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Sherlock Holmes und die Kombinationsmaschine

Klaus-Peter Walter (Hrsg.)
Sherlock Holmes – Neue Fälle 23
Sherlock Holmes und die Kombinationsmaschine

Historische Kriminalerzählungen, Taschenbuch, Blitz Verlag, Windeck, April 2018, keine ISBN, 254 Seiten, 12,95 Euro, Covermotiv und -gestaltung: Mark Freier
blitz-verlag.de

[…] Das Wissen ist da, aber ich weiß nicht immer, wo. Und ich bin nicht in der Lage, Zusammengehöriges immer und zu jeder Zeit zusammenzuführen. Wenn bestimmte Fakten, sagen wir, in einem Zeitungsausschnitt erwähnt werden, der mit ihnen nicht das Geringste zu tun hat, hängt es oft vom Zufall ab, ob ich sie wiederfinde. […] Es müsste eine Maschine geben, die das gesammelte Wissen archivieren und automatisch kombinieren kann. […]

Aus: Klaus-Peter Walter – Sherlock Holmes und die automatische Kombinationsmaschine

Klaus-Peter Walter: Sherlock Holmes und der Artillerist im Ruhestand

Ein eiliger Klient, der sich als Jagdaufseher Finley Lampard vorstellt, sucht Holmes und Watson in der Baker Street auf. Im Wald seines Dienstherrn hat er einen Totenschädel mit eingeschlagenen Nägeln gefunden, von dem er überzeugt ist, dass er von einem ehemaligen Dienstmädchen stammt, von dem es hieß, sie habe Jahre zuvor die Stellung gewechselt. Vor Ort erregen einige Ungereimtheiten und ungewöhnliche Zufälle das Misstrauen des Detektivs, der schon bald an der Geschichte seines neuen Klienten zweifelt.

Franziska Franke: Sherlock Holmes und die Mumie

Auf die Bitte eines Hotelbesitzers ermitteln Holmes, als Sven Sigerson, und sein Begleiter David Tristram, als Lehrer getarnt, an einer privaten Ingenieurschule in Kairo. Ein Chemielehrer ist dort ohne Ankündigung spurlos verschwunden. Ebenso wie eine Mumie, die sich im Keller des Instituts befunden hat.

Johanna M. Rieke: Sherlock Holmes und der verschwundene Bühnenbildner

Ein Schreiben von Richard D’Oyly Carte, dem Besitzer des renommierten Savoy Theatre, lässt Holmes und Watson den Weg in nämliches Etablissement finden, wo gerade das neue Stück von Gilbert und Sullivan kurz vor der Uraufführung steht. Carters prekäre Lage besteht darin, dass sein Bühnenbildner vor Fertigstellung seiner Arbeit plötzlich verschwunden ist. Holmes und Watson werden bei dessen Vermieterin vorstellig, von wo aus die Spur zu einem zwielichtigen Kunstexperten führt.

Klaus-Peter Walter: Sherlock Holmes und die Kombinationsmaschine

Die genaue Beobachtungsgabe eines Lokführers und der scharfsinnige Schluss, den dieser aus seiner merkwürdigen Beobachtung zieht, bringen Holmes und Watson auf die Spur eines Verbrechens. Die Tochter eines Richters wurde entführt, um so Einfluss auf den bevorstehenden Prozess gegen Bettina Morrison zu nehmen. Angeblich sind fünf Kinder unter der Obhut der jungen Krankenschwester gestorben, obwohl die junge Frau alles daran gesetzt hat, die nahezu menschenunwürdigen Zustände in dem Waisenhaus zu verbessern.

[…] Ein zufriedenes Lächeln huschte über das Antlitz meines Freundes. Schnell ergriff er Mantel, Hut und Stock und verließ die Wohnung. Ich folgte ihm, so schnell ich konnte. Kurz darauf brachte uns ein Hanson zu unserem Ziel. Unterwegs ließ Holmes sich ausgiebig über die Melodieführung in einer Beethoven-Sinfonie aus, doch ich hatte keinen Sinn für seine musikalischen Exkurse. Zu sehr hatte mich angesichts unseres bevorstehenden Abenteuers die Anspannung erfasst. […]

Aus: Johanna M. Rieke – Sherlock Holmes und der verschwundene Bühnenbildner

Nach Sherlock Holmes und die Drachenlady und Sherlock Holmes und der stumme Klavierspieler liegt mit Sherlock Holmes und die Kombinationsmaschine bereits die dritte Sherlock Holmes-Anthologie von Holmes-Spezi Klaus-Peter Walter vor. Dabei ist Walter selbst ein eifriger Autor von Holmes-Geschichten, Romanen sowie Kurzgeschichten, und sowohl im Blitz Verlag als auch bei KBV »zuhause«, von wo er Kollegin Franziska Franke »mitgebracht« hat. Dort hat F. Franke einige Sherlock Holmes-Romane am Start, die in der Zeit nach dem vermeintlichen Tod des Detektivs an den Reichenbachfällen und dessen Wiederauftauchen in London spielen. In dieser Zeit unternimmt er unter dem Namen Sven Sigerson ausgedehnte Reisen, die selbstredend von diversen Kriminalfällen aufgelockert werden. In diese Zeit fällt auch die hier enthaltene Geschichte Sherlock Holmes und die Mumie. Als Appetizer zur genannten Romanserie ist diese gut geeignet, ansonsten eher unspektakulär.

Kollegin Johanna M. Rieke hat bisher vier Sherlock Holmes-Romane im public book media Verlag vorzuweisen, die einen guten Ruf genießen. Auch Sherlock Holmes und der verschwundene Bühnenbildner macht Spaß und gefällt durch den realen Rahmen, das Savoy Theater und das Erfolgsduo der komischen Oper, Gilbert und Sullivan, in dem die Geschichte angesiedelt ist.

Auch Klaus-Peter Walters eigene Beiträge überzeugen auf ganzer Linie und verbreiten schon nahezu das Flair klassischer Kanon-Geschichten. Dabei bietet Sherlock Holmes und die automatische Kombinationsmaschine beinahe zwei Fälle in einem, denn nach der Aufklärung der Entführung gilt es noch, die Unschuld des angeklagten Kindermädchens zu beweisen. Der Titel ist außerdem sehr vollmundig gewählt, wird doch in der Geschichte lediglich die für Holmes wünschenswerte Idee einer solchen Maschine erörtert.

Für das großartige und passende Covermotiv zeichnet wieder Stammgrafiker Mark Freier verantwortlich. Das Buch hat keine ISBN und ist direkt beim Verlag erhältlich.

Fazit:
Eine schöne Sammlung lesenswerter neuer Holmes-Geschichten klassischer Couleur.

(eh)