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Endlich auf deutsch: Diary of the Dead

Diary of the Dead
(Diary of the Dead) USA 2007
Universum Film – FSK 18 – 91:18 Min.
Regie: George A. Romero
Darsteller: Shawn Roberts, Megan Park, Amy Ciupak Lalonde, Chris Violette, Michelle Morgan, Tatiana Maslany, Joshua Close, George Buza, Laura DeCarteret, Todd Schroeder,
Joe Dinicol, Alan Van Sprang

Eben noch drehen Filmstudenten einem abgelegenen Waldstück einen Low Budget-Horrorfilm, dann überfahren sie mit einem Wohnmobil auf nächtlicher Straße Zombies … wie es dazu kommt, und wie sie überleben, das dokumentieren sie mit der Kamera!

Diary of the Dead besteht aus den Aufnahmen, welche diese Studenten unterwegs mit einer Handkamera gemacht haben, ist also ähnlich aufgebaut wie Blair Witch Project oder Cloverfield. Entweder man mag solche Filme, oder man mag sie nicht. Ich mag sie nicht. Aber hier zeigt sich, dass George A. Romero in einer anderen Liga spielt als die Macher der oben genannten Filme – sein Film hat Klasse. Die Schwäche der Vorgänger bestand darin, dass angeblich eine Kamera gefunden wurde und darauf dann der Film zu sehen war – und zwar entsprechend primitiv, weil ja authentisch. Diary of the Dead wurde nicht von unbedarften Hobbyfilmern aufgenommen, sondern von Studenten. Die Bildqualität durfte also besser sein, außerdem war das Dokument, das man sich angeblich übers Internet downloaden konnte, bereits geschnitten und mit einem Kommentar versehen. Ferner hat der fiktive Ersteller des Films sein Bildmaterial durch Sequenzen auf Überwachungskameras und Internet-Filmen erweitert.

Doch nun zum Inhalt. Menschen werden angegriffen, getötet und gefressen. Niemand weiß genau, warum das alles passiert. Doch Jason und seine Mit-Studenten dokumentieren gnadenlos, wie sie mit einem Wohnmobil in Richtung Heimat fahren, um in diesen verrückten Zeiten bei ihren Familien zu sein. Wie sie erst Zombies überfahren, wie sie im Krankenhaus auf tote Ärzte und Patienten treffen, und wie selbst ihre Familien vom Grauen nicht verschont werden.
Sie stellen ihren Film ins Internet, um ungefilterte Nachrichten zu vermitteln, die von den offiziellen Medien unterdrückt werden. Vielleicht könnten andere durch die Informationen ihres Films überleben …

Damit hat George Romero nicht nur den ersten Zombiefilm (Night of the Living Dead), sondern auch den aktuellsten. Sein Thema ist nicht nur das Überleben der Menschheit, sondern das Verbreiten von Informationen mit modernen Kommunikationsmedien. So erfahren unsere Studenten z.B. aus YouTube, dass Tokyo ebenfalls von Zombies überrannt wird. Eine globale Katastrophe in einer globalen Welt.

Es ist gerade die Sozialkritik, welche Romeros Zombies aus der Masse der schlechten Zombiefilme heraushebt. Das Filtern von Nachrichten, die Vorgehensweise der Behörden. Schwarze, die nicht flüchten, sondern Widerstand organisieren, da sie jetzt die Macht haben.
Die Nationalgarde, welche die Studenten ausraubt. Die Schießübungen der Rednecks auf die Zombies.

Hinzu kommen natürlich noch einige Zombie-Effekte, die man so noch nicht gesehen hat (Vorsicht: Spoiler!): Ein Farmer, der sich und einen an sich fressenden Zombie gleichzeitig mit einer Sense erledigt; ein Zombie, dessen Kopf von einer Säure zerfressen wird, bis das Gehirn soweit aufgelöst ist, dass der Tote umkippt; und eine Frau, welche an den Haaren aufgehängt und dann abgeschossen wird – wobei nur noch ein Teil des Kopfes hängen bleibt … und ein absolut schräger Humor: Es hat schon was, wenn der Student, der am Anfang die Mumie spielt, später auch als Zombie hinter seinem Opfer her ist, das nun tatsächlich ihre Schuhe und ihr Kleid verliert – oder dass die Freundin Jason filmt, während er gefressen wird, und danach eine Interview einblendet, in dem er erzählt, wie glücklich er ist, diesen Film machen zu dürfen …

Nun, ich bin glücklich, diesen Film gesehen haben zu dürfen!

Copyright © 2009 by Thomas Backus