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Sir Henry Morgan – Der Bukanier 11

Kapitän Marryat
Sir Henry Morgan – Der Bukanier
Aus dem Englischen von Dr. Carl Kolb
Adolf Krabbe Verlag, Stuttgart 1845

Elftes Kapitel

Kurzer Bericht über den Zustand von Barbados – Morgan macht sich nützlich und wird zu etwas mehr als einem Schweinehirten befördert. – Die weißen Sklaven zetteln eine Verschwörung an, die aber fehlschlägt und ihre Züchtigung zur Folge hat.

Wir müssen nun auf einen anderen Gegenstand übergehen und eine neue Person einführen – eine Person von derselben historischen Wahrheit wie Henry Morgan und Owen Lywarch, der nun stets Joseph Bradley genannt werden wird. Zur Zeit, als Morgan seine Lage verbessert hatte, langte in Carlisle Bay das gute Schiff Achilles, Tonnenlast dreihundertfünfzig und von Mr. Thomas Crowder kommandiert, von London an. Es hatte auch einen Obristen Thomas Modiford an Bord, der, weil in England seine Mittel seinem Ehrgeiz nicht entsprachen und ihm die Wendung der politischen Angelegenheiten in jenem unglücklichen Land zuwider war, wie viele andere mannhafte Geister herausgekommen war, um ein besseres Glück in einer jüngeren Welt zu suchen.

Obrist Modiford hatte Geld und Güter mit sich gebracht und kaufte kurze Zeit nach seiner Ankunft dem Major William Hilliard die Hälfte seiner gut bewirteten und blühenden Pflanzung ab. Seine Erwerbung bestand aus »fünfhundert Acres Land mit einem großen Wohnhaus, einem Ingenio, das in einem vierhundert Quadratfuß großen Raum stand, einem Siedhaus, einem Magazin, Zisternen und Brennerei, einem Boardinghouse, hundert Fuß lang und vierzig Fuß breit, Ställen, einer Schmiedeesse, Räumen, um Mais und Bonavist aufzubewahren, Hütten für Neger und indianische Sklaven, sechsundneunzig Negern und drei Indianerfrauen nebst ihren Kindern, achtundzwanzig Christen, fünfundvierzig Stück Zugvieh, acht Milchkühen, einem Dutzend Pferden und sechzehn Assinigoes.«

Das Ingenio ist die Zuckermühle des heutigen Tages, die Assinigoes aber sind Maulesel. Für diesen Kauf erlegte er tausend Pfund bar und weitere sechstausend in halbjährigen Raten.

Obrist Modiford war kein gewöhnlicher Charakter. Seine Ankunft unter den Pflanzern übte bald einen bedeutsamen Einfluss aus. Man kann wohl sagen, dass er der Rührigkeit und dem Unternehmungsgeist der barbadischen Gesellschaft neuen Schwung gab. Er war der Erste, der gegen seine weißen Diener einen christlicheren Sinn zeigte. Er ließ bessere Wohnungen für sie bauen, gab ihnen zweimal wöchentlich Fleisch, gestattete ihnen samt und sonders gute Hängematten und ließ aus England warme Flanellröcke, wie sie in den Spitälern getragen werden, kommen, weil er bemerkte, dass ihre Leinwandkleider stets mit Schweiß getränkt waren, wenn sie erschöpft von der Arbeit nach Hause kamen. Sie wechselten dann ihren Anzug und legten sich in ihren Hängematten zur Ruhe nieder, ohne besorgt zu sein, dass die Erkältung ihre Leiber mit Krankheit schlug. Desgleichen gestattete er jedem eine viertel Pinte Rum, welcher damals nicht unter diesem Namen bekannt war, sondern Teufelstöter genannt wurde und nicht nur als angenehmes Getränk, sondern auch als Arznei in hohem Ruf stand, da ihn die Ärzte im Allgemeinen für fast alle Krankheiten, welche den Negern und den unglücklichen Christensklaven zustießen, verordneten.

