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Geisterspiegel Anthologie 6 – Dark Place

Anke Brandt (Hrsg.)
Geisterspiegel Anthologie 6
Dark Place

Kurzgeschichten, Horror, Paperback, Romantruhe-Buchversand, Kerpen-Türnich, März 2016, 234 Seiten, 10,95 €, ISBN: 9783864732348, Covermotiv: Shutterstock/Unholy Vault Designs, Covergestaltung: Wolfgang Brandt
www.romantruhe.de

[…] Sie gehen ins Chateau de Montaigne, dachte Annabel mit klopfendem Herzen an die Worte des Paters. Dort, wo der Dämon wohnt. Wie oft hatte sie mit ihrem Schutzbefohlenen beobachtet, wie ganze Scharen von schwarzen Elfen zum Schloss des Comte Lonigère strömten. In dem kleinen Ort von Saint-Michel-de-Montaigne erzählte man sich Hunderte von Gruselgeschichten über ihn. […]

(Nora Bendzko: Schwarz sind alle meine Kleider)

Jörg Kleudgen: Wenn ich dir befehle

Ein Werbeplakat des Grand Guignol schlägt den Erzähler förmlich in seinen Bann. Die hypnotischen Augen des Mandschu, die auf dem Aushang abgebildet sind, scheinen ihn buchstäblich den ganzen Tag zu verfolgen. Am Abend besucht er die Vorstellung des grotesken Theaters, wo der Mandschu seine tödliche Macht beweist.

Julia A. Jorges: Die Knochenbleiche

Immer wieder kommt es auf den Flecken, der Köppelsbleek genannt wird, zu unerklärlichen Todesfällen. Auf das Drängen einer jungen Frau hin, beginnt Kommissar Hagen den jüngsten Vorfall zu untersuchen. Haben die Todesfälle etwas mit der Vergangenheit des Ortes als Folter- und Richtstätte zu tun?

Anke Höhl-Kayser: Königssee

Nach 2 Jahren in Hamburg packt Lena das Heimweh nach dem Berchtesgadener Land. Obwohl ihre Cousine sich am Telefon seltsam abweisend gibt, tritt Lena die Reise in die Heimat an. Sie findet das Haus ihrer Tante verwahrlost vor, ihr Tante selbst scheint dem Wahnsinn anheimgefallen zu sein und ihre Cousine erzählt ihr eine unglaubliche Geschichte.

Hanna Nolden: Das lebende Buch

Schon bald, nachdem sich der Archäologiestudent Richard einer Forschungsgruppe seiner Kommilitonen angeschlossen hat, bemerkt er, dass einige davon vom Glück förmlich bevorzugt sind. Um ebenfalls in diesen begünstigten Kreis aufgenommen zu werden, verbringt Richard eine Nacht in einem Hünengrab, wo er von grauenvollen Visionen heimgesucht wird. Doch nach dieser Nacht fühlt er sich tatsächlich verändert.

Kerstin Gramelsberger: Das Karussell der Ewigkeit

Der Friedhof scheint Jochen der passende Ort, sich das Leben zu nehmen. Doch kaum hat er sich die Schlinge um den Hals gelegt, wird das Seil vom Schwert einer geisterhaften Erscheinung durchtrennt, die eine ebenfalls geisterhafte Frau jagt. Beide sind gezwungen, ihre Sünde wieder und wieder zu durchleben. Ebenso wie nun Jochen.

Mary Demuth: Atlantikwall

Nach einem heftigen Streit mit Frederick verlässt Anna das gemeinsame Ferienhaus in Richtung Küste, wo sie von Regen überrascht wird. Sie sucht Schutz in einem der dortigen Bunker, hässliche, verwahrloste Überbleibsel des Krieges, wo sie plötzlich zwei Kindern gegenübersteht. Vor Schreck flieht sie, doch die Sorge lässt sie zurückkehren und ein Bewohner des nahen Dörfchens erzählt ihr die Geschichte von Bunker DK 701 und den Kindern Marie und Erik, die im Jahr 1961 dort verschwunden sind.

Dr. Matthias Schulz: Die Mine am Chandler’s Rock

Als die Goldmine am Chandler’s Rock wegen eines Todesfalls versteigert wird, einigen sich zwei Geschäftsmänner, die Mine zu kaufen. Eine todsichere Sache, denn bereits am Eingang des Stollens ist der Beginn einer Goldader zu sehen. Doch die anfängliche Euphorie verfliegt schlagartig, als deutlich wird, dass der Stollen unter der Oberfläche offenbar restlos ausgebeutet ist. Dann entdeckt einer der Männer das tödliche Geheimnis der Mine.

