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Die Gespenster – Zweiter Teil – Sechzehnte Erzählung

Die Gespenster
Kurze Erzählungen aus dem Reich der Wahrheit von Samuel Christoph Wagener
Allen guten Schwärmern, welchen es mit dem Bekämpfen und Ablegen beunruhigender Vorurteile in Absicht des Geisterwesens ernst ist, liebevoll gewidmet von dem Erzähler Friedrich Maurer aus dem Jahr 1798
Zweiter Teil

Sechzehnte Erzählung

Erscheinung eines zitierten himmlischen Geistes, der Hebräisch sprach. Kein optischer Betrug. Mit einem Anhang.

X., ein vornehmer Mann, der mich einiger Vertraulichkeit würdigte, glaubte an Geisterbannerei; ich nicht. Er versuchte mich zu belehren; aber seine Gründe waren Gemeinsprüche, zum Beispiel: »… es gibt viel Unbegreifliches«, und dergleichen. Er erzählte mir Beispiele von Swedenborg, Schröpfer, W. in St. und einigen anderen. Ich leugnete oder lachte, bis er endlich sagte: »Ich will Sie zu einem Rabbiner aus England führen, der nicht mit bösen, sondern mit himmlischen Geistern umgeht; zu einem echten Théurgen, welcher nichts mit dem Teufel zu schaffen, sondern auch mich schon einige Mal in die Gesellschaft von Himmelsbürgern versetzt hat.«

X. hatte die Geister gesehen; sie waren erschienen, ohne durch eine Öffnung der Wand in das Zimmer zu kommen, und ebenso wieder verschwunden. Er hatte mit ihnen geredet. Weil aber im Himmel nur Hebräisch gesprochen wird, so hatte ihm der Théurge als Dolmetscher gedient.

Nun durfte ich nichts mehr einwenden, ich bat nur untertänig, mich auch des Glücks teilhaftig zu machen, und es wurde mir gewährt.

X. führte mich zu dem Rabbiner, an dem selbst Lavater das Patriarchengesicht nicht verkennen würde. Ohne Vorurteil hätte ich aus seiner ehrlichen Miene auf einen Schwärmer oder Mystiker geschlossen. Soviel ich merkte, gefiel ich dem Herrn Théurgen nicht sonderlich, doch mochte er Verbindlichkeiten gegen meinen Begleiter haben, denn er ließ sich bewegen, mir sein Beschwörungsbuch zu zeigen. Es war ein Foliant, zierlich und mühsam auf Pergament geschrieben, mit gemalten Figuren der Geister, die sich durch die darunterstehenden Prozesse beschwören lassen. Ich durfte nicht darin lesen, weil es die Geister beunruhige. Außen an dem Buch war an jeder vorderen Ecke des Einbandes ein metallener Ring merkwürdig.

Der Théurge musste sich bequemen, einen Tag zum Beschwören festzusetzen, und mir wurde freigestellt, zu wählen, welchen Geist ich sehen wolle. Als ich mit der Wahl zauderte, gab mir der Rabbiner das Buch, um es aufzuschlagen, und der Geist, der auf dem Blatt stehen würde, sollte erscheinen. Alles schien so ganz unabsichtlich und hatte doch seinen guten Grund. Sieben Tage durften wir nichts essen. Den ganzen Tag vor der Beschwörung musste ich bei X. zubringen, also fasten, und noch dazu auf Ehre und Glauben versprechen, mich bei der Handlung ruhig zu verhalten, nichts anzufassen, mich nicht von der Stelle zu bewegen, nicht zu reden, mit einem Wort, nichts zu tun, als das, was der Théurge wollte. Alles Einreden half nichts; er blieb unbeweglich, und ich konnte diesen Eigensinn nur mit der Furcht vor gedrohten Übeln erklären.

