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Rübezahl, der Herr des Gebirges – Folge 38

Rübezahl, der Herr des Gebirges
Volkssagen aus dem Riesengebirge
Für Jung und Alt erzählt vom Kräuterklauber
Verlag Carl Gustav Naumann, Leipzig, 1845

38. Wie Rübezahl einen Verliebten bezahlt.

Verliebten Narren war Rübezahl nicht gewogen. Wo er konnte, da hing er ihnen eins ans Bein. War in einem Dorf ein Strickreiter, der allen Weibern und Mägdlein nachstellte, wenn sie nur nicht wie die Waldteufel aussahen und war ein eitler Geck, der sich einbildete, er wäre noch etwas schöner als der Schönste. Hatte aber einen Kopf wie ein Mühlstein und ein Gesicht, welches aussah, als hätte man bei der Erschaffung, als es noch weich war, Erbsen hineingedrückt, überdies einen langen Leib und kurze Beinlein daran, so krumm, dass ein Schöps durchkonnte, ohne dass er es gemerkt hätte. Selbiger Strickreiter kam einmal auf der Nachtstreife nach Gotschdorf und sah da ein hübsches Weiblein und dachte: Ich weiß, was ich mache. Er fragte also, wer sie sei, und wo sie wohne und so und so.

Das Weiblein sagte: »Oben unterm Tauben-Henner.«

Der Strickreiter merkte sich das und ging am anderen Tag zu ihr hinauf. Die Frau erschrak, als sie ihn kommen sah. Wie er ihr zusetzte, sagte sie: »Heut geht es nicht, von wegen meinem Mann, aber über acht Tage.«

Die Zeit wurde dem Strickreiter lang und er balzte sehr. Unterdessen kam Rübezahl auf der Reise vom Land herauf, kehrte in demselben Haus ein. Die Frau erzählte ihm, dass ihr der Strickreiter nachstelle und sie in Angst sei, dass er heut kommen werde. Ihr Mann sei doch auf Arbeit.

»Lasst ihn nur kommen«, sagte Rübezahl, »ich werde Euch beistehen.«

Indem kam der Strickreiter auf einem stattlichen Gaul angetrabt, band das Ross an einen Baum vor der Tür und trat herein. Als er den fremden Mann sah, wurde er bestürzt.

»Frau«, fragte er, »habt Ihr keine Lachtauben? Ich möchte gern Lachtauben kaufen.«

Die Frau sagte Ja und führte ihn zum Ofen, unter dem sie waren. Rübezahl ging hinaus. Er war aber kaum vor der Tür, so hörte er, wie die Frau den Strickreiter abwehrte und endlich gar ängstlich um Hilfe rief.

Da dachte er: Hier ist nicht lange zu fackeln. Er zog geschwind einen Pfahl aus dem Zaun und trat ruhig zur Tür hinein. »Das ist die Rute«, sagte er, auf den Strickreiter zuschreitend, »die Ihr in der Jugend hättet erhalten sollen, und ist nun indessen groß geworden. Was dem Menschen zukommt, das wird ihm.«

Damit ließ er den Pfahl ganz lustig auf des Strickreiters Rücken tanzen, hörte auch nicht eher auf, bis der auf seinem Gaul war, auf welchem er beschämt ins Dorf hinuntersprengte.

Der Kräuterklauber kennt den Strickreiter, könnte ihn auch nennen, lässt es aber bleiben, denn er weiß, er schämt sich doch nicht. Das ist ein Stücklein von Rübezahl, das gar nicht lang erst geschehen ist, und der Kräuterklauber hat es vom Strickreiter selbst.

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