Mia Neubert: Schattenspiele

Ungläubig sieht sich die Staatsanwältin die Videoaufzeichnung an, die Nika und Kai beim unbefugten Betreten der verlassenen Jugendstilvilla zeigt. Für die beiden ist es ein besonderer Kick, an solch verbotenen Orten ihren Liebesspielen nachzugehen und sich dabei zu filmen. Doch was anschließend auf dem Video zu sehen ist und was zu Nikas Tod führte, entbehrt jeder logischen Erklärung.

Nora Bendzko: Schwarz sind alle meine Kleider

Neugierig beobachtet die junge Annabel die düsteren und doch faszinierend schmuckvollen Gestalten, die auf dem Weg ins Chateau de Montaigne sind. Der Comte selbst bemerkt das Mädchen und lädt sie ein, den Festzug zu begleiten. Im Chateau entspinnt sich ein anregendes Gespräch mit zweien der Gäste, Edgar und Charles. Und Annabel erlebt die glücklichsten Stunden ihres Lebens.

Oliver Müller: Die Unschuldige von Beerfelden

Auf ihrer Wanderung entlang des Neckars stößt die Studentin Lisa Mattern auf den Beerfeldener Galgen, eine lokale Sehenswürdigkeit, die an die erbarmungslose Gerichtsbarkeit des Mittelalters erinnern soll. Und wie es im Mittelalter zuging, soll Lisa bald am eigenen Leib erfahren.

Mara Laue: Der finsterste Ort

Ihr gemeinsames Hobby, die Erforschung paranormaler Phänomene, führt drei Studenten zur verlassenen Halvo Villa. Trotz einiger vager Anzeichen glauben die drei nicht wirklich, dass hier Geister umgehen. Doch was sie in dem Haus erleben, können sie nicht ignorieren.

Sarah Wagner: Silbersee

Immer wieder muss er an die Zeit zurückdenken, als er und seine Gefährtin noch unbeschwert bei den Graufellen lebten. Bis zur Nacht, in der es sie in den See gezogen hat und sie der schwarze Schatten unter der Wasseroberfläche packte. Seitdem ist nichts mehr so wie früher.

Torsten Scheib: Xibalbá: Ort der Angst

Kaum im Lager der von ihm finanzierten Ausgrabung angekommen, wird Max Neuwirth mit der neusten Entdeckung der Forscher vertraut gemacht. Eine riesenhafte Nekropole und Opferstätte, angeblich für eine Gottheit, die vor Urzeiten von den Sternen gekommen ist. Genau das, was Neuwirth sucht.

Christian Künne: Nachtstürme

Immer dichter wird der Nebel auf seinem nächtlichen Heimweg durch das Moor. Unfähig, den Pfad zu erkennen, erscheint ihm ein Irrlicht, das ihn leitet. Durch das Moor und gleichzeitig noch einmal zurück zu den Erinnerungen dieser Nacht.

Renate Behr: Spiegelkinder

Bereits in der ersten Nacht in ihrem beschaulichen Urlaubshotel, dem ehemaligem Bahnhof von Tatamagouche, hört Anna die geisterhafte Stimme eines Mädchens, das offenbar Hilfe benötigt. Verstört erkundigt sie sich nach Zugunfällen, bei denen es möglicherweise Kinder unter den Opfern waren. Tatsächlich stößt sie auf ein rätselhaftes Ereignis, das vor mehr als 100 Jahren an eben jenem Bahnhof passiert ist.

Ellen Lowrie: Aokigahara – Wald ohne Wiederkehr

Um für seine Zeitung eine »exotische« Spukgeschichte schreiben zu können, reist Seth nach Japan, um dort den »Selbstmord-Wald« Aokigahara zu besuchen, um den sich zahlreiche moderne Legenden ranken; im Gepäck die Aufzeichnungen einer jungen Frau, die sich angeblich dort getötet hat. Zunächst skeptisch kann er sich doch der Atmosphäre des Ortes bald nicht mehr entziehen und wird von dem Wald regelrecht verschlungen.

