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Sammlung bergmännischer Sagen Teil 46

Das arme Bergmannsleben ist wunderbar reich an Poesie. Seine Sagen und Lieder, seine Sprache, seine Weistümer reichen in die älteste Zeit zurück. Die Lieder, die wohlbekannten Bergreihen, die Sprachüberreste, die Weistümer sind teilweise gesammelt. Die Sagen erscheinen hier zum ersten Mal von kundiger Hand ausgewählt und im ganzen Zauber der bergmännischen Sprache wiedergegeben. Das vermag nur zu bieten, wer ein warmes Herz für Land und Leute mitbringt, wo diese uralten Schätze zu heben sind; wer Verständnis für unser altdeutsches religiöses Leben hat, wer – es sei gerade herausgesagt – selbst poetisch angehaucht ist. Was vom Herzen kommt, geht wieder zum Herzen, ist eine alte und ewig neue Wahrheit. Hat der Verfasser auch nur aus der Literatur der Bergmannssagen uns bekannte Gebiete begangen, verdient er schon vollauf unseren Dank. Seine Liebe zur Sache lässt uns hoffen, er werde mit Unterstützung Gleichstrebender noch jene Schaetze heben, die nicht an der großen Straße liegen, sondern an weniger befahrenen Wegen und Stegen zu heiligen Zeiten schimmern und zutage gefördert sein wollen.


IV. Vermischte Sagen

46. Die Maus

I.

An einer Gebirgsstelle bei Totenau schlürfte ein Bergmann längere Zeit vergebens nach Erzen. Als er von der Arbeit ausruhte, sah er aus einer Felsspalte eine Maus schlüpfen. Sie lief zu dem Brot, welches er für sich mitzunehmen und nebenhin auf den Boden zu legen pflegte, und begann es aufzufressen. Da schleuderte er seinen Fäustel nach ihr, traf aber die nahe Bergwand und warf ein großes Loch hinein. Aus diesem blinkte ihm ein mächtiges Lager gewachsenen Silbers entgegen, welches ihn auf einmal zum reichen Mann machte. Zum Dank gab er der Grube den Namen Die Maus, unter welchem sie noch heute bekannt ist.

II.

Durch langes, fruchtlose Schürfen an einer Bergstelle bei Totenau war ein Bergmann um sein und seiner Frau ganzes Vermögen gekommen. Dennoch verlor er nicht Mut und Gottvertrauen und ging eines Morgens mit neuer Hoffnung in die Grube. Darin sah er ein weißes Mäuslein in eine Felsspalte schlüpfen, was er für einen Wink des Himmels hielt. Er erweiterte die Spalte und fand dahinter reichen Anbruch. Zum Dank nannte er das Bergwerk Die Maus, welches viele Jahre lang von großer Ergiebigkeit war, gegenwärtig aber nicht mehr betrieben wird.

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