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Die drei Musketiere 19

Alexander Dumas d. Ä.
Die drei Musketiere
4. bis 6. Bändchen
Historischer Roman, aus dem Französischen von August Zoller, Stuttgart 1844, überarbeitet nach der neuen deutschen Rechtschreibung

III.

Feldzugplan

D’Artagnan begab sich geraden Wegs zu Monsieur de Tréville. Er hatte überlegt, dass in einigen Minuten der Kardinal durch diesen verdammten Unbekannten, welcher sein Agent zu sein schien, benachrichtigt sein musste, und dachte mit Recht, dass man keinen Augenblick verlieren dürfe.

Das Herz des jungen Mannes strömte vor Freude über. Ein Abenteuer, wobei Ruhm zu erwerben und Geld zu gewinnen war, bot sich ihm dar und hatte ihn als erste Ermutigung einer Frau näher gebracht, die er anbetete. Dieser Zufall tat beinahe auf den ersten Schlag mehr für ihn, als er von der Vorsehung zu verlangen gewagt hätte.

Monsieur de Tréville befand sich mit seinem gewöhnlichen Hof von Edelleuten in seinem Salon. D’Artagnan, den man als einen Vertrauten des Hauses kannte, begab sich geradezu in sein Kabinett und ließ ihn benachrichtigen, dass er ihn in einer wichtigen Angelegenheit erwarte.

D’Artagnan war hier seit etwa fünf Minuten, als Monsieur de Tréville eintrat. Beim ersten Blick und aus der Freude, die aus seinem Antlitz strahlte, erkannte der würdige Capitaine, dass wirklich etwas Neues vorging.

Den ganzen Weg entlang hatte d’Artagnan sich gefragt, ob er sich Monsieur de Tréville anvertrauen oder ob er ihn nur bitten sollte, ihm Carte blanche in einer wichtigen Angelegenheit zu bewilligen. Aber Monsieur de Tréville war stets so vollkommen gut gegen ihn gewesen, er war so sehr dem König und der Königin ergeben, er hasste den Richelieu so von ganzem Herzen, dass der junge Mann sich entschloss, ihm alles zu sagen.

»Ihr habt mich bitten lassen, mein junger Freund?«, sprach Monsieur de Tréville.

»Ja, Monsieur«, sprach d’Artagnan, »und Ihr werdet mir diese Störung hoffentlich vergeben, wenn Ihr erfahrt, wie wichtig die Angelegenheit ist, um die es sich handelt.«

»Sprecht, ich höre!«

»Es handelt sich um nichts Geringeres«, sagte d’Artagnan, die Stimme dämpfend, »als um die Ehre und vielleicht um das Leben der Königin.«

»Was sprecht Ihr da?«, fragte Monsieur de Tréville, indem er sich umschaute, ob sie auch gewiss allein seien, und heftete dann wieder seinen Blick auf d’Artagnan.

»Ich sage, gnädiger Monsieur, dass mir der Zufall ein Geheimnis in die Hände gespielt hat … «

»Das Ihr hoffentlich bewahren werdet, junger Mann! Bei Eurem Leben warne ich Euch!«

»Das ich aber Euch anvertrauen muss, gnädiger Monsieur, denn Ihr allein könnt mich in der Sendung unterstützen, die ich von der Königin erhalten habe.«

»Gehört das Geheimnis Euch?«

»Nein, der Königin.«

»Seid Ihr von Ihrer Majestät bevollmächtigt, es mir anzuvertrauen?«

»Nein, es ist mir im Gegenteil das tiefste Stillschweigen anempfohlen.«

»Und warum wollt Ihr es mir gegenüber brechen?«

»Weil ich, wie gesagt, ohne Euch nichts tun kann, und weil ich fürchte, Ihr könntet mir die Gnade, um die ich Euch bitte, abschlagen, wenn Ihr nicht wüsstet, in welcher Absicht ich Euch bitte.«

»Behaltet Euer Geheimnis, junger Mann, und nennt mir Euren Wunsch.«

»Ich wünsche, dass Ihr mir bei Monsieur des Essarts einen Urlaub von vierzehn Tagen verschafft.«

»Wann dies?«

»Noch in dieser Nacht.«

»Ihr verlasst Paris?«

»Ich gehe in einem Auftrag.«

»Könnt Ihr mir sagen, wohin?«

»Nach London.«

»Hat jemand ein Interesse dabei, dass Ihr Euer Ziel nicht erreicht?«

»Der Kardinal würde, glaube ich, alles in der Welt dafür geben, wenn es mir nicht gelänge.«

»Und Ihr reist allein?«

»Ich reise allein.«

»In diesem Fall kommt Ihr nicht über Bondy hinaus. Das sage ich Euch, so wahr ich Tréville heiße.«

»Wieso?«

»Man lässt Euch ermorden.«

»Dann sterbe ich in der Erfüllung meiner Pflicht.«

»Aber Eure Sendung ist nicht vollzogen.«

»Das ist wahr«, sprach d’Artagnan.