Abends um zehn Uhr gingen wir in ein entlegenes Haus, in dem ich noch nie gewesen war. X. sagte, es sei an der Lage des Zimmers viel gelegen, und man habe deswegen eine besondere Kammer in diesem Haus mieten müssen. Alle Vorbereitungen geschahen in möglichster Stille und Feierlichkeit. Es war niemand mehr zugegen, als wir drei. Der Beschwörer in einem schwarzen Rock von Damast, mit einem groben weißen Tuch über den Schultern, empfing uns an der Tür in der Stellung, wie man einen Besuchenden zum Kranken lässt, der eben schläft, leise, mit vielbedeutender Miene und einem düsteren Gemurmel, als ob er innerlich bete.

Im Vorzimmer mussten wir alles Metall ablegen und nochmals Gehorsam und Stille geloben. Ich betrachtete alles genau, fand aber auch nicht den geringsten Anlass, Betrug, zum Beispiel eine verdeckte Tür oder etwas dergleichen zu vermuten. Ich betrachtete das Zauberbuch und sah, wie die seidene Schnur, von der ich gleich reden werde, in die zwei Ringe gehängt war.

Das Zimmer, worin der himmlische Geist zitiert wurde, war eine Kammer ohne Ofen, ein längliches Viereck, etwa 28 bis 30 Schuh lang, und kaum halb so breit, mit einer einzigen Tür und einem Fenster, keine Tapeten, eine geweißte Wand, bloß mit einem gemalten Lambris, der etwas höher als drei Schuh an der Wand herumlief. Der Fußboden war gedielt, und zwar so, dass man durch ihn keine Öffnung vermuten konnte. Beim Eintritt durch die Tür erblickte man zur rechten Hand das Fenster, dicht an der Wand zur Linken einen nicht zugedeckten Tisch mit vier Füßen. Auf demselben stand ein kleines, offenes Pult, und darauf lag das Zauberbuch. Vor dem Tisch sah man einen auf eine Pergamenthaut gezeichneten Kreis mit bunten Charakteren; vor diesem einen Streifen Pergament, ebenfalls bemalt, worauf der Beschwörer hin und her ging; einen dergleichen Kreis gerade der Tür gegenüber, auf dem wir Zuschauer standen; eine Reihe Stühle zwischen beiden Kreisen, von denen der Théurge beim Aufunszugehen allezeit den mittelsten aushob und wieder in die Lücke setzte; eine blaue seidene Schnur, welche mit den zwei Enden, in die zwei Ringe des Buchs mit kleinen Haken eingehängt war und welche durch verschiedene Rollen in zwei Parallellinien über die Decke bis zu unserem Kreis reichte und etwa fünf Schuh hoch von der Erde endete. Auf dem Fußboden standen sieben Leuchter mit brennenden Wachskerzen.

Der Théurge ließ uns in den Kreis der Tür gegenüber treten, den wir bis ans Ende nicht verließen. Er selbst kniete vor dem Buch nieder, fing die Beschwörung mit jüdischem Halbgesang an und machte allerlei Grimassen.

Nachdem dieses etwa eine halbe Stunde gedauert hatte, ging er in den Kreis vor den Tisch und hielt sich da wieder ebenso lange mit Singen und Beten auf. Darauf drehte er sich gegen uns, öffnete durch einen Stuhl die Schranken und kam in unseren Kreis. Er ließ uns niederknien, mit dem Gesicht gegen das Fenster, ergriff die Zauberkette mit einem starken Zug, gab sie uns dann in die Hände, befahl, sie festzuhalten, und hielt sie auch selbst mit.

Nachdem er nun wieder gebetet hatte, legte er die Hände auf unsere Köpfe, kniete selbst nieder, mit dem Gesicht gegen die unsrigen, legte unter fortdauerndem Gebet seine Linke fest an mein rechtes Ohr, die Rechte an meines Begleiters linkes Ohr und drückte unsere Köpfe fest zusammen, doch so, dass ich das rechte Auge frei behielt und Tür und Fenster beobachten konnte.

