Ausschreibung

Dark End

Archive
Folgt uns auch auf

Slatermans Westernkurier 02/2019

Auf ein Wort, Stranger, kennst du noch Mad Ann Bailey?

Zugegeben, Leben und Wirken dieser Frau spielten sich in einer Zeit ab, in der der Wilde Westen noch in den Kinderschuhen steckte, sprich in jenen Jahren, als der Unabhängigkeitskrieg der Kolonisten Amerikas gegen die britische Herrschaft begann.

Eine Zeit, die heutzutage kaum noch im Bewusstsein der meisten Menschen verankert ist.

Trotzdem hat sie es verdient, nicht in Vergessenheit zu geraten.

Ann Hennis Trotter Bailey, besser bekannt als Mad Ann, war eine der schillerndsten Figuren in den blutigen Auseinandersetzungen mit den Indianern, während Amerika um seine Unabhängigkeit kämpfte.

Sie war nicht nur Frau, sondern auch Scout, Spion, Bote und Indianerkämpferin.

Ann Hennis wurde 1742 in Liverpool, England, geboren, wo sie auch zur Schule ging und lesen und schreiben lernte. Etwas, was für ein Mädchen aus einfachem Haus in der damaligen Zeit nicht unbedingt selbstverständlich war. 1761 übersiedelte sie zusammen mit ihrem Vater und ihrer Mutter nach Amerika, wo man sich in Stanton, Virginia niederließ.

Nach dem Tod ihrer Eltern lebte sie dort noch einige Zeit bei Verwandten, bis sie 1765 Richard Trotter heiratete, der ebenso wie sie im Shenandoah-Tal wohnte.

1767 kam ihr einziges Kind, William Trotter, in der Nähe der Ortschaft Barber zur Welt.

Dort lebte die Familie mehrere Jahre lang glücklich und zufrieden bis zum 10. Oktober 1774. An diesem Tag wurde Richard Trotter, der Mitglied der Miliz von Virginia war, in der Schlacht von Point Pleasant von Indianern getötet. Die Schlacht war der blutige Höhepunkt eines jahrelang schwelenden Konfliktes zwischen den Kolonisten und den Shawnee und Mingoindianern.

Nach seinem Tod gab Ann ihren Sohn in die Hände der Nachbarfamilie Moses, schnappte sich das Gewehr und den Tomahawk ihres Mannes und setzte sich, wild entschlossen den Tod von Richard zu rächen, auf die Spur der Indianer.

 

*

 

Im Laufe der nächsten Jahre entwickelte sie sich zu einer wilden Indianerkämpferin und erprobten Fährtensucherin, die aufgrund ihres aufbrausenden Temperaments, ihrer Art, sich wie ein Mann zu kleiden, zu kämpfen, zu fluchen und zu trinken, den Beinamen Mad Ann erhielt.

Nach vielen Abenteuern, in denen sie mehrere Indianer tötete, heiratete sie 1785 erneut.

Ihr Auserwählter hieß John Bailey, ein Waldläufer und Mann der Grenze. Sie lebten bis 1788 im Bezirk Clendening und übersiedelten schließlich nach Fort Lee, einem vorgeschobenen Posten im Indianerland. Aufgrund ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten wurde Mad Ann rasch als Kundschafter und Kurier eingestellt, der zwischen Fort Lee und anderen Grenzposten Botschaften übermitteln musste. 1791, Ann war zu diesem Zeitpunkt 49 Jahre alt, wurden die Fortbewohner vor einem neuen Indianerangriff gewarnt.

Panik machte sich breit.

Die langen Jahre des Friedens, wenn er auch trügerisch war, hatten die Menschen sorglos gemacht. Bald war klar, dass der Vorrat an Schießpulver nie und nimmer ausreichen würde, um eine längere Kampfhandlung zu überstehen. Während man noch lamentierte und einen Weg aus der Krise suchte, schnappte sich Mad Ann ihr Pferd und machte sich auf den Weg ins ca. 100 Meilen entfernte Lewisburg.

Dort angekommen belud sie ihr Pferd mit so viel Schießpulver, wie es tragen konnte, und ritt binnen drei Tagen wieder zurück.

Eine unglaubliche Leistung für eine Frau und ein vollbepacktes Pferd, denn der Weg ging über Stock und Stein, durch Wälder, undurchdringliches Unterholz und reißende Flüsse.

Das Fort wurde durch ihr beherztes Eingreifen gerettet und Mad Ann als White Squaw of Kanawha endgültig zur Legende.

Ihr Pferd, das sie danach Liverpool nannte, jene Stadt, in der sie geboren wurde, wird bis heute in Virginia genauso verehrt wie sie selber.

Nachdem John Bailey, ihr zweiter Ehemann, 1794 verstarb, zog Ann zu ihrem Sohn und lebte mit ihm am Kanawha River, bis sie 1818 nach Gallispolis in Ohio umsiedelten.

Mad Ann Bailey starb am 22. November 1825 im Alter von 83 Jahren.

1901 wurde ihr zu Ehren im Monument Park von Point Pleasant in West Virginia ein Denkmal errichtet.

In einer von Männern dominierten Welt an der Grenze zum Indianerland ein starkes Zeichen für eine starke Frau.

Quellenhinweis:

Ein Kommentar zu Slatermans Westernkurier 02/2019

  • Paule sagt:

    Schön geschrieben, Slaterman.
    Im Vorwestern, dem vor dem Wilden, gab’s wohl noch andere starke Frauen.
    Geschichte gerät zu schnell in Vergessenheit, schreibt sie keiner auf. Oder es bleibt keiner übrig zum Aufschreiben.
    Der Westen ist groß und breit. Virginia ist ja auch eher im Osten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.