»Glaubt mir«, fuhr Tréville fort, »bei dergleichen Unternehmungen müssen es vier sein, wenn einer ankommen soll.«

»Ihr habt recht, gnädiger Monsieur«, sagte d’Artagnan, »aber Ihr kennt Porthos, Athos und Aramis und wisst, dass ich über diese verfügen kann.«

»Ohne ihnen das Geheimnis anzuvertrauen, das ich nicht wissen wollte?«

»Wir haben uns ein für allemal blindes Vertrauen und Ergebenheit unter jeder Bedingung geschworen. Überdies könnt Ihr ihnen sagen, dass Ihr volles Vertrauen in mich setzt, und sie werden nicht minder gläubig sein, als Ihr.«

»Ich kann nicht mehr tun, als jedem von ihnen einen Urlaub von vierzehn Tagen zu gewähren: Athos, der immer noch an seiner Wunde leidet, um die Bäder von Farges zu besuchen; Porthos und Aramis, um ihrem Freunde zu folgen, den sie in einer so schmerzlichen Lage nicht verlassen wollen. Die Übersendung des Urlaubs wird ihnen zum Beweis dienen, dass ich die Reise billige.«

»Ich danke, gnädiger Monsieur, für diese hundertfache Güte.«

»Sucht sie also sogleich auf und bringt alles noch in dieser Nacht zur Ausführung. Doch schreibt mir vor allem Euer Urlaubsgesuch an Monsieur des Essarts. Vielleicht hattet Ihr einen Spion auf Euren Fersen, und Euer Besuch, der in diesem Falle dem Kardinal bereits bekannt ist, wird hierdurch legitimiert.«

D’Artagnan fasste die Meldung ab. Monsieur de Tréville übernahm sie mit der Versicherung, vor zwei Uhr morgens sollen die vier Urlaube in den Wohnungen der verschiedenen Reisenden sein.

»Habt die Güte, den meinen zu Athos zu schicken«, sagte d’Artagnan. »Ich fürchte ein schlimmes Zusammentreffen, wenn ich nach Hause heimkehren würde.«

»Seid unbesorgt. Gott befohlen und glückliche Reise! Doch hört«, sagte Monsieur de Tréville zurückrufend.

D’Artagnan kehrte noch einmal um.

»Habt Ihr Geld?«

D’Artagnan ließ den Sack erklingen, den er in seiner Tasche hatte.

»Genug?«, fragte Monsieur de Tréville.

»Dreihundert Pistolen.«

»Gut! Damit kann man bis ans Ende der Welt kommen.«

D’Artagnan verbeugte sich vor Monsieur de Tréville, der ihm die Hand reichte. Der junge Gardist drückte sie mit einer Mischung von Ehrfurcht und Dankbarkeit. Seit seiner Ankunft in Paris hatte er nur Rühmenswertes von diesem vortrefflichen Mann zu erfahren gehabt, den er stets würdig, redlich, groß in seinem ganzen Benehmen fand.

Zuerst suchte er Aramis auf. Er war nicht mehr zu seinem Freund gekommen seit dem bekannten Abend, wo er Frau Bonacieux folgte. Mehr noch, er hatte den jungen Musketier kaum gesehen. So oft er ihn wiedersah, glaubte er das Gepräge tiefer Schwermut auf seinem Antlitz wahrzunehmen.

Auch diesen Abend wachte Aramis düster und träumerisch. D’Artagnan richtete einige Fragen an ihn über diese lange anhaltende Schwermut. Aramis entschuldigte sich mit einem Kommentar über das neunzehnte Kapitel des heiligen Augustin, den er in lateinischer Sprache bis zur nächsten Woche schreiben müsse, was seinen Geist sehr in Anspruch nehme.