Nach einer Pause nahm er die Kette aus unseren Händen und befahl uns, aufzustehen. Nun vernahmen wir deutlich ein sanftes Geräusch hinter uns, verspürten einen unangenehmen Geruch und hörten einige helle Glockenschläge wie von einer Repetieruhr.

Ich entsetzte mich in diesem Augenblick etwas. Tür und Fenster hatte ich immer genau beobachtet, keine andere Öffnung schien mir möglich, und wegen der Possen glaubte ich, dass aus der ganzen Sache nichts werden würde. Nun spürte ich auf einmal ein viertes lebendiges Wesen in der Kammer und stutzte. Der Théurge merkte das gar wohl. Um mich nicht zur Erholung kommen zu lassen, redete er den Geist an, noch ehe wir ihn sehen konnten, und der antwortete, aber nicht Hebräisch, sondern Jüdisch. Die himmlischen Geister werden doch wohl rein Hebräisch reden? Ich erholte mich geschwind von meinem Schrecken und würde den Geist beim Kragen erwischt haben, wenn mich nicht mein Versprechen und die Neugierde auf das Weitere abgehalten hätten.

Wir durften uns nun umdrehen, der Beschwörer ging aus unserem Kreis in den seinen, und der Geist stand vor ihm zwischen diesem Kreis und dem Tisch. Die Figur war ganz so, wie ich sie in dem Buch gesehen hatte: ein Knabe von etwa dreizehn Jahren, mit einem weißen langen Hemd, im Gesicht und an den Händen und Füßen rötlich, vermutlich trocken mit Bolus gefärbt.

Das Gespräch des Geistes und des Théurgen war, soviel ich merken konnte, ein jüdisches Gebet, von dem einer um den anderen ein Gesetz herbetete oder sang. Mitunter mochte wohl der Beschwörer dem anderen Anweisungen zusingen, wie er sich gebärden sollte; denn das Gespräch wurde lebhaft, und der Geist fing an, mit den Füßen zu trippeln, als ob er den Kreis überschreiten wollte. Der Théurge kam ganz bestürzt in unseren Kreis und bat, uns nur einen Augenblick zu entfernen. Wir sollten gleich wieder eingelassen werden und uns erlaubt sein, dem Geist Fragen vorzulegen.

Mein Herr College, ob er gleich schon mehreren Erscheinungen beigewohnt hatte, schwitzte große Tropfen und zog mich zur Tür hinaus. Ich besann mich jedoch bald, riss mich von X. los und ging zurück in das Zimmer, fand aber alles in der besten Ordnung, nur der Geist war weg, und der Théurge löschte die Lichter aus. Er sagte, der Geist sei im Zorn über mich verschwunden, und wolle vor mir nie wieder erscheinen, weil ich sowohl die sieben Tage nicht mäßig gelebt als auch während der Erscheinung böse Absichten auf ihn gehabt hätte.

Mein Gönner X., der gewiss nicht mit dem Théurgen im Verständnis war, wurde mir deswegen feind.

Ich erkundigte mich unter der Hand nach dem Beschwörer bei seinen Glaubensgenossen. Sie kannten ihn nicht als Rabbiner, nur als einen stillen Privatmann, der seine Religionspflichten genau erfülle, der aus England gekommen sei und ohne einiges Gewerbe von eigenen Mitteln lebe.

Ich sah selbst einen Knaben am dritten Ort, der mir der nämliche schien, der den Geist vorgestellt hatte. Ich konnte aber nicht allein mit ihm sprechen, und meine ferneren Nachforschungen wurden durch meine Abreise unterbrochen. Hier ist meine Erklärung dieser auf baren Betrug hinauslaufenden Erscheinungsgeschichte:

