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Elbsagen 21

Elbsagen
Die schönsten Sagen von der Elbe und den anliegenden Landschaften und Städten
Für die Jugend ausgewählt von Prof. Dr. Oskar Ebermann
Verlag Hegel & Schade, Leipzig

21. Das Sensenduell im tiefen Grund

Wo im tiefen Grund bei Hohnstein das Waizdorfer Bächlein in den Grundbach fällt, ist eine Sense und ein Kreuz mit der Zahl 1699 in den Felsen gehauen, und zwar zur Erinnerung an folgende Begebenheit:

Zwei Burschen aus Waizdorf, beide reich, hübsch und munter, warben um ein Mädchen, das beiden gleich gewogen war. Ihr Vater war ein alter preußischer Husar und durch seine Erzählungen aus dem Kriegsleben musste sie wohl zu etwas überspannten Anschauungen gekommen sein, denn sie erklärte nach langem Zögern auf dem Kirmesfest ihren Bewerbern, dass sie nur dem Mutigsten von ihnen ihre Hand geben wolle. Das Mädchen musste recht brav und hübsch gewesen sein, denn die jungen Burschen, die sonst gute Freunde waren, aber nicht wussten, wo und wie sie ihren Mut beweisen sollten, beschlossen, sich im Zweikampf zu messen. Im tiefen Grund wollten sie zusammenkommen. Sie benachrichtigten das Mädchen davon und verlangten von ihr, sie solle bei dem Kampf zugegen sein und den Vorgang verschweigen. Das törichte Mädchen, dessen Eigenliebe sich geschmeichelt fühlte, glaubte, der Zweikampf werde nur ein Faustkampf sein, stellte sich zur bestimmten Zeit ein und fand die Burschen schon an Ort und Stelle, sonderbar zum Zweikampf geschmückt. Beide in leinene Jäckchen mit roten Bändern gekleidet, einen Strohhut auf dem Kopf, an dem die Bänder flatterten, die das Mädchen ihnen geschenkt hatte, standen sie mit neuen Sensen vor ihr und fragten sie, ob sie auch nun noch nicht einen von ihnen vorziehe. Verblendet, wie sie war, beharrte sie auf ihrem Willen. Die Burschen reichten sich und ihr treuherzig die Hand, sagten sich Lebewohl und begannen den Kampf. Beide bluteten, das Mädchen schrie, bat sie, einzuhalten, wollte sich zwischen sie werfen, doch im selben Augenblick fiel der eine tot nieder. Die Sense des Gegners hatte ihm das Herz durchstochen. Ohne auf das Mädchen zu achten, stürzte sich der Sieger auf seinen Freund, jammerte und klagte, aber die Klage weckte ihn nicht wieder auf. Da reichte die neben ihm Kniende dem Sieger die Hand, doch der stieß sie zurück, warf sich noch einmal auf den toten Busenfreund, weinte und klagte von Neuem, sprang dann auf und eilte fort.

Neun Jahre später, als während eines Krieges preußische Truppen die Elbe hinaufzogen, trat eines Tages ein preußischer Kürassier in die Waitzdorfer Schenke ein, trank ruhig sein Glas Bier, fragte, wie es dem alten preußischen Husaren gehe, und erhielt zur Antwort, der sei längst tot, die Tochter aber noch zu haben. Da verließ er schnell die Schenke, ging zum Haus des Verstorbenen und sah dort das Mädchen mit ihrem Spinnrad vor der Türe sitzen. Kaum erkannte er sie wieder, so war ihr Antlitz entstellt. Bleich, mager, die früher so feurigen Augen ohne jeden Glanz, glich sie einer Blume, an deren Wurzel der Wurm nagt.

Auf des Kürassiers Guten Tag, Rose! stieß sie einen Schrei aus, sprang auf und wollte ihn umarmen.

»Gott mit dir!«, rief jener in schmerzerfülltem Ton und ging zum tiefen Grund fort. Hier fanden ihn die Bauern, die dem Mörder nachgeeilt waren, um ihn festzunehmen, beim Grab kniend beten.

Als sie ihn umstellten, stand er ruhig auf, zog seinen langen Pallasch und sprach: »Komme mir keiner in den Weg!«

Dann ging er langsamen Schrittes das Tal hinab, der Elbe zu. Die Leute folgten ihm auch dorthin, um ihn am anderen Tag als Mörder anzuklagen. Aber am Morgen rief die Trompete zum Aufbruch, das Heer zog nach Böhmen. Seitdem hat man nichts mehr von ihm gehört. Das Mädchen starb noch im nämlichen Jahr.

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