Gunter Arentzen: Lord Becket ermittelt: Das Grauen im White Tower

Lord Beckett hat sich einen solch guten Namen als »Detektiv in übersinnlichen Fällen« gemacht, dass er von Inspektor Featherline in einer mysteriösen Angelegenheit konsultiert wird. Im Tower von London wurde der Geist von Prinz Leopold George gesichtet, der zehn Jahre zuvor verstorben ist. Zu Lebzeiten versuchte er das Geheimnis zweier Prinzen aufzuklären, die vier Jahrhunderte zuvor im Tower verschwunden sind. Ermittlungen, die er offenbar nach seinem Tod fortführte. Vor Ort gelingt es Beckett, Kontakt aufzunehmen. Er wird Zeuge, was 1483 tatsächlich passiert ist.

[…] Es wurde kalt. Langsam, gegen seinen Willen richtete Seth den Blick nach oben. Das Knarren eines Seiles mischte sich in die Laute der Umgebung, untermalt von dem Ächzen der Äste. Ein Körper schwankte sanft. Eine Frau, gekleidet in einen langen Mantel, darunter ein leichtes Kleid. Einer der Schuhe war herabgerutscht. Seths Blick folgte der pendelnden Bewegung des Leichnams, erfassten die schlaff herabhängenden Gliedmaßen, das Tau, das um den Nacken geschlungen war. […]

(Ellen Lowrie: Aokigahara – Wald ohne Wiederkehr)

Der Name ist Programm in der mittlerweile sechsten Anthologie, die von dem phantastischen Literaturportal Geisterspiegel herausgegeben wurde.

[…] Hinrichtungsstätten, Friedhöfe, alte Parkanlagen und viele dunkle Orte mehr sind der Schauplatz dunkler Geschichten. Was ereignete sich dort vor langer Zeit? Welche Geister der Vergangenheit suchen diese Plätze heute heim […], so hieß es in der Ausschreibung, was schon einmal eine dankbare Vorlage bildet. Nicht umsonst sind Geisterhäuser (respektive Burgen, Schlösser), verfluchte Landstriche oder – aktueller – (nicht ganz) verlassene Heilanstalten beliebte Motive phantastischer Geschichten und Filme, die sich beim Genre-Publikum ungebrochenen Beifalls erfreuen, jüngst zum Beispiel Winchester, Heilstätten; die Liste ließe sich beliebig fortführen. Gar nicht wenige real existierende Orte genießen den zweifelhaften und hartnäckigen Ruf, dass dort immer wieder etwas Seltsames vor sich geht.

Siebzehn Autorinnen und Autoren haben Geschichten ersonnen, die weit über einen naheliegenden »Schlossgespenster«- oder »Lost Places«-Plot hinausgehen. Mehr als einmal werden die Protagonisten an diesen dunklen Orten sogar von einer eigenen Schuld eingeholt (Nachtstürme). Manch einer muss erfahren, dass der verachtenswerte Ruf, der einem düsteren Gemäuer anhängt, nur auf die Engstirnigkeit und die Furcht dieser Unkenrufer zurückzuführen ist (Schwarz sind alle meine Kleider). Insgesamt ist der Horror, den Dark Place bietet, eher klassischer Natur. Wie allgemein in den Geisterspiegel-Anthologien, sucht man Folterorgien, sinnlose Blutbäder oder meterhohe Leichenberge hier vergeblich.

Jörg Kleudgen und Gunter Arentzen haben in ihren Geschichten außerdem eigene, bekannte Figuren verwendet. Den Mandschu kennt man aus Das Siegel des Mandschu (Goblin Press, 2013), Lord Beckett ist eine Serienfigur, deren Abenteuer Arentzen auch in seinen Geister-Schocker-Romanen (Romantruhe) schildert.

Einmal mehr hat der Geisterspiegel eine abwechslungsreiche Themenanthologie zusammengestellt, in der neben einigen bekannten Namen (Torsten Scheib, Gunter Arentzen, Mara Laue …) auch vielversprechende Newcomer enthalten sind. Herausheben möchte ich Nora Bendzko für ihren märchenhaften schwarzromantischen Beitrag und die frisch gebackene Vincent Preis-Gewinnerin Julia Annina Jorges. Doch wie bei Anthologien üblich, wird jeder seine eigenen Favoriten finden. Das Ganze ist für sehr angenehme 10,95 EUR erhältlich.

Fazit:
Ein klassisches Horrorthema, mannigfach interpretiert. Horror- und Anthologiefans kommen voll auf ihre Kosten.

(eh)

Ein Kommentar zu Geisterspiegel Anthologie 6 – Dark Place

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