Das stille melancholische Wesen dieses Betrügers dient mehr zu seiner Sache, als Wind machen und Geräusch. Es führt den Verständigen mehr auf Schwärmerei als auf die Vermutung seines Betrugs. Ein Mensch, der sich bis zum Enthusiasten verstellen kann, verfehlt seinen Zweck fast seltener, als der Enthusiast, der von ganzem Herzen handelt. Es ist nicht zu vermuten, dass der Beschwörer alle Geister im Vorrat hat, die in dem Buch gemalt sind, doch lässt er es, dem Anschein nach, ganz gleichgültig aufschlagen. Seine Gleichgültigkeit ist Gewissheit, dass kein anderer Geist, als den er will, aufgeschlagen werden kann. Fast eben so, wie man bei manchen Kartenkünsten nur die Blätter ziehen kann, welche der Künstler gezogen haben will.

Das siebentägige Kasteien und Vorbereiten scheint zwar nur Grimasse, um das Werk feierlicher zu machen; allein es kann auch dazu dienen, dass der Zauberer seinen Mann in der Zeit ausstudiert. Das Fasten am letzten Tag ist gewiss nicht ohne Absichten. Der Zuschauer kann sich keinen Rausch antrinken, der ihm Mut macht, und durch das Fasten wird er kleinmütig und empfänglicher für das Wunderbare und Tragische.

Das feierliche Versprechen, sich nicht zu rühren, wird nicht allezeit gefordert. Mein Begleiter hat es vordem nie ablegen müssen. Ich allein war also dem Mann so verdächtig, dass er es für notwendig hielt. Und wer weiß, was er mit X. darüber gesprochen hat. Wäre X. nicht von der Gewissheit der Sache überzeugt gewesen, so hätte er nicht darauf gedrungen, mich zuzulassen. Er wollte aber auch mich überzeugen, und nur die schreckbaren Folgen, die der Zauberer ihm prophezeite, bewogen ihn, mir das Versprechen abzunehmen.

Das Vorgeben, dass das Zimmer wegen der Lage nur zu dieser Handlung gemietet sei, soll den Verdacht benehmen, als ob ein besonders zubereitetes Zimmer zum Zitieren der Geister erfordert werde, und die Vermutung veranlassen, dass jedes Zimmer dazu gebraucht werden könne, wenn es nur nach der Himmelsgegend liegt, die er als erforderlich angibt.

Die stille feierliche Vorbereitung, die Kreise, das Beschwörungsbuch, die Kerzen, das lange Gebet, die Verzerrungen des Gesichts, dies alles sind bekannte Kunstgriffe, Schrecken und Erwartung zu erregen. Die Forderung, alles Metall abzulegen, ist weise Vorsicht, den Zuschauer zu entwaffnen.

Der Théurge konnte mir leicht erlauben, das Zimmer vorher zu untersuchen. Denn da ich noch gar nicht wusste, welche Stellung er uns anweisen würde, konnte ich nicht sogleich auf das Wahre fallen.

Dass die Kammer keine andere Öffnung hat, als nur eine Tür und ein Fenster, die der Zuschauer immer im Blick behält, macht ihn nicht nur sicher, dass der Geist da nicht heimlich herein kann, sondern heftet auch seine Aufmerksamkeit hauptsächlich auf diese zwei vom Schauplatz entfernten Öffnungen. Die Reihe Stühle soll auf jeden Fall den Verwegenen wenigstens so lange aufhalten, bis die Schnur wieder in Ordnung gebracht ist.

Man merke sich den Tisch, auf welchem das Buch liegt. Hinter dem Tisch ist in der Wand ein Schieber oder eine Falltür, ebenso bemalt und ebenso hoch wie der Lambris. Hinter dem Schieber ist ein Loch in der Mauer, wo ein Mensch durchkriechen kann. Die zwei hinteren Füße des Tisches passen gerade auf die zwei Fugen, in welchen der Schieber läuft. Oben an dem Schieber sind zwei kleine Ringe hinter dem Pult, und also nicht zu sehen. Während der Beschwörung nimmt der Zauberer die zwei Haken unbemerkt aus den Ringen an dem Buch und hängt sie in die Ringe des Schiebers ein, sodass diese nun mittelst der seidenen Schnur geöffnet werden kann.

