur im Notfall beizuwohnen. Ich übertrat diesen Befehl, denn in Verbindung der Johanniter eröffneten wir die Schlacht. Wollte ich das Leben meiner Brüder nicht höher achten, als der Großmeister der Johanniter, so würde bald kein Mitglied unseres erlauchten Ordens am Leben sein. Wohlweißlich blieb ich mit Euch, meine Brüder, müßige Zuschauer, um da helfen zu können, wo die Not am größten sei. Der Pannerer Hugo forderte mich sogar mit trotzigen Worten auf, ihn mit seinen tollkühnen Freunden wieder in die Schlacht zu führen, worüber er Strafe verdient, doch er fehlte aus Eifer für die gute Sache und so sei ihm alles vergeben. Die Hauptursache, meine lieben Brüder, warum ich Euch zusammenberufen ließ, ist die, dass Ihr einen neuen Großmeister wählt, damit die alten Gesetze streng beobachtet werden.«

Ein dienender Bruder klopfte an die Tür.

Man öffnete sie und der Komtur erhielt ein Schreiben. Er las mit lauter Stimme:

An den erlauchten Orden der Templer

Da der einstweilige Großmeister von Wallis wahrscheinlich vom Feind bestochen worden ist, dass er in der nächsten Schlacht nur ein müßiger Zuschauer bleiben sollte oder durch Feigheit den Kampf nicht wagte, so zeigen wir den erlauchten Orden hierdurch an, dass wir den genannten Komtur nie als den Großmeister der Templer anerkennen. Gegeben in unserem Schloss zu Jerusalem, im Jahre unseres Herrn und Heilandes 1154.

König Balduin II.

Der Komtur erblasste, doch fasste er sich schnell und fragte verlegen lächelnd: »Seit wann steht denn dem König das Recht zu, sich in die Wahl des Großmeisters zu mischen?« Mit feierlicher Stimme fuhr er fort: »Das Recht ist ganz auf meiner Seite. Ich wollte den Befehl meines Vorgängers doch wenigstens etwas befolgen und dies wird mir jetzt so übel ausgelegt. Bei Gott und allen Heiligen, ich bin weder feige noch bestochen. Geliebte Brüder! Wir brauchen niemandem von unseren Handlungen Rechenschaft abzulegen, selbst dem König nicht. Unser Orden ist selbstständig und der Großmeister ein souveräner Fürst. Früher wünschte ich nicht Großmeister zu werden, weil dieses Amt mit zu vielen Schwierigkeiten und Sorgen verknüpft ist, aber …«

»Ihr müsst unser Großmeister werden, dem König zum Trotz,« fiel Brömser von Pleißenburg ein, worauf einige Stimmen diesen Ruf wiederholten.

Der Komtur winkte um Ruhe: »Brüder!«, begann er, »wenn es Euer Wunsch ist, dass ich Großmeister werden soll, so seid versichert, dass ich für das Heil des Ordens Tag und Nacht wachen werde.«

»Nimmermehr könnt Ihr unser Großmeister werden,« rief Hugo von Maltiz, »weil der hochwürdige Großmeister des Johanniterordens Euch mit seinem Schwert entehrt hat!«

»Brav gesprochen! Hugo hat recht!«. schrien die Ritter wild untereinander, während Brömser mit seiner kleinen Partei schrie: »Der Komtur von Wallis sei unser Großmeister!«

Beide Parteien erhitzten sich so sehr, dass es fast zum Kampf gekommen wäre. Endlich winkte der alte ehrwürdige Marschall Reimund um Ruhe. »Ihr könnt den Komtur nicht zum Gebieter wählen,« begann er, »denn er ist öffentlich beschimpft. Wenn mein Wort daher etwas bei Euch gilt, so wählt den rüstigen Marschall von Montfourat!«

»Ja! Ja! Montfourat sei unser Großmeister!«, schrien fast alle. Nur selten hörte man eine Stimme für den zitternden Komtur.

Man sammelte Stimmen, wo es sich fand, dass für Montfourat über zwei Drittel stimmten. Fast weinend vor Wut legte der Komtur den heiligen Mantel ab und verließ den Sitz des Großmeisters.