Über dieses geistige Getränk spricht sich ein zeitgenössischer Schriftsteller folgendermaßen aus: »Die Diener kommen abends erhitzt und schwitzend nach Hause, setzen oder legen sich nieder und müssen sich so notwendig erkälten, wodurch bisweilen Krankheiten unter ihnen erzeugt werden. Fühlen sie sich unwohl, so beklagen sie sich bei dem Apotheker der Pflanzung, den wir ›Doktor‹ nennen. Er gibt ihnen jedes Mal ein Kelchglas von diesem Geist. Dies ist unsere dermalige Kurmethode.«

Obrist Modiford verdankte seinen menschenfreundlichen Einrichtungen ungemeine Vorteile, denn von Krankheiten wusste man auf seinem Gut fast gar nichts, und die Arbeit wurde mit heiterer Pünktlichkeit verrichtet. Unter seinen Leuten befanden sich keine Faulenzer und boshafte, hämische Personen. Sein Reichtum mehrte sich ungemein und seine Nachbarn kamen zur Einsicht. Viele machten sich sein philanthropisches Beispiel zunutze, alle aber sahen sich durch die Scham genötigt, bei der Behandlung ihrer Sklaven ein besseres System in Anwendung zu bringen.

Richter Hetherfalls vortrefflich geleiteter und einträglicher Schweinepark konnte der Aufmerksamkeit eines so achtsamen Mannes, wie Obrist Modiford war, nicht entgehen. Seine Erkundigungen über den Gegenstand machten ihn natürlich mit unserem Helden bekannt, den er bald sehr lieb gewann. Bereits war Henrys Los im Vergleich mit dem Geschick seiner Umgebung beneidenswert geworden. Er war jetzt der vertraute Hauptaufseher, und Bradley kam gleichfalls zur Beförderung. Von Hunger, Durst und Leben aufreibender Feldarbeit war keine Rede mehr, und auch in ihrer Kleidung unterschieden sie sich nur wenig von ihrem Gebieter. Wenn es an anderer Gesellschaft fehlte, so setzten sie sich mit dem Friedensrichter und seinem lebensfrohen, etwas wilden Sohn zu Tisch. Sie bezogen ein anständiges Gehalt und erfreuten sich sehr umfassender Vorrechte, obwohl Joseph stets seinem Freund untergeordnet war.

Beide näherten sich nun der Mannheit. Bradley war trotz des tiefen Rots seiner Haut und seiner Haare ein hübscher Bursche mit einem kecken, feurigen Gesicht, das allerdings nicht sehr einsichtsvoll, aber doch gewiss recht gutmütig war. Henry Morgan dagegen konnte ein sehr schöner Mann genannt werden. Obwohl kaum einundzwanzig hatte er doch eine würdevolle Haltung, welche bekundete, dass er zum Befehlen geboren war. Das Klima schien ihm angemessen zu sein, denn er erfreute sich der kräftigsten Gesundheit. Er war bei Weitem der schönste Mann auf der Insel, und wir glauben nicht, dass ihn je ein Mann südlich vom Äquator an persönlicher Schönheit übertraf. Alles betrachtete ihn daher als einen Charakter, der sich mit der Zeit heben musste.

Das Landgut seines Gebieters lag genau halbwegs zwischen der Maxwell und Austin Bay, nicht sehr weit vom südlichen Ufer der Insel, während die Besitzung des Obristen Modiford und mittelbar hinten an die des Friedensrichters stieß. So wirkte also alles zusammen, um den Verkehr zwischen dem Obristen und unseren Helden enger und freundschaftlicher zu machen. Ersterer verstand Morgan augenblicklich und wusste seinen Charakter durchaus zu würdigen. Morgan und Bradley befanden sich nun schon mehr als vier Jahre auf der Insel. Da sich für den gewöhnlichen Termin von sieben Jahren verkauft worden waren, so hatten sie noch eine hübsche Zeit vor sich, um erfahrene Pflanzer zu werden. Bradley erfreute sich der Gegenwart, denn er hatte kein Gelübde zu erfüllen, keine Rachsucht zu befriedigen. Obwohl noch eine lange Zukunft vor ihm lag, so quälte er sich sehr wenig damit, da er nie an sie dachte. Jedermann liebte ihn, und er fühlte sich überglücklich.