Die zwei Freunde hatten kaum einige Minuten miteinander geplaudert, als ein Diener von Monsieur de Tréville mit einem versiegelten Päckchen eintrat.

»Was ist das?«, fragte Aramis.

»Der Urlaub, den der Monsieur verlangt hat«, antwortete der Lakai.

»Ich? Ich habe keinen Urlaub verlangt.«

»Schweigt und nehmt«, sagte d’Artagnan. »Und Ihr, mein Freund, habt hier eine halbe Pistole für Eure Mühe. Ihr sagt Monsieur de Tréville, Monsieur Aramis lasse ihm von Herzen danken. Geht.«

Der Bediente verbeugte sich bis zur Erde und trat ab.

»Was soll das bedeuten?«, fragte Aramis.

»Nehmt, was Ihr zu einer Reise von vierzehn Tagen braucht, und folgt mir.«

»Aber ich kann Paris diesen Augenblick nicht verlassen, ohne zu wissen …«

Aramis hielt inne.

»Was aus ihr geworden ist, nicht wahr?«, fuhr d’Artagnan fort.

»Aus wem?«

»Aus der Frau, welche hier war, aus der Frau mit dem gestickten Taschentuch.«

»Wer sagt Euch, dass eine Frau hier war?«, fragte Aramis und wurde dabei bleich wie der Tod.

»Ich habe sie gesehen.«

»Und Ihr wisst, wer es ist?«

»Ich glaube es wenigstens zu vermuten.«

»Hört«, sprach Aramis, »da Ihr so viele Dinge wisst, wisst Ihr vielleicht auch, was aus dieser Frau geworden ist?«

»Meiner Überzeugung nach ist sie nach Tours zurückgekehrt.«

»Nach Tours? Ja, so hieß es. Ihr kennt sie. Aber warum ist sie nach Tours zurückgekehrt, ohne mir etwas davon zu sagen?«

»Weil sie verhaftet zu werden fürchtete.«

»Warum hat sie mir nicht geschrieben?«

»Weil sie Euch einer Gefahr auszusetzen fürchtete.«

»D’Artagnan, Ihr gebt mir das Leben wieder!«, rief Aramis; »ich hielt mich für verachtet, für verraten. Ich war so glücklich, sie wieder zu sehen, und konnte nicht glauben, dass sie ihre Freiheit für mich auf das Spiel setzen würde. Und doch, aus welcher anderen Ursache sollte sie nach Paris gekommen sein?«

»Aus derselben Ursache, die uns heute zu der Reise nach England veranlasst.«

»Und was ist dies?«

»Ihr sollt es eines Tages erfahren, Aramis. Für den Augenblick aber werde ich die Zurückhaltung der Nichte des Doktors nachahmen.«

Aramis lächelte, denn er erinnerte sich dessen, was er an einem gewissen Abend seinen Freunden erzählt hatte.

»Nun also, da sie Paris verlassen hat, und da Ihr es gewiss wisst, d’Artagnan, so hält mich nichts hier zurück. Ich bin bereit, Euch zu folgen. Ihr sagt, wir gehen …«

»Zunächst zu Athos, und wenn Ihr mitkommen wollt, so bitte ich Euch um Eile, denn wir haben bereits viel Zeit verloren. Doch bald hätte ich vergessen, setzt Bazin davon in Kenntnis.«

»Wird uns Bazin begleiten?«

»Vielleicht. In jedem Fall ist es gut, wenn er uns vorläufig zu Athos folgt.«

Aramis rief Bazin. Nachdem er demselben Befehl gegeben hatte, ihn bei Athos aufzusuchen, sagte er: »Nun wollen wir gehen.« Ehe er jedoch sein Zimmer verließ, nahm er seinen Mantel, seinen Degen und seine Pistolen und öffnete vergeblich mehrere Schubladen, um nachzusehen, ob nicht etwa irgendein verirrtes Goldstück zu finden wäre. Nachdem er sich von der Fruchtlosigkeit seiner Nachsuchung überzeugt hatte, folgte er d’Artagnan, indem er sich fragte, wie es komme, dass der junge Gardekadett so gut wie er selbst wisse, wer die Frau gewesen, der er Gastfreundschaft gegeben hatte, und besser als er, was aus ihr geworden war.

