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Nick Carter – Band 1

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Jack Lloyd Folge 42

Jack Lloyd – Im Auftrag Ihrer Majestät

Mit Gottes Segen

Joe starrte Elena fassungslos an. Er hatte im Laufe der letzten Wochen, in denen er an Bord ihres Schiffes unter ihrem Kommando gesegelt war, gelernt, ihren Instinkten ein Stück weit zu vertrauen. Er wusste, dass diese Frau alles andere als dumm war. Aber der Vorschlag, den sie ihm gerade unterbreitete, mutete doch sehr gewagt an.

»Ich soll … was?«

»Ihr sollt nur Eure Kleidung eintauschen.«

»Gegen die Tracht eines Priesters? Ich bitte Euch, Käpt´n. Was soll ich in Priesterkleidern? Ich kann kein Latein. Nicht einmal das Vaterunser könnte ich in der Sprache der Schwarzroben aufsagen.«

»Das wird auch nicht nötig sein, Joe.«

»Ein Priester, der kein Latein spricht? Wie soll das funktionieren?« Joe schüttelte energisch den Kopf. Der Gedanke gefiel ihm ganz und gar nicht.

»Das ist ganz einfach. Ihr sprecht beim Gouverneur vor und erklärt ihm, dass Ihr ein Wanderpriester seid, der sich in den letzten Jahren damit beschäftigt hat, den Wilden im Hinterland das Wort des Herrn näher zu bringen.«

»Und dafür braucht man kein Latein?«

»Glaubt mir, Joe. Ich habe manchen Priester hier in der Karibik gesehen, der eine eigene Gemeinde hatte und kein Wort Latein sprach.«

»Und weiter? Was haben wir davon, wenn der Gouverneur glaubt, dass ich ein Priester wäre?«

»Ganz einfach.«

»Ich bin ganz Ohr, Mylady.«

»Ihr werdet ihm sagen, dass Ihr auf dem Weg in die Heimat seid. Vielleicht kann er Euch ein Schiff empfehlen, das in Richtung Spanien segelt?« Elena zwinkerte Joe zu.

»Ihr meint, ich könnte so herausbekommen, wann die Silberflotte hier eintrifft?«

»Genau.«

»Na und? Genau das soll doch Jack von der Tochter des Gouverneurs in Erfahrung bringen. Warum noch jemanden auf diese Angelegenheit ansetzen? Oder gefällt Euch der Gedanke nicht, dass der Kapitän mit der Tochter des Gouverneurs …«

Elena sah einen kleinen Augenblick zu Boden, lange genug, um Joe zu zeigen, dass er richtig lag.

»Keinesfalls«, brummte Elena leise. Dann sah sie wieder auf und schaute Joe direkt ins Gesicht.

»Natürlich kann es nicht schaden, wenn wir mehrere Möglichkeiten haben, an die notwendigen Informationen zu kommen.«

»Und das ist alles?«

»Nein, Joe. Wenn der Comte wirklich ein falsches Spiel mit uns spielt, dann hat er uns auf dem Präsentierteller vor sich liegen. Jack will noch heute in das Haus ziehen, das der Comte uns vermitteln möchte. Morgen sollt ihr dann nachkommen. Dann weiß der Comte wahrscheinlich von jedem von uns zu jeder Zeit, wo er sich aufhält. Wir sind ganz und gar kontrollierbar für ihn.«

Joe nickte langsam. Er begann zu begreifen, worauf Elena hinaus wollte.

»Wenn Ihr als Priester in die Stadt kommt, als ein Mann, der mit uns überhaupt nichts zu tun hat, aber trotzdem im Haus des Gouverneurs, der ein sehr frommer Mann ist, willkommen ist, dann gibt es wieder eine Unbekannte in unserem Spiel, die der Comte nicht kontrollieren kann.«

»Immer gesetzt den Fall, dass der Comte wirklich ein falsches Spiel mit uns spielt.«

»Habt Ihr Zweifel daran?«

»Ich kenne Jack. Er lässt sich eigentlich nicht so leicht überrumpeln.«

»Wovon überrumpeln?« Jack war in der Tür erschienen und hatte die letzten Worte des Gespräches zwischen den beiden mitbekommen. Elena sah ihren Kapitän einen Moment lang an. Dieser Augenblick reichte schon aus, um ihr zu zeigen, dass es keinen besseren Augenblick geben konnte, um ihren Plan vorzutragen als den jetzigen. Jack schien bei guter Laune zu sein. Wahrscheinlich hatte ihm das gefallen, was Pablo ihm gezeigt hatte. Da würde er es verkraften können, wenn seine Stellvertreterin Zweifel an seinem Urteilsvermögen, was den Comte betraf, anmeldete. Joe nickte der jungen Frau aufmunternd zu. Ihr Plan war gewagt, aber das war alles, was sie hier in Caracas taten. Und wenn Elena recht hatte, dann war das wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, ihnen zumindest eine kleine Chance zu erhalten, erfolgreich zu sein. Elena atmete tief durch. Dann begann sie Jack von ihrer Idee zu erzählen.

Fortsetzung folgt …

Copyright © 2011 by Johann Peters