Wenn der Beschwörer mit den Zuschauern zugleich im Kreis, der Tür gegenüber, steht, und diese das Gesicht gegen das Fenster kehren müssen, so fasst er sogleich die Zauberkette heftig an und zieht also den Schieber auf, der ganz locker in den Fugen laufen muss, damit man nichts hört. Hierauf lässt er die Zuschauer niederknien und die Kette, die er auch selbst mithält, festhalten, dass das Loch offen und alles in Ordnung ist. Das kann er gut sehen, weil er steht, und über die zwei Knienden hinwegschaut. Dann lässt er die Ketten in ihren Händen, kniet ebenfalls nieder und fasst die Ohren der Zuschauer. Dieses Andrücken der Ohren soll, nebst dem lauten Gebet, nicht nur verhindern, dass man das Geräusch nicht hört, so der Geist etwa beim Hereinkriechen machen könnte, sondern es bewegt auch den Misstrauischen, seine Aufmerksamkeit auf die Tür zu richten, weil es scheint, als ob der Beschwörer durch das Anlegen der Hände dorthin zu sehen verhindern will. Dass der Beschwörer entfernt ist von der Stelle, wo der Geist erscheint, macht die Sache nicht nur wunderbarer, sondern geschieht auch darum, dass er das Umschauen verhindern kann; wiewohl auch die Reihe Stühle die Knienden schon hindert, zu beobachten, was darunter vorgeht.

Man könnte glauben, dass es kürzer sei, wenn der verstellte Geist den Schieber selbst von außen aufzöge, allein der Kunstgriff mit der Kette ist viel sicherer. Der Beschwörer müsste ein Zeichen geben, und das Klopfen ist schon aus dem Spiel, wo die Verstorbenen zitiert werden, zu bekannt. Der Geist, zumal wenn er ein Knabe ist, könnte auch das rechte Tempo zum Erscheinen verfehlen. Übrigens hat der Beschwörer auch noch den Vorteil dabei, dass er die Zuschauer mit etwas beschäftigt, das ihre Aufmerksamkeit von dem Ort abzieht, wo der Geist herkommt, und dieser kann auch mit wenigerem Geräusch hereinkommen.

Dass der Geist nur Hebräisch redet, geschieht darum, damit die Zuschauer nicht selbst mit ihm zu reden anfangen, damit er sich nicht in den Antworten verrät und seine Schwäche entdeckt, wenn er dumm ist, wie dieser war. Das Rotfärben macht den Geist unkenntlich.

Dieses Mal hieß uns der Zauberer hinausgehen, weil ich ihm verdächtig war und er beim Abschied genauere Beobachtungen oder Gewalt befürchtete.

Mein Begleiter sagte mir, dass der Geist sonst ebenso und unter den nämlichen Zeremonien, wie er erschienen war, wieder abgegangen sei. Das mochte ihm der Rabbiner singend gesagt haben, dass er sich gleich retirieren sollte, wenn er uns hinausführen würde.

Die Ursache des Zorns des Geistes war ganz gut ausgedacht. Das konnte der Mann wohl denken, dass ich mir, um seiner Possen willen, in sieben Tagen nichts abgebrochen hatte; und dass ich den Geist gern erwischt hätte, sah er mir am Gesicht an.

So und auf tausend ähnliche Arten gaukeln die Betrüger, welche so gern für Herren der Geister gehalten werden möchten. Viel gewöhnlicher sind aber diejenigen Geistererscheinungen, welche der missbrauchten Optik, namentlich dem Hohlspiegel und der Zauberlaterne, ihre Täuschungen verdanken. Hier kann der Künstler auf vielfache Art abwechseln und den Zuschauer hintergehen, zumal wenn die Elektrizität damit verbunden wird. Mithilfe der Letzteren wurde einst ein zwar beherzter, aber unvorsichtiger Zuschauer, der den erschienenen Geist – ein von einer Rauchsäule aufgehängtes Bild der Zauberlaterne – mit seinem Degen durchbohren wollte, vom elektrischen Schlag betäubt zu Boden geworfen.

