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Slatermans Westernkurier 03/2019

Auf ein Wort, Stranger, gehen wir heute mavericken?

Wie bitte?, werden sich jetzt einige fragen und andere verständnislos mit dem Kopf schütteln

Vielleicht wird jetzt mancher auch einen zweiten, genaueren Blick auf seinen PC werfen, um nachzusehen, ob er auf der richtigen Seite ist.

Aber keine Angst, das hier ist immer noch der Westernkurier und wir haben auch nicht vor, eine neue Wortkreation vorzustellen.

Im Gegenteil, wir bleiben unseren Wurzeln treu und behandeln auch heute wieder ein Thema, das etwas abseits vom üblichen Mainstream liegt.

Mavericken, abgeleitet von Maverick, ist eine Tätigkeit, die damals im Rinderland des Wilden Westens von vielen Männern ausgeübt wurde.

Maverick selber ist die legendäre Bezeichnung für ein noch nicht gebrandmarktes Kalb oder Rind, an deren Herkunft sich viele Tausend Geschichten knüpfen.

Und nein, es hat absolut nichts mit der Westernserie »Maverick« zu tun, die zwischen 1961 und 1984 hin und wieder über die Bildschirme flimmerte. Als Trost sei erwähnt, dass selbst die meisten Amerikaner nicht wissen, wie dieser Name entstanden ist. Hierzulande wissen es zwar auch nicht viele, aber dafür gibt es ja den Westernkurier.

Doch genug der Vorrede, lösen wir das Rätsel auf.

 

*

 

Samuel A. Maverick, seines Zeichens Rechtsanwalt und einer der Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung von Texas, erhielt 1843 von seinem Nachbarn Frederick Tilton, der ihm 1.200 Dollar schuldete, 400 Rinder zum Ausgleich derselben.

Maverick, der so viel von Rindern verstand wie eine Kuh vom Sonntag und auch nicht gewillt war, sich mit diesen gehörnten Scheusalen näher zu befassen, besichtigte die Herde auf einer siebzig Meilen langen und gut einer Meile breiten Matagordainsel vor der Atlantikküste von Texas, die eher einer Sandbank denn einer Insel ähnelte, und überließ sie schließlich der Obhut eines Ehepaars, die vormals als Sklaven in dieses Land gekommen waren.

Über ein Jahrzehnt später, im Frühjahr 1856, erinnerte sich Maverick wieder seiner Herde und verkaufte sie zu 6 Dollar das Stück an den Viehzüchter Toutant Beauregard.

Der Kaufpreis von 2.400 Dollar galt für die ganze Herde.

Waren es weniger, so hatte der Käufer den Schaden, waren es mehr, so war das sein Nutzen. Das Ehepaar brachte Mavericks Herde bei Ebbe über das Watt an Land, wo ein geringer Teil entlief.

Beauregard begann daraufhin überall an der Küste nicht gebrandmarkte Rinder mit der Begründung einzusammeln, dass es Maverick Rinder waren. Dem Franzosen gelang es auf diese Weise, mehr als 1.000 Tiere einzusammeln, bevor der Unmut der ansässigen Rancher so groß wurde, dass er davon abließ.

Seitdem werden ungebrandmarkte Rinder Mavericks genannt und die ersten Rinderdiebe in Texas, die noch keine raffinierten Techniken wie gefälschte Brandeisen verwendeten, sondern noch bei Nacht und Nebel nicht gebrändete Kälber von der Nachbarweide holten, wurden Maverickers genannt.

Wobei es hier wie bei jeder Spezies zwei Sorten davon gab, die Guten und die Bösen.

Die Bösen waren schlichtweg Viehdiebe, die in ihre eigene Tasche wirtschafteten, die Guten ehrliche Cowboys, deren Aufgabe darin bestand, im Auftrag ihres Ranchers versprengte und ungebrandmarkte Kälber auf der freien Weide aufzuspüren und mit Besitzerbrandstempel und Ohrmarkierung zu versehen.

Grundsätzlich gehörte damals auf der offenen Weide jedes Maverick dem Manne mit dem längsten Wurfseil. Gesetzlich gesehen hatte niemand anders einen Besitzanspruch auf ein ungebrandmarktes Rind als der, der es einfing und mit seinem Brandzeichen versah. Diese Regel wurde erstmalig 1884 von der Viehzüchtergenossenschaft der Montana-Rancher aufgehoben und schließlich durch ein Gesetz, dem sogenannten Maverick Bill ersetzt, der besagte, dass alle Brandzeichen auf Rindern und Kälbern, die nicht offiziell registriert sind, keine Gültigkeit haben und die entsprechenden Tiere vom vollendeten 1. Lebensjahr an der jeweiligen örtlichen Viehzüchtergesellschaft gehören.

In diesem Sinne, euer Slaterman

Quellenangaben:

  • H. J. Stammel, Der Cowboy, ein Lexikon der amerikanischen Pioniergeschichte
  • Richard Slatta, The Cowboy Encyclopedia, New York and London, ISBN 9780393314731

4 Kommentare zu Slatermans Westernkurier 03/2019

  • Paule sagt:

    Aufschlussreich. Danke Gerold

  • Gerold Schulz sagt:

    Hallo Paule,
    danke für deinen Kommentar. Es freut mich zu lesen, wenn es im Westernkurier auch nach über zwölf Jahren immer noch Beiträge gibt, die auf reges Interesse stoßen.

    • W. Brandt sagt:

      Gerold, es gibt noch so vieles inpunkto Western, was besprochen werden kann. Getreu dem Motto: Solang bei uns ‘ne Knospe sprießt und der Igel niest, wenn der Spargel schießt, solange uns’re Laune hält, haben wir den besten Westernkurier von der Welt.

      • Paule sagt:

        Wolfgang, wo gibt es denn noch ’nen Westernkurier? Wenn Gerold der einzige hier ist, der einen WK produziert, ist er gleichzeitig der beste der Welt.

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