Als sie aus dem Haus traten, legte Aramis seine Hand auf d’Artagnan’s Arm, schaute ihn fest an und sagte: »Ihr habt mit niemanden von dieser Frau gesprochen?«

»Mit niemanden auf dieser Welt.«

»Nicht einmal mit Athos und Porthos?«

»Ich habe nicht davon gehaucht.«

»Dann ist es gut.«

Über diesen wichtigen Punkt beruhigt, setzte Aramis den Weg mit d’Artagnan fort und beide gelangten bald zu Athos.

Als sie eintraten, hielt er seinen Urlaub in der einen, den Brief des Monsieurs de Tréville in der anderen Hand.

»Könnt Ihr mir erklären, was dieser Brief und dieser Urlaub bedeuten sollen?«, sprach Athos erstaunt.

»Mein lieber Athos, es ist mein Wille, da es Eure Gesundheit durchaus heischt, dass Ihr vierzehn Tage ausruht. Geht in die Bäder von Forges oder in jedes andere Bad, das Euch zusagen mag, und sorgt, dass Ihr Eure Gesundheit bald wiederherstellt.

Euer wohlaffektionierter Tréville.«

»Nun! dieser Urlaub und dieser Brief bedeuten, dass Ihr mir folgen sollt, Athos!«

»In die Bäder von Forges?«

»Dahin oder woandershin.«

»Im Dienste des Königs?«

»Des Königs oder der Königin. Sind wir nicht Diener Ihrer Majestäten?«

In diesem Augenblick trat Porthos ein.

»Bei Gott«, sagte er, »das ist eine seltsame Geschichte. Seit wann bewilligt man bei den Musketieren den Leuten einen Urlaub, wenn sie ihn nicht verlangen?«

»Seitdem es Freunde gibt, die einen solchen für sie erbitten«, erwiderte d’Artagnan.

»Ah, ah«, sagte Porthos, »da scheint etwas Neues vorzugehen.«

»Ja, wir reisen«, sprach Aramis.

»In welches Land?«, fragte Porthos.

»Meiner Treu, ich weiß es nicht«, erwiderte Athos. »Frage d’Artagnan.«

»Nach London, Messieurs«, sagte d’Artagnan.

»Nach London!«, rief Porthos, »und was sollen wir in London machen?«

»Das kann ich Euch nicht sagen, Messieurs, Ihr müsst mir vertrauen.«

»Aber um nach London zu gehen«, fügte Porthos bei, »braucht man Geld und ich habe keines.«

»Ich auch nicht«, sagte Aramis.

»Ich ebenso wenig«, sprach Athos.

»Ich aber habe«, versetzte d’Artagnan, zog seinen Schatz aus seiner Tasche und legte ihn auf den Tisch. »In diesem Sack sind dreihundert Pistolen. Jeder von uns nimmt fünfundsiebzig davon. Das ist genug, um nach London zu reisen und wieder zurückzukehren. Überdies seid ruhig, wir erreichen nicht alle London.«

»Und warum dies?«

»Weil aller Wahrscheinlichkeit nach einige von uns auf dem Marsch bleiben werden.«

»Wir unternehmen also einen Feldzug?«

»Und zwar einen sehr gefährlichen, das sage ich Euch.«

»Ei, da wir Gefahr laufen, uns umbringen zu lassen«, sprach Porthos, »so möchte ich wenigstens wissen, warum?«

»Du wirst bald der Sache auf dem Grund sein«, sprach Athos.

»Ich bin indessen auch der Meinung von Porthos«, sagte Aramis.

»Hat der König die Gewohnheit, Euch Rechenschaft abzulegen? Nein; er sagt ganz einfach: Messieurs, man schlägt sich in der Gascogne oder in Flandern. Begebt Euch dahin, schlagt Euch. Warum? Um das Warum habt Ihr Euch nicht zu kümmern.«

»D’Artagnan hat recht«, sagte Athos. »Hier sind unsere drei Urlaube, welche von Monsieur de Tréville kommen, und hier dreihundert Pistolen, welche Gott weiß woher kommen. Lassen wir uns töten, wo man uns sagt, dass wir hingehen sollen. Lohnt sich das Leben nur der Mühe, so viele Fragen darüber zu machen? D’Artagnan, ich bin bereit, dir zu folgen.«

»Und ich auch«, sprach Porthos.

»Und ich ebenfalls«, rief Aramis. »Auch ist es mir gar nicht unangenehm, Paris zu verlassen. Ich bedarf der Zerstreuung.«

»Gut! Seid nur ruhig, Ihr sollt Zerstreuung finden, Messieurs«, sagte d’Artagnan.

