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Sammlung bergmännischer Sagen Teil 48

Das arme Bergmannsleben ist wunderbar reich an Poesie. Seine Sagen und Lieder, seine Sprache, seine Weistümer reichen in die älteste Zeit zurück. Die Lieder, die wohlbekannten Bergreihen, die Sprachüberreste, die Weistümer sind teilweise gesammelt. Die Sagen erscheinen hier zum ersten Mal von kundiger Hand ausgewählt und im ganzen Zauber der bergmännischen Sprache wiedergegeben. Das vermag nur zu bieten, wer ein warmes Herz für Land und Leute mitbringt, wo diese uralten Schätze zu heben sind; wer Verständnis für unser altdeutsches religiöses Leben hat, wer – es sei gerade herausgesagt – selbst poetisch angehaucht ist. Was vom Herzen kommt, geht wieder zum Herzen, ist eine alte und ewig neue Wahrheit. Hat der Verfasser auch nur aus der Literatur der Bergmannssagen uns bekannte Gebiete begangen, verdient er schon vollauf unseren Dank. Seine Liebe zur Sache lässt uns hoffen, er werde mit Unterstützung Gleichstrebender noch jene Schaetze heben, die nicht an der großen Straße liegen, sondern an weniger befahrenen Wegen und Stegen zu heiligen Zeiten schimmern und zutage gefördert sein wollen.


IV. Vermischte Sagen

48. Heiligkeit des Sonnabends

Im Freiamt bei Emmendingen arbeitete eines Samstagabends ein Bergmann allein in der Grube Silberloch. Auf einmal hörte er hinter sich, auf einem zugedeckten alten Schacht, Schritte und den dort stehenden Schubkarren hin und her werfen. Da er niemand erblickte, eilte er erschrocken aus der Grube. Von seinem gewöhnlichen Mitarbeiter, dem er das Ereignis erzählte, wurde er wegen seiner Furcht tüchtig ausgelacht. Als nun jener am nächsten Samstagabend im Silberloch beschäftigt war, vernahm er auch das Gehen, blieb aber ruhig und arbeitete fort. Bei erblickte er einen Schein, schaute um und siehe! Da kamen mehrere Geister mit brennenden Lichtern vom Schacht her auf ihn zu.

»Seid ihr böse Geister, so weicht von mir. Seid ihr aber gute, so zeigt einen armen Bergmann reiche Anbrüche!«, sprach er zu ihnen.

Allein einer der Geister packte ihn an der Schulter und warf ihn zehn Klafter weit, dass er die Besinnung verlor. Aus diesem Zustand erweckte ihn erst spät in der Nacht sein Gefährte, der, um ihn zu suchen, in die Grube kam. Beide fassten nun den festen Vorsatz, den Sonnabend nie mehr durch Arbeiten zu entheiligen. An der Schulter, wo der Mann von dem Geist ergriffen worden war, behielt er sein Leben lang ein zeitweises Zittern.

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