Wie sich Morgana allmählich zugunsten des Friedensrichters hinaufhob, war er weit beliebter gewesen als sein Gefährte. Nachdem er aber die Höhe, die er gesucht, erreicht hatte, wurde er zwar mehr als je von seinen Oberen geschätzt, verlor übrigens viel von seiner Popularität bei denen, welche früher seinesgleichen waren und nun so tief unter ihm standen. Der grausame Aufseher Mandeville hasste ihn maßlos. Er war jetzt Morgan untergeben, und obwohl er bitter hassen konnte, besaß er doch weder Verstand noch Mut genug, diese Leidenschaft einen wirksamen Nachdruck zu geben. Er war eine Trunk liebende Bestie, und die Unmäßigkeit erhöhte viel seine natürliche Wildheit. Was ihn betraf, so verdiente der Teufeltöter nicht seinen Namen, den niemand trank mehr davon, als er, und doch wollte er nicht daran zugrunde gehen.

Die einzige Methode, welche Mandeville einfiel, um Morgan zu ärgern, bestand darin, dass er von ihm stets als von dem deportierten Negertreiber sprach. Henry hatte ihn zwar mehrere Male dafür zu Boden geschlagen, aber der Teufeltöter gab Mandeville stets wieder frischen Mut, sich neue Verunglimpfungen zu erlauben.

Henry würde sich vielleicht mit den vielen Züchtigungen, er diesem Mann angetan hatte, begnügt und ihn stets mit Verachtung behandelt haben, wenn diese nicht eines Tages, als er nicht so betrunken war, wie gewöhnlich, von mehreren Gentleman Morgan daran erinnert hätte, dass er die Narbe auf seiner Stirn, das Merkzeichen seiner Sklaverei und der früheren Überlegenheit des Mannes, der ihn damit gezeichnet habe, mit ins Grab nehmen müsse. Dieser Hohn des Toren besiegelte jedoch dessen Schicksal, denn nur wenige haben Morgan je unbestraft beschimpft.

Bei dieser Gelegenheit waren außer Obrist Modiford noch der junge Philipp Hetherfall und sechs andere Pflanzer zugegen, welchen Henry eben eine Verbesserung zu ihrem gemeinsamen Besten vorschlug. Alle hörten ihm nicht nur aufmerksam, sondern achtungsvoll zu. Die schnöde Rede hat den nicht wie gewöhnlich zur Folge, dass der Beschimpfer zu Boden geschlagen wurde. Henry fühlte sich tief – ja bis zu Tränen ergriffen. Dann erzählte er mit der ihm natürlichen Beredsamkeit, wie grausam er und sein Freund von Vagardo geraubt worden und wie achtbar seine Stellung im Leben gewesen sei.

Morgen fand unbedingten Glauben, und alle Anwesenden erklärten, sie wollen ihren Einfluss auf den Friedensrichter benutzen, dass er Mandeville von seiner Stelle entferne. Ja, der junge Squire beteuerte sogar rund heraus, dass es augenblicklich geschehen müsse. Mit stolzer, aber ruhiger Verachtung bat übrigens Henry die Anwesenden, sie möchten es ihm überlassen, sich in dieser Sache zu seinem Recht zu verhelfen. Es sei genug für ihn, sagte er, dass er bei den achtbaren Personen, die er vor sich habe, Glauben finde – das Zeichen auf seiner Stirn sei nicht ganz so schimpflich wie das des Kain, weil er es nicht verdient habe. Wenn die schwarzen und braunen Damen von Barbardos der Ansicht wären, dass es seine Stirn entstelle, so brauche er nur eine Locke etwas tiefer hereinzustreichen. In der Tat war die Narbe kaum bemerkbar, aber dennoch leuchtete sie oft wie lebendige Glut unter der Haut, und er dachte in seinem bösen Herzen, dass nichts als Menschenblut sie je löschen könne.

