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Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern – 52. Blatt

Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern
von Johann Heinrich Ramberg, mit Text nach der Jahrmarkts-Ausgabe. Verlag C. B. Griesbach. Gera. 1871

Eulenspiegel schindet in Strassfurt einen Hund und bezahlt mit dessen Fell seine Wirtin.

ulenspiegel ging von Braunschweig nach Strassfurt und kam in ein Wirtshaus, wo die Wirtin zufällig allein zu Hause war. Diese Frau hielt sich ein Hündchen, das sie beim Spinnrad und in müßigen Stunden immer auf dem Schoß hatte. Was sie aß und trank, davon musste ihr Liebling auch etwas haben. Als nun Eulenspiegel in der Stube saß und Bier aus einer Kanne trank, sprang der Hund herbei und wollte auch daraus trinken.

Die Wirtin sagte deshalb zu Eulenspiegel: »Gebt meinem Hündchen auch davon zu trinken. Er ist darum aufgesprungen.«

Eulenspiegel sagte: »Recht gern«.

Die Wirtin ging in die Küche, um Speisen zuzubereiten. Während dieser Zeit gab Eulenspiegel dem Hündchen so viel Bier zu trinken, dass es recht satt davon wurde und sich behaglich auf die Fensterbank in die Sonne legte. Als die Hundenärrin wieder in die Stube kam, freute sie sich sehr über die Verpflegung ihres Hundes. Eulen­spiegel fragte die Wirtin, wie viel die Zeche betrüge.

Sie antwortete: »Zwei Groschen.«

Eulenspiegel sagte: »Wenn aber, liebe Frau, der Gast kein Geld hat, wollt Ihr mir wohl etwas borgen?

Sie antwortete: »Mein lieber Freund, wer hier essen und trinken will, muss Geld oder ein Pfand haben.«

Eulenspiegel sprach: »Gut, das bin ich meines Teils zufrieden. Ein jeder sorge für sich.«

Die Wirtin ging wieder hinaus und verrichtete häusliche Arbeiten. Als sie weg war, ergriff Eulenspiegel das Hündchen, ging damit heimlich in den Stall, tötete es, zog ihm das Fell schnell ab, verbarg es unter seinem Rock, ging wieder in die Stube und bezahlte die Hälfte der Zeche. Die Wirtin fragte, wer denn die andere Hälfte bezahlen solle.

Eulenspiegel sprach: »Ich hatte einen Gast, der trank auch mit. Da er aber kein Geld hat, so will er mit einem Pfand bezahlen.«

Die Wir­tin antwortete: »Was ist das für ein Gast und wo ist das Pfand?«

Eulenspiegel zog das Fell hervor und sprach: »Seht, liebe Frau Wirtin, das ist des Gastes Rock, den er anhatte, den habe ich ihm ausgezogen und das ist sein Pfand.« Die Wirtin erschrak sehr, als sie ihres Lieblings Fell sah und sagte: »Wer hat dich Bösewicht zu dieser schändlichen Tat bewogen?«

Eulenspiegel antwortete: »Ihr selbst, gute Frau, denn ihr sagtet, ihr wollet Geld oder ein Pfand für die Zeche haben. Weil er aber kein Geld hatte, so musste er sei­nen besten Rock zum Pfand lassen, den nehmt nun für seine Schuld hin.« Mit diesen Worten warf er ihr das Fell zu und sprang eilig fort.

Eine geraume Zeit nachher kam Eulenspiegel wieder nach Strassfurt und kehrte in demselben Wirtshaus ein. Die Wirtin bewillkommnete ihn freundlich, denn sie erkannte den Schalk Eulenspiegel nicht, weil er ganz andere Kleider trug. Er ließ sich mit der Wirtin in ein Gespräch ein und fragte sie, ob sie nichts von dem berüchtigten Eulen­spiegel gehört habe.

Die Wirtin antwortete: »Ich mag nichts von dem Bösewicht hören, er hat mir vielen Gram dadurch gemacht, dass er mein Schoßhündchen getötet und mit dessen Fell seine Zeche bezahlen wollte. Der Landstreicher wird aber seinen Lohn schon kriegen.«

»Ja«, sagte Eulenspiegel, »Ihr habt recht, es geht ihm auch jetzt nicht gut, denn er sitzt auf dem Rad.« Dabei schlug er das eine Bein über ein Spinnrad, welches neben ihm stand, und hatte er nun dasselbe unter sich.

Die Wirtin, die dies nicht be­merkt hatte, sagte: »Das konnte ich wohl denken. Er ist auch nichts Besseres wert. Der Krug geht so lange zu Wasser, bis er bricht.«

Eulenspiegel sagte: »Aber wenn Ihr ihn sähet, solltet Ihr ihn wohl noch kennen?«

Die Wirtin sagte: »Ja.«

Er sprach, indem er vom Spinnrad aufstand: »Eulenspiegel ist das beschwerliche Sitzen auf dem Rad müde. Kennt Ihr ihn noch nicht? Hier seht Ihr ihn vor Euch. Lebt wohl!« Und Eulenspiegel ging eilig davon.

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