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Paraforce Band 32

C. C. Slaterman
Paraforce 32
PUYATHAK
Teil 1
Dunkle Zeichen

»Merde!«

Serge Garniers Hände krallten sich so fest um das Steuerhorn der Piper, dass die Knöchel fast weiß unter der sonnengebräunten Haut hervortraten.

Schweißperlen glitzerten auf seiner Stirn.

»Merde!«, fluchte der Pilot erneut, während seine Blicke regelrecht über die Bedienelemente des Cockpits flogen.

Doch wohin er auch sah, Fahrtmesser, Variometer, Kurskreisel oder Kompass, überall waren nur noch blinkende Lämpchen und Instrumentenzeiger zu sehen, die sich scheinbar mit Lichtgeschwindigkeit um die eigene Achse drehten. Verzweifelt versuchte Garnier, die PA 34 auf Kurs zu halten, während draußen die Hölle tobte.

Donner grollte, Blitze zuckten.

Ein gewaltiger Tropensturm, der scheinbar aus dem Nichts heraus entstanden war, hatte das Flugzeug gepackt und ließ die kleine Maschine wie ein junges, bockiges Pferd über die Wolken hüpfen. Der heftige Wind schleuderte den Regen ununterbrochen gegen das dünne Blech der Flugzeughülle.

Immer wieder überzogen unzählige Blitze den Himmel mit einem schwefelgelben Netz, während kurz darauf der nachfolgende Donner selbst das Innere der Piper bis in den hintersten Winkel hinein mit seinem Grollen erfüllte.

Jean-Pierre LeGrand, seines Zeichens Professor der Archäologie an der Universität Lumiere in Lyon und einer der drei Passagiere, saß dennoch seelenruhig auf seinem Sitz. Er hatte die Beine übereinandergeschlagen und blätterte in einem abgegriffenen Notizbuch, als würde ihn das Inferno, das um ihn herum tobte, nicht im Geringsten stören.

Pascal Dubois, sein junger Assistent hingegen, der auf der Sitzbank vor ihm Platz genommen hatte, kauerte wie das personifizierte Elend am Fenster und hielt eine Kotztüte in der Hand, die er, wie für jedermann deutlich sichtbar war, schon mehr als nur einmal benutzt hatte.

Keiner von beiden sagte etwas, aber das war auch nicht nötig.

François Moreau, der dritte im Bund der Passagiere, führte schon seit geraumer Zeit das große Wort. Moreau, ein untersetzter, glatzköpfiger Buchhaltertyp, der als Rechnungsprüfer in jener Universität angestellt war, die LeGrands wissenschaftliche Arbeiten finanzierte, besaß ein Organ, das selbst den Schallpegel eines startenden Jumbojets übertraf.

»Das, Monsieur Garnier, wird Sie noch teuer zu stehen kommen!«, donnerte er gerade und fuchtelte dabei mit beiden Händen so wild in der Luft umher, als wollte er jeden Moment losfliegen. »Sobald wir wieder festen Boden unter den Füßen haben, werde ich dafür sorgen, dass dies Ihr letzter Flug war.« Drohend schüttelte er die Faust in Richtung Cockpit. »So etwas Unverantwortliches wie Sie ist mir in meinem ganzen Leben noch nicht untergekommen. Wie konnten Sie es nur wagen, mit dieser Sardinenbüchse loszufliegen, obwohl Sie genau wussten, dass da draußen ein ausgewachsener Zyklon auf uns wartet?«

»Einen alten Scheiß wusste ich«, meldete sich Garnier aus der Pilotenkanzel. Seine Stimme klang seltsam gepresst.