Mandeville murmelte aus Bosheit heraus, dass er nur seine Pflicht getan habe. Da Morgen, trotz der Würde, die er sich anmaße, doch nur ein verkaufter Verbrecher sei, so könne ihm wohl wieder von seiner Seite eine ähnliche Behandlung zustehen, was ihm gar nicht leidtun sollte.

»Hinaus mit dir, du Hund!«, schrie der junge Philipp, und Mandeville wurde ohne Umstände mit Fußtritten fortgetrieben.

Wir kommen nun zu einer anderen sehr wichtigen Epoche im Leben unseres Helden. Die natürliche Folge der Behandlung, welche Obrist Modiford gegen seine weißen und schwarzen Sklaven übte (denn es wäre bitterer Hohn, wenn man sagen wollte, dass die christlichen Diener keine Sklaven waren), begannen bald augenfällig zu werden. Fast alle Sklaven auf der Insel waren durch seinen Vorgang in günstige Verhältnisse gekommen, aber die Verbesserung ging nur sehr ungleich und in einer Weise vonstatten, dass die Erleichterung, die zwar allerdings anzuschlagen war, doch noch als Grausamkeit erschien im Vergleich mit dem Glück, dessen sich die Angehörigen von Modifords Pflanzung zu erfreuen hatte. Die Brandfackel begann zu wüten, und zwei sehr hochstehende Eigentümer, welche nicht grausamer waren als die übrigen, sahen ihre noch stehende Zuckerrohrernten in Flammen aufgehen. Einer davon, ein Mister Constantine Silvester, verlor auch sein Wohnhaus und sein Ingenio durch das Feuer, während Mister James Holdeupper bloß mit dem Verlust seiner Ernte und seiner Außengebäude davonkam. Wir wollen die Gefühle der Unzufriedenheit, welche damals um sich griffen, durch die Feder eines Augenzeugen schildern lassen und dann in unserer Erzählung fortfahren.

»Einige Herren wurden so grausam und brachten ihre Diener durch maßlose Behandlung und schreckliches Schlagen dermaßen auf, dass diese in Verzweiflung gerieten und sich zusammenrotteten, um an ihren Quälern Rache zu nehmen. Es fand dann unter ihnen ein Verkehr statt, dergleichen man hier nie zuvor gesehen hatte. Da ihre Leiden aufs Höchste gestiegen waren und ihre täglichen gegenseitigen Beschwerden über die unerträgliche Bürde, unter der sie kämpften, über die ganze Insel liefen, so entschlossen sich endlich einige darunter, deren Geister nicht fähig waren, solche Sklaverei zu erdulden, ihre Bande zu zerreißen oder in dem Versuch zu sterben. Sie verschworen sich daher mit einigen anderen ihrer Bekanntschaft, deren Leiden ebenso, wo nicht größer als die ihren waren, und die ihnen an Mut gleichstanden. Auch nahmen sie sich vor, möglichst viele Unzufriedene in das Komplott zu ziehen. Unter dieser Zahl gehörten die meisten weißen Diener auf der Insel.«