»Und nun, wann reisen wir?«, fragte Athos.

»Sogleich«, antwortete d’Artagnan, »es ist keine Minute zu verlieren!«

»Holla, Grimaud, Planchet, Mousqueton, Bazin!«, riefen die vier jungen Leute ihren Lakaien zu. »Schmiert unsere Stiefel und führt unsere Pferde herbei!«

Jeder Musketier ließ wirklich im Allgemeinen sein Pferd und das seines Lakaien sowohl in der Villa als auch in einer Kaserne.

Planchet, Grimaud, Mousqueton und Bazin entfernten sich eiligst.

»Nun wollen wir einen Feldzugsplan entwerfen«, sagte Porthos. »Wohin gehen wir zuerst?«

»Nach Calais«, antwortete d’Artagnan. »Das ist die geradeste Linie, um nach London zu gelangen.«

»Nun so hört meinen Rat«, versetzte Porthos.

»Sprich!«

»Vier miteinander reisende Personen wären verdächtig. D’Artagnan wird jedem von uns seine Instruktion geben. Ich reise voraus auf der Route von Boulogne, um den Weg zu lichten. Athos geht zwei Stunden später auf der Route von Amiens ab. Aramis folgt uns auf der von Noyon. D’Artagnan reist auf einer ihm beliebigen Straße in den Kleidern Planchets, während uns Planchet als d’Artagnan in der Uniform der Garden folgt.«

»Messieurs«, sagte Athos, »es ist meine Ansicht, dass es nicht zuträglich sein kann, die Lakaien bei einer solchen Angelegenheit ins Vertrauen zu ziehen. Ein Geheimnis wird von Edelleuten zufällig verraten, aber von den Bedienten stets verkauft.«

»Der Plan von Porthos scheint mir unausführbar«, sprach d’Artagnan, »insofern ich selbst nicht weiß, welche Instruktionen ich euch geben soll. Ich bin der Überbringer eines Briefes, das ist das Ganze. Ich kann nicht drei Abschriften vom Brief machen, weil er versiegelt ist. Wir müssen also meiner Meinung nach in Gesellschaft reisen. Dieser Brief ist hier in meiner Tasche.« Er deutete auf die Tasche, in welcher der Brief verwahrt war. »Werde ich getötet, so nimmt ihn einer von Euch, und Ihr setzt den Marsch fort. Wird dieser getötet, so ist die Reihe an einem anderen, usf. Wenn nur einer ankommt, das ist genug.«

»Bravo, d’Artagnan, dein Rat ist auch der meine«, sprach Athos. »Man muss überdies konsequent sein. Ich will die Bäder gebrauchen. Ihr begleitet mich. Statt die Bäder von Forges zu gebrauchen, wähle ich Seebäder. Das steht in meinem Belieben. Man will uns verhaften, ich zeige den Brief von Monsieur de Tréville, und Ihr zeigt Eure Urlaube. Man greift uns an, wir verteidigen uns. Man stellt uns vor Gericht, wir behaupten steif und fest, dass wir nichts anderes beabsichtigen, als uns ein Dutzend Mal in das Meer zu tauchen. Mit vier vereinzelten Menschen hätte man zu leichten Kauf, während wir zusammen eine Truppe bilden. Wir bewaffnen die vier Lakaien mit Pistolen und Gewehren. Schickt man eine Armee gegen uns, so liefern wir eine Schlacht, und der Überlebende bringt den Brief nach London, wie d’Artagnan gesagt hat.«

»Wohl gesprochen!«, rief Aramis. »Du sprichst nicht viel, Athos, aber wenn du sprichst, klingt es wie ein Evangelium. Ich schließe mich dem Plan von Athos an. Und du, Porthos?

»Ich ebenfalls«, antwortete Porthos, »wenn er d’Artagnan zusagt. D’Artagnan ist als Überbringer des Briefes natürlich das Haupt der Unternehmung. Er mag entscheiden, wir führen aus.«

»Gut!«, sagte d’Artagnan, »ich entscheide mich für den Plan von Athos, und wir reisen in einer halben Stunde.«

»Angenommen!«, riefen im Chor die drei Musketiere.

Jeder von ihnen streckte die Hand nach dem Sack aus, nahm fünfundsiebzig Pistolen und traf Anstalten zu schleuniger Abreise.