»Diesen Sturm da draußen darf es eigentlich gar nicht geben. Er ist weder auf meinem Wetterradar, noch weiß jemand im Flughafen von Nouméa irgendetwas davon, sonst wäre ich gar nicht losgeflogen. Aber vielleicht können Sie mir ja erklären, woher er so plötzlich gekommen ist. Wenn nicht, empfehle ich Ihnen, Ihr großes Maul zu halten und mich einfach meine Arbeit machen zu lassen. Sonst könnte es nämlich sein, dass wir überhaupt keinen festen Boden mehr unter die Füße bekommen. Also setzen Sie sich wieder hin und halten verdammt noch mal endlich Ihre Schnauze.«

Moreau pumpte wie ein Maikäfer, der auf dem Rücken lag, während LeGrand belustigt die Augenbrauen hochzog.

»Monsieur Garnier hat recht, wir sollten ihn jetzt besser nicht stören.«

Moreaus Kopf ruckte herum.

Selbst ein Blinder hätte gesehen, dass er kurz davor war, zu explodieren. Aber dazu kam es nicht mehr.

Ein riesiges Flechtwerk aus Blitzen, gigantischer als alles, was LeGrands Augen jemals zuvor erblickt hatten, zuckte über den Himmel, der inzwischen eine giftgrüne Farbe angenommen hatte. Für die Dauer einer Millisekunde spannte sich vom Höhenruder am hinteren Teil der Piper bis nach vorne zur Pilotenkanzel ein gleißender Lichtbogen. Eine seltsame, knisternde Spannung erfüllte die Luft, dann schlug der Blitz in eines der Triebwerke ein.

Der Himmel schien plötzlich zu brennen.

Geblendet schloss der Archäologe für einen Moment die Augen.

»Systemausfall!«, hörte er Garnier noch plärren, dann überschlugen sich die Ereignisse.

Die Piper begann, wie ein Betrunkener zu schwanken, und im Innern der kleinen Maschine wurde es schlagartig dunkel. Gleichzeitig war durch die Fenster auf der rechten Seite zu sehen, wie dort Flammen aus der Tragfläche schlugen.

Alle schrien durcheinander, Moreau, Dubois und Garnier.

Lediglich LeGrand, der als Archäologe und Altertumsforscher sowieso eine etwas andere Einstellung zum Leben und vor allem zum Tod hatte, blieb die Ruhe selbst. Er konnte nicht verstehen, warum sich die anderen so aufführten, denn an ihrer Situation war doch sowieso nichts mehr zu ändern.

Seufzend drehte er den Kopf und blickte aus dem Fenster.

Aber nur für die Dauer eines Atemzuges, dann verlor auch er die Beherrschung.

Instinktiv öffnete LeGrand den Mund, während seine Augen so groß wie Spiegeleier wurden.

Schweißperlen überzogen seine Stirn und sein Herz begann zu rasen.

»Nein«, durchzuckte es ihn. »Das ist nicht wahr, das kann …«

Der Archäologe schloss die Augen, zählte im Stillen bis drei und starrte danach erneut durch das Fenster, während das Flugzeug immer mehr an Höhe verlor. Doch das Bild, das sich ihm bot, war immer noch das gleiche.

LeGrand hatte das Gefühl, verrückt zu werden.

Von dem Orkan war keine Spur mehr zu sehen.

Kein Wind und kein Regen, kein Donner und auch keine Blitze, stattdessen strahlender Sonnenschein, blaues Wasser und ein Stück baumbewachsenes Land im Meer, das dort eigentlich gar nicht sein durfte. Aber bevor er sich darüber weiter den Kopf zerbrechen konnte, sprang ihnen die Insel mitsamt ihrem undurchdringlich scheinenden Blätterdach förmlich entgegen und machte jeden weiteren Gedanken zur Makulatur.

Der nachfolgende Aufprall war fürchterlich.

Die Piper krachte so hart auf die Erde, dass LeGrand das Gefühl hatte, in der Mitte auseinanderzubrechen. Das Fahrwerk brach weg und der Rumpf schlitterte Funken sprühend über den Boden, bis ihn irgendetwas abrupt stoppte.

LeGrand knallte mit dem Kopf gegen das Fenster, danach versank die Welt in Dunkelheit.


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