Unter die Zahl der Unzufriedenen hätte nun früher auch eine nicht geringere Person gehört wie unser Held Henry Morgan. Doch war dies durch gute Kost, Bevorzugung und Ansehen ganz anders geworden. Als er noch sein Leben unter der unerträglichen Tropensonne in den Feldern dahinschleppte, hätte er sich wohl auch unter die eingeweihten geschlagen. Aber selbst damals besaß er trotz seiner Jugend doch Verstand genug, um einzusehen, dass ein Erfolg an die Unmöglichkeit grenze und vielleicht nicht einmal sonderlich wünschenswert sei, im Falle er sich erzielen lasse. Wären allen Pflanzern pflichtlich die Kehlen durchgeschnitten worden, so hätte eine solche Anarchie eintreten müssen, dass der Gurgelschneiderei kein Einhalt mehr zu tun gewesen wäre. Die ganze Insel wäre eine Höhle von Meuchelmördern und wilden Bestien geworden, während die vielen emanzipierten und blutdurstigen Neger zuletzt die Minderzahl der Weißen ausgerottet haben würde. Aber selbst wenn dies auch nicht so schnell vor sich ging, fand doch die baldige Ankunft englischer Streitkräfte zu gewärtigen, welche durch Strick und Beil das zu Ende brachten, was der Mord versäumt hatte.

Morgana, der alles dies wohl begriff, bot daher alle seine geringe Kraft auf, um von dem übereilten Versuch abzuraten. Die Folge davon war jedoch, dass ihm die Verschwörer nicht trauten und er nicht mehr zu ihren Beratungen hinzugezogen wurde.

Die Sklaven auf dem Besitztum des Friedensrichters hatten sich über sehr viel zu beklagen. Die Aufseher waren grausam und konnten nicht so leicht gebessert werden. Aller allerdings hatten sie es nach dem Vorgang auf der Pflanzung des Obristen viel gemächlicher, aber dennoch sahen sie sich der Beschimpfung, dem Druck und den Schlägen der Treiber ausgesetzt.

Morgan hatte mit alledem nichts zu schaffen, da ihm die allgemeinen Verbesserungen zugewiesen waren. Er entwarf die Pläne, und die Aufseher mussten für deren Ausführung Sorge tragen. Er war letzter Zeit viel im Inneren der Insel auf einer großen gebirgigen Besitzung gewesen, um zu untersuchen, ob sie sich für Weideland und Viehzucht eigne. Nur zwei Tage vor dem Tag zurückgekehrt, »an welchem die weißen Sklaven über ihre Gebieter herfallen, ihnen samt und sonders die Kehlen durchschneiden und so sich nicht nur zu freien Leuten, sondern auch zu Herren der Insel machen wollten.«

Ganz anders verhielt es sich mit Josef Bradley, der einen Haufen Arbeiter unter sich hatte, welche unter seiner Obhut in der Tat recht gut gediehen. Er war stets singend und scherzend unter ihnen, durch seine Ermutigung wurde ihnen die Arbeit leicht. Während unter den trostlosen Sklavenreihen, welche die Zuckerrohrfelder auf der anderen Seite des Gutes mit der Harke bearbeiteten, nichts als Gewinsel und Stöhnen, Fluchen und das Schallen der Peitschen zu hören war, herrschte unter Josefs Häuflein Scherz und Heiterkeit. Sie arbeiteten entweder zum fröhlichen Gesang eines Negers oder hörten der drolligen Erzählung eines Weißen zu. Bradley, der stets der Lauteste im Beifall war, verschmähte es nicht, gleichfalls seinen Anteil zu der Geschichte oder zu dem Lied beizutragen. Er war mehr als geliebt, denn im Gegensatz mit dem Benehmen seiner Kollegen erschien das seine wahrhaft wie das eines Engels.

Am Vorabend des verabredeten Aufruhrs, als sie eben im Begriff war, von der Arbeit abzulassen, bemerkte Josef, dass ein kleiner welscher Deportierte, sonst das lustigste Blut in dem Haufen, ungewöhnlich traurig war. Um die Sache kurz abzufertigen – dieser ließ sich von Bradley das Versprechen der Geheimhaltung geben und teilte ihm dann das ganze Komplott mit, indem er ihm zugleich Rat erteilte, wie er für seine persönliche Sicherheit sorgen könne.