Die gefahrvollste Art des Geisterzitierens ist die, wenn man den Zuschauer durch betäubendes Räucherwerk gleichsam berauscht und mittelst der Einbildungskraft Bilder in ihm hervorruft, welche außer ihm gar nicht da sind.

»Es gibt Schurken«, sagt Herr Professor Halle, »welche über Schierling, Bilsenkraut und dergleichen heißes Wasser gießen, und auf diese Art Menschen durch ein tödliches Dampfbad auf Lebenszelt vergiften. So haben sie dann die Ehre, niederträchtige Geistergaukler zu sein, indem sie Theosophie affektieren, in der Tat aber durch dicke, narkotische Giftdämpfe, die weit gefährlicher als verschluckte Gifte sind, die Mörder der Leichtgläubigen werden.«

Überhaupt können meine Leser versichert sein, dass Sie in den Händen eines gewissenlosen Künstlers sind, wenn er Sie erst vorbereiten muss, um Ihnen Geister zeigen zu können. Wer Ihre Augen erst durch schreckvolle Zaubereien, Anstrengung und Wachen, durch das Drücken auf die empfindlichen Teile des Körpers, durch Salben, Speisen und Getränke oder durch Fasten, Räucherwerk, Versetzung Ihrer Seele in einen lebhaften Schwung oder endlich durch Abspannung aller Kräfte, die Fantasie allein ausgenommen, und durch Erhitzung einer Leidenschaft – ich sage, wer durch dergleichen oder ähnliche Mittel Sie erst für den Anblick eines geistigen Wesens empfänglich machen zu müssen vorgibt, der will dadurch unfehlbar Ihrer Fantasie sich bemeistern, um Sie zu täuschen. Gewiss hat Schröpfer schon dadurch, dass er Wachen, Fasten oder den Genuss gewisser Speisen und Getränke von seinen Zuschauern forderte, sich als einen Betrüger gebrandmarkt. Merkwürdig ist in dieser Hinsicht die Unterredung, welche ein aufgeklärter Reisender mit diesem berüchtigten Geisterbeschwörer hatte. Der Betrüger versprach, nachdem ihm der Reisende seinen gänzlichen Unglauben an seine Wunder bezeigt hatte, ihn dadurch zu überzeugen, dass er einen jeden, wenn er wolle, Lebende oder Tote zitieren werde. Der Reisende bat sich seinen Vater aus. Sogleich wurde er bis Mitternacht in sein Zimmer eingesperrt. Alle Menschen wurden von ihm entfernt. Schröpfer selbst erschien nicht zur bestimmten Zeit, sondern ließ einige Stunden voll Angst und banger Erwartung auf sich harren. Endlich trat er herein und kündigte jenem an, dass er vor allen Dingen, um sich zu erholen und zu stärken, von einem Trank, den er ihm reichen werde, trinken müsse. Der Reisende, der den Zweck dieses Getränkes ahnte, weigerte sich so lange zu trinken, bis Schröpfer versicherte, dass eher aus der Sache nichts werde, weil er sonst den Anblick nicht aushalten könne und unwiederbringlich verloren wäre. Nun trank er, und die Beschwörung fing an. Der Reisende sah wirklich seinen Vater und war am Ende sogar genötigt, den Betrüger zu bitten, dass er das Bild entfernen möchte.

»Sind Sie nun überzeugt?«, fragte Schröpfer voll Stolz.

»So wenig wie je zuvor«, erwiderte der aufgeklärte Mann, »denn wenn Sie wirklich meinen Vater zitieren könnten, so hätten Sie nicht nötig gehabt, mich vorher wahnsinnig zu machen!«

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