Der neue Großmeister Montfourat erhielt aus den Händen des Drapiers den heiligen Mantel, worauf ein lautes »Hoch lebe unser würdige Großmeister!« erschallte.

»Ich danke Euch herzlich für die mir erwiesene Ehre«, begann er, »und gebe Euch, geliebte Brüder, die Versicherung, dass ich meinem Amt keine Schande machen, aber streng auf Ehre und Befolgung der Gelübde halten werde. Öffentlichen Dank sage ich allen denen, die sich in der letzten Schlacht durch Tapferkeit auszeichneten. Was übrigens den Komtur betrifft, der entehrt wurde, weil er in der Gefahr die Johanniter verließ, so entsetze ich ihn, kraft meines Amtes, der Würde als Komtur, und werde ihn nach einer genauen Untersuchung bestrafen!«

Totenbleich übergab der Komtur hierauf die silberne Halskette und wankte, ohne ein Wort zu sagen, in eine Ecke.

Noch ordnete der neue Gebieter verschiedene Sachen nach seiner Ansicht. Mit dem Blick eines Helden verließ er endlich die Versammlung, die ihm laut nachjauchzte. Beschämt schlich der Ex-Komtur zu seiner Zelle, wohin ihm bald der Unter-Turkopolier folgte.

Eben entstieg Aurora ihrem Bett, als im Tempelhof Trompeten schmetterten, Pauken wirbelten, Cymbeln lieblich erklangen und ein allgemeines »Heil! Heil! Heil unserem neuen Großmeister« ertönte. Gerührt über diesem Beweis der Liebe seiner Brüder, flehte er zu Gott, dass er ihm das Recht vom Unrecht möge unterscheiden lassen. Dann öffnete er mit noch tränenden Augen das Fenster und dankte herzlich für die ihm erzeigte Ehre und Liebe.

Den ganzen Tag über ließ sich der Ex-Komtur nicht blicken, während der neue Großmeister durch Herolde seine neue Würde anzeigen ließ. Für ihn fanden sich mancherlei Geschäfte und unaufschiebbare Besuche.

Sinnend nach dem Käfig des Alten vom Berge blickend stand er am Fenster, als die Tür seines Gemaches mit ungewöhnlicher Heftigkeit aufflog. Mit finsterer Miene blickte er zu dem Ruhestörer. Es war ein dienender Bruder, der ihm ein Stück beschriebenes Pergament mit der Meldung überreichte, dass der Ex-Komtur und Großmeister in spe verschwunden sei. Der Gebieter las:

Ich hasse und verabscheue den Orden der Templer und werde ihn zu vernichten versuchen. Es ist wahr, ich stand mit den Sarazenen in Verbindung und wollte deshalb nur geringen Anteil an der Schlacht nehmen. Durch die mir widerfahrenen Beleidigungen gereizt, will ich meinen Glauben abschwören und ein Muselman werden. Meine Rache sollt Ihr, Großmeister des verfluchten Ordens, und der Pannerer Hugo von Maltiz zuerst empfinden!
Der Komtur von Wallis.

»Man soll den entflohenen Ex-Komtur sogleich nachsetzen,« befahl er, und warf das Pergament missmutig auf die Erde.

Ein Teil der Templer zerstreute sich nach allen Richtungen, um den Entflohenen wieder zu erhaschen, doch vergebens waren ihre Bemühungen und keine Spur zu finden.

Am Abend desselben Tages schlenderte Hugo innerhalb des Tempelhofes umher. Recht freundlich grüßte ihn sein Feind und Widersacher Brömser. Er fing an ein Gespräch anzuknüpfen, welches durch seine lebhaften Witze bald recht interessant wurde, und erst spät gingen sie auseinander. Da stieß jemand leise an Hugos Rüstung und überreichte ihm Bärwurz1. Hugo wusste die Deutung, sah sich nach dem Überbringer um, aber er war verschwunden. Er erinnerte sich bald, dass er dem Warner Leben oder Freiheit in der letzten Schlacht zu danken hatte. Er dachte zwar sogleich, dass diese Warnung auf den Turkopolen Brömser ziele, allein er hielt ihn doch nicht für ganz schlecht und schlug diese Warnung bald in den Wind.

Show 1 footnote

  1. Bärwurz heißt in der Rittersprache. »Hüte dich!«

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