Es war verabredet worden, dass auf sämtlichen Besitztümern um Mitternacht das Gemetzel mit der Ermordung der Aufseher, welche stets vom Pflanzerhaus getrennt schliefen, begonnen werden sollte. Kein Erbarmen sollte gezeigt, keine einzige Ausnahme gemacht werden. Wo nicht genug Leute vorhanden waren, um den Herrn und seine Familie gleichzeitig mit den Aufsehern zu erschlagen, sollten Letztere zuerst abgefertigt werden. Die Neger wollte man nicht beunruhigen. Der Plan war einfach und entschieden.

Wir müssen bemerken, dass dieser verbrecherische Anschlag nicht allgemeine Teilnahme gefunden hatte, aber doch sehr allgemein um sich gegriffen hatte. Sogar unter den fünfundzwanzig Christen auf Obrist Modifords Pflanzung befanden sich drei schändliche, undankbare Seelen, welche sich dem herzlosen Meuchelmord anschlossen.

Ohne sein Versprechen, die Mitteilung geheim zu halten, auch nur einen Augenblick zu beachten, teilte Josef Bradley Morgan mit, was er erfahren hatte. Es war nur wenig Zeit übrig, um von dieser kein Moment zu verlieren. Kavallerie und Infanterie wurden alsbald aufgeboten und rückten ins Feld. Die schnellsten Reiter brachten die Kunde von Pflanzung zu Pflanzung. Sämtliche weiße Diener wurden überwältigt, gebunden, und nicht ein einziges Leben fiel in jener Nacht unter dem Messer der Mitternachtsmörder.

Jeder ohne Ausnahme lobte Morgans schnelles und entschiedenes Handeln. Seine Stimme wurde, wie infolge stillschweigender Zustimmung vonseiten aller Übrigen, die lauteste in den Beratungen. Die von ihm vorgeschlagenen Maßregeln erschienen als die weisesten. Vierundzwanzig Stunden lang war sein Wille weit mächtiger als der des Gouverneurs Philipp Bell. Er hatte für diese Periode die moralische, wenn auch nicht nominelle Gewalt eines Diktators.

Sein Ruhm war groß, und er erhielt von allen Seiten der Insel viele Geschenke. Indessen benahm er sich bei seiner plötzlichen Berühmtheit mit einer Bescheidenheit, welche an einem so jungen Mann wirklich wunderbar war. Auch Bradley wurde in der allgemeinen Freude über das glückliche Entkommen aus einer so plötzlichen und schrecklichen Gefahr nicht vergessen. Man teilte unseren Abenteurern mit, dass außer den freigebigen Geschenken, welche sie bereits empfangen hatten, der Gouverneur und die Ratsversammlung beabsichtigten, sie mit einer ausgedehnten Verleihung auf der Insel zu belohnen. Ihr Deportationsurteil wurde förmlich widerrufen, fortan nahmen sie ihre Stellung unter den Stolzesten der Insel ein.

Aber die Rache der Pflanzer war schrecklich. So viel Ehre man den guten alten Zeiten erweisen mag, und wie mannigfaltige und männliche Tugenden auch unsere Vorväter besaßen, so waren diese Zeiten doch höchst unglücklich und die Temperamente dieser verehrten Vorväter sehr grausam und rachsüchtig. Alle, welche des Komplotts überführt wurden, und viele, die man nur im Verdacht der Teilnahme hatte, wurden gehängt. Auf der Insel gab es nicht eine einzige Pflanzung, auf der nicht einer oder mehrere Verschwörer baumelten. In manchen hatten sogar sehr viele mit dem Leben büßen müssen. Doch verweilen wir nicht länger bei Szenen, welche der Menschheit zu so bitterer Schande gereichen. Die Verursacher derselben vergaßen sie bald. Und da wir Engländer sind, so wollen wir ihrer gleichfalls nicht länger gedenken.